Das eine tun und das andere nicht lassen Mt 23,23; Lukas 11,42
Der Satz „Das eine tun und das andere nicht lassen“ aus Matthäus 23,23 und Lukas 11,42 gehört zu den Worten Jesu, in denen er die religiösen Führer seiner Zeit kritisiert. Diese hatten großen Wert auf äußerliche, sichtbare Gesetzestreue gelegt, etwa das genaue Abgeben des Zehnten selbst von kleinsten Gartenkräutern. Dabei vernachlässigten sie jedoch die zentralen Anliegen wie Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue.
Mit dieser Formulierung macht Jesus deutlich, dass beides wichtig ist: die äußeren religiösen Pflichten ebenso wie die inneren, grundlegenden Werte. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen, sondern eine richtige Gewichtung zu finden. Äußere Handlungen haben ihren Platz, doch sie dürfen nicht die tieferen ethischen und geistlichen Grundlagen verdrängen.
Der Satz ist daher als Korrektur einseitiger Frömmigkeit zu verstehen. Er richtet den Blick darauf, dass Glaube mehr ist als die Erfüllung von Regeln oder Traditionen. Entscheidend ist, dass das Handeln von einer Haltung getragen wird, die Gerechtigkeit, Mitgefühl und Ehrlichkeit einschließt. Ohne diese inneren Werte verlieren äußere Werke ihren eigentlichen Sinn.
Gleichzeitig zeigt die Aussage auch, dass Jesus die Gebote nicht grundsätzlich abschafft, sondern in einen größeren Zusammenhang stellt. Er ruft dazu auf, das Ganze im Blick zu behalten: sowohl die konkreten Verpflichtungen als auch die dahinterstehenden Prinzipien. Ein ausgewogenes Leben besteht darin, beides miteinander zu verbinden.
So wird der Satz zu einer bleibenden Orientierung: Er fordert dazu auf, weder das Äußere zu vernachlässigen noch sich darin zu erschöpfen, sondern das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Damit wird ein ganzheitlicher Zugang zum Glauben beschrieben, der sowohl die Praxis als auch die innere Haltung ernst nimmt.
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