Schlagwort: Matthäus

  • Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler

    Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“ – Ein biblisches Bild vom Gericht und der Wahrheit
    (Matthäus 35,38; Lukas 17,37; Hiob 39,30; Habakuk 1,8)

    Der Satz „Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“ stammt aus dem Neuen Testament (Matthäus 24,28). Auf den ersten Blick klingt er merkwürdig und sogar etwas abstoßend. Doch wie viele Bilder in der Bibel trägt auch dieses eine tiefere Bedeutung. Es will nicht über Tiere oder Tod sprechen, sondern über das Wirken Gottes in der Welt und die Unvermeidlichkeit der Wahrheit.

    Bei Matthäus und Lukas

    Jesus spricht diesen Satz, als er seinen Jüngern vom Ende der Zeiten erzählt. Viele Menschen werden in dieser Zeit behaupten, sie wüssten, wo der Messias sei oder wann genau das Ende komme. Jesus aber sagt:

    „Glaubt ihnen nicht! Denn wie der Blitz vom Osten bis zum Westen leuchtet, so wird das Kommen des Menschensohnes sein.“ Und dann fügt er hinzu: „Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.“

    Auch im Lukasevangelium (17,37) steht dieser Satz in einem ähnlichen Zusammenhang. Die Jünger fragen: „Wo wird das geschehen, Herr?“ – und Jesus antwortet mit genau diesen Worten.

    Damit will er sagen: Wenn das göttliche Gericht kommt, wenn Gott in die Welt eingreift, wird es nicht verborgen, nicht versteck und nicht zufällig geschehen. Es wird so deutlich und unausweichlich sein wie Adler, die man schon von weitem über einem Kadaver kreisen sieht. Das Handeln Gottes ist unübersehbar.

    In der Natur

    Das Bild stammt aus der Naturbeobachtung: Adler (in manchen Übersetzungen auch Geier) finden von selbst dorthin, wo ein totes Tier liegt. Niemand muss sie rufen – sie folgen ihrem Instinkt. Dieses Verhalten ist ein Teil der Ordnung der Schöpfung. In der Bibelstelle Hiob 39,30 wird genau das beschrieben:
    Seine Jungen saugen Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist er.“

    Hier wird der Adler nicht negativ dargestellt, sondern als ein Tier, das in Gottes Schöpfung seinen Platz hat. Es sorgt für den Kreislauf des Lebens, indem es Verwesung und Neuanfang miteinander verbindet.

    Übertragen auf Jesu Wort bedeutet das: Auch Gottes Handeln folgt einer Ordnung. Wo Schuld, Unrecht und geistlicher Tod sind, da wird Gottes Gerechtigkeit sichtbar – ganz natürlich, so wie Adler über dem Aas.

    Die Adler als Zeichen des Gerichts

    In der Prophetie des Habakuk (1,8) wird das Adlerbild deutlich mit dem Gericht Gottes verbunden. Der Prophet beschreibt die Babylonier, die als Werkzeug des göttlichen Gerichts über Israel kommen, mit den Worten:
    Sie fliegen dahin wie ein Adler, der sich auf die Beute stürzt.

    Der Adler ist hier ein Symbol für Schnelligkeit, Stärke, Unausweichlichkeit. Wenn das Unrecht überhandnimmt, lässt Gott nicht zu, dass es ungestraft bleibt. Sein Gericht „fliegt“ herbei, sobald das Böse offenbar ist.

    Jesu Wort knüpft an dieses Denken an: Wo das Aas ist – also das Verderbte, das Sündige, das Todgeweihte –, da erscheinen die Adler – also die Zeichen des göttlichen Gerichts. Gott sieht das Böse, und er lässt es nicht einfach geschehen.

    Was es bedeutet:

    Im übertragenen Sinn kann man sagen: Das, was im Inneren verdorben ist, zieht das Gericht an.

    Das gilt nicht nur für Völker und Gesellschaften, sondern auch für jeden einzelnen Menschen. Wenn jemand dauerhaft in Lüge, Ungerechtigkeit oder Lieblosigkeit lebt, dann sammelt sich irgendwann das „Gericht“ – die Folgen dieser Haltung werden sichtbar.

    Aber in diesem Bild liegt nicht nur eine Drohung. Es ist auch eine Mahnung zur Wachsamkeit und ein Ruf zur Umkehr. Wer auf die Zeichen achtet, wer die Wahrheit sucht und sich von Gott führen lässt, wird das Kommen des Menschensohnes nicht fürchten müssen.

