Ach du lieber Gott

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„Ach du lieber Gott“ – Matthäus 27,46

Der Ausdruck ist eine sehr gebräuchliche deutsche Redewendung, die Erstaunen, Bestürzung, Anteilnahme, Ärger, Frustration oder Ungeduld ausdrückt. Es handelt sich um einen feststehenden Ausdruck unsererer Alltagssprache, um intensive Gefühle schnell auszudrücken, um einen Ausruf, der gerne auch als Fluchformel oder spontane Reaktion auf Überraschungen oder schlechte Nachrichten verwendet wird. Ursprünglich handelt es sich um eine Anrufung Gottes in unterschiedlichsten Situationen.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46) – Mit diesen Worten ruft Jesus am Kreuz aus, dass er die tiefste menschliche Erfahrung von Leid, Schmerz und Einsamkeit durchlebt. „Ach du lieber Gott“ könnte man diese Stimme auch nennen: ein Hilferuf, der die Verzweiflung, die Frage nach dem Warum und die menschliche Ohnmacht ausdrückt.

Dieser Ausruf zeigt, dass selbst Jesus – Gottes Sohn – das volle menschliche Leid erfährt. Er identifiziert sich mit allen, die Schmerz, Ablehnung oder Verzweiflung erleben. In diesem Moment wird deutlich: Gott ist nicht fern oder unnahbar; er kennt Angst, Trauer und Einsamkeit aus eigener Erfahrung.

Gleichzeitig ist der Ruf ein Zeichen tiefen Vertrauens: Selbst im Gefühl der Verlassenheit wendet sich Jesus an Gott. „Ach du lieber Gott“ ist daher auch ein Aufruf für uns, unsere Ängste, Zweifel und Schmerzen ehrlich vor Gott zu bringen. Es ist ein Ausdruck der Menschlichkeit und der Sehnsucht nach Nähe, Halt und Hoffnung.

Mt 27,46 lehrt uns: In Momenten größter Not dürfen wir rufen, klagen und verzweifeln – und dabei zugleich das Vertrauen nicht verlieren, dass Gott uns hört, uns versteht und uns letztlich in seinem Heil trägt.