Auf beiden Seiten hinken

Auf beiden Seiten hinken 1. Könige 18,21

Der Ausdruck stammt aus 1. Könige 18,21. Er steht im Zusammenhang mit der Begegnung des Propheten Elijah mit dem Volk Israel auf dem Berg Karmel. Elija spricht das Volk an. Das ist zwischen dem Glauben an den Gott Israels und der Verehrung des Baal hin- und hergerissen.

Mit der Formulierung „auf beiden Seiten hinken“ beschreibt Elija eine innere Unentschlossenheit und Halbherzigkeit. Das Bild des Hinkens verdeutlicht, dass jemand keinen festen Stand hat . Es nicht möglich, klar in eine Richtung gehen. Übertragen auf den Glauben bedeutet es, zwischen zwei Haltungen zu schwanken, ohne sich eindeutig zu entscheiden.

Elija fordert das Volk heraus, sich klar zu entscheiden. „Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten?“ Diese Frage macht deutlich, dass ein geteiltes Herz keinen stabilen Weg ermöglicht. Der Aufruf zielt darauf ab, Klarheit zu gewinnen und sich eindeutig für den Gott Israels zu entscheiden, anstatt zwischen verschiedenen Überzeugungen zu pendeln.

Der Ausdruck wird zum Bild für innere Zerrissenheit und mangelnde Konsequenz im Glauben oder im Handeln. Er erinnert daran, dass ein entschlossenes und klares Bekenntnis notwendig ist. Dadurch erst wird es möglich, Orientierung und Standfestigkeit zu gewinnen.

So steht „auf beiden Seiten hinken“ sinnbildlich für das Schwanken zwischen Optionen oder Überzeugungen, und die biblische Erzählung ruft dazu auf, solche Unentschlossenheit zu überwinden und eine klare Haltung einzunehmen.

Beide Seiten, menschlich gesehen

Die Redewendung stellt das unentschlossene Fehlen einer klaren Haltung bloß. Man möchte sich doch gerne all die reizvollen und vielversprechenden Möglichkeiten offenhalten. Aber wofür? Um später einmal frei wählen zu können? Wann ist später?

Träfe frau/man eine Entscheidung, müsste man sich für das Eine und gegen manches Andere entscheiden. Am Ende müsste man zu der Entscheidung stehen und für die gewählten Option(en) auch noch Verantwortung übernehmen. Und unfrei und gebunden wäre man dann ja auch noch.
Was, wenn die Entscheidung endgültig wäre? Was, wenn sie falsch wäre? Sowieso, vielleicht brächten andere Optionen andere Vorzüge mit sich, hätte man sie denn gewählt. Oder auch nicht.
Und solange keine Entscheidung getroffen ist, genießt der Mensch noch das Gefühl, alle Möglichkeiten zu haben und (vermeintlich) frei wählen zu können.

Partnerschaften, Kaufentscheidungen, vertragliche Vereinbarungen – und vieles mehr – verlangen eine klare Positionierung. Beide Partner wollen wissen, woran sie sind. Jeder will sicher gehen, dass sie/er sich auf die jeweiligen anderen verlassen kann. Und dass Abmachungen, die getroffen werden, auch eingehalten werden.

Ist dagegen eine Entscheidung getroffen, weicht das Offen-für-alles der Konzentration auf ein einmal ins Auge gefasstes Ziel. Der Weg dorthin kann geplant werden, die zur Verfügung stehenden Ressourcen und Mittel eingeteilt. Dann folgt ein Schritt dem anderen. Und jeden Tag rückt das Ziel ein wenig näher.

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