Voll des süßen Weines sein

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Voll des süßen Weines sein nach Apostelgeschichte 2,12-13

Die Redewendung „voll des süßen Weines sein“ hat ihren Ursprung in der Pfingstgeschichte des Neuen Testaments. In Apostelgeschichte 2,12–13 wird berichtet, wie die Jünger Jesu nach der Ausgießung des Heiligen Geistes plötzlich in verschiedenen Sprachen sprechen konnten. Die Menschen, die dieses außergewöhnliche Ereignis beobachteten, reagierten unterschiedlich. Einige waren erstaunt und fragten sich nach der Bedeutung des Geschehens, während andere spöttisch bemerkten: „Sie sind voll süßen Weines.“

Das Ereignis fand am jüdischen Pfingstfest in Jerusalem statt. Menschen aus vielen Ländern hatten sich dort versammelt. Als der Heilige Geist auf die Jünger kam, begannen sie, die großen Taten Gottes in verschiedenen Sprachen zu verkünden. Die Zuhörer hörten die Botschaft jeweils in ihrer eigenen Muttersprache. Für viele war dies ein Wunder, das sie nicht erklären konnten.

Manche der Anwesenden suchten jedoch nach einer einfachen Erklärung. Weil das Verhalten der Jünger ungewöhnlich wirkte und von großer Begeisterung geprägt war, unterstellten sie ihnen Trunkenheit. Mit der Bemerkung, sie seien „voll süßen Weines“, wollten sie das Geschehen lächerlich machen und seine Bedeutung herabsetzen. Der „süße Wein“ war ein besonders süßer, gärender Wein, der berauschend wirken konnte.

Missverstandene Begeisterung

Der Apostel Petrus widersprach diesem Vorwurf entschieden. Er erklärte, dass es erst die dritte Stunde des Tages, also etwa neun Uhr morgens, sei, und dass die Jünger nicht betrunken seien. Stattdessen erfülle sich die Verheißung des Propheten Joel, dass Gott seinen Geist über die Menschen ausgießen werde. Das außergewöhnliche Verhalten der Jünger war also nicht die Folge von Alkohol, sondern Ausdruck göttlichen Wirkens.

Die Geschichte zeigt ein typisches menschliches Verhalten. Wenn Menschen etwas Neues, Ungewöhnliches oder schwer Verständliches erleben, reagieren sie oft mit Spott oder Ablehnung. Was sie nicht erklären können, versuchen sie manchmal zu bagatellisieren oder ins Lächerliche zu ziehen. Die Pfingsterzählung macht deutlich, dass hinter außergewöhnlichen Ereignissen mehr stehen kann, als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Heute wird die Redewendung „voll des süßen Weines sein“ gelegentlich scherzhaft verwendet, um jemanden als betrunken oder übermäßig begeistert zu beschreiben. Im biblischen Zusammenhang hat sie jedoch eine tiefere Bedeutung. Sie erinnert daran, dass geistliche Erfahrungen und neue Entwicklungen oft missverstanden werden und dass vorschnelle Urteile der Wahrheit nicht immer gerecht werden.

So verweist die Pfingstgeschichte darauf, dass Gottes Wirken nicht immer den Erwartungen der Menschen entspricht. Die Worte „voll des süßen Weines“ zeigen, wie leicht Außergewöhnliches missdeutet werden kann, und laden dazu ein, genauer hinzusehen, bevor man über Menschen oder Ereignisse urteilt.