Die Axt an die Wurzel legen. nach Matthäus 3,10
In Matthäus 3,10 ruft Johannes der Täufer den Menschen zu:
„Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum also, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“
Dieses Bild ist scharf und eindringlich. Johannes spricht zu Menschen, die zu ihm in die Wüste gekommen sind, um sich taufen zu lassen. Doch er warnt sie: Äußerliche Frömmigkeit genügt nicht. Gott erwartet Frucht – sichtbare Zeichen des Glaubens, der Liebe und der Gerechtigkeit. Wer nur schöne Worte macht, aber keine Taten folgen lässt, ist wie ein Baum, der keine Frucht trägt.
Die „Axt an der Wurzel“ ist ein Symbol für Entschiedenheit und Umkehr. Johannes kündigt an, dass Gott nicht an der Oberfläche arbeitet. Er schneidet nicht nur ein paar Zweige ab – er legt die Axt an die Wurzel, also an den Ursprung. Das bedeutet: Es geht nicht um kleine Korrekturen, sondern um eine tiefgreifende Veränderung des Herzens. Wenn die Wurzel verdorben ist, kann der Baum keine gute Frucht bringen.
In geistlichem Sinn fordert Johannes uns auf, ehrlich zu prüfen, was in uns verwurzelt ist: Welche Haltungen, Gedanken und Gewohnheiten bestimmen unser Handeln? Gibt es Wurzeln des Egoismus, der Gleichgültigkeit, des Unrechts? Umkehren heißt, diese Wurzeln zu erkennen und sie zu beseitigen – damit Neues wachsen kann.
Die Axt ist dabei kein Werkzeug der Zerstörung, sondern der Erneuerung. Gott will nicht vernichten, sondern reinigen. Wo Altes und Unfruchtbares entfernt wird, entsteht Raum für neues Leben. So wie ein Gärtner einen kranken Baum beschneidet, um ihn zu retten, so will Gott auch uns verwandeln – durch Wahrheit, Reue und Gnade.
Johannes’ Bild bleibt aktuell. In einer Zeit, in der vieles oberflächlich und bequem geworden ist, ruft uns dieses Wort zu Echtheit. Christlicher Glaube darf nicht nur äußerlich bleiben. Er zeigt sich in den Früchten: im Mitgefühl, in der Gerechtigkeit, in der Bereitschaft zu teilen und zu vergeben.
„Die Axt an die Wurzel legen“ heißt, den Mut zu haben, ehrlich hinzuschauen – in das eigene Herz, in unsere Gesellschaft, in unsere Beziehung zu Gott. Es bedeutet, Missstände nicht zu verschleiern, sondern sie an der Wurzel zu packen. Nur wer wagt, das Alte loszulassen, kann Neues empfangen.
So ist dieser Satz nicht Drohung, sondern Einladung: zur echten Umkehr, zur Erneuerung des Lebens, zu einem Glauben, der Frucht bringt. Gott selbst ist der Gärtner, der uns pflegt – und in seiner Hand wird selbst die Axt zum Werkzeug der Liebe.
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