    *

    Das Sprichwort „Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler“ ist also weit mehr als eine düstere Naturbeobachtung. Es sagt:

    • Nichts bleibt verborgen.
    • Wo Verderben herrscht, dort wird die Wahrheit sichtbar.
    • Gottes Ordnung wirkt – sichtbar und gerecht.

    Man kann es auch ganz allgemein verstehen: In einer Welt, in der vieles verfällt – in Moral, Wahrheit oder Glaube –, wird irgendwann offenbar, was echt und was tot ist. Die „Adler“ stehen dann für das Sichtbarwerden der Wahrheit, für die Klarheit, die alles ans Licht bringt.

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    Jesu Wort erinnert daran, dass man das Wirken Gottes nicht berechnen oder verstecken kann. Es zeigt sich von selbst – so sicher wie Adler, die ein Aas finden.

    Darum lädt dieser Satz dazu ein, achtsam zu leben, ehrlich mit sich selbst zu sein und die Zeichen der Zeit richtig zu deuten. Denn wo geistlicher Tod ist, wird auch das Gericht sichtbar – aber wo Leben und Gerechtigkeit sind, da leuchtet das Licht Gottes.

  • Auge um Auge, Zahn um Zahn

    Auge um Auge, Zahn um Zahn 2.Mose21,23-25; 3.Mose24,20; 5.Mose 19,21; mt.5,38


    Der Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört zu den bekanntesten Bibelworten überhaupt. Er stammt ursprünglich aus dem Alten Testament – genauer aus 2. Mose 21,23–25, 3. Mose 24,20 und 5. Mose 19,21. Dort heißt es:
    „Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß.“

    Dieser Grundsatz heißt auch „Talionsprinzip“ (vom lateinischen lex talionis, das Gesetz der Vergeltung). Er bedeutet nicht, dass Menschen sich willkürlich rächen sollen, sondern dass Strafe und Schaden in einem gerechten Verhältnis zueinander stehen müssen. Es war eine Regel zur Begrenzung von Gewalt. In einer Zeit, in der Blutrache üblich war, sollte dieses Gesetz verhindern, dass übertriebene Rache einen kleinen Schaden beantwortete. Wer also Unrecht erlitt, durfte nicht mehr fordern, als ihm genommen worden war. Es ging um Gerechtigkeit, nicht um Vergeltung aus Wut.

    Das Alten Testament betont dieses Prinzip immer wieder, um Ordnung und Maß zu schaffen. Es war ein Fortschritt gegenüber früheren Sitten, weil es das Maß der Strafe begrenzte. Dadurch legte man das Recht in die Hände der Gemeinschaft – nicht des Einzelnen. „Auge um Auge“ war also ursprünglich ein Schutzgesetz, kein Aufruf zur Gewalt.

    Doch im Neuen Testament greift Jesus diesen Spruch in Matthäus 5,38 auf und führt ihn weiter. Er sagt:
    „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht mit Gewalt.“
    Damit stellt Jesus das Prinzip der Vergeltung in ein neues Licht. Er ruft nicht zur Schwäche auf, sondern zu einer höheren Form der Gerechtigkeit – der Liebe und Vergebung. Jesus zeigt, dass wahre Stärke darin liegt, auf Gewalt nicht mit Gegengewalt zu antworten, sondern mit Güte, Geduld und Mut.

    So wird aus dem alten Gesetz der Vergeltung das Gebot der Barmherzigkeit. Während das Alte Testament die Maßlosigkeit der Rache eindämmte, lehrt Jesus, sie zu überwinden. Die Gerechtigkeit Gottes zeigt sich nicht in Vergeltung, sondern in Vergebung.

    „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ erinnert uns daher heute an zwei Dinge: an die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und an den höheren Ruf zur Liebe. Gerechtigkeit braucht klare Grenzen, aber sie findet ihre Vollendung erst dort, wo Menschen fähig sind, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern mit Gutem. So wird der alte Spruch, der einst Ordnung schuf, durch Jesus zur Einladung zu einem neuen, friedvollen Miteinander.


