„Ein Stachel im Fleisch“ (2. Korinther 12,7–10)
Der Ausdruck „ein Stachel im Fleisch“ stammt aus der Bibel, genauer aus 2. Korinther 12,7–10 im Neuen Testament. Dort beschreibt Paulus von Tarsus eine persönliche Erfahrung, die ihn belastet und zugleich prägt.
Paulus spricht von einem „Stachel im Fleisch“. Der wurde ihm gegeben, damit er sich nicht überhebe. Was genau dieser Stachel war, wird im Text nicht eindeutig erklärt. In der Auslegung wird oft vermutet, dass es sich um eine körperliche Einschränkung, eine Krankheit, eine äußere Bedrängnis oder eine andere Form von anhaltender Belastung gehandelt haben könnte. Entscheidend ist jedoch nicht die genaue Ursache, sondern die Wirkung: eine dauerhafte Herausforderung, die Paulus begleitet.
Dreimal bittet Paulus Gott, diesen Stachel von ihm zu nehmen. Die Antwort, die er erhält, lautet: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Damit verschiebt sich der Fokus von der Entfernung des Problems hin zur Erfahrung von göttlicher Unterstützung gerade in der Schwachheit.
Der Stachel im Fleisch
Der „Stachel im Fleisch“ wird so zu einem Bild für etwas, das einen Menschen dauerhaft begleitet. Es fordert ihn ihn heraus oder bringt ihn auch an seine Grenzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass gerade solche Situationen nicht nur als Belastung zu verstehen sind. Sie können auch als Orte von Erkenntnis, Demut und Vertrauen verstanden werden.
Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute verwendet, um eine anhaltende Schwierigkeit, Einschränkung oder Belastung zu beschreiben. Diese verschwindet nicht einfach verschwindet, sondern bleibt Teil des Lebens. Der Satz erinnert daran, dass nicht alle Probleme sofort gelöst werden. Manches muss ausgehalten und in einer anderen Perspektive angenommen werden.
So zeigt „ein Stachel im Fleisch“ die Spannung zwischen menschlichem Wunsch nach Befreiung und der Erfahrung, dass auch in der Schwachheit Kraft und Halt gefunden werden können.
Allzumenschliches
Er ist wohl mehr als eine Belastungsprobe, der Stachel oder Dorn im Fleisch, das ständige Dauerärgernis, der Schmerzpunkt, dieser ewige Störfaktor. Was Paulus mit dem Stachel in seinem Fleisch meint, sagt er seinen Lesern nicht. Aber die Auswahl der Möglichkeiten ist so groß, dass jede und jeder für sich etwas findet, was die Menschen im Leben dauerhaft begleitet. Manches schmerzt, manches nervt, anderes gehört zum Leben einfach dazu.
Und nach Johann Wolfgang von Goethe ist die Erfahrung fast immer eine Parodie auf die Idee.