Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden 5.Mo.25,4; 1.Kor.9,9; 1.Tim.5,18
Der Satz „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ stammt aus dem Buch Deuteronomy (5. Mose 25,4). Er wird im Alten Testament als eine Anweisung im Umgang mit arbeitenden Tieren gegeben und bedeutet zunächst ganz konkret, dass ein Ochse, der beim Dreschen des Getreides eingesetzt wird, während seiner Arbeit fressen darf und nicht daran gehindert werden soll.
Im biblischen Kontext steht hinter dieser Regel ein Prinzip der Fairness und Fürsorge. Der Ochse leistet durch seine Arbeit einen Beitrag zur Ernte und soll daher auch von den Früchten seiner Arbeit profitieren können. Die Vorschrift zeigt, dass selbst gegenüber Tieren ein Maß an Rücksicht und Gerechtigkeit erwartet wird.
Dieses Gebot wird im Neuen Testament von Paulus von Tarsus aufgegriffen und auf menschliche Verhältnisse übertragen (vgl. 9,9; 5,18). Paulus verwendet das Beispiel des Ochsen als Begründung dafür, dass auch Menschen, die im Dienst der Verkündigung stehen, Anspruch auf ihren Lebensunterhalt haben. Damit wird aus einer konkreten Regel für Tiere ein allgemeines Prinzip für gerechte Entlohnung und Wertschätzung von Arbeit.
Im übertragenen Sinn steht der Satz für die Einsicht, dass Arbeit und Leistung angemessen entlohnt und gewürdigt werden sollen. Wer arbeitet, soll nicht ausgebeutet oder von den Früchten seiner Tätigkeit ausgeschlossen werden. Das gilt sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich.
Die Formulierung wird heute gelegentlich auch sprichwörtlich verwendet, um auf gerechte Behandlung und angemessene Bezahlung hinzuweisen. Sie erinnert daran, dass Leistung und Einsatz Anerkennung verdienen und dass es ungerecht ist, jemanden arbeiten zu lassen, ohne ihm einen angemessenen Anteil zukommen zu lassen.
So verbindet das biblische Gebot eine konkrete praktische Regel mit einem allgemeinen ethischen Prinzip: Es fordert zu Gerechtigkeit, Rücksicht und Wertschätzung gegenüber denen auf, die arbeiten – unabhängig davon, ob es sich um Menschen oder, im ursprünglichen Kontext, um Tiere handelt.