Es ist alles ganz eitel Prediger

Es ist alles ganz eitel nach Prediger 1,2 und 12,8;

Der Satz „Es ist alles ganz eitel“ gehört zu den bekanntesten Worten der Weisheitsliteratur des Alten Testaments. Er stammt aus dem Buch Kohelet, auch Prediger genannt (Pred 1,2; 12,8). Gleich zu Beginn heißt es: „Es ist alles eitel, spricht der Prediger, es ist alles ganz eitel.“ Und am Ende des Buches wird dieser Gedanke noch einmal aufgenommen – wie ein Rahmen um das ganze Werk.

Das hebräische Wort, das hier mit „eitel“ übersetzt wird, lautet „hebel“. Es bedeutet wörtlich „Hauch“ oder „Dunst“. Gemeint ist also nicht in erster Linie Eitelkeit im Sinn von Selbstverliebtheit, sondern Vergänglichkeit, Flüchtigkeit, Unfassbarkeit. Alles menschliche Tun – Reichtum, Weisheit, Arbeit, Genuss – erscheint wie ein Hauch, der kurz sichtbar ist und dann verweht.

Der Prediger schaut nüchtern auf das Leben. Er beobachtet, dass der Mensch arbeitet und doch nichts Dauerhaftes festhalten kann. Generationen kommen und gehen, Zeiten ändern sich, Erfolge verblassen. In dieser Perspektive wirkt vieles relativ. „Alles ist eitel“ heißt: Alles ist vergänglich, nichts ist absolut.

Doch das Buch bleibt nicht in Resignation stehen. Gerade in der Erkenntnis der Begrenztheit liegt Weisheit. Wer weiß, dass das Leben nicht in seiner Hand liegt, lernt Dankbarkeit für den Augenblick. Wer die Vergänglichkeit akzeptiert, wird frei von übersteigerten Erwartungen.

Am Ende fasst der Prediger zusammen: „Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen“ (Pred 12,13). Inmitten der Vergänglichkeit bleibt die Beziehung zu Gott als tragender Grund.

So ist der Satz „Es ist alles ganz eitel“ keine bloße Klage, sondern eine Einladung zur Besinnung. Er relativiert menschlichen Stolz und lenkt den Blick auf das Wesentliche: auf das, was über den flüchtigen Augenblick hinaus Bestand hat.

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