Autor: admin

  • Was kann von Nazareth Gutes kommen

    Was kann von Nazareth Gutes kommen Johannes 1,46

    Der Satz „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“ stammt aus dem Johannesevangelium (Johannes 1,46). Gesprochen wird er von Nathanael. Zuvor hat Philippus ihm erzählt, dass er den gefunden habe, von dem Mose und die Propheten geschrieben haben. Jesus Christus aus Nazareth.

    Die Frage ist zunächst Ausdruck von Skepsis. Nazareth war zur damaligen Zeit ein eher unbedeutender Ort, der keine besondere religiöse oder politische Bedeutung hatte. Aus Nathanaels Perspektive erscheint es daher wenig plausibel, dass ausgerechnet aus diesem kleinen und unscheinbaren Ort etwas oder jemand von großer Bedeutung kommen sollte. Seine Reaktion spiegelt also eine verbreitete menschliche Neigung wider, Erwartungen an Herkunft, Ansehen oder äußere Umstände zu knüpfen.

    Im Verlauf der Erzählung wird jedoch deutlich, dass diese Einschätzung zu kurz greift. Nathanael begegnet Jesus schließlich selbst und erkennt in ihm den von Gott gesandten Messias. Die anfängliche Skepsis weicht einer persönlichen Erfahrung, die seine Sichtweise verändert. Damit wird gezeigt, dass wahre Bedeutung nicht an äußere Herkunft gebunden ist.

    Der Satz macht auch deutlich, dass Menschen dazu neigen, vorschnell zu urteilen. Dabei berücksichtigen sie nur äußere Merkmale oder Vorinformationen. Orte, Personen oder Situationen, die auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen, können dennoch von großer Bedeutung sein. Die biblische Erzählung lädt dazu ein, offen zu bleiben und eigene Vorurteile zu hinterfragen.

    Die Redewendung „Was kann von Nazareth Gutes kommen?“ findet heute verwendung, um Zweifel oder abwertende Erwartungen gegenüber etwas oder jemandem auszudrücken, der als unbedeutend eingeschätzt wird. Sie kann aber auch als Hinweis dienen, dass solche vorschnellen Urteile nicht immer gerechtfertigt sind.

    So zeigt die Szene im Johannesevangelium, dass wahre Erkenntnis oft über anfängliche Vorurteile hinausgeht. Die Begegnung mit Jesus führt Nathanael zu einer neuen Einsicht und macht deutlich, dass Größe und Bedeutung nicht zwangsläufig mit Herkunft oder äußerem Ansehen verbunden sind.

    Nachdem Philippus seinem Freund Nathanael von dem Messias berichtet hat, den er glaubt gefunden zu haben, reagiert dieser äußerst skeptisch. Doch Philippus antwortet nicht mit Argumenten, sondern lädt den Freund ein, sich selbst einBild zu machen. – Nazareth ist damals nur ein kleines Nest. Aber dieser unscheinbare Ort ist der Startpunkt für Jesus, der später zum Christus wird und mit seiner Lehre von Vergebung, Nächstenliebe und Barmherzigkeit die Welt verändert. Und Nazareth ist heute mit seinen historischen Stätten ein wichtiges – sowohl religiöses wie auch kulturelles – Zentrum.

  • Sich selbst der Nächste sein

    Sich selbst der Nächste sein Markus 12,31, 5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18

    Der Ausdruck „sich selbst der Nächste sein“ steht im Zusammenhang mit dem Gebot der Nächstenliebe. Dieses wird in Markus 12,31 formuliert. Jesus von Nazareth verbindet hier zwei zentrale Gebote miteinander. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Beide stehen untrennbar nebeneinander und bilden den Kern der biblischen Ethik.

    Die Grundlage für dieses Gebot findet sich bereits im Alten Testament, in 3. Mose 19,18 und 5. Mose 6,5. Dort wird die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft gefordert. Gleichzeitig wird die Aufforderung zur Liebe gegenüber dem Mitmenschen ausgesprochen. Jesus greift diese Tradition auf und fasst sie in einer klaren, verbindenden Weise zusammen.

    „Sich selbst der Nächste sein“ wird oft missverstanden oder im Alltag ironisch verwendet. Wenn z.B. jemand besonders auf das eigene Wohl bedacht ist. Im biblischen Sinn jedoch ist das Gegenteil gemeint. Nicht die Selbstbezogenheit steht im Mittelpunkt, sondern die Verantwortung gegenüber anderen. Der Maßstab für die Nächstenliebe ist dabei implizit die eigene Person. So, wie man für sich selbst sorgt, soll man auch für andere sorgen.

    Achtung und Fürsorge

    Die Aussage „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ setzt voraus, dass Menschen ein gesundes Maß an Selbstachtung und Selbstfürsorge haben. Diese Selbstliebe ist nicht egoistisch gemeint. Sie bildet die Grundlage dafür, andere in ähnlicher Weise zu achten, zu respektieren und zu unterstützen. Wer sich selbst annimmt, kann auch anderen mit Offenheit und Mitgefühl begegnen.

    Im biblischen Verständnis ist der „Nächste“ nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, sondern umfasst grundsätzlich jeden Mitmenschen. Das fordert eine Haltung, die über persönliche Interessen hinausgeht und sich am Wohl anderer orientiert.

    Der Ausdruck verbindet damit die beiden Dimensionen von Gottesliebe und Nächstenliebe zu einem gemeinsamen ethischen Grundprinzip. „Sich selbst der Nächste sein“ im ursprünglichen Sinn bedeutet daher nicht Egoismus, sondern die Einsicht, dass die eigene Person und der Mitmensch gleichermaßen Würde besitzen und in Verantwortung füreinander stehen.

    Allzumenschliches

    Die lateinische Redensart „Proximus sum egomet mihi“ – „Ich bin mir selbst der Nächste.“ spricht zunächst einmal und in der modernen Psychologie von gesunder Selbstfürsorge. Wer auf sich selbst achtet und auf eigenes Wohlergehen, der wird später Kapazitäten freimachen können, umfassend für Andere da sein zu können.

