Bleibe bei uns, denn es will Abend werden – Eine Betrachtung von Lukas 24,28-29
In Lukas 24,28-29 begegnen wir einer tief bewegenden Szene aus der Auferstehungsgeschichte Jesu. Zwei Jünger sind auf dem Weg nach Emmaus und sprechen über die jüngsten Ereignisse in Jerusalem. Jesus selbst tritt zu ihnen, doch sie erkennen ihn zunächst nicht. Als sie abends ankommen, sagen sie zu ihm: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden.“ Dieser Satz enthält viel mehr als nur eine Bitte um Gastfreundschaft – er drückt ein menschliches Bedürfnis nach Nähe, Sicherheit und Orientierung aus.
Die Jünger stehen an einem Wendepunkt. Sie sind erschüttert, traurig und verunsichert nach der Kreuzigung Jesu. Der Abend symbolisiert hier nicht nur die Zeit des Tages, sondern auch eine Phase der Dunkelheit, des Zweifels und der Unsicherheit. In solchen Momenten wird die Gegenwart Jesu als rettend und tröstlich erlebt. Ihre Bitte „Bleibe bei uns“ zeigt, wie sehr der Mensch in Zeiten der Verwirrung, Angst oder Trauer nach Nähe, Geborgenheit und geistiger Orientierung sucht.
Interessant ist, dass Jesus die Einladung annimmt und mit den Jüngern das Abendmahl feiert. Erst dabei erkennen sie ihn. Diese Begebenheit macht deutlich, dass Begegnung, Gemeinschaft und Achtsamkeit entscheidend sind, um die Gegenwart Gottes zu erfahren. Der Text vermittelt, dass Gottes Wirken oft schrittweise wahrgenommen wird: Manchmal erkennen wir ihn erst, wenn wir innehalten, gemeinsam teilen oder aufmerksam hinschauen. Das Abendessen wird zum Symbol für Gemeinschaft, Hoffnung und das Licht, das in die Dunkelheit des Lebens leuchtet.
Der Vers hat auch eine zeitlose Botschaft für das Leben heute. Dunkle Zeiten, Unsicherheit oder Einsamkeit begegnen jedem Menschen. Wie die Jünger können wir uns danach sehnen, dass jemand bei uns bleibt – sei es Gott, ein Freund oder eine helfende Gemeinschaft. Die Bitte „Bleibe bei uns“ erinnert daran, dass wir nicht allein sein müssen und dass Nähe, Mitgefühl und Beistand im Leben Orientierung und Trost geben.
Zusammenfassend zeigt Lukas 24,28-29, dass menschliches Bedürfnis nach Gemeinschaft und göttlicher Gegenwart tief verankert ist. „Es will Abend werden“ erinnert uns an Momente der Dunkelheit und Unsicherheit, und „Bleibe bei uns“ lehrt, dass Nähe und gemeinsames Teilen die Kraft haben, Licht in unser Leben zu bringen. Die Geschichte der Emmausjünger ist somit ein Zeichen der Hoffnung: Auch in schwierigen Zeiten kann Gottes Gegenwart spürbar werden, wenn wir bereit sind, sie einzuladen und zu erkennen.
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