Der Tag der Rache nach Jesaja 34,8
Der Ausdruck „Tag der Rache“ aus Jesaja 34,8 wirkt auf den ersten Blick hart und beunruhigend. Er beschreibt einen Moment, in dem Unrecht nicht länger bestehen bleibt, sondern zur Rechenschaft gezogen wird. In diesem Vers geht es nicht um willkürliche Vergeltung, sondern um Gerechtigkeit – um einen Zeitpunkt, an dem das Gleichgewicht wiederhergestellt wird.
Der Prophet Jesaja spricht in einer Zeit, in der Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit das Leben vieler Menschen prägen. Der „Tag der Rache“ ist daher auch ein Hoffnungssymbol: Für die Unterdrückten bedeutet er Befreiung. Für die Täter hingegen die Konsequenz ihres Handelns. Es ist ein Tag, an dem Gott als Richter auftritt und zeigt, dass Unrecht nicht das letzte Wort hat.
Gleichzeitig fordert dieser Vers zum Nachdenken heraus. Er stellt die Frage nach Verantwortung: Wie gehen Menschen miteinander um? Wo geschieht Unrecht – im Großen wie im Kleinen? Der Gedanke an einen Tag der Abrechnung kann als Mahnung verstanden werden, das eigene Handeln zu prüfen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen, bevor es zu spät ist.
So ist der „Tag der Rache“ weniger ein Aufruf zur Angst als vielmehr ein Ruf zur Umkehr und Hoffnung. Er erinnert daran, dass Gerechtigkeit letztlich siegt und dass kein Leid für immer unbeachtet bleibt.
Rache und Rechenschaft
Ich nehme einmal den Tag der Rache als den Tag des Jüngsten Gerichtes. Dabei handelt es sich um eine zentrale Vorstellung der abramitischen Religionen, die da sind Judentum, Christentum, Islam.
Nach christlicher Vorstellung wird der auferstandene Jesus Christus, der aufgefahren ist in den Himmel, am Tag der Ersten Auferstehung aus dem Himmel zurückkehren, die Toten erweckenund anschließend ein Endgericht halten über alle Menschen.
Auch im Islam wird ein Yawm al-Qiyāmah, der Tag der Auferstehung erwartet. An diesem Tag wird Gott die Menschen zur Rechenschaft ziehen. Er wird die guten und die bösen Taten der Menschen abwägen und sie dem Ergebnis entsprechend ins Paradies oder in die Hölle einziehen lassen.
Rache ist eine Form der Selbstjustiz. Sie ist (nicht nur) in Deutschland verboten.
Der Rachlustige, den nach Vergeltung gelüstet bzw. verlangt, will wegen einer erlittenen Demütigung oder Kränkung, wegen zugefügter Verletzung oder anderem Unrecht, den Missetäter mit einer vergeltenden Gewalttat bestrafen. Damit will der Rächer ein Empfinden von Genugtuung oder Gerechtigkeit erzeugen, was aber letztlich nur zu weiterer Eskalation und Gewalt führen kann. Rache entsteht meist aus dem Gefühl eigener Machtlosigkeit, teifer Verletzung oder einem vorsintflutlichen Rechtsverständnis.
„Wie der Hund nur den Hund zeugt, so zeugt Gewalt immer nur Gewalt.“ – Charlton Heston, Ben Hur 1959