    Der Ausdruck ‚sich selbst der Nächste sein‚ heißt oft auch, dass Mensschen eigene Interessen, eigenes Wohbefinden in den Vordergrund stellen und gegebenenfalls in die eigene Tasche wirtschaften. Solches Verhalten wird dann als unsolidarisch und rücksichtslos empfunden und die Prase hat einen negativen Touch.

  • Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

    Liebe deinen Nächsten wie dich selbst 3.Mose19,18

    Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ stammt aus 3. Mose 19,18. Es gehört zu den zentralen Aussagen der alttestamentlichen Ethik. Jesus Christus greift dieses Gebot später im Neuen Testament auf und stellt es in den Mittelpunkt seiner Lehre. So z.B. im Zusammenhang mit dem Doppelgebot der Liebe im Evangelium Markus (Markus 12,31).

    Die Aufforderung richtet sich an den Umgang der Menschen miteinander und beschreibt eine Haltung, die von Respekt, Mitgefühl und Verantwortung geprägt ist. Der „Nächste“ ist dabei nicht auf eine bestimmte Personengruppe beschränkt Der Ausdruck meint grundsätzlich jeden Mitmenschen, dem man im Alltag begegnet. Das Gebot fordert also eine umfassende ethische Orientierung im sozialen Zusammenleben.

    Selbstwahrnehmung und Maßstab

    Der Zusatz „wie dich selbst“ ist besonders bedeutungsvoll. Er setzt voraus, dass Menschen ein gewisses Maß an Selbstachtung besitzen und sich selbst mit Fürsorge begegnen. Diese Selbstwahrnehmung wird nicht als Egoismus verstanden. Sie gilt als Maßstab, an dem sich das Verhalten gegenüber anderen orientieren soll. So, wie man sich selbst behandelt, so soll man auch anderen gegenüber handeln – mit Rücksicht, Fairness und Wertschätzung.

    Im biblischen Kontext steht dieses Gebot im Zusammenhang mit weiteren Weisungen, die ein gerechtes und solidarisches Zusammenleben fördern sollen. Es geht dabei nicht nur um Gefühle, sondern auch um konkretes Handeln: helfen, teilen, vergeben und auf die Bedürfnisse anderer achten.

    Im Neuen Testament wird diese Aussage von Jesus als eines der wichtigsten Gebote hervorgehoben. Zusammen mit der Liebe zu Gott bildet es den Kern des Glaubens. Dadurch wird deutlich, dass zwischen der Beziehung zu Gott und dem Verhalten gegenüber dem Mitmenschen eine enge Verbindung besteht.

    So beschreibt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ein grundlegendes Prinzip menschlichen Zusammenlebens. Es fordert dazu auf, den anderen nicht als Mittel zum Zweck zu sehen, sondern als gleichwertigen Menschen mit Würde und Bedürfnissen. In dieser Haltung zeigt sich eine Form von Liebe, die über bloße Sympathie hinausgeht und sich im verantwortungsvollen Handeln konkret ausdrückt.

  • Nichts Neues unter der Sonne

    Nichts Neues unter der Sonne Prediger 1,9

    Der Satz „Nichts Neues unter der Sonne“ stammt aus Prediger 1,9 im Alten Testament. Als Verfasser gilt traditionell König Salomo, der in diesem Buch über die grundlegenden Erfahrungen und Begrenzungen des menschlichen Lebens nachdenkt. Die Formulierung steht im Zusammenhang mit seiner Beobachtung, dass sich die Welt in ihren Abläufen zwar verändert, im Kern jedoch vieles gleich bleibt.

    Mit „unter der Sonne“ ist die gesamte sichtbare, irdische Welt gemeint. Der Satz bringt zum Ausdruck, dass menschliche Erfahrungen wie Geburt und Tod, Arbeit und Mühe, Freude und Leid sich im Laufe der Zeit wiederholen. Auch wenn technische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen oder kulturelle Neuerungen entstehen, bleiben die grundlegenden Fragen und Herausforderungen des Lebens bestehen.

    Im Kontext des Predigerbuches steht dieser Gedanke in einer eher nachdenklichen, teilweise ernüchternden Perspektive. Der Autor beschreibt, dass vieles, was Menschen anstreben oder erreichen, vergänglich ist und sich in ähnlicher Weise immer wieder ereignet. Daraus entsteht die Einsicht, dass menschliche Bemühungen allein keinen dauerhaften Sinn garantieren können.

    Gleichzeitig lädt die Aussage dazu ein, die Welt mit einem realistischen Blick zu betrachten. Sie relativiert den Anspruch, ständig etwas völlig Neues oder Einzigartiges schaffen zu müssen, und erinnert daran, dass der Mensch Teil eines größeren, wiederkehrenden Zusammenhangs ist.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute häufig verwendet, um auszudrücken, dass sich bestimmte Situationen oder Muster wiederholen oder dass vermeintlich neue Entwicklungen in Wirklichkeit vertrauten Strukturen folgen. Er kann sowohl nüchtern beschreibend als auch leicht skeptisch gemeint sein.

    So macht „Nichts Neues unter der Sonne“ bewusst, dass die grundlegenden Erfahrungen des Menschseins zeitlos sind. Trotz aller Veränderungen bleiben zentrale Lebensfragen bestehen, und viele Dinge kehren in ähnlicher Form immer wieder zurück.

    Das Leben folgt einem ewigen Rhytmus. Alles ist schon mal dagewesen. Nichts (bzw. weniges) ist so einmalig, auch wenn es sich noch so gewaltig anfühlt. Wenn auch nicht alles Schnee von gestern ist, so wiederholt sich Geschichte doch recht häufig, Trends und Moden kommen wieder und das Leben ist ständiger Wechsel von Kommen und Gehen, von Zeugung, Geburt und Abschied.

  • Was du nicht willst, dass dir geschicht

    Was du nicht willst, dass dir geschicht, das tu auch keinem andern nicht Tob 4,15

    Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu.

    Der Satz „Was du nicht willst, dass dir geschieht, das tu auch keinem andern nicht“ stammt aus Tobias 4,15. Er formuliert eine grundlegende Regel menschlichen Zusammenlebens. Der Spruch wird auch als „goldene Regel“ bezeichnet. Er findet sich in ähnlicher Form in anderen Traditionen und später in der Lehre von Jesus Christus im Neuen Testament (z. B. in Matthäus 7,12, Lukas 6,31).

