Arbeiten im Weinberg des Herrn aus Matthäus 20; Jesaja 5,7

Der Ausdruck „Arbeiten im Weinberg des Herrn“ hat seine biblische Grundlage in der Bibel, insbesondere im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20) sowie im Bild des Weinbergs in Jesaja 5,7 im Jesaja. Der „Weinberg des Herrn“ steht dabei symbolisch für das Volk Gottes, die Welt oder den Bereich, in dem Verantwortung zu übernehmen und Gutes zu wirken ist.
Das Bild des Weinbergs ist vielschichtig. Jesaja beschreibt den Weinberg als Ort, der gepflegt werden soll, aber auch enttäuschende Frucht bringen kann. Es geht um Wachstum, Fürsorge und die Erwartung von Ertrag. Der Mensch ist in diesem Bild nicht nur Betrachter, sondern Mitwirkender. Er ist eingeladen, Verantwortung zu übernehmen und zum Gedeihen beizutragen.
Im Gleichnis aus Matthäus 20 wird das Arbeiten im Weinberg zusätzlich mit der Frage von Einsatz, Gerechtigkeit und Lohn verbunden. Unterschiedliche Arbeiter werden zu verschiedenen Zeiten berufen. Doch alle erhalten denselben Lohn. Damit wird deutlich, dass die Arbeit im Weinberg nicht nur nach Leistung bemessen wird. Sie ist Teil einer größeren Ordnung ist, in der Gnade und Gleichheit eine Rolle spielen.
„Arbeiten im Weinberg des Herrn“ wird so zu einem Bild für das aktive Mitwirken am Guten. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, sich einzubringen und einen Beitrag zu leisten. Unabhängig davon, wann oder in welchem Umfang man beginnt. Jeder ist eingeladen, Teil dieses „Weinbergs“ zu sein und zur Entfaltung dessen beizutragen, was wachsen und Frucht bringen soll.
Gleichzeitig erinnert das Bild daran, dass diese Arbeit nicht nur individuellen Nutzen verfolgt, sondern in einen größeren Zusammenhang eingebettet ist. Es geht um Gemeinschaft, um Sinn und um das Bewusstsein, dass eigenes Handeln Wirkung entfaltet. So wird der „Weinberg des Herrn“ zu einem Sinnbild für ein Leben, das sich an Verantwortung, Mitwirkung und dem Streben nach Fruchtbarkeit im weitesten Sinne orientiert.
Wie können Erste Letzte sein und Letzte Erste werden?
Jesus sagt, dass die, die ihm nachfolgen und ihr altes Leben verlassen haben, vielfach belohnt werden. Er betont , dass die, die zur Zeit Erste sind, am Ende Letzte sein und solche, die Letzte sind, Erste sein werden (Mt 19,29.30). Jesus wiederholt diese Mahnung von der Umkehrung der Rangfolge im Zusammenhang mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,16).
Bei anderer Gelegenheit fragt Petrus, was aus den Jüngern werden soll, die so vieles aufgegeben haben. Jesus antwortet darauf, dass denen, die ihr Leben drangegeben haben, ein vielfacher Lohn werden soll. Er mahnt wieder, dass Erste auch Letzte werden und Letzte Erste werden können (Markus 10,28-31).
Ebenso in dem Gleichnis von der engen Pforte und der verschlossenen Tür mahnt Jesus, dass Erste Letzte und Letzte Erste sein werden. (Lk.13,22-30).
Aus der Mahnung des Jesus von Nazareth wird im deutschen Sprachraum ein geflügeltes Wort, das geistliche wie weltliche Interpretationen zulässt.
Mahnung und Zusage
Mit Schadenfreude oder Ironie wird gerne die Umkehrung einer Reihenfolge festgestellt, wenn ein Zug die Richtung wechselt. Dann laufen diejenigen, die bisher vorne dabei waren, nach der Richtungsänderung hinter. Oder wenn Gäste, die als Letzte oder nur verspätet eintreffen, die Ersten am Buffet sind.
Lernende, die mit einem Fach gar nichts anfangen können, glänzen in anderen. Oder es werden Schüler, die z.B Biologie nicht können, doch passable Gärtner.
Andererseits können auch Menschen, die sich für sehr wichtig und privilegiert halten, ihre Position verlieren und andere, die vorher eine bescheidene Rolle spielten, dann aufsteigen. Wer sich in seinem Leben immer an vorderer Stelle sieht, könnte in einer anderen Daseinsform oder Weltordnung enttäuscht werden durch eine weniger beachtete Rangstufe; und wer sich im Diesseits in Demut zu üben gelernt hat, den belohnt später eine gehobene Position.
Das Sprichwort warnt vor hochmütiger Anspruchshaltung und mahnt zur Bescheidenheit. Es ermuntert, auf Gerechtigkeit zu hoffen und an eine neue Ordnung zu glauben, die die Schwachen schützt.
Die Zusage, dass Letzte Erste werden, ermutigt, an die Wahrheit und den Sinn zu glauben von sozialer Gerechtigkeit, von Demut und von der Hoffnung für Benachteiligte. Aber die Zusage ermuntert auch, an die Strebsamkeit zu glauben sowie an die Durchlässigkeit der Gemeinschaft von unten nach oben, die auch Letzte durch ihren Fleiß, ihren Einsatz und ihre Arbeit (nicht nur am Werk Gottes!) und durch Gottes Gnade und Seinen Segen Erste werden lässt.
Aus „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, F.Weber, BoD, 2026