Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns

Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. 1.Joh.2,19


Im 1. Johannesbrief 2,19 heißt es:
„Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber es sollte offenbar werden, dass sie alle nicht von uns sind.“

Diese Worte stammen aus einer Zeit, in der die junge christliche Gemeinde in schwerer Spannung lebte. Es gab Menschen, die sich zunächst zu Christus bekannten, dann aber die Gemeinschaft verließen oder eine andere Lehre verbreiteten. Johannes schreibt diesen Satz, um zu erklären, warum solche Trennungen geschehen – und was sie über die Echtheit des Glaubens aussagen.

„Sie sind von uns ausgegangen“ bedeutet: Diese Menschen gehörten äußerlich zur Gemeinde, aber innerlich standen sie ihr nicht wirklich nahe. Ihr Glaube war nicht getragen von der bleibenden Verbindung zu Christus. Das „Nicht-von-uns-Sein“ meint also keine Ausgrenzung, sondern eine geistliche Unterscheidung: Es geht darum, was Herz und Haltung eines Menschen prägt.

Der Brief des Johannes betont immer wieder die Liebe, die Treue und das Bleiben. Wer in Christus bleibt, bleibt auch in der Gemeinschaft der Glaubenden. Wer sich aber von dieser Liebe löst, verliert die innere Verbindung – selbst wenn er äußerlich noch dazugehört. „Bleiben“ ist das Schlüsselwort im Johannesevangelium und in den Briefen: Bleiben im Licht, in der Wahrheit, in der Liebe.

Dieser Vers ist keine Aufforderung zur Härte, sondern eine Mahnung zur Wahrhaftigkeit. Glaube ist nicht bloß Zugehörigkeit zu einer Gruppe, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott. Nicht jeder, der „dabei“ ist, trägt diese Beziehung im Herzen – und nicht jeder, der geht, ist für immer verloren. Johannes will deutlich machen: Entscheidend ist nicht die Form, sondern das Fundament.

In jeder Zeit gibt es Spannungen, Meinungsverschiedenheiten und Abspaltungen innerhalb des Glaubens. Der Vers erinnert uns, dass solche Dinge geschehen, aber auch, dass sie uns prüfen: Was hält uns wirklich zusammen? Ist es Tradition, Bequemlichkeit – oder die Liebe Christi?

„Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns“ ist damit zugleich ein Ruf zur Treue. Wer in der Wahrheit bleibt, bleibt in Gott – und wer in Gott bleibt, bleibt in der Liebe. Johannes lädt uns ein, unseren Glauben immer wieder zu prüfen: Lebe ich aus der Gemeinschaft mit Christus oder nur aus Gewohnheit?

So ist dieser Satz kein kaltes Urteil, sondern ein ernstes Wort über Echtheit und Beständigkeit. Er ruft dazu auf, im Glauben verwurzelt zu bleiben, in der Liebe zu verharren und in Christus zu bleiben – damit das, was von Gott begonnen wurde, nicht verloren geht, sondern Frucht bringt.

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