    Im Kern geht es um die Aufforderung zu einem fairen und mitfühlenden Umgang miteinander. Maßstab des eigenen Handelns soll dabei die eigene Erfahrung und Erwartung sein: So, wie man selbst behandelt werden möchte, soll man auch andere behandeln. Damit wird ein einfach verständliches Prinzip formuliert. Dieses kommt ohne komplizierte Regeln aus und orientiert sich an der inneren Haltung des Menschen.

    Die Aussage setzt voraus, dass man sich in andere hineinversetzen kann. Wer überlegt, wie eine Handlung auf ihn selbst wirken würde, entwickelt eher ein Gespür für Gerechtigkeit, Rücksicht und Verantwortung. Dadurch entsteht eine ethische Orientierung, die nicht nur auf Vorschriften beruht, sondern auf Empathie und gegenseitigem Respekt.

    Respekt und Solidarität

    Im biblischen Zusammenhang ist diese Regel Teil einer größeren Sammlung von Weisungen, die ein gerechtes und solidarisches Leben fördern sollen. Sie richtet sich nicht nur an das äußere Verhalten, sondern auch an die innere Haltung gegenüber Mitmenschen, insbesondere gegenüber Schwächeren oder Hilfsbedürftigen.

    Im Alltag wird der Satz oft als Leitprinzip verstanden. Er hilft, Konflikte zu vermeiden und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Der Ausdruck erinnert auch daran, dass die eigenen Handlungen Konsequenzen für andere haben. Damit erinnert er uns, dass man Verantwortung für das eigene Verhalten trägt.

    So bringt die „goldene Regel“ in einfacher Form eine grundlegende Wahrheit zum Ausdruck: Menschliches Zusammenleben gelingt dann am besten, wenn man die Perspektive des anderen mitbedenkt und ihn mit der gleichen Rücksicht behandelt, die man sich selbst wünscht.

  • Es ist nichts dahinter

    Es ist nichts dahinter 2 Petr 2,18

    Der Ausdruck „Es ist nichts dahinter“ steht im Zusammenhang mit Aussagen aus 2. Petrus 2,18. Dort warnt der Verfasser vor falschen Lehrern, die mit groß klingenden Worten auftreten. In Wahrheit haben sie aber keine Substanz und führen Menschen in die Irre. Petrus richtet sich mit seinen Worten an eine Gemeinschaft von Glaubenden, die sich vor Täuschung und leeren Versprechungen hüten sollen.

    „Es ist nichts dahinter“ beschreibt etwas, das äußerlich eindrucksvoll erscheinen mag, innerlich aber keinen echten Gehalt besitzt. Gemeint sind Worte oder Zusagen, die viel versprechen, aber letztlich nichts halten oder keinen tragfähigen Inhalt haben. Im biblischen Kontext bezieht sich das vor allem auf Lehrreden, die zwar überzeugend klingen, aber nicht der Wahrheit entsprechen und keine verlässliche Grundlage für das Leben bieten.

    Die Warnung zielt darauf ab, Menschen zur Unterscheidung zu befähigen. Nicht alles, was schön formuliert oder überzeugend vorgetragen wird, ist auch wahr oder hilfreich. Gerade deshalb ist es wichtig, Inhalte zu prüfen und sich nicht allein von äußeren Eindrücken leiten zu lassen.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute häufig verwendet, um auszudrücken, dass etwas nur oberflächlich wirkt oder keinen echten Wert hat. Sie kann sich auf Aussagen, Angebote oder auch Versprechen beziehen, bei denen sich bei genauerem Hinsehen zeigt, dass sie nicht belastbar sind.

    Die biblische Aussage macht deutlich, dass Worte Verantwortung tragen und nicht beliebig sind. Sie erinnert daran, kritisch zu prüfen, was Menschen lehren oder versprechen. Niemand soll sich von bloßer Rhetorik täuschen lassen. So wird zu einer Haltung der Wachsamkeit und der inneren Klarheit ermutigt.

    Die Redewendung ermahnt, den Unterschied zwischen äußerem Schein und innerem Gehalt zu erkennen. Menschen sollen sich an dem orientieren, was wirklich Bestand hat.

    Manche, die nichts zu sagen haben, machen viel Lärm um nichts. Was sich so großartig präsentiert, entpuppt sich als große Klappe und nichts dahinter, es ist Blendwerk, Schaumschlägerei und heiße Luft, ebenso gehalt- wie bedeutungslos.

  • Nichts Besseres noch zu erwarten haben

    Nichts Besseres noch zu erwarten haben Sirach 41,3

    Der Ausdruck „Nichts Besseres noch zu erwarten haben“ stammt aus Sirach 41,3. Er steht im Zusammenhang mit der Reflexion über das menschliche Leben, seine Grenzen und seine Endlichkeit. Der Abschnitt erinnert daran, dass das Leben des Menschen von Natur aus vergänglich ist und niemand sich dauerhaft vor dem Tod schützen kann. Jesus Sirach, der als Verfasser dieses Weisheitsbuches gilt, beschreibt nüchtern die Realität des menschlichen Daseins.

    Der Satz macht deutlich, dass es Situationen gibt, in denen keine weiteren Möglichkeiten oder Verbesserungen mehr zu erwarten sind. Er verweist auf die Begrenztheit menschlicher Hoffnung im Angesicht des Todes und auf die Tatsache, dass bestimmte Entwicklungen im Leben unwiderruflich sind. Damit ist nicht nur eine pessimistische Sicht gemeint, sondern vielmehr eine realistische Einschätzung der menschlichen Existenz.

    Im biblischen Kontext dient diese Aussage dazu, den Leser zur Besinnung zu führen. Wenn der Mensch erkennt, dass sein Leben begrenzt ist, kann er bewusster mit der ihm gegebenen Zeit umgehen. Die Vergänglichkeit wird so nicht nur als Verlust, sondern auch als Anstoß verstanden, das Leben verantwortungsvoll und sinnvoll zu gestalten.