  • Etwas ausposaunen

    Etwas ausposaunen nach Mt 6,2


    In Matthäus 6,2 sagt Jesus:
    „Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“

    Das Wort „ausposaunen“ hat hier einen bildhaften Sinn. Es meint, etwas laut hinauszurufen, damit es alle hören – also seine guten Taten oder Verdienste öffentlich zur Schau zu stellen. Jesus verwendet dieses starke Bild, um vor einer Haltung zu warnen, die gute Werke nicht um der Liebe willen tut, sondern weil sie Gesehenwerden und Bewunderung will.

    Im Hintergrund steht die damalige religiöse Praxis: Almosengeben galt als heilige Pflicht. Manche jedoch machten daraus eine Bühne – sie wollten Anerkennung, Lob und Respekt. Doch Jesus sagt klar: Wer so handelt, sucht nicht Gott, sondern das eigene Ansehen. Das Gute verliert seinen inneren Wert, wenn es zum Werkzeug des Stolzes wird.

    Etwas „ausposaunen“ bedeutet also, Eitelkeit über Demut zu stellen. Jesus fordert stattdessen: „Wenn du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“ (Mt 6,3). Er ruft zu einer stillen, aufrichtigen Barmherzigkeit. Wahre Güte braucht keine Zuschauer – sie hat ihren Lohn in sich selbst, weil sie aus Liebe geschieht.

    Diese Worte treffen auch heute noch mitten ins Herz unserer Zeit. In einer Welt, die so vieles öffentlich mitteilen und bewerteten will – auf Bühnen, in Medien oder in sozialen Netzwerken – ist die Versuchung groß, gute Taten „auszuposaunen“. Man zeigt, wie man hilft, spendet, sich engagiert – und oft steckt auch der Wunsch dahinter: ‚Ich will gesehen zu werden.‘ Doch Jesus erinnert uns: Das Wesentliche geschieht im Verborgenen. Gott sieht auch das, was kein Mensch bemerkt.

    Seine Botschaft ist klar: Wahre Größe zeigt sich in der Stille. Wer gibt, ohne Aufmerksamkeit zu suchen, handelt im Geist Gottes. Wer Gutes tut, ohne Lohn zu erwarten, lebt aus echter Liebe. Und wer nicht sich selbst, sondern Gott in den Mittelpunkt stellt, erfährt den tiefsten Segen – den Frieden eines reinen Herzens.

    So lädt Matthäus 6,2 dazu ein, neu über unsere Beweggründe nachzudenken: Warum tue ich Gutes? Suche ich Ehre – oder will ich wirklich helfen? Die Worte Jesu befreien uns von dem Zwang, Eindruck zu machen. Sie führen uns zurück zur Einfachheit des Glaubens: zu einer Liebe, die still wirkt, aber stark genug ist, die Welt zu verändern – auch ohne Posaune.

  • Die Axt an die Wurzel legen

    Die Axt an die Wurzel legen. nach Matthäus 3,10


    In Matthäus 3,10 ruft Johannes der Täufer den Menschen zu:
    „Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum also, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

    Dieses Bild ist scharf und eindringlich. Johannes spricht zu Menschen, die zu ihm in die Wüste gekommen sind, um sich taufen zu lassen. Doch er warnt sie: Äußerliche Frömmigkeit genügt nicht. Gott erwartet Frucht – sichtbare Zeichen des Glaubens, der Liebe und der Gerechtigkeit. Wer nur schöne Worte macht, aber keine Taten folgen lässt, ist wie ein Baum, der keine Frucht trägt.

    Die „Axt an der Wurzel“ ist ein Symbol für Entschiedenheit und Umkehr. Johannes kündigt an, dass Gott nicht an der Oberfläche arbeitet. Er schneidet nicht nur ein paar Zweige ab – er legt die Axt an die Wurzel, also an den Ursprung. Das bedeutet: Es geht nicht um kleine Korrekturen, sondern um eine tiefgreifende Veränderung des Herzens. Wenn die Wurzel verdorben ist, kann der Baum keine gute Frucht bringen.

    In geistlichem Sinn fordert Johannes uns auf, ehrlich zu prüfen, was in uns verwurzelt ist: Welche Haltungen, Gedanken und Gewohnheiten bestimmen unser Handeln? Gibt es Wurzeln des Egoismus, der Gleichgültigkeit, des Unrechts? Umkehren heißt, diese Wurzeln zu erkennen und sie zu beseitigen – damit Neues wachsen kann.

