Schlagwort: 2. Mose

  • Von Angesicht zu Angesicht

    Von Angesicht zu Angesicht – Exodus 33,11

    In Exodus 33,11 heißt es:

    Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet.“

    Dieser Satz gehört zu den eindrucksvollsten Beschreibungen der Gottesbe-ziehung im Alten Testament. Er steht für eine einzigartige Nähe zwischen Gott und Mensch. Mose, der Führer Israels, begegnet Gott nicht aus der Ferne, sondern in einer persönlichen, vertrauensvollen Beziehung – wie ein Mann mit seinem Freund redet. Das ist ein erstaunliches Bild, denn im Alten Testament wird sonst immer wieder betont, dass niemand Gott „ins Gesicht “ sehen kann und lebt (vgl. Ex 33,20).

    Diese Spannung – zwischen Gottes Nähe und seiner Unverfügbarkeit – macht die Tiefe dieser Aussage aus. Von Angesicht zu Angesicht bedeutet hier nicht, dass Mose Gott in seiner vollen Herrlichkeit sieht. Vielmehr drückt es aus, dass er in einzigartiger Weise mit Gott verbunden ist: Er hört Gottes Stimme unmittelbar, ohne Vermittlung, und lebt aus einer Beziehung, die auf Vertrauen und Gehorsam gründet.

    In der Geschichte Israels ist Mose der Mittler zwischen Gott und dem Volk. Auf dem Sinai empfängt er die Gebote, im Zelt der Begegnung spricht er mit Gott über die Führung des Volkes. Dieses Reden von Angesicht zu Angesicht ist Zeichen einer lebendigen, persönlichen Beziehung. Gott bleibt zwar der Heilige und Unbegreifliche, aber er offenbart sich in Liebe und Zuwendung – er sucht Gemeinschaft mit dem Menschen.

    Theologisch weist diese Szene über Mose hinaus. Im ganzen Alten Testament bleibt der Wunsch nach unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott lebendig. In den Propheten wird davon gesprochen, dass Gott eines Tages sein Volk von Angesicht zu Angesicht erkennen lasse (vgl. Jer 31,34). Diese Hoffnung erfüllt sich nach neutestamentlichem Verständnis in Jesus Christus. In ihm wird das Unsichtbare sichtbar, das Ferne nahe. Der Evangelist Johannes schreibt:

    Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn uns verkündet. (Joh 1,18)

    Was Mose im Ansatz erfahren durfte, wird in Christus zur Wirklichkeit für alle Glaubenden. In Jesus begegnet der Mensch Gott tatsächlich ganz persönlich. Er ist das menschgewordene Angesicht Gottes – die sichtbare Offenbarung seiner Liebe und Barmherzigkeit.

    Doch auch im Glauben bleibt ein Geheimnis: Jetzt sehen wir Gott nur „wie in einem Spiegel, in einem Rätsel“ (1 Kor 13,12). Erst in der Vollendung, so verspricht Paulus, werden wir ihn wirklich sehen – höchstpersönlich und in der direkten, persönlichen Begegnung. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass das, was Mose in Ansätzen erlebte, eines Tages für alle Wirklichkeit wird: die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott.

    So steht Exodus 33,11 als biblisches Zeugnis für das Herzstück des Glaubens – dass Gott nicht fern bleibt, sondern Beziehung sucht. Von Angesicht zu Angesicht bedeutet: Gott wendet sich dem Menschen zu, persönlich, liebevoll, treu. Diese Nähe trägt das Leben des Glaubenden – jetzt im Glauben, einst in der Herrlichkeit.

    Der Satz ist zu einem geflügelten Wort geworden, dass beschreibt, wie zwei Menschen ernsthaft und vertrauensvoll miteinander reden, ehrlich, direkt, aufrichtig – face to face; persönlich und ganz direkt.

  • Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Auge um Auge, Zahn um Zahn 2.Mose21,23-25; 3.Mose24,20; 5.Mose 19,21; mt.5,38


    Der Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört zu den bekanntesten Bibelworten überhaupt. Er stammt ursprünglich aus dem Alten Testament – genauer aus 2. Mose 21,23–25, 3. Mose 24,20 und 5. Mose 19,21. Dort heißt es:
    „Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.“

    Dieser Grundsatz heißt auch „Talionsprinzip“ (vom lateinischen lex talionis, das Gesetz der Vergeltung). Er bedeutet nicht, dass Menschen sich willkürlich rächen sollen, sondern dass Strafe und Schaden in einem gerechten Verhältnis zueinander stehen müssen. Es war eine Regel zur Begrenzung von Gewalt. In einer Zeit, in der Blutrache üblich war, sollte dieses Gesetz verhindern, dass übertriebene Rache einen kleinen Schaden beantwortete. Wer also Unrecht erlitt, durfte nicht mehr fordern, als ihm genommen worden war. Es ging um Gerechtigkeit, nicht um Vergeltung aus Wut.

    Das Alten Testament betont dieses Prinzip immer wieder, um Ordnung und Maß zu schaffen. Es war ein Fortschritt gegenüber früheren Sitten, weil es das Maß der Strafe begrenzte. Dadurch legte man das Recht in die Hände der Gemeinschaft – nicht des Einzelnen. „Auge um Auge“ war also ursprünglich ein Schutzgesetz, kein Aufruf zur Gewalt.

