Von Gott verlassen

Von Gott verlassen Psalm 22,2; Matthäus 27,46; Markus 15,34

Der Ausdruck „von Gott verlassen“ beschreibt eine tiefe Erfahrung menschlicher Not, Verzweiflung und Einsamkeit. Er drückt das Gefühl aus, dass Gott fern ist oder schweigt, obwohl man seine Hilfe dringend benötigt. In der Bibel begegnet dieses Gefühl oft in Momenten größten Leids, als Ausdruck echter Menschlichkeit und existenzieller Bedrängnis.

In Psalm 22,2 klagt der Psalmist:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bist du so fern von meiner Rettung, von den Worten meines Jammerns?“

Hier wird ein Zustand tiefster Angst und Verlassenheit beschrieben. Der Psalmist fühlt sich von Gott getrennt und allein gelassen, gerade in einer Zeit intensiven Leidens. Dennoch wird deutlich: Auch im Schrei nach Gott bleibt das Vertrauen, dass Gott letztlich hört und rettet. Psalm 22 ist ein Beispiel dafür, dass Klage vor Gott Ausdruck von Glauben sein kann – ein ehrliches Eingeständnis von Angst und Schmerz.

Dieses Gefühl der Verlassenheit wird im Neuen Testament auf Jesus übertragen. In Matthäus 27,46 und Markus 15,34 ruft Jesus am Kreuz:

„Eli, Eli, lama sabachthani?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Hier nimmt Jesus die tiefste menschliche Erfahrung von Leid und Gottferne auf. Er identifiziert sich mit der menschlichen Ohnmacht und dem Gefühl der Isolation, während er zugleich die Verbindung zu Gott aufrechterhält. Die Worte zeigen, dass selbst Jesus, der Sohn Gottes, das absolute Leiden und die Erfahrung der Trennung von Gott erlebte – ein Zeichen der Solidarität mit der menschlichen Existenz.

Der Satz „von Gott verlassen“ erinnert daran, dass Zweifel, Angst und Schmerz keine Zeichen von Unglauben sind. Er zeigt, dass echte Klage, ehrliche Verzweiflung und das Ringen mit Gott Teil des Glaubensweges sein können. Zugleich enthält er die Hoffnung, dass Gottes Nähe auch dann nicht endgültig verschwindet: Wer sich in Verlassenheit an ihn wendet, erlebt, dass er letztlich hört, tröstet und rettet.

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