Gehe hin und tu desgleichen Lukas 10,37
Der Satz „Gehe hin und tu desgleichen“ aus Lukas 10,37 steht am Ende des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter. In dieser Erzählung schildert Jesus, wie ein Mann auf dem Weg von Räubern überfallen wird und schwer verletzt am Straßenrand liegen bleibt. Ein Priester und ein Levit sehen ihn, gehen jedoch vorüber, während ein Samariter – jemand, der im damaligen gesellschaftlichen Kontext eher als Fremder und Außenseiter galt – stehen bleibt, sich um den Verletzten kümmert und praktische Hilfe leistet.
Am Ende des Gleichnisses stellt Jesus die entscheidende Frage, wer sich als Nächster erwiesen hat. Die Antwort liegt auf der Hand: derjenige, der Erbarmen gezeigt hat. Darauf folgt die Aufforderung: „Gehe hin und tu desgleichen.“ Diese Worte sind keine bloße Schlussbemerkung, sondern ein klarer Handlungsauftrag.
Der Satz macht deutlich, dass es im Glauben nicht nur um Wissen oder das richtige Verständnis von Geboten geht, sondern um deren Umsetzung im konkreten Leben. Es reicht nicht, Mitgefühl theoretisch zu bejahen – es soll sich im Handeln zeigen. Der barmherzige Samariter wird zum Vorbild dafür, wie Nächstenliebe praktisch aussehen kann: hinschauen, sich berühren lassen, anpacken und helfen, ohne nach Herkunft oder Zugehörigkeit zu fragen.
Gleichzeitig sprengt Jesus mit diesem Gleichnis die üblichen Grenzen von „Nächstenliebe“. Der Nächste ist nicht nur der, der uns nahesteht oder zu unserer Gruppe gehört, sondern jeder Mensch in Not. Damit wird die Frage nicht nur beantwortet, wer der Nächste ist, sondern auch, wer selbst zum Nächsten wird – nämlich derjenige, der handelt.
„Gehe hin und tu desgleichen“ ist daher eine Einladung, Verantwortung zu übernehmen und nicht an der Theorie stehen zu bleiben. Es ist ein Aufruf, den Blick für die Bedürfnisse anderer zu schärfen und im Alltag konkret zu werden. So verbindet sich das Hören des Wortes mit dem Tun – und aus einer Erzählung wird eine Lebenshaltung.
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