    Die Axt ist dabei kein Werkzeug der Zerstörung, sondern der Erneuerung. Gott will nicht vernichten, sondern reinigen. Wo Altes und Unfruchtbares entfernt wird, entsteht Raum für neues Leben. So wie ein Gärtner einen kranken Baum beschneidet, um ihn zu retten, so will Gott auch uns verwandeln – durch Wahrheit, Reue und Gnade.

    Johannes’ Bild bleibt aktuell. In einer Zeit, in der vieles oberflächlich und bequem geworden ist, ruft uns dieses Wort zu Echtheit. Christlicher Glaube darf nicht nur äußerlich bleiben. Er zeigt sich in den Früchten: im Mitgefühl, in der Gerechtigkeit, in der Bereitschaft zu teilen und zu vergeben.

    „Die Axt an die Wurzel legen“ heißt, den Mut zu haben, ehrlich hinzuschauen – in das eigene Herz, in unsere Gesellschaft, in unsere Beziehung zu Gott. Es bedeutet, Missstände nicht zu verschleiern, sondern sie an der Wurzel zu packen. Nur wer wagt, das Alte loszulassen, kann Neues empfangen.

    So ist dieser Satz nicht Drohung, sondern Einladung: zur echten Umkehr, zur Erneuerung des Lebens, zu einem Glauben, der Frucht bringt. Gott selbst ist der Gärtner, der uns pflegt – und in seiner Hand wird selbst die Axt zum Werkzeug der Liebe.

  • Den Balken im eigenen Auge nicht sehen

    Den Balken im eigenen Auge nicht sehen nach Matthäus 7,3


    In Matthäus 7,3 sagt Jesus:
    „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“

    Dieses Bild ist sehr eindrücklich und gleichzeitig ein wenig provokant. Jesus spricht hier über Kritik und Selbsttäuschung. Ein „Splitter“ im Auge des anderen ist klein, fast unbedeutend, während ein „Balken“ im eigenen Auge groß und störend ist. Trotzdem richten viele Menschen ihren Blick auf die Fehler anderer und übersehen dabei die eigenen Schwächen.

    Jesus will uns mit diesem Vergleich zur Selbstreflexion auffordern. Bevor wir über andere urteilen, sollten wir zuerst bei uns selbst nachschauen. Oft fällt uns vieles bei anderen auf – Unaufmerksamkeit, Ungeduld, Fehler – während wir unsere eigenen Probleme, Unzulänglichkeiten oder Sünden ignorieren oder herunterspielen. Das Bild des Balkens zeigt: Wir können uns selbst leicht täuschen.

    Darüber hinaus spricht Jesus hier über Demut im Umgang miteinander. Wer sich der eigenen Fehler bewusst ist, urteilt weniger hart über andere. Wer erkennt, dass er selbst korrigiert werden müsste, kann mit Verständnis und Mitgefühl auf andere schauen. Kritik wird so nicht zur Waffe, sondern zu einer Möglichkeit des Lernens und der gegenseitigen Hilfe.

    Dieses Gleichnis ist auch heute sehr aktuell. In Alltag, Schule, Beruf oder Familie neigen Menschen dazu, sich auf die Fehler anderer zu konzentrieren, anstatt an sich selbst zu arbeiten. Jesus lädt uns ein, einen ehrlichen Blick auf uns selbst zu werfen. Erst wenn wir unsere eigenen Balken erkennen und bearbeiten, können wir wirklich helfen – oder auch konstruktiv Kritik üben.

    Den Balken im eigenen Auge zu sehen, bedeutet also: Selbstkritik üben, Demut zeigen und Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Es erinnert uns daran, dass wir alle unvollkommen sind und dass Gottes Gnade uns hilft, unsere Schwächen zu erkennen und daran zu wachsen. Wer diese Haltung einnimmt, begegnet anderen nicht mit Verurteilung, sondern mit Verständnis, Geduld und Liebe.

    So ist das Gleichnis nicht nur ein warnender Hinweis, sondern auch eine Einladung: Schau zuerst auf dich selbst, bevor du andere beurteilst. Wer dies tut, wird nicht nur gerechter und achtsamer, sondern lebt auch näher an Gottes Willen, der Vergebung, Mitgefühl und Umkehr fordert.

  • Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt

    Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt nach Matthäus 20,16 und 22,14


    Der Satz „Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt“ (Matthäus 20,16; 22,14) gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich rätselhaftesten Worten Jesu. Er taucht am Ende zweier Gleichnisse auf: vom Arbeiter im Weinberg (Mt 20) und vom Königlichen Hochzeitsmahl (Mt 22). In beiden Geschichten geht es um das Reich Gottes, um die Einladung Gottes an die Menschen – und darum, wie sie darauf antworten.

