„Die Starken bedürfen des Arztes nicht“ (Matthäus 9,12; Markus 2,17; Lukas 5,31)
Der Satz „Die Starken bedürfen des Arztes nicht“ stammt aus der Bibel und wird in den Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas überliefert. Gesprochen wird er von Jesus von Nazareth im Zusammenhang mit der Frage, warum er sich mit Zöllnern und „Sündern“ zusammensetzt.
Im Kontext antwortet Jesus auf die Kritik der Pharisäer, die sein Verhalten als ungewöhnlich empfinden. Mit dem Bild des Arztes macht er deutlich, dass ein Arzt nicht zu den Gesunden, sondern zu den Kranken kommt. Übertragen bedeutet das: Seine Sendung richtet sich besonders an Menschen, die Hilfe, Umkehr oder Heilung benötigen.
Der Ausdruck „die Starken“ steht dabei sinnbildlich für Menschen, die sich selbst für gerecht, gesund oder unabhängig halten. „Nicht bedürfen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie meinen, keine Unterstützung oder Veränderung nötig zu haben. Jesus stellt diese Haltung der Selbstsicherheit in Frage und zeigt, dass gerade diejenigen, die ihre Bedürftigkeit erkennen, offen für Hilfe sind.
Das Bild unterstreicht somit die Offenheit und Zuwendung Jesu gegenüber Menschen am Rand der Gesellschaft oder mit belasteter Lebensgeschichte. Er wendet sich nicht ab, sondern sucht bewusst den Kontakt zu denen, die als „krank“ oder „verloren“ gelten.
Im übertragenen Sinn wird der Satz heute oft verwendet, um darauf hinzuweisen, dass Einsicht in die eigenen Schwächen eine Voraussetzung dafür ist, Hilfe anzunehmen oder sich weiterzuentwickeln. Wer sich für vollkommen hält, sieht oft keinen Anlass zur Veränderung; wer hingegen seine Grenzen erkennt, ist eher bereit, Unterstützung anzunehmen.
„Die Starken bedürfen des Arztes nicht“ macht deutlich, dass Hilfe dort wirksam wird, wo sie angenommen wird – und dass Offenheit für eigene Bedürftigkeit ein wichtiger Schritt zu Heilung, Veränderung und innerem Wachstum sein kann.
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