Von Pontius zu Pilatus schicken Lk. 23,11
Der Ausdruck „von Pontius zu Pilatus schicken“ geht auf die Passionsgeschichte von Jesus Christus zurück, wie sie im Evangelium nach Lukas (Lk 23) überliefert ist. Darin wird berichtet, dass Jesus im Rahmen seines Verhörs zwischen verschiedenen Zuständigkeiten hin- und hergeschoben wird: Zunächst wird er von den religiösen Autoritäten vernommen und anschließend an den römischen Statthalter Pontius Pilatus überstellt.
In der weiteren Erzählung kommt es zu einem erneuten Weiterverweisen, als Pilatus erkennt, dass Jesus aus Galiläa stammt und somit eigentlich unter die Zuständigkeit des Herodes fällt. So wird Jesus von einer Instanz zur nächsten geschickt, ohne dass eine klare Entscheidung getroffen wird. Dieses Hin- und Herschieben ersetzt ein klares Urteil durch ein Ausweichen vor Verantwortung.
Im heutigen Sprachgebrauch beschreibt die Redewendung „von Pontius zu Pilatus schicken“ genau dieses Verhalten: Jemand wird von einer Stelle zur nächsten verwiesen, ohne dass ein Problem tatsächlich gelöst oder eine Entscheidung getroffen wird. Oft entsteht dabei Frustration, weil Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder niemand sich zuständig fühlt.
Der Ausdruck macht damit ein typisches menschliches Verhalten sichtbar, das auch unabhängig vom historischen Kontext vorkommt: das Abwälzen von Verantwortung und das Vermeiden einer direkten Entscheidung. Statt sich einer Aufgabe zu stellen, wird sie weitergereicht, in der Hoffnung, dass jemand anderes sie übernimmt.
So erinnert die Redewendung indirekt an die Passionsgeschichte und zugleich daran, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und Klarheit in Zuständigkeiten zu schaffen, damit Anliegen nicht zwischen verschiedenen Instanzen „verloren gehen“.
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