Sich in sein stilles Kämmerlein zurückziehen – Im stillen Kämmerlein beten Mt 6,6
Der Ausdruck „sich in sein stilles Kämmerlein zurückziehen“ geht auf Matthäus 6,6 zurück und ist Teil der Lehre von Jesus Christus über das Gebet. Dort heißt es, dass man zum Beten in das eigene Zimmer gehen, die Tür schließen und im Verborgenen zu Gott beten soll.
Mit „im stillen Kämmerlein“ ist ein Ort der Abgeschiedenheit gemeint, an dem man ungestört und ohne äußere Ablenkung zur Ruhe kommt. Im Gegensatz zu öffentlichem oder demonstrativem Beten betont Jesus hier die persönliche, innere Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Es geht nicht darum, vor anderen Eindruck zu machen, sondern ehrlich und aufrichtig vor Gott zu treten.
Das Bild unterstreicht, dass Gebet etwas sehr Persönliches ist. Im Verborgenen entsteht ein Raum, in dem Gedanken, Sorgen, Dank und Bitten offen ausgesprochen werden können, ohne dass äußere Erwartungen eine Rolle spielen. Diese Form des Gebets fördert Authentizität und Konzentration auf das Wesentliche.
Im weiteren Kontext der Bibel wird das „stille Kämmerlein“ zu einem Symbol für die innere Einkehr und die persönliche Gottesbeziehung. Es zeigt, dass Spiritualität nicht an öffentliche Sichtbarkeit gebunden ist, sondern gerade im Stillen Tiefe gewinnen kann.
So steht „im stillen Kämmerlein beten“ sinnbildlich für die bewusste Suche nach Ruhe, Konzentration und innerer Sammlung, um in einem persönlichen und ungestörten Rahmen in Beziehung zu Gott zu treten.
Allzumenschliches
Man weiß ja nie, was die Menschen sich im stillen Kämmerlein so ausdenken, was Kinder aushecken und sich an neuen Streichen einfallen lassen. Und man kann Augen und Ohren nicht überall haben. Nur gut, dass man nicht weiß, was manche im Kämmerlein, ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit ausbrüten und im Schilde führen.
Wer sich in sein stilles Kämmerlein zurückzieht, mag sich nicht am Lärm der Außenwelt beteiligen, einfach mal allein und für sich sein und z.B. private Frömmigleit pflegen. In selbstgewählter Isolation kann Mensch zur Ruhe kommen, neue Kräfte sammeln und gegebenenfalls in aller Stille das eine oder andere persönliche Anliegen vor Gott bringen. Dabei sind keine gewählten Worte notwendig; es ist ein Ort für Gedanken und Geheimnisse, die sonst niemanden etwas angehen.