Sich selbst der Nächste sein Markus 12,31, 5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18
Der Ausdruck „sich selbst der Nächste sein“ steht im Zusammenhang mit dem biblischen Gebot der Nächstenliebe, wie es im Buch Markus (Markus 12,31) formuliert wird. Jesus Christus verbindet hier zwei zentrale Gebote miteinander: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Beide stehen untrennbar nebeneinander und bilden den Kern der biblischen Ethik.
Die Grundlage für dieses Gebot findet sich bereits im Alten Testament, insbesondere in Leviticus (3. Mose 19,18) und Deuteronomy (5. Mose 6,5). Dort wird die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft gefordert, während gleichzeitig die Aufforderung zur Liebe gegenüber dem Mitmenschen ausgesprochen wird. Jesus greift diese Tradition auf und fasst sie in einer klaren, verbindenden Weise zusammen.
„Sich selbst der Nächste sein“ wird oft missverstanden oder im Alltag ironisch verwendet, wenn jemand besonders auf das eigene Wohl bedacht ist. Im biblischen Sinn jedoch ist das Gegenteil gemeint: Nicht die Selbstbezogenheit steht im Mittelpunkt, sondern die Verantwortung gegenüber anderen. Der Maßstab für die Nächstenliebe ist dabei implizit die eigene Person – so, wie man für sich selbst sorgt, soll man auch für andere sorgen.
Die Aussage „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ setzt voraus, dass Menschen ein gesundes Maß an Selbstachtung und Selbstfürsorge haben. Diese Selbstliebe ist nicht egoistisch gemeint, sondern bildet die Grundlage dafür, andere in ähnlicher Weise zu achten, zu respektieren und zu unterstützen. Wer sich selbst annimmt, kann auch anderen mit Offenheit und Mitgefühl begegnen.
Im biblischen Verständnis ist der „Nächste“ nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, sondern umfasst grundsätzlich jeden Mitmenschen. Damit wird eine Haltung gefordert, die über persönliche Interessen hinausgeht und sich am Wohl anderer orientiert.
So verbindet der Ausdruck die beiden Dimensionen von Gottesliebe und Nächstenliebe zu einem gemeinsamen ethischen Grundprinzip. „Sich selbst der Nächste sein“ im ursprünglichen Sinn bedeutet daher nicht Egoismus, sondern die Einsicht, dass die eigene Person und der Mitmensch gleichermaßen Würde besitzen und in Verantwortung füreinander stehen.
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