In die Wüste schicken

In die Wüste schicken 3. Mose 16,21

Der Ausdruck „in die Wüste schicken“ geht auf eine bildhafte Handlung zurück, die in Bibel, insbesondere in Levitikus (3. Mose 16,21), im Zusammenhang mit dem Versöhnungstag beschrieben wird. Dort legt der Hohepriester symbolisch die Sünden des Volkes auf einen Ziegenbock, der anschließend in die Wüste geschickt wird.

Diese Handlung hat eine tiefere symbolische Bedeutung: Die Wüste steht für einen Ort der Abgeschiedenheit, Leere und Abwesenheit von Leben. Indem der Bock in die Wüste geschickt wird, werden die Sünden gewissermaßen aus der Gemeinschaft entfernt und fortgetragen. Es handelt sich um ein rituelles Zeichen dafür, dass Schuld und Verfehlungen nicht dauerhaft bei der Gemeinschaft verbleiben sollen, sondern „weggetragen“ werden.

Der Ausdruck „in die Wüste schicken“ hat sich im übertragenen Sinn zu einer Redewendung entwickelt, die beschreibt, dass jemand ausgeschlossen, entfernt oder mit einem Problem „alleingelassen“ wird. Dabei schwingt oft die Vorstellung mit, dass jemand isoliert oder an einen Ort geschickt wird, an dem er auf sich selbst gestellt ist.

Im biblischen Kontext steht jedoch nicht die Bestrafung im Vordergrund, sondern die symbolische Reinigung und Entlastung. Die Handlung soll verdeutlichen, dass Schuld nicht im Inneren der Gemeinschaft verbleibt, sondern beseitigt wird, um einen Neuanfang zu ermöglichen.

So verbindet der Ausdruck ein konkretes rituelles Geschehen mit einer allgemeinen Vorstellung von Entfernung und Trennung. Er erinnert daran, dass es in bestimmten Zusammenhängen notwendig ist, Belastendes abzulegen oder abzugeben, um Ordnung, Reinheit oder einen neuen Anfang zu ermöglichen.

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