Wer da hat dem wird gegeben Matthäus 13,12; 25,29; Markus 4,25; Lukas 8,18; 19,26;
Dieser Satz aus den Worten von Jesus Christus wirkt auf den ersten Blick überraschend oder sogar widersprüchlich. Es scheint, als würden die, die schon viel haben, noch mehr bekommen, während die, die wenig besitzen, leer ausgehen. Doch gemeint ist hier nicht in erster Linie materieller Besitz, sondern eine geistliche und innere Wirklichkeit.
„Haben“ bedeutet in diesem Zusammenhang: offen sein, hören wollen, verstehen wollen und das Empfangene im Leben umsetzen. Wer bereit ist, Gottes Wort aufzunehmen und danach zu leben, wird darin wachsen. Erkenntnis vertieft sich, Vertrauen wird stärker, und der Glaube gewinnt an Tiefe. So „wird gegeben“ – nicht unbedingt sichtbar, aber spürbar im Inneren.
Umgekehrt gilt: Wer verschließt, was er empfangen hat, wer nicht darauf achtet oder es gleichgültig behandelt, verliert selbst das Wenige, das ihm an Einsicht oder Glauben geschenkt war. Es ist wie mit einer Fähigkeit: Wenn sie nicht genutzt wird, verkümmert sie.
In den Gleichnissen, in denen dieser Satz vorkommt, geht es oft um Verantwortung. Jeder Mensch bekommt etwas anvertraut – sei es Zeit, Begabung, Glaube oder Möglichkeiten. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Wer das Empfangene nutzt, entwickelt es weiter. Wer es vernachlässigt, lässt es verklingen.
Dieser Vers ist deshalb weniger eine ungerechte Regel als vielmehr ein Aufruf: Nutze, was dir gegeben ist. Sei aufmerksam, wach und bereit zu wachsen. Dann wird sich das, was du hast, vermehren – nicht unbedingt an Besitz, aber an Tiefe, Sinn und innerem Reichtum.
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