Das liegt mir völlig fern. 1 Sam 14,45
Der Satz „Das liegt mir völlig fern“ findet seinen biblischen Hintergrund im Erstes Buch Samuel (1 Sam 14,45). In dieser Erzählung hatte König Saul einen unbedachten Schwur ausgesprochen: Jeder, der vor dem Abend etwas esse, solle sterben. Sein Sohn Jonathan jedoch hatte unwissentlich von Honig gekostet und damit das Volk im Kampf gestärkt. Als Saul seinen eigenen Schwur durchsetzen wollte, widersetzte sich das Volk entschieden und rettete Jonathan mit den Worten, es sei undenkbar, dass er sterben solle.
„Das liegt mir völlig fern“ drückt daher eine klare innere Distanz aus. Es bedeutet: Ein solches Handeln widerspricht meinem Gewissen, meiner Überzeugung oder meinem Verständnis von Gerechtigkeit. Im biblischen Zusammenhang steht dieser Gedanke für die Einsicht, dass blinder Formalismus – selbst wenn er religiös begründet ist – nicht über dem Leben und der Gerechtigkeit stehen darf.
Die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, zwischen Buchstaben und Sinn zu unterscheiden. Saul klammerte sich an seinen Schwur, während das Volk erkannte, dass Jonathan im Vertrauen auf Gott gehandelt hatte. Ihre Haltung war nicht Rebellion, sondern ein Eintreten für das, was recht und angemessen war.
Im heutigen Sprachgebrauch verwenden wir den Satz, um uns entschieden von einer Anschuldigung oder einem unethischen Vorschlag zu distanzieren. Er kann Ausdruck von Integrität sein: Man macht deutlich, dass bestimmte Gedanken oder Taten mit dem eigenen Werteverständnis unvereinbar sind.
So erinnert die biblische Szene daran, dass verantwortliches Handeln Gewissen und Urteilskraft verlangt. „Das liegt mir völlig fern“ ist mehr als eine Abwehrformel – es kann ein Bekenntnis zur Gerechtigkeit sein, das sich nicht von falschen Bindungen oder unüberlegten Versprechen leiten lässt.
Schreibe einen Kommentar