Das auserwählte Volk

Das auserwählte Volk nach Psalm 105,43


In Psalm 105,43 heißt es:
„So führte er sein Volk heraus mit Freude, seine Auserwählten mit Jubelgesang.“

Dieser Vers fasst die Geschichte Israels in einem einzigen kraftvollen Bild zusammen: Gott selbst führt sein Volk aus der Knechtschaft in die Freiheit – nicht in Angst oder Zwang, sondern in Freude und Jubel. Das Volk Israel wird hier „das auserwählte Volk“ genannt. Gott hat es sich erwählt hat, um in besonderer Weise mit ihm Geschichte zu schreiben.

Diese Erwählung bedeutet jedoch nicht Bevorzugung, sondern Berufung. Israel wurde nicht ausgewählt, weil es größer, stärker oder besser wäre als andere Völker. Sondern Gott hat es aus Liebe heraus gerufen. Im Buch Deuteronomium heißt es: „Nicht weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der Herr euch angenommen und erwählt, sondern weil er euch liebt“ (5. Mose 7,7–8). Erwählung ist also Ausdruck göttlicher Liebe und Treue – und zugleich Auftrag, diese Liebe weiterzutragen.

Psalm 105 erinnert an die großen Taten Gottes: die Verheißung an Abraham, die Befreiung aus Ägypten, die Führung durch die Wüste und den Einzug ins verheißene Land. Diese Geschichte ist nicht nur eine Abfolge von Ereignissen, sondern eine Geschichte des Glaubens und der Treue. Gott steht zu seinem Volk, auch wenn es schwach ist, zweifelt oder versagt. Seine Erwählung bleibt bestehen, weil sie auf seinem Bund beruht – nicht auf menschlicher Leistung.

„Das auserwählte Volk“ ist deshalb ein Zeichen für Gottes bleibende Zuwendung zur Welt. Durch Israel will Gott zeigen, wie er mit den Menschen umgeht. Er ist geduldig, gerecht und barmherzig. Und im Neuen Testament weitet sich dieser Gedanke. Die Erwählung gilt nun allen, die an Christus glauben. So wird das Volk Gottes nicht durch Abstammung, sondern durch Glauben und Liebe bestimmt.

Psalm 105,43 malt ein Bild der Freude: Das Volk singt, weil es die Erfahrung gemacht hat, dass Gott führt, befreit und begleitet. Diese Freude ist die Antwort auf die Treue Gottes. Erwählung heißt also, in Beziehung mit Gott zu leben. Es heißt, sich von ihm führen zu lassen und seine Liebe sichtbar zu machen.

Heute kann dieser Psalm uns daran erinnern, dass auch wir berufen sind, Teil von Gottes Geschichte zu sein. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt, jeder kann in seiner Weise „auserwählt“ sein – dazu bestimmt, Segen zu bringen, Hoffnung zu leben und den Glauben weiterzutragen. Das auserwählte Volk ist daher nicht ein exklusiver Kreis, sondern ein lebendiges Zeugnis: Gott erwählt, um zu segnen – und durch den Segen soll die ganze Welt seine Güte erfahren.

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