Sein Pfund vergraben Matthäus 25,18.25; Lukas 19,12ff.
Der Ausdruck „sein Pfund vergraben“ geht auf die Gleichnisse von Jesus Christus im Evangelium nach Matthäus (Mt 25,18.25) sowie nach Lukas (Lk 19,12ff.) zurück. Dort beschreibt Jesus, wie ein Diener das ihm anvertraute Gut nicht nutzt, sondern es aus Angst oder Bequemlichkeit „in der Erde versteckt“, anstatt damit zu arbeiten.
Das Bild vom „vergrabenen Pfund“ steht für eine Haltung der Untätigkeit und des Rückzugs. Ein Mensch erkennt zwar, dass ihm Fähigkeiten, Möglichkeiten oder Aufgaben anvertraut sind, entscheidet sich jedoch, diese nicht einzusetzen. Gründe dafür können Unsicherheit, Angst vor Fehlern, mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder auch Gleichgültigkeit sein.
Im Gleichnis wird deutlich, dass das Verhalten dieses Dieners kritisch bewertet wird. Während andere ihre anvertrauten Mittel einsetzen und vermehren, bleibt sein Pfund ungenutzt. Damit verfehlt er den Sinn des ihm entgegengebrachten Vertrauens. Es geht nicht nur darum, keinen Schaden anzurichten, sondern darum, Verantwortung aktiv wahrzunehmen.
Übertragen auf das Leben bedeutet „sein Pfund vergraben“, die eigenen Talente, Chancen oder Aufgaben nicht zu nutzen. Das kann sich im persönlichen, beruflichen oder sozialen Bereich zeigen. Wenn jemand Fähigkeiten nicht einbringt, obwohl sie gebraucht werden, oder Möglichkeiten aus Angst vor Risiko ungenutzt lässt.
Die Aussage des Gleichnisses lädt dazu ein, mit dem eigenen Leben bewusst umzugehen und die eigenen Gaben nicht zu verstecken. Sie betont, dass Vertrauen, das einem entgegengebracht wird, auch eine Aufgabe ist. Es heißt, aktiv zu handeln, statt sich zurückzuziehen.
So wird „sein Pfund vergraben“ zu einem warnenden Bild für verpasste Chancen. Es ist zugleich auch eine Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Möglichkeiten mutig und sinnvoll einzusetzen.
Von Talenten ist die Rede
Der Vers Matthäus 25,15 lautet in der Übersetzung der Elberfelder Bibel: „Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit; und reiste außer Landes.“ –
Martin Luther macht an der Textstelle aus den Talenten Zentner. Vermutlich will er erreichen, dass die einfachen Menschen, die den deutschen Bibeltext lesen, sich unter der Maßangabe etwas vorstellen können.
Ein biblisches Talent entspricht etwa 30 bis 35 kg. Der Zentner ist als das Hundertfache eines Basisgewichtes – das Pfund entspricht regionalbedingt zwischen 400 bis 500 g – wohl etwas schwerer. Aber mit 40 bis 50 kg ist ein Zentner für die Menschen leichter vorstellbar und überhaupt greifbar – nicht nur im 16. Jahrhundert.
Die biblische Gewichtsangabe Talent wird durch Aufwiegen mit Gold, Silber oder Kupfer auch für Zahlungsmittel genutzt. Nimmt man einen aktuellen Silberpreis, so kommen für die Eigentumsanteile, die der Herr im Gleichnis den Dienern übergibt, beachtliche Summen zusammen.
Durch die Auslegung des Gleichnisses wird das Talent, das ursprünglich als babylonische Einheit die Traglast eines Mannes bezeichnet und später sowohl Gewichts- als auch Währungseinheit ist, zum Synonym für die verschiedenen Fähigkeiten und Begabungen eines Menschen. Solche Gaben wollen gefunden und gefördert sein, (junge,) begabte Menschen müssen Möglichkeiten haben und nutzen, Fähigkeiten zu üben, Erfolge zu erreichen und durch „produktive Unzufriedenheit“ und wachsendes Selbstvertrauen immer besser werden. – Die Menschen, die im Gleichnis von ihrem Herrn mit Talenten ausgestattet werden, kennen die Geschäfte des Herrn, und sie erkennen die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Entsprechend gehen sie an die Arbeit.
Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Johann Wolfgang von Goethe, Der Tragödie erster Teil, 1808, Nacht, Faust mit sich allein
erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,
nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.
Der Abschnitt „Von Talenten ist die Rede“ stammt aus dem Buch „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, Frank Weber, 2025, BoD
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