Noli me tangere – Rühr mich nicht an!

Noli me tangere – Rühr mich nicht an! Johannes 20,17

Der Ausdruck „Noli me tangere“ („Rühr mich nicht an!“) stammt aus dem Evangelium nach Johannes (Johannes 20,17). Gesprochen wird er von Jesus Christus, als er nach seiner Auferstehung Maria Magdalena begegnet. In dieser besonderen Situation erkennt Maria ihn zunächst nicht, bis Jesus sich ihr offenbart. Aus Freude und Erstaunen will sie ihn festhalten, woraufhin Jesus diese Worte sagt.

Die Aussage „Rühr mich nicht an“ ist dabei nicht als Zurückweisung im Sinne von Ablehnung zu verstehen, sondern als Hinweis auf die veränderte Situation nach der Auferstehung. Die Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern befindet sich in einem Übergang: Jesus ist nicht mehr in der gleichen Weise körperlich greifbar wie vor seinem Tod. Seine Auferstehung weist auf eine neue Wirklichkeit hin, die sich dem gewohnten Zugriff entzieht.

Im weiteren Wortlaut erklärt Jesus Maria, dass sie ihn nicht festhalten soll, da er noch nicht zum Vater aufgefahren sei. Damit wird deutlich, dass seine Gegenwart nun eine andere Form annimmt – eine, die nicht mehr an einen bestimmten Ort oder eine physische Nähe gebunden ist. Zugleich sendet er Maria mit einer Botschaft zu den Jüngern, wodurch sie zur ersten Zeugin der Auferstehung wird.

Im übertragenen Sinn wird „Noli me tangere“ oft verwendet, um auf etwas hinzuweisen, das nicht festgehalten oder vereinnahmt werden kann. Es kann darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Erfahrungen, Begegnungen oder Zustände nicht dauerhaft festzuhalten sind, sondern sich verändern oder einer neuen Form der Beziehung bedürfen.

So beschreibt dieser kurze Satz einen tiefen Moment im Osterbericht: die Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die Freude des Wiedersehens und zugleich die Einsicht, dass sich die Art der Gemeinschaft grundlegend gewandelt hat. „Rühr mich nicht an“ wird damit zu einem Hinweis auf eine neue, geistlich geprägte Beziehung, die über das rein Sicht- und Greifbare hinausgeht.

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