Etwas drehen und wenden, wie man’s braucht

Etwas drehen und wenden, wie man’s braucht Micha 7,2-3

Der Ausdruck „etwas drehen und wenden, wie man’s braucht“ beschreibt eine Haltung, in der Wahrheit nicht mehr verbindlich ist, sondern dem eigenen Vorteil angepasst wird. Ein ähnliches Bild findet sich im Buch des Propheten Micha. Im Buch Micha (Mi 7,2–3) klagt der Prophet über die Zustände in seinem Volk: Die Frommen sind verschwunden, die Redlichen selten geworden, und die Mächtigen „sind begierig, Böses zu tun mit beiden Händen“.

Micha zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit verdreht werden. Wer Einfluss hat, spricht Urteile nach eigenem Nutzen. Richter, Fürsten und selbst Angehörige handeln nicht mehr nach Wahrheit, sondern nach Vorteil. Man „dreht und wendet“ die Dinge, bis sie in das eigene Konzept passen. Worte werden so gebraucht, dass sie nicht mehr dienen, sondern täuschen.

Der Prophet macht deutlich: Wenn Wahrheit biegsam wird, leidet das Zusammenleben. Vertrauen geht verloren, Beziehungen zerbrechen, Gemeinschaft wird brüchig. Wo jeder nur noch sucht, „wie man’s braucht“, wird Gerechtigkeit zur Ware.

Doch Micha bleibt nicht bei der Anklage stehen. Später bekennt er sein Vertrauen auf Gott, der Recht schafft und Treue hält. Damit setzt er einen Kontrast zur menschlichen Unbeständigkeit: Gottes Wort ist nicht verhandelbar und nicht manipulierbar.

Der Satz lädt dazu ein, das eigene Verhalten zu prüfen. Wie gehen wir mit Wahrheit um? Suchen wir ehrliche Maßstäbe – oder passen wir Argumente unserer Bequemlichkeit an? Micha erinnert daran, dass echte Gerechtigkeit Standhaftigkeit braucht: die Bereitschaft, sich selbst am Maßstab der Wahrheit messen zu lassen, statt die Wahrheit nach den eigenen Bedürfnissen zu formen.

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