Seinen Mund nicht aufmachen

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Seinen Mund nicht aufmachen Jes 53,7

Der Ausdruck „seinen Mund nicht aufmachen“ geht auf die Beschreibung des leidenden Gottesknechtes im Buch Jesaja zurück, insbesondere Jesaja 53,7. Der Prophet Jesaja verwendet das Bild, um das Verhalten einer leidenden Gestalt zu schildern, die „wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“ ist und „seinen Mund nicht auftut“.

Im biblischen Kontext beschreibt diese Formulierung ein Verhalten von Schweigen angesichts von Leid, Anklage oder Ungerechtigkeit. Derjenige, von dem hier die Rede ist, reagiert nicht mit Verteidigung oder Protest. Er nimmt das Geschehen still hin. Dieses Schweigen wird nicht als Schwäche verstanden. Es ist Ausdruck von Geduld, Ergebenheit und innerer Stärke.

Die Stelle wird im Neuen Testament im Zusammenhang mit Jesus Christus auf sein Leiden bezogen und als Hinweis auf sein Verhalten während der Passion verstanden. Auch dort begegnet Jesus seinen Anklägern und dem Geschehen mit auffallender Zurückhaltung und verzichtet weitgehend auf eigene Verteidigung. Das Schweigen wird so zu einem Zeichen von Vertrauen und Hingabe.

Zurückhaltung oder so

Im übertragenen Sinn steht die Redewendung „seinen Mund nicht aufmachen“ heute für das bewusste Zurückhalten von Worten. Zum Beispiel in Situationen, in denen eine Reaktion nicht notwendig ist oder in denen Worte nichts mehr ändern können. Es kann auch eine Haltung beschreiben, in der jemand bewusst auf Gegenwehr verzichtet, um eine Situation nicht weiter zu verschärfen oder um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Gleichzeitig kann das Bild auch daran erinnern, dass Schweigen nicht immer gleichzusetzen ist mit Zustimmung. Es ist eine eigene Form des Ausdrucks sein kann. Schweigen kann Stärke zeigen, wenn jemand nicht vorschnell reagiert, sondern Ruhe bewahrt und die Situation innerlich verarbeitet.

So beschreibt „seinen Mund nicht aufmachen“ eine Haltung des stillen Ertragens und der Zurückhaltung. Im biblischen Zusammenhang wird dieses Verhalten zu einem Ausdruck von Vertrauen und Würde, das gerade im Leiden sichtbar wird und eine tiefere Bedeutung als bloßes Schweigen hat.

Andererseits

Wer den Mund nicht aufmacht, tut dies (nicht), um andere nicht zu verletzen, um ein Geheimnis zu wahren oder weil es sowieso ncihts ändern würde. Mancher wartet einfach ab, wie sich Dinge entwickeln. Doch kann schweigen, das stille sein und den Mund nicht aufkriegen auch durchaus so verstanden werden, dass jemand duckmäusert, an der faschen Stelle schweigt oder sich wegduckt. Nehmen wir mal an, dass die Zurückhaltung gute Gründe haben mag.