Unkraut zwischen den Weizen säen Matthäus 13,25
Der Ausdruck „Unkraut zwischen den Weizen säen“ stammt aus dem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen in Matthäus 13,25. In diesem Gleichnis erzählt Jesus von einem Bauern, der guten Samen auf sein Feld sät. Während die Arbeiter schlafen, kommt jedoch ein Feind und sät Unkraut mitten unter den Weizen. Erst als die Pflanzen wachsen, wird sichtbar, dass beides durcheinander gewachsen ist.
Das Bild beschreibt eine Situation, in der bewusst etwas Störendes oder Schädliches in eine eigentlich gute Ordnung eingebracht wird. Das „Unkraut“ steht dabei sinnbildlich für Kräfte, Einflüsse oder Verhaltensweisen, die das Wachstum des Guten behindern oder verfälschen. Besonders wichtig ist, dass das Unkraut zunächst kaum zu unterscheiden ist – es wächst unauffällig mit und wird erst im Laufe der Zeit sichtbar.
Im Gleichnis reagiert der Bauer nicht sofort mit radikaler Entfernung des Unkrauts. Stattdessen entscheidet er, bis zur Ernte zu warten, um Weizen und Unkraut voneinander zu trennen. Diese Entscheidung macht deutlich, dass vorschnelles Handeln auch das Gute beschädigen könnte. Es geht also um Geduld, Unterscheidungsvermögen und das Vertrauen, dass am Ende eine klare Trennung erfolgen wird.
Übertragen auf das Leben kann das Bild verschiedene Bedeutungen haben. Es erinnert daran, dass in Gemeinschaften, im eigenen Leben oder in der Welt oft Gutes und Schwieriges nebeneinander bestehen. Nicht alles ist sofort eindeutig zu erkennen, und manches entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Das Gleichnis lädt dazu ein, aufmerksam zu bleiben und gleichzeitig geduldig mit Entwicklungen umzugehen.
So wird „Unkraut zwischen den Weizen säen“ zu einem Bild für die Mischung von Gutem und Störendem im Leben. Es zeigt, dass nicht alles sofort klar unterscheidbar ist, und dass es Weisheit braucht, mit solchen Situationen verantwortungsvoll umzugehen – im Vertrauen darauf, dass am Ende Klarheit und Ordnung entstehen werden.
Deutung des Evangeliums durch Jesus (siehe Mt. 13,36–42)
Die Jünger bitten Jesus, er möge ihnen das Gleichnis noch einmal erläutern. Daraufhin erklärt er ihnen, was und wen er gemeint hat: Er selbst, Jesus, bringt die Frohe Botschaft vom Reich Gottes als den guten Samen auf den Acker, gemeint ist die Welt, und seine Jünger sollen und werden diese Botschaft weitertragen. Als Unkraut bezeichnet Jesus die Kinder des Bösen, Mächte und Menschen, die Satan, dem Feind des Guten, auf den Leim gehen. Aber die Engel Gottes werden am Ende der Zeit die Ernte einbringen und das Unkraut, alles Unrechte und Böse, absondern und verbrennen, wie es in der Zeit, aus der Jesus durch sein Gleichnis zu uns spricht, in Palästina üblich ist. Weil es in der Gegend wenig Holz gibt, lagert man das Unkraut, ums später als Brennmaterial zu verwenden.
Der Tag der Ernte ist noch nicht gekommen, und die Frohe Botschaft vom Reich Gottes wird sich so sicher und so machtvoll durchsetzen, dass Jesus es für nicht nötig hält, das Unkraut vor der Ernte zu bekämpfen.
Jeder soll nach seiner Façon selig werden
Außerdem mögen Menschen zwar demselben Herrn folgen, die gleichen Lieder singen und nebeneinander in der Kirchenbank sitzen. Doch sind die Erwartungen, das Erleben und Empfinden von einem zum anderen Menschen sehr unterschiedlich. Gilt hier etwa auch der Satz von Friedrich dem Großen „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, mit dem der König von Preußen für Toleranz und freie Ausübung der Religion geworben hat? Gilt der Satz auch für Menschen, die denselben Glauben bekennen?
Jeder Mensch hat einzigartige Gene, jede Person ihre eigene Entwicklung oder Sozialisation; und damit hat auch jede und jeder eine ganz eigene Wahr-nehmung der Umwelt. Die persönlichen Ansichten Anderer zu kritisieren, erfordert Einsicht, die durch eigene Ansichten und Horizonte sehr einge-schränkt sein kann. Dann liegen Gut und Böse sehr nah beieinander, und die Argumentation für das Eine oder andere wird unnötig kompliziert, geradezu aussichtslos.
Paulus spricht den Christen das Recht zum Richten ab und verwehrt sich gegen die Überheblichkeit der Korinther: „Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird auch einem jeden von Gott Lob zuteilwerden.“ (1.Kor.4,5)
aus „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, F.Weber BoD, 2025