Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu

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Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu. nach Tobias 4,15

Die Redewendung „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu“ gehört zu den bekanntesten moralischen Grundsätzen der europäischen Kultur. Ihr Ursprung findet sich in ähnlicher Form im Buch Tobias. Dort ermahnt der Vater Tobit seinen Sohn mit den Worten: „Was dir selbst verhasst ist, das mute auch keinem anderen zu“ (Tobias 4,15). Dieser Satz fasst eine grundlegende Regel des menschlichen Zusammenlebens in einfacher und verständlicher Weise zusammen.

Der Gedanke dahinter ist leicht nachvollziehbar. Jeder Mensch weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, ungerecht behandelt, belogen, verletzt oder benachteiligt zu werden. Wer diese Erfahrungen ernst nimmt, sollte daraus die Konsequenz ziehen, anderen Menschen solches Verhalten ebenfalls nicht zuzumuten. Die Regel fordert dazu auf, sich in die Lage des Mitmenschen hineinzuversetzen und das eigene Handeln an diesem Maßstab zu prüfen.

Im Buch Tobias steht diese Mahnung in einer Reihe von Lebensweisheiten, die der Vater seinem Sohn für dessen zukünftigen Lebensweg mitgibt. Es geht dabei um Ehrlichkeit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Gottesfurcht. Die Aussage ist keine komplizierte Gesetzesvorschrift, sondern eine praktische Lebensregel, die jedem Menschen Orientierung geben kann. Gerade ihre Einfachheit hat dazu beigetragen, dass sie über Jahrhunderte hinweg große Bedeutung gewann.

Ähnliche Gedanken finden sich in vielen Religionen und Kulturen. Das Christentum kennt die sogenannte Goldene Regel durch die Worte Jesu: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“ (Matthäus 7,12). Während Tobias die Regel in negativer Form formuliert – man soll anderen nichts antun, was man selbst nicht erleiden möchte –, fordert Jesus sogar zum aktiven Guten auf. Beide Aussagen beruhen jedoch auf demselben Grundgedanken: dem respektvollen Umgang mit anderen Menschen.

Mitgefühl und Rücksicht

Die Redewendung hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Sie gilt im persönlichen Leben ebenso wie in Familie, Schule, Beruf und Gesellschaft. Wer nicht belogen werden möchte, sollte selbst die Wahrheit sagen. Wer Respekt erwartet, sollte anderen mit Respekt begegnen. Wer keine Ungerechtigkeit erfahren will, sollte sich bemühen, gerecht zu handeln. Auf diese Weise fördert die Regel Rücksichtnahme, Fairness und friedliches Zusammenleben.

Besonders bemerkenswert ist, dass dieser Grundsatz keine hohe Bildung oder komplizierte philosophische Kenntnisse voraussetzt. Er spricht das menschliche Gewissen unmittelbar an. Jeder kann sich fragen: Wie würde ich selbst behandelt werden wollen? Die Antwort darauf kann zur Orientierung für das eigene Verhalten werden.

Natürlich löst diese Regel nicht alle Probleme des menschlichen Zusammenlebens. Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen. Dennoch bietet sie einen wichtigen Maßstab für verantwortliches Handeln. Sie erinnert daran, dass die Würde und die Gefühle anderer ebenso ernst zu nehmen sein sollten wie die eigenen.

Die Aussage „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu“ ist eine der bedeutendsten ethischen Regeln der Menschheitsgeschichte. Ihr Ursprung liegt in Tobias 4,15. Die Redewendung fordert zu Mitgefühl, Rücksicht und Gerechtigkeit auf und erinnert daran, dass ein friedliches Zusammenleben dort beginnt, wo Menschen den anderen so behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchten.