„In den letzten Zügen liegen“ (Lukas 8,42)
Die Redewendung „in den letzten Zügen liegen“ bezeichnet im heutigen Sprachgebrauch einen Zustand schwerer Krankheit oder unmittelbarer Lebensgefahr. Gemeint ist eine Situation, in der ein Mensch dem Tod sehr nahe ist und kaum noch Lebenskraft zeigt. Der Ursprung dieser bildhaften Formulierung lässt sich mit biblischen Texten in Verbindung bringen, insbesondere mit der Erzählung in Lukas 8,42.
Dort wird von der Tochter des Jairus berichtet, eines Vorstehers der Synagoge. Er bittet Jesus eindringlich, in sein Haus zu kommen, weil seine einzige Tochter, etwa zwölf Jahre alt, im Sterben liegt. Lukas beschreibt damit eine Situation äußerster Dringlichkeit. Das Leben des Mädchens steht am Rand des Todes, und menschliche Hilfe scheint nicht mehr auszureichen.
Das Bild der „letzten Züge“ verweist auf den Atem als Zeichen des Lebens. Solange ein Mensch atmet, lebt er; wenn der Atem schwach wird oder aussetzt, neigt sich das Leben seinem Ende zu. „Züge“ meint dabei die Atemzüge, die immer flacher und seltener werden. Die Redewendung macht diesen Prozess anschaulich und greifbar.
Im Verlauf der biblischen Erzählung bleibt die Situation jedoch nicht beim drohenden Tod stehen. Jesus folgt der Bitte des Jairus und geht zu dem Haus. Dort begegnet er dem Tod nicht als endgültiger Macht, sondern als etwas, das überwunden werden kann. Er nimmt das Mädchen bei der Hand und spricht die Worte: „Kind, steh auf!“ Daraufhin kehrt das Leben zurück, und das Mädchen wird wieder gesund. Die Geschichte endet somit nicht mit dem Tod, sondern mit einer überraschenden Wende zum Leben.
Hoffnung auf Rettung
Diese Erzählung verleiht der Redewendung im biblischen Zusammenhang eine tiefere Dimension. Sie beschreibt nicht nur die Nähe des Todes, sondern stellt zugleich die Frage nach Hoffnung und Rettung in ausweglosen Situationen. Für die damaligen Hörer war dies ein Zeichen dafür, dass göttliches Handeln auch dort möglich ist, wo menschliche Möglichkeiten enden.
Im heutigen Sprachgebrauch hat sich die Redewendung weitgehend vom ursprünglichen Kontext gelöst. Sie wird häufig auch übertragen verwendet, etwa wenn etwas kurz vor dem Ende steht – ein Projekt, eine Phase oder ein Zustand, der nicht mehr lange Bestand haben wird. Dennoch bleibt der bildhafte Bezug zum Lebensende deutlich erkennbar.
Die biblische Erzählung erinnert daran, dass solche Grenzsituationen zum menschlichen Leben gehören. Krankheit, Schwäche und Sterblichkeit sind Erfahrungen, die jeden Menschen betreffen können. Gleichzeitig verweist der Text auf die Hoffnung, dass diese Grenzen nicht das letzte Wort haben müssen.
So beschreibt „in den letzten Zügen liegen“ nach Lukas 8,42 einen Zustand äußerster Bedrängnis und Nähe zum Tod. Im Zusammenhang der Bibel wird daraus jedoch auch eine Botschaft der Hoffnung: Selbst dort, wo alles verloren scheint, kann eine neue Wendung möglich werden.