Sein Mütchen kühlen 2, Mose 15,9
Der Ausdruck „sein Mütchen kühlen“ geht auf bildhafte Vorstellungen zurück. Diese auch im biblischen Sprachgebrauch ihren Widerhall finden, etwa im Zusammenhang mit 2. Mose 15,9 im Buch Exodus. Dort beschreibt Mose in einem Lied den Feind, der voller Übermut spricht und seine Gegner verfolgt. Die Formulierung steht im Kontext von Macht, Überheblichkeit und dem Versuch, den eigenen Zorn oder Ehrgeiz an anderen auszuleben.
„Sein Mütchen kühlen“ bedeutet im übertragenen Sinn, seinen Zorn, seine Wut oder seine aufgestaute Erregung an jemandem oder durch eine Handlung abzureagieren. Das „Mütchen“ steht dabei für den inneren Gemütszustand, insbesondere für aufgestaute Emotionen wie Ärger oder Rachegefühle. „Kühlen“ meint, diese Spannungen durch ein bestimmtes Verhalten abzubauen oder zu beruhigen. Und das geschieht oft jedoch auf Kosten anderer.
Im biblischen Zusammenhang wird ein solches Verhalten kritisch betrachtet. Insbesondere wenn es mit Überheblichkeit oder Gewalt verbunden ist. Das Lied des Mose erinnert daran, dass menschliche Macht und Selbstsicherheit, die sich gegen andere richtet, letztlich nicht von Dauer ist. Die übermütigen Absichten der Gegner werden im weiteren Verlauf der Erzählung durch Gottes Eingreifen begrenzt.
Die Redewendung wird heute verwendet, wenn jemand seine Aggressionen oder Emotionen an einer anderen Person oder in einer Situation abreagiert. Sie kann sowohl beschreibend als auch kritisch gemeint sein. Und sie verweist darauf, dass Handlungen nicht nur sachlich motiviert sein müssen, sondern oft auch durch innere Gefühle beeinflusst werden.
So steht „sein Mütchen kühlen“ für den Versuch, innere Spannungen durch äußere Handlungen abzubauen. Der biblische Bezug macht zugleich deutlich, dass solche Reaktionen reflektiert werden sollten, da sie leicht in Übermaß, Ungerechtigkeit oder Rücksichtslosigkeit führen können.
Zum Einen mag es vorkommen, dass einer seinen aufgestauten Zorn, seine Wut oder Rachsucht an einer wehrloseren Person oder Sache abreagiert, sozusagen „Dampf ablässt“. Abdererseits kann es auch heißen, dass ein Anderer seine Überlegenheit ausnutzt und Schwächere mutwillig schikaniert.
Die Redewendung ist schon seit dem Mittelalter bekannt und findet sich z.B. auch im Nibelungenlied. Stark geprägt wurde der Ausdruck durch Luthers Übersetzung der Heiligen Schrift.