Herumlaufen wie Adam und Eva

Herumlaufen wie Adam und Eva


Wenn man sagt, jemand laufe „herum wie Adam und Eva“, denkt man zunächst an Nacktheit – an das Bild der beiden ersten Menschen, die im Garten Eden ohne Scham und Kleidung leben. Doch hinter diesem Ausdruck steckt mehr als nur eine Beschreibung äußerer Unbekleidetheit. Es ist ein Sinnbild für eine ursprüngliche Offenheit, für Echtheit und Unmittelbarkeit, die der Mensch im Paradies besaß, bevor Scham, Schuld und Angst in die Welt kamen.

Wie im Paradies

Adam und Eva lebten zunächst in einer vollkommenen Harmonie mit Gott, miteinander und mit der Schöpfung. Sie brauchten keine Masken, keine Rollen, keine Verteidigungen. Ihr „Herumlaufen“ war ein Ausdruck von Freiheit. Sie durften sein, wie sie waren. Nichts trennte sie von Gott oder voneinander. Doch nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, „gingen ihnen die Augen auf“. Sie erkannten, dass sie nackt waren. Was vorher selbstverständlich und unschuldig war, wurde nun zum Anlass von Scham und Verstecken. Sie begannen, sich zu bedecken – äußerlich mit Blättern, innerlich mit Angst und Schuldgefühlen.

„Herumlaufen wie Adam und Eva“ kann deshalb als Einladung verstanden werden, zu dieser ursprünglichen Offenheit zurückzufinden – nicht im wörtlichen, sondern im übertragenen Sinn. Es geht darum, ehrlich zu sein, sich selbst und anderen gegenüber, ohne Fassade, ohne das Bedürfnis, sich zu verstellen oder besser darzustellen, als man ist. Wer „wie Adam und Eva“ lebt, wagt es, verletzlich zu sein, sich zu zeigen, wie er wirklich ist, und darauf zu vertrauen, dass er trotzdem angenommen wird.

Im Glauben

Im christlichen Glauben wird diese Rückkehr zur Unverstelltheit in Christus möglich. Er nimmt die Scham, die Trennung, die Schuld auf sich. Er schenkt uns eine neue Freiheit. Das bedeutet nicht, dass wir wieder nackt im Garten Eden umhergehen. Wir können innerlich wieder frei werden. Das heißt frei und ehrlich zu leben, zu lieben und uns von Gott anschauen zu lassen, so wie wir sind.

So erinnert uns das „Herumlaufen wie Adam und Eva“ an eine tiefe Wahrheit über den Menschen: Wir sind geschaffen, um aufrecht und offen durchs Leben zu gehen, nicht versteckt hinter Angst oder Stolz. Wahre Nacktheit ist hier kein Mangel an Kleidung, sondern ein Zeichen der Wahrhaftigkeit – die Fähigkeit, sich selbst und andere mit dem Blick der Liebe zu sehen, mit dem Gott uns von Anfang an anschaut.


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