Einen Adamsapfel haben

Einen Adamsapfel haben Gen 2,17


In Genesis 2,17 spricht Gott zu Adam:
„Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen aber sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben.“

Mit diesem Satz wird eine Grenze gesetzt – eine Grenze zwischen göttlicher Freiheit und menschlicher Verantwortung. Der Mensch darf alles genießen, was Gott geschaffen hat, nur eines nicht: die Frucht des Baumes, der Erkenntnis bringt. Dieses Verbot ist kein Zeichen von Härte, sondern Ausdruck von Fürsorge. Gott will den Menschen vor der Überforderung bewahren, die entsteht, wenn er sich selbst an Gottes Stelle setzt.

Der Ausdruck „einen Adamsapfel haben“ hat heute eine ganz andere, körperliche Bedeutung: Er bezeichnet den kleinen Vorsprung am Hals, den man vor allem bei Männern sieht – den Kehlkopf. In der Volksüberlieferung heißt es, dieser „Adamsapfel“ sei der Rest der verbotenen Frucht, die Adam im Hals stecken geblieben sei. Doch jenseits dieser Legende steckt in dem Bild eine tiefe Symbolik.

„Einen Adamsapfel haben“ bedeutet im übertragenen Sinn, Teil der menschlichen Geschichte zu sein – jener Geschichte, die mit Adams Entscheidung begann. Er steht für das Menschsein mit all seinen Spannungen: Wissenwollen und Gehorsam, Freiheit und Verantwortung, Vertrauen und Zweifel. Jeder Mensch trägt gewissermaßen „einen Adamsapfel“ in sich – das Zeichen dafür, dass wir die Versuchung kennen, Grenzen zu überschreiten, und zugleich die Sehnsucht, Gott nahe zu sein.

Der Adamsapfel erinnert uns also an die Stimme, die aus unserem Inneren spricht: die Stimme des Gewissens. Denn genau dort entscheidet sich, ob wir dem Guten folgen oder uns selbst zum Maßstab machen. Wie der Kehlkopf das Werkzeug unserer Stimme ist, so ist der „Adamsapfel“ ein Sinnbild für das Wort, für das Sprechen, für das bewusste Handeln. Was wir sagen und tun, hat Gewicht – und kann Leben schaffen oder zerstören.

So zeigt Genesis 2,17, dass Freiheit ohne Vertrauen ihren Sinn verliert. Gott gibt dem Menschen Raum zur Entfaltung, aber auch eine Grenze, die ihn an seine Geschöpflichkeit erinnert. „Einen Adamsapfel haben“ heißt also: Wir tragen in uns die Erinnerung an Adams Entscheidung – und die Verantwortung, aus seinem Fehler zu lernen. Der Mensch bleibt ein Wesen zwischen Erde und Himmel, zwischen Versuchung und Gnade. Doch gerade darin liegt seine Würde: Er darf immer wieder neu wählen, sich dem Leben zuzuwenden, das Gott ihm schenkt.


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