Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt nach Matthäus 20,16 und 22,14
Der Satz „Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt“ (Matthäus 20,16; 22,14) gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich rätselhaftesten Worten Jesu. Er taucht am Ende zweier Gleichnisse auf: vom Arbeiter im Weinberg (Mt 20) und vom Königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22). In beiden Geschichten geht es um das Reich Gottes, um die Einladung Gottes an die Menschen – und darum, wie sie darauf antworten.
In beiden Fällen werden viele eingeladen: Der Hausherr im Weinberg ruft Arbeiter zu verschiedenen Tageszeiten, und der König lädt zahlreiche Gäste zu seinem Fest ein. Doch nicht alle reagieren richtig. Einige lehnen ab, andere kommen, aber ohne sich wirklich einzulassen. Schließlich sagt Jesus: „Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.“
Dieser Satz meint nicht, dass Gott willkürlich einige bevorzugt und andere ausschließt. Vielmehr geht es um die Haltung des Herzens. Gott ruft tatsächlich viele – ja, alle – in seine Gemeinschaft. Jeder Mensch ist eingeladen, an seinem Reich teilzuhaben, in Liebe und Gerechtigkeit zu leben. Doch nicht jeder nimmt diese Einladung an oder bleibt ihr treu. Die Auserwählten sind jene, die antworten, die ihr Herz öffnen und die Berufung ernst nehmen.
Berufung ist also nicht nur ein Ruf von außen, sondern eine Entscheidung von innen. Gott lädt ein, aber der Mensch muss Ja sagen. Das Auserwähltsein zeigt sich nicht in Macht oder Ansehen, sondern in Treue, Liebe und Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen – oft auch gegen Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit.
Im Gleichnis vom Hochzeitsmahl wird deutlich, dass Gott niemanden ausschließt: Selbst die Armen und Außenseiter werden eingeladen. Aber entscheidend ist, wie man der Einladung begegnet. Wer nur äußerlich erscheint, ohne innerlich teilzuhaben, verfehlt das Fest. Es genügt nicht, einfach „dabei“ zu sein – das Herz muss mitgehen.
„Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt“ ist also kein Wort der Angst, sondern der Ernsthaftigkeit. Es ruft uns dazu auf, Gottes Ruf nicht leichtfertig zu überhören. Jeder Mensch ist gemeint, jeder ist eingeladen – aber nur der wird „auserwählt“ erfunden, der mit wachem Herzen antwortet.
So erinnert uns dieser Satz an die kostbare Freiheit, die Gott uns gibt. Berufung ist ein Geschenk – Erwählung ist die Antwort darauf. Wer Gottes Einladung annimmt, in Liebe lebt und anderen dient, zeigt, dass er zu den Erwählten gehört. Denn Gott schaut nicht auf Herkunft oder Leistung, sondern auf das Herz, das Ja sagt zu seinem Ruf.
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