    In beiden Fällen werden viele eingeladen: Der Hausherr im Weinberg ruft Arbeiter zu verschiedenen Tageszeiten, und der König lädt zahlreiche Gäste zu seinem Fest ein. Doch nicht alle reagieren richtig. Einige lehnen ab, andere kommen, aber ohne sich wirklich einzulassen. Schließlich sagt Jesus: „Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.“

    Dieser Satz meint nicht, dass Gott willkürlich einige bevorzugt und andere ausschließt. Vielmehr geht es um die Haltung des Herzens. Gott ruft tatsächlich viele – ja, alle – in seine Gemeinschaft. Jeder Mensch ist eingeladen, an seinem Reich teilzuhaben, in Liebe und Gerechtigkeit zu leben. Doch nicht jeder nimmt diese Einladung an oder bleibt ihr treu. Die Auserwählten sind jene, die antworten, die ihr Herz öffnen und die Berufung ernst nehmen.

    Berufung ist also nicht nur ein Ruf von außen, sondern eine Entscheidung von innen. Gott lädt ein, aber der Mensch muss Ja sagen. Das Auserwähltsein zeigt sich nicht in Macht oder Ansehen, sondern in Treue, Liebe und Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen – oft auch gegen Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit.

    Im Gleichnis vom Hochzeitsmahl wird deutlich, dass Gott niemanden ausschließt: Selbst die Armen und Außenseiter werden eingeladen. Aber entscheidend ist, wie man der Einladung begegnet. Wer nur äußerlich erscheint, ohne innerlich teilzuhaben, verfehlt das Fest. Es genügt nicht, einfach „dabei“ zu sein – das Herz muss mitgehen.

    „Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt“ ist also kein Wort der Angst, sondern der Ernsthaftigkeit. Es ruft uns dazu auf, Gottes Ruf nicht leichtfertig zu überhören. Jeder Mensch ist gemeint, jeder ist eingeladen – aber nur der wird „auserwählt“ erfunden, der mit wachem Herzen antwortet.

    So erinnert uns dieser Satz an die kostbare Freiheit, die Gott uns gibt. Berufung ist ein Geschenk – Erwählung ist die Antwort darauf. Wer Gottes Einladung annimmt, in Liebe lebt und anderen dient, zeigt, dass er zu den Erwählten gehört. Denn Gott schaut nicht auf Herkunft oder Leistung, sondern auf das Herz, das Ja sagt zu seinem Ruf.


  • Mit verklärtem Blick

    „Mit verklärtem Blick“ – Eine Betrachtung von Matthäus 17,2


    In Matthäus 17,2 wird von der Verklärung Jesu auf dem Berg berichtet. „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden strahlend weiß wie das Licht“. Dieser Moment wird als Verklärung bezeichnet und zeigt Jesus in seiner göttlichen Herrlichkeit. Die Jünger, die ihn begleiten, erleben eine überwältigende Begegnung, die ihnen einen Blick auf seine wahre Identität gibt. Das geht weit über das hinaus, was sie zuvor von ihm wussten. Der Ausdruck „mit verklärtem Blick“ beschreibt nicht nur das äußerliche Strahlen Jesu, sondern auch die geistliche Offenbarung, die den Jüngern zuteilwird.

    Die Verklärung ist ein Moment der Klarheit, der Hoffnung und der Gewissheit. Die Jünger erkennen in Jesus nicht nur den Lehrer oder Rabbi. Sie sehen den Sohn Gottes, der Licht und göttliche Gegenwart in die Welt bringt. In dieser Szene wird deutlich, dass der Blick auf das Göttliche das Wahrnehmen von Schönheit, Wahrheit und Heiligkeit verändert. Wer mit einem „verklärten Blick“ schaut, sieht die Welt nicht nur durch die alltäglichen Sorgen. Sie/Er sieht durch die Augen des Glaubens – voller Hoffnung, Vertrauen und tiefer Verbundenheit mit Gott.

