Ein Pharisäer sein

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Ein Pharisäer sein Lk 18,11

Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ geht auf die Darstellung eines Pharisäers im Gleichnis von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lk 18,11) zurück. Dort schildert Jesus einen Pharisäer, der im Gebet auftritt. Er hält sich selbst für gerecht hält, während er andere Menschen verurteilt und herabsetzt.

In der Erzählung dankt der Pharisäer zwar Gott, aber sein Gebet ist stark von Selbstzufriedenheit geprägt. Er stellt seine eigenen Leistungen und seine vermeintliche moralische Überlegenheit in den Mittelpunkt und vergleicht sich dabei mit anderen, die er als Sünder ansieht. Dadurch verliert sein Gebet an Demut und wird eher zu einer Selbstrechtfertigung als zu einer echten Hinwendung zu Gott.

Der Ausdruck „ein Pharisäer sein“ hat sich deshalb im Sprachgebrauch zu einer Bezeichnung für eine Haltung entwickelt, die von Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit und äußerlicher Frömmigkeit geprägt ist, ohne dass innere Demut oder Mitgefühl vorhanden sind. Es geht weniger um die historische Gruppe der Pharisäer, sondern um ein bestimmtes Verhalten: das eigene Gute hervorzuheben und gleichzeitig andere abzuwerten.

Das Gleichnis macht im Vergleich mit dem Zöllner deutlich, dass es nicht auf äußere Leistungen oder das eigene Ansehen ankommt, sondern auf die innere Haltung. Der Zöllner, der seine Schuld erkennt und um Erbarmen bittet, wird im Gleichnis positiver bewertet als der selbstgerechte Pharisäer.

So erinnert die Redewendung daran, wie wichtig Bescheidenheit, Selbstkritik und Respekt gegenüber anderen sind. Er warnt davor, sich selbst zum Maßstab aller Dinge zu machen und den Blick für die eigene Begrenztheit zu verlieren. Stattdessen lädt er dazu ein, ehrlich mit sich selbst zu sein und anderen mit Offenheit und Mitgefühl zu begegnen.


Vom Pharisäer und dem Zöllner

Das Gleichnis von dem Pharisäer und dem Zöllner (Lk.18,9-14) folgt auf das Gleichnis vom ungerechten Richter (Lk.18,1-8). Letzteres hat Jesus abgeschlossen mit einer Frage. Ob denn der Menschensohn bei seinem Wiederkommen Glauben finden werde auf Erden.
Die Adressaten sind noch nicht einmal genau benannt. Es handelt sich wohl um solche, vielleicht sogar Jünger Jesu, die besonders von sich und ihrer Frömmigkeit eingenommen sind.

Ein Pharisäer,der ein unbestreitbar frommes Leben führt, ist im Tempel erschienen, um ‚bei sich selbst‘ zu beten. Er gehört einer Gruppe von Menschen an, die für ihre gottgefällige Lebensweise bekannt sind. Bei seinem Gebet vergisst er nicht, seine gerechte Lebensweise zu schildern und sich abzugrenzen von Menschen mit weniger frommen Lebensgewohnheiten. Insbesondere von dem Zöllner, der neben ihm betet. Dieser Mensch ist sich seines Lebenswandels wohl bewusst. Er weiß, dass sein Berufsstand ihn nicht gerade beliebt macht, und dass er in den Augen seiner Mitmenschen ein Sünder ist. Vielleicht gerade deshalb betet er sehr bescheiden und bringt nur eine einzige Bitte vor Gott. „Gott, sei mir gnädig.“ Und Jesus beendet sein Gleichnis zum wiederholten Mal mit der Aussage, dass, wer sich erhöht, erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, erhöht werden soll.

Sowas aber auch! Da kommst du ins Gotteshaus, setzt dich in die Bank und betest in Dank und Bitte zu deinem Gott. Du sprichst vor Gott aus, was dich beschäftigt und vertraust dich ihm an. Und du legst besonderen Wert darauf, Gott zu danken für all die Gaben, die Erfolge und dein ganzes Dasein als Familienmitglied, als erwachsener und als berufstätiger Mensch. Und dann kommt so Einer, einer von der Sorte, die du bisher selten im Gotteshaus gesehen hast, und der betet ganz kurz und bündig. Ohne jeden Versuch, angemessene Worte zu finden für das Gebet vor dem allmächtigen Gott. „Gott sei mir gnädig.“ – Eigentlich hat er ja recht. Und ich selbst weiß im Moment nicht mehr, ob ich in der richtigen Bank sitze und bete.


Siehe auch:

  • Reden wie ein Pharisäer – hier