    Ddie Redewendung soll ausdrücken, dass eine Situation an einem Punkt angelangt ist, an dem keine Verbesserung mehr möglich erscheint. Er kann sowohl resignierend als auch sachlich beschreibend gemeint sein, je nach Kontext.

    Nüchterne Einsichten

    Die Weisheit des Sirach lädt ein, sich der Endlichkeit des Lebens bewusst zu werden und daraus Konsequenzen zu ziehen. Nicht alles kann unbegrenzt fortgesetzt oder verbessert werden kann. Daher kommt es darauf an, das gegenwärtige Leben bewusst zu gestalten und die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen.

    So beschreibt „Nichts Besseres noch zu erwarten haben“ eine nüchterne Einsicht in die Grenzen des menschlichen Lebens. Der Ausdruck erinnert daran, dass gerade diese Begrenztheit zu einer verantwortungsvollen und achtsamen Lebensführung führen kann.

    Der Begründer der Logotherapie Viktor Frankl, Neurologe und Psychiater, kehrte diesen Gedanken um. Statt in Krisenzeiten auf das Bessere zu warten, sollten die Menschen Verantwortung übernehmen für das, was das Leben im Hier und Jetzt von ihnen fordert. Frankl war der Meinung, es komme weniger darauf an, was wir Menschen vom Leben noch zu erwarten haben als vielmehr darauf, was das Leben von uns erwartet.

  • Niemand kann zwei Herren dienen

    Niemand kann zwei Herren dienen. Matthäus 6,24

    Der Satz „Niemand kann zwei Herren dienen“ stammt aus Matthäus 6,24. Er wird von Jesusvon Nazareth im Rahmen der Bergpredigt gesprochen. In diesem Zusammenhang erklärt Jesus grundlegende Haltungen zum Leben, zum Umgang mit Besitz und zur inneren Ausrichtung des Menschen.

    Die Aussage macht deutlich, dass ein Mensch nicht gleichzeitig zwei gegensätzlichen Herren mit voller Hingabe dienen kann. Gemeint ist nicht nur ein äußerer Dienst, sondern eine innere Bindung und Loyalität. Wer zwei Herren dienen will, gerät in einen Konflikt, da die Anforderungen und Erwartungen dieser „Herren“ sich widersprechen können. Deshalb wird am Ende immer einer den Vorrang haben.

    Im weiteren Verlauf des Verses wird dieser Gedanke konkretisiert. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Der Begriff „Mammon“ steht dabei für Reichtum, Besitz und materielle Werte, die zur bestimmenden Größe im Leben werden können. Jesus stellt hier zwei mögliche Lebensausrichtungen gegenüber. Die Orientierung an Gott oder die Bindung an materielle Sicherheiten.

    Haltung und Prioritäten

    Die Aussage richtet sich an die innere Haltung des Menschen. Sie fordert dazu auf, Prioritäten zu klären und sich bewusst zu machen, woran das eigene Herz hängt. Es geht nicht darum, Besitz grundsätzlich abzulehnen, sondern darum, dass er nicht zum bestimmenden Maßstab des Lebens wird.

    Im übertragenen Sinn wird der Satz häufig verwendet, um darauf hinzuweisen, dass man sich nicht gleichzeitig widersprüchlichen Verpflichtungen oder Interessen unterordnen kann. Er beschreibt eine grundlegende Erfahrung: Wo zwei konkurrierende Ansprüche bestehen, muss letztlich eine Entscheidung getroffen werden.

    So bringt „Niemand kann zwei Herren dienen“ eine klare Einsicht zum Ausdruck: Menschliche Hingabe ist nicht beliebig teilbar. Der Satz lädt dazu ein, sich bewusst zu entscheiden, woran man sein Leben ausrichten will, und die eigenen Prioritäten entsprechend zu ordnen. Damit verbunden ist die ständige Herausforderung, klare Entscheidungen zu treffen. Ebenso ist damit verbunden der ständige Versuch, es allen recht zu machen oder widerstreitende Lebensziele miteinander zu vereinbaren.

  • Ein Nimmersatt sein

    Ein Nimmersatt sein Prediger 1,8

    Der Ausdruck „Ein Nimmersatt sein“ geht auf Gedanken aus Prediger 1,8 zurück, das traditionell König Salomo zugeschrieben wird. In diesem Abschnitt wird beschrieben, dass die Dinge der Welt – sei es Arbeit, Reden oder Wahrnehmung – den Menschen nie vollständig sättigen oder dauerhaft zufriedenstellen können.

    „Nimmersatt“ bezeichnet jemanden, der nie genug bekommt. Ein Mensch, der unersättlich ist und ständig nach mehr verlangt. Im übertragenen Sinn steht der Ausdruck für ein Grundproblem menschlicher Erfahrung. Wünsche, Bedürfnisse und Ziele werden erreicht. Doch die Zufriedenheit hält oft nicht dauerhaft an. Es entsteht ein Kreislauf aus Streben und erneutem Verlangen.

    Im Kontext des Predigerbuches wird diese Beobachtung nicht nur auf einzelne Menschen bezogen. Sie trifft allgemein auf das menschliche Leben „unter der Sonne“ zu. Die Welt bietet viele Möglichkeiten, doch keine davon kann letztlich eine bleibende, vollständige Erfüllung garantieren. Selbst das, was zunächst als sinnvoll oder erfüllend erscheint, verliert mit der Zeit an Wirkung oder wird als unzureichend empfunden.

    Die Aussage ist einerseits als nüchterne Beschreibung menschlicher Erfahrung verstehen, aber auch als Anstoß zur Selbstreflexion. Sie lädt dazu ein, sich zu fragen, worauf man sein Streben ausrichtet. Kann das, wonach man sucht, tatsächlich dauerhaft zufriedenstellend sein.

    Im übertragenen Sinn findet „ein Nimmersatt sein“ heute Verwendung, um eine Person zu beschreiben, die nie genug bekommt – sei es in Bezug auf Besitz, Erfolg, Anerkennung oder andere Lebensbereiche. Der Begriff kann dabei sowohl kritisch als auch beschreibend gemeint sein.