    Die Szene auf dem Berg hat auch eine symbolische Bedeutung. Sie bereitet die Jünger auf die bevorstehenden Prüfungen vor, insbesondere auf Jesu Kreuzigung. Der verklärte Blick wirkt wie ein Lichtstrahl inmitten von Dunkelheit und Leiden. Er erinnert daran, dass hinter menschlichem Leid, Angst oder Unsicherheit göttliche Herrlichkeit und ewige Perspektive stehen. Die Verklärung zeigt, dass Glaube die Fähigkeit hat, über das Sichtbare hinauszuschauen und das Göttliche im Alltäglichen zu erkennen.

    Darüber hinaus ist die Verklärung ein Aufruf an uns, das Leben selbst mit einem „verklärten Blick“ zu betrachten. Es geht nicht darum, die Realität zu verleugnen, sondern die Tiefe, Schönheit und Sinnhaftigkeit hinter den Ereignissen zu erkennen. In Momenten der Herausforderung oder Trauer kann dieser Blick Orientierung und Hoffnung schenken. Er öffnet das Herz für das, was größer ist als wir selbst. Und er stärkt den Glauben, dass Gottes Gegenwart stets wirksam ist.

    Zusammenfassend zeigt Matthäus 17,2, dass der verklärte Blick sowohl eine Erfahrung der Jünger als auch eine geistliche Haltung für alle Gläubigen ist. Er macht sichtbar, dass göttliche Herrlichkeit, Licht und Hoffnung mitten in der Welt erfahren werden können. Wer mit verklärtem Blick schaut, erkennt das Heilige im Alltag und erfährt Trost, Orientierung und Stärke für das eigene Leben. Die Verklärung Jesu wird so zu einem bleibenden Zeichen der Hoffnung, des Glaubens und der göttlichen Präsenz.


  • Brosamen, die von des Reichen Tische fallen

    „Brosamen, die von des Reichen Tische fallen“
    Eine Betrachtung von Matthäus 15,27 und Lukas 16,21


    Jesus verwendet in Matthäus 15,27 und Lukas 16,21 ein eindrucksvolles Bild, um über Bedürftigkeit, Glauben und göttliche Gnade zu lehren. In Matthäus 15,27 bittet eine kanaanäische Frau darum, dass wenigstens die „Brosamen, die vom Tisch der Kinder fallen“, auf sie herabkommen. Und in Lukas 16,21 wird der Arme Lazarus beschrieben. Der liegt vor dem Haus eines reichen Mannes und sehnt sich nach den Krümeln, die von dessen Tisch fallen. Dieses Bild ist stark symbolisch. Die „Brosamen“ stehen für kleine Gaben, Chancen und den Zugang zu Segen, den die Armen oder Bedürftigen erhalten.

    Die Geschichte zeigt die soziale Ungleichheit und die Realität menschlicher Bedürftigkeit. Die Reichen besitzen Überfluss, während die Armen auf Reste und kleine Zuwendungen angewiesen sind. Doch Jesus hebt hier hervor, dass auch die kleinsten Gaben, wenn sie mit Glauben empfangen werden, von großer Bedeutung sein können. Die Frau aus Matthäus 15,27 beweist Glauben und Beharrlichkeit. Sie vertraut darauf, dass selbst die kleinsten Reste des Segens für sie ausreichen. Sie erkennt, dass Gottes Gnade nicht begrenzt ist, sondern auch denjenigen zugutekommt, die scheinbar am Rande stehen.

    Das Bild der „Brosamen“ lädt darüber hinaus zu einer tieferen Betrachtung ein. Es verdeutlicht, dass Gottes Segen oft auf unerwartete Weise kommt. Nicht immer erleben Menschen Fülle oder Überfluss. Manchmal sind es die kleinen Geschenke, die unerwarteten Gelegenheiten oder die Zeichen der Fürsorge, die das Leben bereichern. Wer bereit ist, diese „Brosamen“ anzunehmen, zeigt Demut, Dankbarkeit und Glauben. Es geht nicht um materielle Größe, sondern um die innere Haltung, das Wenige wertzuschätzen und in Treue anzunehmen.

    Darüber hinaus ist das Bild eine Aufforderung an diejenigen, die im Überfluss leben, Verantwortung zu übernehmen. Die Reichen haben die Möglichkeit, ihre Gaben zu teilen, die Schwachen zu unterstützen und Barmherzigkeit zu zeigen. Jesus macht damit deutlich, dass soziale Gerechtigkeit, Mitgefühl und Teilen zentrale Werte sind, die das Leben in Gemeinschaft prägen. Wer teilt, selbst die „Brosamen“, trägt dazu bei, Ungleichheit zu mildern und Nächstenliebe zu praktizieren.

