Etwas ausposaunen

Etwas ausposaunen nach Mt 6,2


In Matthäus 6,2 sagt Jesus:
„Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“

Das Wort „ausposaunen“ hat hier einen bildhaften Sinn. Es meint, etwas laut hinauszurufen, damit es alle hören – also seine guten Taten oder Verdienste öffentlich zur Schau zu stellen. Jesus verwendet dieses starke Bild, um vor einer Haltung zu warnen, die gute Werke nicht um der Liebe willen tut, sondern weil sie Gesehenwerden und Bewunderung will.

Im Hintergrund steht die damalige religiöse Praxis: Almosengeben galt als heilige Pflicht. Manche jedoch machten daraus eine Bühne – sie wollten Anerkennung, Lob und Respekt. Doch Jesus sagt klar: Wer so handelt, sucht nicht Gott, sondern das eigene Ansehen. Das Gute verliert seinen inneren Wert, wenn es zum Werkzeug des Stolzes wird.

Etwas „ausposaunen“ bedeutet also, Eitelkeit über Demut zu stellen. Jesus fordert stattdessen: „Wenn du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“ (Mt 6,3). Er ruft zu einer stillen, aufrichtigen Barmherzigkeit. Wahre Güte braucht keine Zuschauer – sie hat ihren Lohn in sich selbst, weil sie aus Liebe geschieht.

Diese Worte treffen auch heute noch mitten ins Herz unserer Zeit. In einer Welt, die so vieles öffentlich mitteilen und bewerteten will – auf Bühnen, in Medien oder in sozialen Netzwerken – ist die Versuchung groß, gute Taten „auszuposaunen“. Man zeigt, wie man hilft, spendet, sich engagiert – und oft steckt auch der Wunsch dahinter: ‚Ich will gesehen zu werden.‘ Doch Jesus erinnert uns: Das Wesentliche geschieht im Verborgenen. Gott sieht auch das, was kein Mensch bemerkt.

Seine Botschaft ist klar: Wahre Größe zeigt sich in der Stille. Wer gibt, ohne Aufmerksamkeit zu suchen, handelt im Geist Gottes. Wer Gutes tut, ohne Lohn zu erwarten, lebt aus echter Liebe. Und wer nicht sich selbst, sondern Gott in den Mittelpunkt stellt, erfährt den tiefsten Segen – den Frieden eines reinen Herzens.

So lädt Matthäus 6,2 dazu ein, neu über unsere Beweggründe nachzudenken: Warum tue ich Gutes? Suche ich Ehre – oder will ich wirklich helfen? Die Worte Jesu befreien uns von dem Zwang, Eindruck zu machen. Sie führen uns zurück zur Einfachheit des Glaubens: zu einer Liebe, die still wirkt, aber stark genug ist, die Welt zu verändern – auch ohne Posaune.

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