Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende Ps 73,18-19
Der Satz „Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende“ ist als Sprichwort bekannt. Sein biblischer Hintergrund klingt im Psalmen, besonders in Psalm 73,18–19, an. Dort erkennt der Beter im Rückblick auf das scheinbare Glück der Gottlosen: „Du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden. Wie werden sie so plötzlich verwüstet, nehmen ein Ende mit Schrecken!“
Psalm 73 beschreibt ein inneres Ringen. Zunächst beneidet der Psalmist jene, die ohne Gottesfurcht leben und dennoch Erfolg haben. Ihr Leben scheint ein „Schrecken ohne Ende“ für die Gerechten zu sein – eine dauerhafte Ungerechtigkeit, die kein Ausgleich zu beenden scheint. Doch im Heiligtum Gottes gewinnt er eine neue Perspektive: Er erkennt, dass ihr scheinbar sicherer Stand trügerisch ist. Der Weg ohne Gott führt nicht zu bleibender Stabilität, sondern zu einem plötzlichen, erschütternden Ende.
Das Sprichwort stellt zwei Möglichkeiten gegenüber: ein kurzes, wenn auch schmerzhaftes Ende – oder ein andauerndes Leiden ohne Abschluss. Im biblischen Zusammenhang wird deutlich: Gott überlässt das Unrecht nicht ewig sich selbst. Es mag lange dauern, aber es bleibt nicht ohne Konsequenz.
Gleichzeitig liegt im Psalm keine Schadenfreude. Vielmehr geht es um die Einsicht, dass wahre Sicherheit nicht im äußeren Erfolg liegt. Der Beter bekennt am Schluss: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.“ Damit wird klar: Entscheidend ist nicht, wie spektakulär oder dramatisch ein Ende ist, sondern worauf ein Leben gründet.
So erinnert Psalm 73 daran, dass scheinbar endlose Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort behält. Zwischen Schrecken und Hoffnung steht die Gewissheit, dass Gott letztlich Recht schafft – und dass ein Leben in seiner Nähe tragfähiger ist als jeder äußere Vorteil.
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