Im Adamskostüm nach Gen. 2,25
In Genesis 2,25 heißt es:
„Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.“
Dieser kurze Vers beschreibt einen Zustand ursprünglicher Unschuld und Freiheit. Adam und Eva leben im Paradies, in vollkommener Harmonie mit Gott, miteinander und mit sich selbst. Sie sind „nackt“, aber diese Nacktheit ist nicht peinlich oder beschämend, sondern Ausdruck völliger Offenheit. Im Licht der Schöpfung brauchen sie nichts zu verbergen – kein Misstrauen, keine Angst, kein Schamgefühl trübt ihre Beziehung.
Wenn man heute sagt, jemand sei „im Adamskostüm“, meint man meist humorvoll, dass jemand unbekleidet ist. Doch jenseits des Scherzes trägt dieser Ausdruck eine tiefere Bedeutung: Er erinnert an die paradiesische Zeit, in der der Mensch ganz er selbst war – ohne Maske, ohne Fassade, ohne den Zwang, sich zu verstecken. Das „Adamskostüm“ steht damit nicht nur für äußere Nacktheit, sondern für innere Wahrhaftigkeit.
Die Nacktheit im Paradies ist ein Symbol für Vertrauen. Adam und Eva begegnen einander so, wie sie sind, und finden darin kein Problem. Erst nach dem Sündenfall, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen haben, „gehen ihnen die Augen auf“, und sie erkennen, dass sie nackt sind. Scham entsteht, wo Misstrauen und Schuld in die Beziehung treten. Der Mensch beginnt, sich zu verhüllen – nicht nur mit Blättern, sondern auch mit Worten, Rollen und Masken.
Im übertragenen Sinn lädt uns die biblische Erzählung dazu ein, wieder „im Adamskostüm“ zu leben – nicht äußerlich, sondern innerlich. Sie ruft dazu auf, ehrlich zu sein, sich selbst und anderen gegenüber, und sich von Gott anschauen zu lassen, ohne Angst und Verstellung. Wer sich vor Gott zeigt, wie er wirklich ist, erfährt Annahme und Heilung.
„Im Adamskostüm“ zu leben bedeutet also, zu einem ursprünglichen Vertrauen zurückzufinden. Es ist eine Erinnerung daran, dass der Mensch von Anfang an gut geschaffen ist, dass er nicht durch Leistung oder Verkleidung wertvoll wird, sondern durch sein Sein. Der Vers aus Genesis 2,25 zeigt: Vor Gott darf der Mensch so sein, wie er ist. In dieser Wahrheit liegt eine tiefe Freiheit – die Freiheit, ganz Mensch zu sein, ohne sich zu verbergen.
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