Mein Name ist Legion

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Mein Name ist Legion Markus 5,9; Lukas 8,30

Der Ausdruck „Mein Name ist Legion“ aus Markus 5,9 und Lukas 8,30 gehört zu den eindrücklichsten Formulierungen des Neuen Testaments. In beiden Evangelien begegnet Jesus einem besessenen Mann, der von unreinen Geistern gequält wird. Als Jesus nach dem Namen des Geistes fragt, lautet die Antwort: „Legion heiße ich, denn wir sind viele.“ Dieser Satz besitzt sowohl eine religiöse als auch eine gesellschaftliche und politische Bedeutung.

Zunächst verweist der Begriff „Legion“ auf die römische Militärsprache. Eine Legion war eine große Einheit des römischen Heeres und konnte mehrere tausend Soldaten umfassen. Für die Menschen zur Zeit Jesu war Rom die herrschende Besatzungsmacht. Der Begriff weckte daher Vorstellungen von Gewalt, Unterdrückung und Macht. Wenn der Dämon sich „Legion“ nennt, wird damit die zerstörerische Übermacht der bösen Kräfte verdeutlicht. Der Besessene ist nicht nur von einem einzelnen Geist beherrscht, sondern von einer Vielzahl dunkler Mächte vollständig überwältigt.

Die Erzählung zeigt zugleich die völlige Isolation des Menschen. Der Mann lebt unter den Gräbern, fern von der Gemeinschaft. Niemand kann ihn bändigen, selbst Ketten zerreißt er. Damit wird deutlich, wie zerstörerisch das Böse auf den Menschen wirkt: Es trennt ihn von anderen Menschen, raubt ihm seine Würde und zerstört seine Identität. Besonders auffällig ist, dass der Mann keinen eigenen Namen mehr nennt. Seine Persönlichkeit scheint ausgelöscht zu sein; an ihre Stelle tritt die „Legion“. Der Mensch verliert sich unter der Macht des Bösen.

Gerade darin zeigt sich die Bedeutung Jesu. Obwohl die Macht der Dämonen gewaltig erscheint, steht Jesus über ihnen. Schon allein seine Gegenwart zwingt die Geister zum Gehorsam. Die Dämonen erkennen Jesu Autorität sofort an und bitten ihn um Erlaubnis, in eine Schweineherde fahren zu dürfen. Die anschließende Vernichtung der Schweine macht sichtbar, dass die Macht des Bösen letztlich in Zerstörung endet. Gleichzeitig wird die Befreiung des Mannes zum Zeichen für die heilende und rettende Kraft Jesu.

Theologisch kann der Ausdruck „Legion“ auch symbolisch verstanden werden. Er beschreibt nicht nur dämonische Mächte, sondern allgemein die vielen Kräfte, die den Menschen beherrschen und unfrei machen können: Angst, Gewalt, Schuld oder gesellschaftliche Unterdrückung. Die Geschichte zeigt deshalb, dass Jesus den Menschen seine Würde und Freiheit zurückgeben will. Nachdem der Mann geheilt wurde, sitzt er bekleidet und vernünftig bei Jesus – ein Bild für die Wiederherstellung des Menschen.

Der Ausdruck „Mein Name ist Legion“ steht für die überwältigende Macht des Bösen und die tiefe Zerrissenheit des Menschen. Zugleich verkünden Markus 5,9 und Lukas 8,30 die Hoffnung, dass Jesu Macht stärker ist als jede Form von Unterdrückung und Zerstörung. Die Erzählung ist deshalb nicht nur ein Wunderbericht, sondern auch eine Botschaft von Befreiung, Heilung und neuer Identität.