    Zusammenfassend verdeutlichen Matthäus 15,27 und Lukas 16,21, dass selbst kleine Gaben, Krümel oder Brosamen von großer Bedeutung sein können, wenn sie mit Glauben, Dankbarkeit und Offenheit angenommen werden. Das Bild lehrt uns Demut, soziale Verantwortung und die Kraft des Glaubens. Es zeigt, dass Gottes Segen überall wirkt – auch in kleinen Dingen – und dass Mitgefühl, Teilen und Dankbarkeit zentrale Werte sind, die das Leben bereichern und die Gemeinschaft stärken.


  • Nötig wie das tägliche Brot

    „Nötig wie das tägliche Brot“ – Eine Betrachtung von Matthäus 6,11


    In Matthäus 6,11 lehrt Jesus seine Jünger im Vaterunser, für das „tägliche Brot“ zu beten. Dieser Vers hat sowohl eine ganz praktische als auch eine tief spirituelle Bedeutung. Das tägliche Brot steht zunächst für das, was Menschen zum Leben brauchen. Dazu gehören Nahrung, Sicherheit, Gesundheit und die Mittel, den Alltag zu bewältigen. Es erinnert daran, dass das Leben von Tag zu Tag auf Gottes Fürsorge angewiesen ist und dass wir unsere Abhängigkeit von ihm anerkennen sollen.

    Das „tägliche Brot“ ist ein Symbol für alles Notwendige, nicht für Luxus oder Überfluss. Jesus lehrt damit Bescheidenheit und Vertrauen. Wir sollen nicht nach Übermaß streben, sondern anerkennen, dass Gottes Versorgung oft ausreichend ist, um das Leben zu sichern. Die Bitte um das tägliche Brot ist ein Ausdruck von Vertrauen und Dankbarkeit. Wir erkennen, dass alles, was wir brauchen, letztlich von Gott kommt.

    Darüber hinaus hat der Vers auch eine geistliche Dimension. Das tägliche Brot kann als Symbol für das Wort Gottes, spirituelle Nahrung und geistliche Stärkung verstanden werden. Wie der Körper täglich Nahrung braucht, benötigt auch der Mensch tägliche geistliche Nahrung, um innerlich zu wachsen, den Glauben zu stärken und ein sinnerfülltes Leben zu führen. Das Gebet zeigt, dass sowohl das körperliche als auch das geistige Leben auf Gottes Fürsorge angewiesen ist.

    Der Vers fordert außerdem eine Haltung der Dankbarkeit und des Bewusstseins für das Wesentliche. In einer Welt, die oft von Überfluss, Konsum und Vergnügung geprägt ist, erinnert Jesus daran, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren sollen – auf das, was wirklich nötig ist, um zu leben und zu gedeihen. Dieses Prinzip kann helfen, Bescheidenheit, Achtsamkeit und ein gesundes Verhältnis zu Besitz und Ressourcen zu entwickeln.

    Zusammenfassend verdeutlicht Matthäus 6,11, dass das tägliche Brot ein Symbol für Vertrauen, Dankbarkeit und Abhängigkeit von Gottes Fürsorge ist. Es erinnert daran, dass das Leben in seinen Grundbedürfnissen täglich neu von Gott abhängt. Wir sollten geistliche und materielle Nahrung als gleichwertig schätzen. Die Bitte um das tägliche Brot lehrt Bescheidenheit, Achtsamkeit und Vertrauen. Diese sind zentrale Werte, die sowohl das individuelle Leben als auch das Zusammenleben in der Gemeinschaft prägen.


  • Buße tun

    Buße tun Mt 3,2

  • Von den Dächern predigen

    Von den Dächern predigen Mt 10,26-27

  • Auch einer von denen

    Auch einer von denen Matthäus 26,73

  • Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt – wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden

    Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt – wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Matthäus 23,23; Lk. 14,10-11, Hesekiel 17,24; 21,31

  • Erste werden Letzte sein

    Erste werden Letzte sein“ nach Mt 19,29-30; Markus 10,31; Lukas 13,30

    Wie können Erste Letzte sein und Letzte Erste werden?