    So macht der biblische Gedanke deutlich, dass menschliches Begehren unbegrenzt sein kann, während die Welt selbst begrenzt ist. Daraus ergibt sich die Einsicht, dass wahre Zufriedenheit nicht allein im ständigen Mehr liegt, sondern auch in der Fähigkeit, Maß zu halten und das Vorhandene wertzuschätzen.

    Die Redewendung beschreibt ein starkes und nicht enden wollendes Verlangen nach immer mehr und noch mehr. Das mag die humorvolle Begegnung mit einer Person sein, die einen guten Appetit hat oder auch die Unersättlichkeit einer andeern Person. Der Ausdruck ist unter anderem bekannt durch die „Kleine Raupe Nimmersatt“ aus einem gleichnamigen Kinderbuch.
    Ein afrikanischer Storch trägt den Namen „Nimmersatt“ (wissenschaftlich: Mycteria ibis), weil er unablässig im Wasser nach Nahrung sucht und dabei nach kleinen Fischen und Wasssertieren tastet.

  • Vom Stamme Nimm sein

    Vom Stamme Nimm sein 4. Mose 13,9

    Der Ausdruck „Vom Stamme Nimm sein“ geht auf den biblischen Bericht im Buch Numeri (4. Mose 13,9) zurück. Dort wird im Zusammenhang mit der Erkundung des verheißenen Landes eine Liste von Kundschaftern genannt. Diese stammen aus verschiedenen Stämmen Israels. Einer dieser Männer ist Josua, der hier als „Sohn Nuns“ bezeichnet wird.

    „Nimm“ bzw. „Nun“ ist dabei kein Aufruf, etwas zu nehmen, sondern ein Eigenname. Der Ausdruck „vom Stamme Nimm sein“ bedeutet daher, dass jemand aus einer bestimmten Familie oder Abstammungslinie stammt. Konkret aus dem Haus des Nuns. In der biblischen Namensgebung ist es üblich, Personen über ihren Vater oder ihre Herkunft zu identifizieren, um ihre Zugehörigkeit innerhalb des Volkes Israel zu verdeutlichen.

    Im übertragenen Sinn hat sich die Wendung im Deutschen zu einer Redensart entwickelt, die Herkunft oder Abstammung beschreibt, oft mit einem leicht humorvollen oder ungewöhnlichen Klang. Sie weist darauf hin, aus welcher „Familie“ oder welchem „Stamm“ jemand kommt. Nicht ganz ohne dabei eine tiefere inhaltliche Bedeutung zu transportieren.

    Im biblischen Kontext verweist die Nennung der Abstammung jedoch auf mehr als nur genealogische Information. Sie ordnet die Person in die Geschichte des Volkes ein und macht deutlich, dass individuelle Aufgaben und Berufungen innerhalb eines größeren Zusammenhangs stehen. Josua selbst wird später zu einer wichtigen Führungsperson, die das Volk Israel in das verheißene Land führt.

    So zeigt der Ausdruck „vom Stamme Nimm sein“ sowohl die Bedeutung von Herkunft und Zugehörigkeit im biblischen Denken als auch die Art und Weise, wie Namen und Abstammung zur Identifikation von Personen dienen.

    Andererseits

    Vom „Stamme nimm sein“ kann auch kritisch gemeint sein. Personen, die lieber nehmen und nicht gerne geben, die keine Verantwortung übernehmen, sich stattdessen bedienen lassen,sind gemeint. Oder auch Personen , die gerne mittrinken, wenn zu einem Getränk eingeladen wird, aber nicht auf den Gedanken kommen, selbst eine Runde auszugeben. – In Raucherkreisen beliebte Marken waren früber El Schnorro und Van Anderen, die es aber weder im Automaten noch am Kiosk zu kaufen gab. Menschen, die auf eigenen Vorteil aus sind, ohne jedoch eine Gegenleistung zu erbringen.

  • Ein Nimrod sein – Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn sein

    Ein Nimrod sein – Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn sein 1. Mose 10,8-9

    Der Ausdruck „ein Nimrod sein“ geht zurück auf die Gestalt des Nimrod im Buch Genesis (1. Mose 10,8–9). Dort wird Nimrod als ein „gewaltiger Jäger vor dem Herrn“ beschrieben und als eine herausragende, machtvolle Persönlichkeit der frühen Menschheitsgeschichte dargestellt.

    Die Formulierung „gewaltiger Jäger vor dem Herrn“ ist auf unterschiedliche Weise zu verstehen. Einerseits beschreibt sie Nimrod als jemanden, der durch seine Stärke, seinen Mut und seine Fähigkeiten hervorsticht. Er steht sinnbildlich für Tatkraft, Durchsetzungsvermögen und Führungsstärke. In diesem Sinne verkörpert er eine Person, die aktiv handelt, Einfluss ausübt und sich durch besondere Leistungen hervorhebt.

    Andererseits wird der Ausdruck „vor dem Herrn“ im biblischen Kontext oft als Hinweis darauf verstanden, dass auch außergewöhnliche menschliche Stärke und Macht letztlich vor Gott stehen und in Beziehung zu ihm gesehen werden müssen. Die Erwähnung kann daher auch eine gewisse Ambivalenz enthalten. Nimrod ist zwar groß und mächtig, doch seine Größe bleibt im Blick auf Gott relativiert.

    Im weiteren Verlauf der biblischen Überlieferung wird Nimrod mit der Entstehung bedeutender Städte wie Babel in Verbindung gebracht. Er steht damit auch für den Beginn von Machtstrukturen und frühen Formen von Herrschaft und Zivilisation. Seine Figur wird so zu einem Symbol für menschliche Stärke, aber auch für den Anspruch, sich durch eigene Kraft und Organisation Bedeutung zu verschaffen.

    Im übertragenen Sinn finet der Ausdruck heute gelegentlich Verwendung, um eine Person zu beschreiben, die besonders kräftig, durchsetzungsfähig oder erfolgreich ist, manchmal auch mit einem leicht kritischen Unterton gegenüber übermäßiger Machtentfaltung.

    So zeigt die biblische Figur des Nimrod eine Verbindung von Stärke, Einfluss und menschlichem Streben nach Bedeutung. Gleichzeitig erinnert der Text daran, dass selbst große Leistungen und Macht immer in einem größeren, göttlichen Zusammenhang stehen.

