Ein Auge auf etwas werfen Dan 13,8-9
Daniel 13,8–9 erzählt über zwei Richter Israels.
„Als sie Susanna täglich hereingehen und umherwandeln sahen, warfen sie ihre Augen auf sie und entbrannten in Begierde nach ihr. Sie kehrten ihre Gedanken ab, dass sie nicht recht und gerecht urteilen sollten. Und sie vergaßen, dass Gott alles sieht.“
Die Geschichte von Susanna und den beiden Alten ist eine eindrückliche Erzählung über Versuchung, Machtmissbrauch und die Gefahr, sich von Begierde und falschen Blicken leiten zu lassen. Der Ausdruck „ein Auge auf etwas werfen“ bedeutet hier nicht nur, jemanden zu betrachten, sondern sich etwas in Besitz wünschen zu wollen – mit einem Blick, der nicht mehr rein, sondern eigennützig ist. In diesem Fall führt der Blick der Alten in die Sünde: Sie lassen sich von ihrer Lust beherrschen, vergessen Gerechtigkeit und verlieren den Blick für das, was gut und wahr ist.
Das „Auge“ spielt in der Bibel oft eine symbolische Rolle. Es steht für Erkenntnis, Aufmerksamkeit, aber auch für Versuchung und Begehren. Was der Mensch anschaut, darauf richtet sich auch sein Herz. In Daniel 13 zeigen es die „Augen“ der beiden Richter. Das Böse beginnt oft mit einem falschen Blick, mit einem Gedanken oder einem Wunsch, der ungeprüft bleibt. Was als kurzer Blick beginnt, kann zu Ungerechtigkeit und Schuld führen, wenn der Mensch seine inneren Grenzen verliert.
Die Geschichte erinnert daran, dass Verantwortung nicht nur in Taten, sondern auch in Gedanken beginnt. Wer „ein Auge auf etwas wirft“, soll prüfen, ob sein Blick von Respekt, Liebe und Reinheit geprägt ist – oder von Besitzdenken und Gier. In Daniel 13 werden die Alten schließlich entlarvt, und Susanna wird durch Gottes Eingreifen und Daniels mutige Rede gerettet. Damit wird deutlich: Gott sieht, was im Verborgenen geschieht, und sein Blick ist gerecht und heilend.
Im übertragenen Sinn ruft uns die Geschichte dazu auf, bewusst zu sehen – nicht mit begehrlichen oder neidischen Augen, sondern mit einem Blick der Achtung. „Ein Auge auf etwas werfen“ kann auch bedeuten, sich etwas mit Fürsorge, Interesse und Verantwortung zuzuwenden. Es kommt darauf an, wie man schaut.
So erinnert Daniel 13,8–9 daran, dass der Blick des Menschen nicht neutral ist. Er kann zerstören oder heilen, verletzen oder trösten. Wer lernt, mit den Augen des Herzens zu sehen, der bleibt gerecht, ehrlich und wahrhaftig – und bewahrt den inneren Frieden, den Gott schenkt, wenn man mit reinem Blick durchs Leben geht.
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