Das Gleichnis, in dem Jesus sagt, dass sein Zuhörer sein Licht nicht unter den Scheffel stellen soll, ist in Markus 4, 21-22; Matthäust 5, 14-15 und Lukas 8, 16 zu finden.
Wie Bauern- oder Wetterregeln stammen auch viele Redewendungen aus längst vergangenen Zeiten. Sie enthalten Begriffe, die heute nicht mehr geläufig sind. Der Scheffel war zu Lebzeiten Luthers, also vor 500 Jahren ein bekannter Alltagsgegenstand. Heute kennt man den Behälter, der zum Abmessen und Transportieren von Getreide gebraucht wurde, nicht mehr.
Stülpt man einen solchen Behälter über ein Licht, z.B. eine Kerze, dann siegt die Dunkelheit. Das Licht kann nicht durch den dichten Behälter hindurch scheinen.
Jesus ermuntert seine Jünger, mit seiner Lehre nicht hinterm Berg zu halten, sondern sie angstfrei weiterzugeben. Das Licht unterm Scheffel für Introver-tiertheit, Selbstverzwergung und nichtangebrachte Zurückhaltung. Das Licht unterm Scheffel spricht vom Verheimlichen eigener Qualität und Fähigkeit, die stattdessen und besser wie Jesu Botschaft in die Welt zu tragen ist.
Wenn in dem damals typischen, fensterlosen Haus für die Familie, das nur einen Raum hatte, ein Licht brannte, dann war das ganze Haus hell
und alle hatten etwas davon. Und Luther wählt das Wort Scheffel für ein Gefäß mit ca. 8,75 Liter Inhalt, das in griechischer Sprache modios, im Lateinischen modius genannt wurde.
Pointe:
Als positive Form von „Sein Licht unter einen Scheffel stellen“ könnte auch gelten, Zurückhaltung zu zeigen und sich nicht aufzudrängen. Das mag von Kinderstube zeugen. Aber sollte man Vorsicht walten lassen, dass der Klügere nicht so lange nachgibt, bis er der Dümmere ist.
Andererseits: Bescheidenheit ist die höchste Form von Eitelkeit. (Charles de Foucauld)
Klappern gehört zum Handwerk
Wenn jemand sein Licht unter einen Scheffel stellt, dann bedeutet das, dass die betreffende Person ihr Kenntnisse und Fähigkeiten verschweigt und für sich behält. Eigene Talent und Begabungen, aber auch die eigenen Leistungen und die zugehörigen Erfolge werden geringgeschätzt, geradezu verleugnet.
Hirnforschung und Psychologie wissen nur zu gut, dass Bescheidenheit eben doch nicht wirklich ein hohes Gut ist. Es bewahrheitet sich oft, dass vielmehr das „Klappern zum Handwerk gehört“. Das heißt: Wir müssen selbst dafür sorgen, dass unsere Qualitäten auch gesehen werden, dass sichtbar und gesehen wird, was wir können und tun. Ob wir die Botschaft Jesu verbreiten, Wirtschaftsgüter vertreiben oder uns für eine Stelle (oder eine Partnerschaft) bewerben.
Bescheidenheit ist nicht förderlich für das Selbstbewusstsein. Wer etwas werden oder erreichen will, muss seine Kompetenzen darstellen und von den eigenen Qualitäten überzeugen können. – Und natürlich auch überzeugt sein!
Aus Gleichnisse des Jesus von Nazareth
„Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“
(vgl. Markus 4,21–22; Matthäus 5,14–15; Lukas 8,16)
Der Ausdruck „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ ist ein bildhafter Satz aus der Bibel, der in den Evangelien bei Jesus von Nazareth überliefert ist. Er verwendet das Bild einer Lampe, die nicht versteckt, sondern sichtbar aufgestellt wird, damit sie Licht spenden kann.
In den genannten Stellen wird deutlich, dass Licht nicht dazu gedacht ist, verborgen zu bleiben. Eine Lampe unter einem Gefäß – dem sogenannten Scheffel – würde ihre Funktion verlieren, da sie ihre Umgebung nicht mehr erhellen kann. Das Bild macht anschaulich, dass Licht seine Wirkung nur dann entfalten kann, wenn es sichtbar ist.
Übertragen auf das menschliche Leben steht „Licht“ für das, was ein Mensch an Gutem, an Fähigkeiten oder an inneren Werten in sich trägt. Dazu können beispielsweise Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Wissen oder Mut gehören. Diese Eigenschaften sollen nicht verborgen werden, sondern zum Wohl anderer beitragen.
Der Satz wird häufig so verstanden, dass Menschen ihre Begabungen und ihr Handeln nicht aus Scheu oder Zurückhaltung verstecken sollten. Vielmehr geht es darum, das eigene „Licht“ so einzusetzen, dass es für andere sichtbar und hilfreich wird. Dadurch kann es Orientierung geben, Orientierung fördern und Gemeinschaft stärken.
Gleichzeitig enthält das Bild auch einen Hinweis auf Verantwortung: Licht zu sein bedeutet nicht nur, selbst im Mittelpunkt zu stehen, sondern durch das eigene Verhalten Wirkung zu entfalten. Es geht um ein sichtbares, aber auch dienendes Leuchten, das anderen zugutekommt.
So wird der Ausdruck zu einer Einladung, die eigenen Fähigkeiten nicht ungenutzt zu lassen, sondern sie bewusst und verantwortungsvoll einzubringen, damit sie ihre Wirkung entfalten können – zum eigenen Wohl und zum Wohl der Gemeinschaft.
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