    In anderen Schriften aus dem jüdischem und dem islamischem Bereich finden sich andere Bilder. Dort ist von einem Mitbegründer des Turmbaus zu Babale die Rede. Nimrod gilt zuweilen als Rebell und Aufrührer, der sich gegen Gott stellte.

  • Noli me tangere – Rühr mich nicht an!

    Noli me tangere – Rühr mich nicht an! Johannes 20,17

    Der Ausdruck „Noli me tangere“ („Rühr mich nicht an!“) stammt aus Johannes 20,17. Gesprochen wird er von Jesus von Nazareth, als er nach seiner Auferstehung Maria Magdalena begegnet. In dieser besonderen Situation erkennt Maria ihn zunächst nicht, bis Jesus sich ihr offenbart. Aus Freude und Erstaunen will sie ihn festhalten, woraufhin Jesus diese Worte sagt.

    Die Aussage „Rühr mich nicht an“ ist dabei nicht als Zurückweisung im Sinne von Ablehnung zu verstehen. Er ist ein Hinweis auf die veränderte Situation nach der Auferstehung. Die Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern befindet sich in einem Übergang. Jesus ist nicht mehr in der gleichen Weise körperlich greifbar wie vor seinem Tod. Seine Auferstehung weist auf eine neue Wirklichkeit hin, die sich dem gewohnten Zugriff entzieht.

    Im weiteren Wortlaut erklärt Jesus Maria, dass sie ihn nicht festhalten soll, da er noch nicht zum Vater aufgefahren sei. Damit wird deutlich, dass seine Gegenwart nun eine andere Form annimmt Eine, die nicht mehr an einen bestimmten Ort oder eine physische Nähe gebunden ist. Zugleich sendet er Maria mit einer Botschaft zu den Jüngern, wodurch sie zur ersten Zeugin der Auferstehung wird.

    Im übertragenen Sinn wird „Noli me tangere“ oft verwendet, um auf etwas hinzuweisen, das nicht festgehalten oder vereinnahmt werden kann. Es kann darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Erfahrungen, Begegnungen oder Zustände nicht dauerhaft festzuhalten sind, sondern sich verändern oder einer neuen Form der Beziehung bedürfen.

    So beschreibt dieser kurze Satz einen tiefen Moment im Osterbericht: die Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die Freude des Wiedersehens und zugleich die Einsicht, dass sich die Art der Gemeinschaft grundlegend gewandelt hat. „Rühr mich nicht an“ wird damit zu einem Hinweis auf eine neue, geistlich geprägte Beziehung, die über das rein Sicht- und Greifbare hinausgeht.

    Die Begegnung

    Maria erkennt den vermeintlichen Gärtner zunächst nicht. Als Jesus sich ihr zu erkennen gibt, will sie ihn festhalten. Jesus aber wehrt ab. „Berühre mich nicht!“ Die Begegnung von Maria Magdalena und dem auferstandenen Jesus ist eines der bekanntesten Motive der europäischen Malerei geworden.

  • Eins aber ist not

    Eins aber ist not Lukas 10,42

    Der Satz „Eins aber ist not“ stammt aus dem Evangelium nach Lukas (Lukas 10,42). Er wird von Jesus im Gespräch mit Martha und Maria von Bethanien gesprochen. In dieser Begebenheit kümmert sich Martha um viele häusliche Aufgaben, während Maria sich zu Jesus setzt und seinen Worten zuhört.

    Martha beklagt sich darüber, dass sie allein mit der Arbeit sei. Jesus antowrtet mit den Worten: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt. Das soll nicht von ihr genommen werden“. Damit weist Jesus darauf hin, dass inmitten vieler Aufgaben eine grundlegende Priorität nicht aus dem Blick geraten darf.

    Prioritäten

    „Eins aber ist not“ bedeutet, dass es etwas gibt, das im Vergleich zu vielen anderen Dingen Vorrang hat und entscheidend ist. Im Kontext der Erzählung ist damit die Hinwendung zu Jesus und das Hören auf sein Wort gemeint. Während die Sorge um praktische Dinge nicht grundsätzlich abzuwerten ist, wird deutlich gemacht, dass sie nicht das Wichtigste im Leben sein darf.

    Die Szene stellt zwei Haltungen gegenüber. Die aktive Sorge um viele Dinge und die ruhige Aufmerksamkeit für das Wesentliche. Jesus macht deutlich, dass beides seinen Platz hat, aber nicht im gleichen Maß gewichtet haben sollen. Das Hören auf sein Wort wird hier als „das gute Teil“ bezeichnet, das bleibenden Wert hat.

    Im übertragenen Sinn wird der Satz heute oft verwendet, um daran zu erinnern, dass es im Leben zentrale Prioritäten gibt. Diese sollten nicht von vielen nebensächlichen Anliegen überdeckt werden. Er kann als Aufforderung verstanden werden, sich bewusst Zeit für das Wesentliche zu nehmen und nicht ausschließlich von alltäglicher Geschäftigkeit bestimmt zu werden.

    So bringt „Eins aber ist not“ eine grundlegende Einsicht zum Ausdruck: Inmitten vieler Anforderungen und Aufgaben bleibt das Hören, Verstehen und Ausrichten auf das Wesentliche entscheidend. – Jesus spricht hier von der Notwendigkeit (=Not),dass die Ausrichtung auf Gott und sein Wort wichtiger sind als alle Betriebsamlkeit, Aktionismus oder andere, „irdische“ Dinge.

  • Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden

    Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden 5.Mo.25,4; 1.Kor.9,9; 1.Tim.5,18

    Der Satz „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ stammt aus 5. Mose 25,4. Er wird im Alten Testament als eine Anweisung im Umgang mit arbeitenden Tieren gegeben. Das bedeutet zunächst ganz konkret, dass ein Ochse, der beim Dreschen des Getreides eingesetzt wird, während seiner Arbeit fressen darf und nicht daran gehindert werden soll.