    Doch im Neuen Testament greift Jesus diesen Spruch in Matthäus 5,38 auf und führt ihn weiter. Er sagt:
    „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht mit Gewalt.“
    Damit stellt Jesus das Prinzip der Vergeltung in ein neues Licht. Er ruft nicht zur Schwäche auf, sondern zu einer höheren Form der Gerechtigkeit – der Liebe und Vergebung. Jesus zeigt, dass wahre Stärke darin liegt, auf Gewalt nicht mit Gegengewalt zu antworten, sondern mit Güte, Geduld und Mut.

    So wird aus dem alten Gesetz der Vergeltung das Gebot der Barmherzigkeit. Während das Alte Testament die Maßlosigkeit der Rache eindämmte, lehrt Jesus, sie zu überwinden. Die Gerechtigkeit Gottes zeigt sich nicht in Vergeltung, sondern in Vergebung.

    „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ erinnert uns daher heute an zwei Dinge: an die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und an den höheren Ruf zur Liebe. Gerechtigkeit braucht klare Grenzen, aber sie findet ihre Vollendung erst dort, wo Menschen fähig sind, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern mit Gutem. So wird der alte Spruch, der einst Ordnung schuf, durch Jesus zur Einladung zu einem neuen, friedvollen Miteinander.


  • Ägyptische Finsternis

    Ägyptische Finsternis nach 2. Mose 10,22


    In 2. Mose 10,22 heißt es:
    „Da reckte Mose seine Hand gen Himmel, und es ward eine dichte Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage lang.“

    Die sogenannte ägyptische Finsternis war die neunte der zehn Plagen. Gott ließ sie über das Land Ägypten kommen, weil der Pharao sich weigerte, das Volk Israel ziehen zu lassen. Drei Tage lang herrschte Dunkelheit – so tief und undurchdringlich, dass, wie es heißt, „niemand den anderen sehen konnte, noch jemand von seinem Platz aufstand“. Nur im Gebiet der Israeliten war Licht.

    Diese Finsternis war mehr als ein Naturphänomen. Sie war ein Zeichen Gottes. Sie war ein Bild für das geistliche Dunkel, in das sich der Pharao und sein Volk verstrickt hatten. Trotz aller Wunder, die Gott zuvor getan hatte, verschloss der Pharao sein Herz. Er sah, aber erkannte nicht; er hörte, aber gehorchte nicht. Die Dunkelheit machte äußerlich sichtbar, was innerlich schon geschehen war. Das Erstarren des Herzens, das Verblassen des Lichts der Wahrheit.

    Die „ägyptische Finsternis“ steht daher symbolisch für Zeiten, in denen Menschen oder ganze Völker das Licht Gottes verlieren. Zeiten der Orientierungslosigkeit, der Härte, der Unmenschlichkeit. Sie erinnert daran, dass jede Macht, die sich gegen Gottes Willen stellt, letztlich ins Dunkel führt. Doch zugleich enthält sie eine Hoffnung: Denn auch in der tiefsten Finsternis bleibt Gottes Licht bestehen. Bei den Israeliten war es hell – ein Zeichen, dass Gott sein Volk nicht verlässt, selbst wenn um sie herum alles finster ist.

    In unserem eigenen Leben kann „ägyptische Finsternis“ vieles bedeuten: Phasen, in denen wir keinen Ausweg sehen, in denen Schuld, Angst oder Zweifel uns das Licht nehmen. Doch gerade dann gilt die Zusage dieses Textes: Gott kann Licht schenken, wo Dunkel herrscht. Er führt aus der Finsternis zum Licht – so wie er sein Volk später aus Ägypten in die Freiheit führte.

    Die Geschichte der Finsternis in Ägypten ist damit nicht nur eine alte Erzählung, sondern ein geistliches Bild. Sie fragt uns: Wo herrscht Dunkel in meinem Leben? Wo habe ich das Licht verdrängt, das Gott schenken will? Und sie ermutigt uns, neu nach diesem Licht zu suchen. Nach Wahrheit, Güte und Glaube, die kein Dunkel auslöschen kann.

    So ist die „ägyptische Finsternis“ ein warnendes und zugleich tröstliches Bild: Wer das Licht Gottes festhält, braucht die Dunkelheit nicht zu fürchten. Denn auch wenn sie uns umgibt, bleibt die Verheißung bestehen: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen“ (Johannes 1,5).

  • Buch des Lebens

    „Buch des Lebens“
    Eine Betrachtung von Philipper 4,3; 2. Mose 32,32; Hebräer 12,23


    Das „Buch des Lebens“ ist ein zentrales Bild in der Bibel und taucht an mehreren Stellen auf. Es symbolisiert Gottes umfassende Kenntnis und Aufzeichnung der Menschen, die in Treue zu ihm leben. In Philipper 4,3 erwähnt Paulus treue Gefährten, die in diesem Buch eingetragen sind. Er lobt sie für ihren Einsatz für das Evangelium. Hier wird deutlich, dass Gottes Anerkennung von menschlicher Treue, Glauben und Hingabe abhängt. Das Buch des Lebens steht somit für ewige Gemeinschaft mit Gott und für die Bestätigung, dass jemand Teil seines Plans ist.