    Jesus sagt, dass die, die ihm nachfolgen und ihr altes Leben verlassen haben, vielfach belohnt werden. Er betont , dass die, die zur Zeit Erste sind, am Ende Letzte sein. Solche, die Letzte sind, werden Erste sein (Mt 19,29.30). Jesus wiederholt diese Mahnung von der Umkehrung der Rangfolge im Zusammenhang mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,16).

    Bei einer anderen Gelegenheit fragt Petrus, was aus den Jüngern werden soll, die so vieles aufgegeben haben. Jesus antwortet darauf, dass denen, die ihr Leben drangegeben haben, ein vielfacher Lohn werden soll. Er mahnt wieder, dass Erste auch Letzte werden und Letzte Erste werden können (Markus 10,28-31).

    Ebenso in dem Gleichnis von der engen Pforte und der verschlossenen Tür mahnt Jesus, dass Erste Letzte und Letzte Erste sein werden. (Lk.13,22-30).

    Aus der Mahnung des Jesus von Nazareth wird im deutschen Sprachraum ein geflügeltes Wort, das geistliche wie weltliche Interpretationen zulässt.

    Umkehrung der Reihenfolge

    Mit Schadenfreude oder Ironie wird gerne die Umkehrung einer Reihenfolge festgestellt. Wenn z.B. ein Zug die Richtung wechselt, dürfen diejenigen, die bisher vorne dabei waren, nach der Richtungsänderung hinterherlaufen. Oder wenn Gäste, die als Letzte oder gar verspätet eintreffen, die Ersten am Buffet sind.

    Lernende, die mit einem Fach gar nichts anfangen können, glänzen in anderen. Schüler, die z.B Biologie nicht können, werden dann doch passable Gärtner.

    Andererseits können auch Menschen, die sich für sehr wichtig und privilegiert halten, ihre Position verlieren. Andere, die vorher eine bescheidene Rolle spielten, können dann aufsteigen. Wer sich in seinem Leben immer an vorderer Stelle sieht, könnte in einer anderen Daseinsform oder Weltordnung enttäuscht werden durch eine weniger beachtete Rangstufe. Und wer sich im Diesseits in Demut zu üben gelernt hat, wird später durch eine gehobene Position belohnt.

    Das Sprichwort warnt vor hochmütiger Anspruchshaltung und mahnt zur Bescheidenheit. Es ermuntert, auf Gerechtigkeit zu hoffen und an eine neue Ordnung zu glauben, in der Schwache geschützt werden.

    Die Zusage, dass Letzte Erste werden, ermutigt, an die Wahrheit und den Sinn zu glauben von sozialer Gerechtigkeit, von Demut und von der Hoffnung für Benachteiligte. Aber die Zusage ermuntert auch, an die Strebsamkeit zu glauben. Die Zusage ermuntert, an die Durchlässigkeit der Gemeinschaft von unten nach oben, die auch die Letzten durch ihren Fleiß, ihren Einsatz und ihre Arbeit (nicht nur am Werk Gottes!) und durch Gottes Gnade und Seinen Segen Erste werden lässt.

  • Was werden wir essen, was werden wir trinken?

    Was werden wir essen, was werden wir trinken? Mt 6,31-33

  • Ohne Falsch sein

    Ohne Falsch sein Mt 10,16

  • Eine Feuertaufe bestehen

    Eine Feuertaufe bestehen Mt 3,11

  • Friedfertig sein

    Friedfertig sein Mt 5,9

  • Jemanden oder etwas an seinen Früchten erkennen

    Jemanden oder etwas an seinen Früchten erkennen Mt 7,16-18.20

  • Wer da hat, dem wird gegeben

    Wer da hat, dem wird gegeben Matthäus 13,12; 25,29; Markus 4,25; Lukas 8,18; 19,26;

  • Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

    Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Mt 26,41; Markus 14,38

  • Seinen Geist aufgeben

    Seinen Geist aufgeben Klagelieder Jeremias 2,12; Mt 27,50;Apg.5,5.10; 12,23

    Seinen Geist aufgeben Klagelieder Jeremias 2,12; Mt 27,50;Apg.5,5.10; 12,23

  • Beim Jüngsten Gericht – Am jüngsten Tag

    Beim Jüngsten Gericht – Am jüngsten Tag Mt 25, 31-32

  • Ein Gesundheitsapostel sein

    Ein Gesundheitsapostel sein Mt 10,2-4

  • Der Glaube kann Berge versetzen

    Der Glaube kann Berge versetzen 1 Kor 13,2; Mt.17,20; 21,21; Markus 11,23