Schlägt dich einer auf die rechte Wange

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„Schlägt dich einer auf die rechte Wange, so halte ihm auch die andere hin.“ (Matthäus 5,39)

In Matthäus 5,39 sagt Jesus in der Bergpredigt: „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: Schlägt dich einer auf die rechte Wange, so halte ihm auch die andere hin.“ Dieser Satz gehört zu den bekanntesten und zugleich herausforderndsten Aussagen Jesu. Er fordert die Menschen dazu auf, auf Gewalt und Beleidigung nicht mit Hass oder Vergeltung zu reagieren. Statt Rache zu suchen, sollen sie Frieden und Liebe bewahren.

Zur Zeit Jesu galt im jüdischen Gesetz das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Dieses Gesetz sollte ursprünglich verhindern, dass Strafen übertrieben wurden. Jesus geht jedoch einen Schritt weiter. Er fordert seine Nachfolger auf, den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Wer auf einen Schlag sofort mit einem Gegenschlag antwortet, vergrößert oft nur Hass und Streit. Jesus zeigt einen anderen Weg: den Weg der Geduld, der Friedfertigkeit und der inneren Stärke.

Die Ohrfeige auf die rechte Wange war damals häufig nicht nur eine körperliche Verletzung, sondern auch eine Beleidigung und Demütigung. Jesus meint damit also nicht nur körperliche Gewalt, sondern allgemein den Umgang mit Kränkungen und Ungerechtigkeit. Seine Worte bedeuten nicht, dass Menschen alles schweigend hinnehmen oder sich nicht schützen dürfen. Vielmehr fordert Jesus dazu auf, nicht von Hass und Rachsucht bestimmt zu werden.

Der Satz „halte ihm auch die andere hin“ zeigt eine Haltung der inneren Freiheit. Wer nicht sofort zurückschlägt, lässt sich nicht vom Bösen beherrschen. Statt sich auf die gleiche Ebene von Gewalt und Hass zu begeben, bleibt der Mensch Herr über sich selbst. Das erfordert Mut und große Selbstbeherrschung.

Auch heute ist diese Botschaft von großer Bedeutung. In vielen Konflikten reagieren Menschen sofort mit Gegenangriffen – sei es durch Worte, Hass oder Gewalt. Streit eskaliert oft, weil niemand bereit ist nachzugeben oder friedlich zu bleiben. Jesu Worte laden dazu ein, anders zu handeln: nicht aus Rache, sondern aus Liebe und Besonnenheit.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Christen Ungerechtigkeit einfach akzeptieren sollen. Jesus selbst sprach gegen Unrecht und setzte sich für Schwache ein. Die Bergpredigt fordert keine Feigheit, sondern eine neue Art des Handelns. Menschen sollen sich nicht von Hass leiten lassen, sondern Wege des Friedens suchen.

Die Worte Jesu sind deshalb Ausdruck einer tiefen inneren Haltung. Wer die „andere Wange hinhält“, zeigt, dass Liebe stärker sein kann als Gewalt. Vergebung und Geduld haben die Kraft, Feindschaft zu überwinden. Das ist oft schwerer als Zurückschlagen, weil es innere Stärke verlangt.

Für Christen ist Jesus selbst das größte Vorbild dafür. Er wurde verspottet, geschlagen und schließlich gekreuzigt, antwortete aber nicht mit Hass. Selbst am Kreuz bat er Gott um Vergebung für seine Feinde. Damit zeigte er, wie ernst seine Worte gemeint waren.

Auch in der heutigen Gesellschaft bleibt diese Botschaft herausfordernd. Menschen erleben Beleidigungen, Streit und Ungerechtigkeit. Jesu Worte erinnern daran, dass Frieden oft dort beginnt, wo Menschen auf Vergeltung verzichten und den Mut zur Versöhnung finden.

Matthäus 5,39 fordert dazu auf, Gewalt und Hass nicht mit neuem Hass zu beantworten. „Die andere Wange hinhalten“ bedeutet nicht Schwäche, sondern Stärke der Liebe und des Friedens. Jesus ruft dazu auf, den Kreislauf der Vergeltung zu durchbrechen und mit Geduld, Vergebung und innerer Freiheit zu handeln. Diese Botschaft bleibt bis heute eine der tiefsten und anspruchsvollsten Lehren des christlichen Glaubens.