    Im biblischen Kontext steht hinter dieser Regel ein Prinzip der Fairness und Fürsorge. Der Ochse leistet durch seine Arbeit einen Beitrag zur Ernte. Daher soll er auch von den Früchten seiner Arbeit profitieren können. Die Vorschrift zeigt, dass selbst gegenüber Tieren ein Maß an Rücksicht und Gerechtigkeit zu erwarten ist.

    Dieses Gebot wird im Neuen Testament von Paulus von Tarsus aufgegriffen und auf menschliche Verhältnisse übertragen (vgl. 9,9; 5,18). Paulus verwendet das Beispiel des Ochsen als Begründung dafür, dass auch Menschen, die im Dienst der Verkündigung stehen, Anspruch auf ihren Lebensunterhalt haben. Damit wird aus einer konkreten Regel für Tiere ein allgemeines Prinzip für gerechte Entlohnung und Wertschätzung von Arbeit.

    Lohn und Arbeit

    Im übertragenen Sinn steht der Satz für die Einsicht, dass Arbeit und Leistung angemessen entlohnt und gewürdigt werden sollen. Wer arbeitet, soll nicht ausgebeutet oder von den Früchten seiner Tätigkeit ausgeschlossen werden. Das gilt sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich.

    Die Formulierung findet heute gelegentlich auch sprichwörtlich Verwendung, um auf gerechte Behandlung und angemessene Bezahlung hinzuweisen. Sie erinnert daran, dass Leistung und Einsatz Anerkennung verdienen und dass es ungerecht ist, jemanden arbeiten zu lassen, ohne ihm einen angemessenen Anteil zukommen zu lassen.

    So verbindet das biblische Gebot eine konkrete praktische Regel mit einem allgemeinen ethischen Prinzip: Es fordert zu Gerechtigkeit, Rücksicht und Wertschätzung gegenüber denen auf, die arbeiten. Unabhängig davon, ob es sich um Menschen oder, im ursprünglichen Kontext, um Tiere handelt.

  • Das ist aber keine Offenbarung

    Das ist aber keine Offenbarung Sprüche 29,18

    Der Satz „Das ist aber keine Offenbarung“ bezieht sich auf den Gedanken aus Sprüche 29,18. Dort heißt es: „Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und zügellos“. Im Hintergrund steht die Einsicht, dass Orientierung und Einsicht für das Zusammenleben von Menschen notwendig sind. Als Verfasser der Sprüche gilt traditionell König Salomo, der für seine Weisheit bekannt ist.

    Mit „Offenbarung“ ist in diesem Zusammenhang eine göttliche Weisung, ein klares Wort oder eine verbindliche Orientierung gemeint, die dem Menschen Richtung gibt. Ohne eine solche Grundlage fehlt es an Maßstab und Ziel. Das kann dazu führen, dass Menschen planlos handeln oder gesellschaftliche Ordnung verloren geht. Der Satz „Das ist aber keine Offenbarung“ kann daher ausdrücken, dass etwas keine echte Einsicht, keine verlässliche Erkenntnis oder keine tragfähige Orientierung bietet.

    Weisung und Weisheit

    Im biblischen Kontext wird deutlich, wie wichtig es ist, sich an verlässliche Weisung und Weisheit zu halten. „Offenbarung“ steht hier nicht nur für außergewöhnliche Visionen. Sie steht vielmehr und allgemein für klare Einsichten, die helfen, das Leben sinnvoll zu gestalten und gute Entscheidungen zu treffen. Wo solche Orientierung fehlt, besteht die Gefahr von Orientierungslosigkeit und Unruhe.

    Im übertragenen Sinn findet die Redewendung heute oft Verwendung, um auszudrücken, dass eine Aussage, Idee oder Erklärung nichts wirklich Neues, Klärendes oder Substanzielles enthält. Sie kann auch kritisch gemeint sein. Wenn etwas zwar als besonders dargestellt wird, tatsächlich aber keine tiefere Bedeutung oder Erkenntnis liefert.

    Der biblische Gedanke macht deutlich, dass Orientierung und Einsicht eine zentrale Rolle im Leben und im Zusammenleben von Menschen spielen. „Das ist aber keine Offenbarung“ ist deshalb als Hinweis zu verstehen, Aussagen und Ideen zu prüfen. Bringen sie wirklich Klarheit und Orientierung oder bleiben sie lediglich oberflächlich.

    In der Volxbibel lautet der Vers aus Sprüche 29,18 übrigens: „Wenn eine Nation nichts mehr von Gott hören will, dann gibt’s bei denen irgendwann nur noch Chaos. Wenn sie aber immer auf die Gesetze von Gott achten, werden sie gut drauf sein.“

  • In den Ohren gellen

    In den Ohren gellen Jer 19,3b

    Der Ausdruck „in den Ohren gellen“ hat seinen Ursprung in Jeremia 19,3. Dort kündigt Jeremia im Auftrag Gottes ein Gericht an und spricht davon, dass die Botschaft so erschütternd sein wird, dass sie „in den Ohren gellen“ wird. Gemeint ist ein Klang oder eine Nachricht, die so heftig und eindringlich ist, dass sie nicht überhört werden kann und lange nachwirkt.

    Das Bild des „Gellens“ beschreibt einen lauten, scharfen und durchdringenden Ton, der sich ins Bewusstsein einprägt. Im biblischen Zusammenhang steht es für eine Botschaft von großer Tragweite, die die Menschen erschrecken und aufrütteln soll. Es geht nicht um gewöhnliche Worte, sondern um eine Ankündigung, die die gewohnte Ordnung erschüttert und zum Nachdenken zwingt.

    Jeremia verwendet dieses Bild, um die Ernsthaftigkeit seiner Botschaft zu unterstreichen. Die angekündigten Ereignisse sind so bedeutend, dass sie nicht ignoriert werden können. Das „Gellen“ in den Ohren steht somit für die Unüberhörbarkeit und Dringlichkeit dessen, was gesagt wird.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute verwendet, um etwas zu beschreiben, das besonders laut, eindringlich oder schockierend ist – sei es ein Geräusch, eine Nachricht oder auch eine Erfahrung. Es kann sich um Worte handeln, die lange im Gedächtnis bleiben und eine starke Wirkung hinterlassen.

