„Wie Sodom und Gomorra“ (1. Mose 19,23–26)
Die Redewendung „wie Sodom und Gomorra“ wird bis heute verwendet, um einen Ort des Chaos, der Verwüstung oder des sittlichen Verfalls zu beschreiben. Wenn jemand sagt, es sehe „aus wie Sodom und Gomorra“, meint er meist einen Zustand großer Unordnung, Zerstörung oder moralischer Verwahrlosung. Der Ursprung dieser Redewendung liegt in der biblischen Erzählung von den Städten Sodom und Gomorra, die in 1. Mose 19 geschildert wird.
Nach der biblischen Überlieferung lagen die Städte Sodom und Gomorra in einer fruchtbaren Gegend am Jordan. Trotz ihres Wohlstands hatten sich ihre Bewohner von Gottes Geboten entfernt. Die Bibel beschreibt die Städte als Orte großer Bosheit, Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit. Die Menschen lebten egoistisch, missachteten ihre Mitmenschen und waren nicht bereit, ihr Verhalten zu ändern.
Gott beschloss deshalb, die Städte zu richten. Zuvor wurde jedoch der gerechte Lot mit seiner Familie gewarnt. Engel forderten ihn auf, die Stadt zu verlassen und nicht zurückzublicken. Als Lot und seine Angehörigen flohen, ließ Gott Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorra regnen. Die Städte wurden vollständig zerstört. Die Frau Lots missachtete die Warnung, blickte zurück und wurde, wie die Bibel berichtet, zu einer Salzsäule.
Die Geschichte wurde zu einem eindrucksvollen Symbol für die Folgen von Bosheit und Ungehorsam. Deshalb stehen Sodom und Gomorra bis heute für Orte oder Zustände, die von Chaos, Zerstörung oder moralischem Niedergang geprägt sind. Die Redewendung findet oft Verwendung, wenn große Unordnung herrscht oder wenn Menschen das Gefühl haben, dass grundlegende Werte verloren gegangen sind.
Dabei geht es in der biblischen Erzählung nicht nur um Strafe. Die Geschichte enthält auch eine Warnung vor Selbstsucht, Ungerechtigkeit und mangelnder Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Die Propheten des Alten Testaments greifen Sodom und Gomorra später immer wieder als Beispiel für Hochmut, Gleichgültigkeit gegenüber den Armen und gesellschaftliche Ungerechtigkeit auf.
Auch heute hat die Redewendung eine starke Wirkung. Sie wird sowohl für verwüstete Orte nach Naturkatastrophen oder Kriegen als auch für Zustände moralischer Orientierungslosigkeit verwendet. Wer von „Sodom und Gomorra“ spricht, meint meist eine Situation, in der Ordnung, Respekt und Verantwortung verloren gegangen sind.
Gleichzeitig erinnert die Geschichte daran, dass Gott dem Menschen immer wieder Möglichkeiten zur Umkehr gibt. Schon vor der Zerstörung hatte Gott die Städte gewarnt. Abraham setzte sich sogar für ihre Bewohner ein und bat Gott um Erbarmen. Die Erzählung zeigt daher nicht nur das Gericht, sondern auch Gottes Geduld und seine Bereitschaft zur Vergebung.
Für Christen enthält die Geschichte die Aufforderung, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Sie erinnert daran, dass Wohlstand allein keine Garantie für ein gutes Leben ist. Entscheidend sind Mitmenschlichkeit, Ehrlichkeit und die Achtung vor Gott und den Menschen.
Zusammenfassend bezeichnet die Redewendung „wie Sodom und Gomorra“ einen Zustand großer Verwüstung, Unordnung oder moralischen Verfalls. Ihr Ursprung liegt in der Zerstörung der beiden Städte in 1. Mose 19,23–26. Die biblische Geschichte warnt vor Ungerechtigkeit, Hochmut und Gleichgültigkeit und erinnert daran, wie wichtig Verantwortung, Mitgefühl und ein gerechtes Leben sind. Deshalb hat die Redewendung ihre Bedeutung bis heute bewahrt.