Alle Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Psalm 145,15
„Alle Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.“ – Mit diesen Worten beschreibt der Psalmist das tiefe Vertrauen der Schöpfung auf Gott. In Psalm 145 lobt David die Güte und Fürsorge des Herrn, der alles Leben erhält. Der Vers zeigt in wenigen Worten ein Bild großer Geborgenheit: Alles, was lebt, schaut erwartungsvoll auf Gott, und Gott antwortet, indem er zur rechten Zeit versorgt.
Dieses Warten ist kein ängstliches oder passives Warten, sondern ein Ausdruck von Vertrauen. Wie Kinder, die sich darauf verlassen, dass ihre Eltern sie nähren, so vertraut die ganze Schöpfung darauf, dass Gott zur rechten Zeit gibt, was nötig ist. Nicht früher und nicht später, sondern „zu seiner Zeit“ – im richtigen Moment. Dieser Satz ist eine Erinnerung daran, dass Gottes Zeit oft anders ist als unsere. Wir möchten oft sofortige Erfüllung, schnelle Antworten und Sicherheit. Doch Psalm 145 erinnert uns: Gott handelt treu, aber in seinem Rhythmus, nicht in unserem.
Die „Augen“, von denen der Psalm spricht, stehen für Erwartung, Hoffnung und Aufmerksamkeit. Sie richten sich nicht auf sich selbst, sondern auf den Geber des Lebens. In diesem Blick liegt eine Haltung der Demut und Dankbarkeit. Alles Leben hängt von Gott ab – Mensch, Tier und Natur. Jeder Atemzug, jede Mahlzeit, jeder neue Tag ist ein Geschenk aus seiner Hand.
Gott wird hier als ein gütiger Versorger beschrieben, nicht als ferner Richter. Seine Fürsorge gilt allen: „Der Herr ist gut gegen alle, und seine Barmherzigkeit ist über alle seine Werke“ (Ps 145,9). Dieser Vers öffnet den Blick für die Fülle des Lebens, die uns umgibt. Er lädt uns ein, dankbar wahrzunehmen, was wir täglich empfangen – und selbst großzügig zu teilen, so wie Gott teilt.
„Alle Augen warten auf dich“ ist also mehr als eine schöne poetische Zeile. Es ist ein Gebet der Haltung: des Wartens, Vertrauens und Dankens. Es erinnert uns daran, dass das Leben ein Geschenk ist, das wir empfangen dürfen, nicht etwas, das wir uns selbst schaffen. Und es ruft uns dazu auf, selbst zu einem Teil dieser göttlichen Fürsorge zu werden – indem wir anderen geben, was sie brauchen, und so Gottes Güte weitertragen.
Wer diesen Vers betet, richtet seinen Blick neu aus: Weg von Sorge und Mangel hin zu Vertrauen und Dankbarkeit. Denn Gott sieht die wartenden Augen – und er gibt zur rechten Zeit.
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