    In 2. Mose 32,32 zeigt sich eine andere Dimension. Mose bittet Gott, die Israeliten zu verschonen. Er bietet an, dass er selbst „vom Buch des Lebens“ gestrichen werde, wenn das Volk gestraft werden muss. Diese Passage verdeutlicht die Ernsthaftigkeit und Heiligkeit des Buches: Es geht um Leben und Tod, Gerechtigkeit und Schuld. Das Buch des Lebens ist also nicht nur ein symbolisches Register, sondern ein Ausdruck der göttlichen Gerechtigkeit und Verantwortung. Es erinnert daran, dass Gott alles sieht und dass das, was wir tun, Konsequenzen hat.

    Hebräer 12,23 spricht ebenfalls von diesem Buch, in dem die „Geister der Vollendeten“ eingetragen sind. Diese Erwähnung verbindet das Buch des Lebens mit der Gemeinschaft der Heiligen und der endgültigen Vollendung des Glaubens. Wer in diesem Buch verzeichnet ist, gehört zu Gottes Volk, zu denen, die Erlösung, Frieden und ewige Gemeinschaft mit Gott erfahren. Das Bild vermittelt Hoffnung, Sicherheit und Orientierung für Gläubige. Wer auf Gott vertraut, ist nicht vergessen, sondern in seiner Fürsorge eingeschrieben.

    Das Buch des Lebens hat auch eine praktische Bedeutung für das Leben heute. Es fordert die Menschen auf, bewusst zu leben, Verantwortung zu übernehmen, Glaube zu praktizieren und nach Gottes Willen zu handeln. Es ist ein Bild für moralische Integrität, Hingabe und die bewusste Entscheidung für ein gottgefälliges Leben. Gleichzeitig vermittelt es Trost. Auch wenn wir unvollkommen sind, dürfen wir auf Gottes Gnade und Einschreibung vertrauen, wenn wir uns ernsthaft bemühen, treu zu sein.

    Zusammenfassend zeigt das Buch des Lebens, dass Gott seine Treuen erkennt, schützt und mit ihnen Gemeinschaft hält. Es verbindet Gerechtigkeit, Verantwortung, Hoffnung und ewiges Leben. Die Bibelstellen Philipper 4,3; 2. Mose 32,32 und Hebräer 12,23 verdeutlichen die spirituelle Tiefe dieses Bildes. Es ist sowohl ein Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit als auch ein Versprechen der Erlösung und Zugehörigkeit für alle, die auf ihn vertrauen. Wer im Buch des Lebens eingeschrieben ist, lebt in Gottes Gnade und Sicherheit – eine zentrale Hoffnung des christlichen Glaubens.


  • Ehre einlegen

    Ehre einlegen 2.Mose14,17.18; Ps.46,11

  • Sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens (zurück-)sehnen

    Sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens (zurück-)sehnen 2.Mose 16,3; 4.Mose11,4-6

  • Gnade finden vor seinen Augen

    Gnade finden vor seinen Augen (1.Mose,18,3; 1.Mose,19,19; 2.Mose,333,12ff)

  • Das ist Gottes Finger

    Das ist Gottes Finger 2.Mose8,15; Lk.11,20

  • Ein verstocktes Herz

    Ein verstocktes Herz 2.Mose7,13

  • Sein Herz verhärten

    Sein Herz verhärten 2.Mose7,3

  • Wie Heuschrecken

    Wie Heuschrecken 2. Mose 10, Offb. 9

  • Um das goldene Kalb tanzen

    Um das goldene Kalb tanzen 2. Mose 32,8

  • Kinder und Kindeskinder

    Kinder und Kindeskinder 2 Mose 34,7

  • Ein Land, wo Milch und Honig fließen

    Ein Land, wo Milch und Honig fließen 2. Mose 3,8, 5. Mose 31,20; Josua 5,6b; Jeremia 11,5; 32,22; Sirach 46,8; Ez 20,6.15; Baruch 1,20

  • Das Leben sauer machen

    Das Leben sauer machen 2. Mose 1, 14

  • Das Leben schwer machen

    Das Leben schwer machen Ex 1,14

  • Die Lenden mit dem Schwert gürten

    Die Lenden mit dem Schwert gürten 2. Mose32,27

  • Manna in der Wüste

    Manna in der Wüste 2.Mose16f, Ps.78,24; Joh.6,31f

  • Wo Milch und Honig fließen

    Wo Milch und Honig fließen 2. Mose 3,8

  • Sein Mütchen kühlen

    Sein Mütchen kühlen 2, Mose 15,9

  • Sabbat

    Sabbat 2. Mose, 20, 8

  • Der Tanz ums goldene Kalb

    Der Tanz ums goldene Kalb 2. Mose 32,8, Apostelgeschichte 7,39–42, 1. Korinther 10,7–8

  • Es geschehen noch Zeichen und Wunder

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder. 2.Mose 7,3