Himmelschreiendes Unrecht

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Himmelschreiendes Unrecht 1. Mose 4, 10

Der Ausdruck „himmelschreiendes Unrecht“ stammt aus der Geschichte von Kain und Abel in 1. Mose 4,10. Nachdem Kain seinen Bruder Abel getötet hat, sagt Gott: „Das Blut deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ Mit diesem Bild wird deutlich, dass manche Taten so schwer und ungerecht sind, dass sie nach göttlicher Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit rufen.

„Himmelschreiendes Unrecht“ bezeichnet Handlungen, die nicht nur Menschen verletzen. Sie sind moralisch und ethisch so gravierend, dass sie das natürliche Gleichgewicht der Welt stören und Gott selbst herausfordern. Mord, Gewalt und Verrat gehören zu diesen Taten. Das „Schreien“ symbolisiert dabei den Ruf nach Gerechtigkeit und Vergeltung. Die Sünde lässt sich nicht verbergen und verlangt göttliche Reaktion.

Theologisch zeigt der Ausdruck, dass Gott Ungerechtigkeit nicht ignoriert. Er ist der Richter über Recht und Unrecht. Und Taten, die „zum Himmel schreien“, verdeutlichen die Ernsthaftigkeit moralischer Verantwortung. Gleichzeitig ruft der Text zur Reue, Umkehr und Besinnung auf. Wer bewusst Unrecht begeht, kann nicht einfach der göttlichen Ordnung entkommen.

Das „himmelschreiende Unrecht“ sagt uns, dass schwere, offensichtliche und moralisch verwerfliche Taten Gottes Aufmerksamkeit erregen und sein Eingreifen herausfordern. Es ist ein Bild für Gottes Gerechtigkeit, die Dringlichkeit moralischer Verantwortung und die Unausweichlichkeit der Konsequenzen für schwere Sünden.

Unrecht, das gen Himmel schreit

Wer an einen gerechten Gott glauben will, tut sich oft schwer, die Ungerechtigkeiten dieser Welt als gegeben hinzunehmen. Die Bibel schildert einerseits Geschichten von Ergebung in ein Schicksal, von Bitten und Hoffnung, andererseits auch von Leiden, Klage und auch Widerstand. Dazwischen liegen nicht selten Abgründe.

Die befreiende Kraft des Glaubens will sich immer wieder neu finden lassen wie auch jede persönliche Quelle des Trostes.

Schwer auszuhalten ist, dass weltweit viele Millonen Menschen auf der Flucht sind, fliehen müssen vor Hunger, Krieg und Gewalt. Ebenso schwer wollen wir akzeptieren, dass Menschen vom eigenen Staat (Beispiel Iran und andere) unterdrückt und ermordet werden. Oder dass Menschen jüdischen Glaubens unerträgliches Unrecht geschah und geschieht, dass viele Tausend Frauen und Mädchen täglich Opfer sexueller Gewalt werden, mit falschen Versprechungen betrogen und verkauft.

Die Diffamierung der Menschen, die sich in der zurückliegenden Coronazeit nicht impfen lassen wollten, gilt als himmelschreiendes Unrecht. Und der Papst – neben vielen anderen – prangert als himmelschreiendes Unrecht an, dass die Reichtümer der Erde nicht gerechter verteilt sind. Andere empfinden es als unrecht, wenn Menschen oder gleich ganze Länder sich überall auf der Welt einmischen müssen; wenn sie Kriege angezetteln, und sei es,um Unrechtsregime zu stürzen. Oder wenn neu gewählte Regierungen Wahlversprechen brechen und Wähler hinters Licht führen. Anderen stößt es bitter auf, wenn Beitrags- und Steuerzahler hart beansprucht weren, um einen großen Sozialstaat zu finanzieren und in aller Welt Entwicklungshilfe zu leisten; oder gar, wenn kommunale oder Kirchengemeinden gegen den Willen der Bürger zusammengelegt werden.
(Manchmal scheint es auch eine Frage des Standpunktes zu sein.)