    Eindrücke oder Botschaften

    So macht der Ausdruck „in den Ohren gellen“ deutlich, dass bestimmte Eindrücke oder Botschaften eine besondere Intensität besitzen. Sie dringen tief ein, lassen sich nicht leicht vergessen und fordern dazu heraus, sich mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen.

    Das mittelhochdeutsche Wort gellen bedeutet hell tönen, kallen oder schallen. Es beschreibt einen unüberhörbaren Ton, den Knall einer Explosion, das Heulen eines Motors, einen schrillen Pfiff, eine Sirene oder z.B. auch eine quietschende Bremse. Der gellende oder ohrenbeäubende Lärm, geht einem durch Mark und Bein. Er tut den Ohren weh und hallt auch noch ein wenig nach.
    Intensive Geräusche sind oft mit Gefahren verbunden und werden von uns Menschen auch als solche wahrgenommen. Dabei kann es sich auch um einen Warnruf oder Ton handeln, der auf eine drohende Gefahr hinweist.

  • Tauben Ohren predigen

    Tauben Ohren predigen Jes 6,10; 42,20; Matthäus 13,13

    Der Ausdruck „tauben Ohren predigen“ geht auf verschiedene biblische Stellen zurück, unter anderem auf das Buch Jesaja (Jesaja 6,10; 42,20) sowie auf das Evangelium nach Matthäus (Matthäus 13,13). In diesen Texten beschreibt Jesus Christus eine Situation, in der Menschen zwar hören, aber nicht verstehen, und sehen, aber nicht erkennen.

    Der Ausdruck „taube Ohren“ ist dabei bildlich gemeint. Er beschreibt Menschen, die zwar physisch hören können, die aber innerlich nicht aufnahmebereit sind. Die Botschaft dringt nicht zu ihnen durch, weil sie nicht offen sind oder sich bewusst dagegen verschließen. „Predigen“ meint in diesem Zusammenhang das Verkündigen oder Weitergeben einer Botschaft, die jedoch nicht verstanden oder angenommen wird.

    Im Kontext der Bibel steht diese Formulierung für eine geistliche Blindheit oder Verhärtung. Trotz klarer Worte und deutlicher Hinweise bleiben Menschen unzugänglich für die Botschaft. Ihre Herzen sind nicht offen. Die Texte bei Jesaja und im Matthäusevangelium machen deutlich, dass dies nicht nur ein Problem des Hörens ist. Es ist vor allem ein Problem des Verstehens und der inneren Bereitschaft.

    Die Wendung wird im übertragenen Sinn heute verwendet, um auszudrücken, dass jemand nicht zuhört oder für Argumente nicht zugänglich ist. Sie kann sich auf Situationen beziehen, in denen eine Person Informationen ignoriert, ablehnt oder schlicht nicht aufnimmt, obwohl sie eigentlich dazu in der Lage wäre.

    So beschreibt „tauben Ohren predigen“ eine grundlegende menschliche Erfahrung: Kommunikation gelingt nicht allein durch das Sprechen, sondern setzt auch Offenheit und Bereitschaft auf Seiten des Hörenden voraus. Ohne diese innere Aufnahmebereitschaft bleibt selbst eine klare Botschaft wirkungslos.

    Da will man Warnungen, Ratschläge oder Argumente jemandem nahebringen und muss feststellen, dass der dafür völlig unempfänglich ist. Also hätte man auch in den Wind schreien oder gegen eine Wand anreden können, oder Perlen vor die Säue werfen. Und das alles nur, weil da einer einen auf völlig unbelehrbar macht und auf seiner althergebrachten Meinung beharren will.

  • Wer Ohren hat zu hören, der höre!

    Wer Ohren hat zu hören, der höre! Mt 11,14-15

    Der Satz „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ stammt aus dem Evangelium nach Matthäus und findet sich in ähnlicher Form mehrfach im Neuen Testament. Gesprochen wird er von Jesus von Nazareth im Zusammenhang mit seinen Gleichnissen und Lehren (vgl. auch Matthäus 11,14–15 im weiteren Kontext seiner Verkündigung).

    Die Phrase findet auch in der Offenbarung des Johannes Verwendung, um die Gemeinde auf das Wirken und Wort Gottes einzustimmen. (vgl. Offb. 2,11)

    Mit dieser Aufforderung macht Jesus deutlich, dass es nicht allein darauf ankommt, physisch hören zu können. „Ohren haben“ ist hier nicht nur eine körperliche Fähigkeit. Es meint auch die Bereitschaft, eine Botschaft wirklich aufzunehmen, zu verstehen und ihr Bedeutung für das eigene Leben zu geben. Es geht also um ein aktives, inneres Hören.

    Aufmerksamkeit und Offenheit

    Die Formulierung findet oft im Zusammenhang mit Gleichnissen Verwendung, die nicht immer auf den ersten Blick leicht verständlich sind. Jesus spricht in Bildern und Vergleichen, die zum Nachdenken anregen. Wer „zu hören“ bereit ist, ist offen dafür, hinter die Worte zu schauen und ihren tieferen Sinn zu erfassen. Wer hingegen nicht aufmerksam ist oder sich innerlich verschließt, wird die Bedeutung möglicherweise nicht erkennen.

    Im übertragenen Sinn ist der Satz eine Einladung zur Aufmerksamkeit und Offenheit. Er fordert dazu auf, nicht oberflächlich zuzuhören, sondern sich bewusst mit dem Gehörten auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht nur um religiöse Inhalte, sondern allgemein um die Haltung, mit der man Informationen, Erfahrungen oder Mitteilungen aufnimmt.

    Die wiederholte Verwendung dieser Aufforderung in den Evangelien unterstreicht ihre Bedeutung. Sie richtet sich an alle, die bereit sind, sich auf die Botschaft einzulassen. Hören wird dabei als ein aktiver Vorgang verstanden, der Verstehen und Handeln einschließt.

    So bringt „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ eine grundlegende Einsicht zum Ausdruck: Wahres Verstehen beginnt mit der inneren Bereitschaft zuzuhören, aufmerksam zu sein und dem Gehörten Bedeutung im eigenen Leben zu geben.

  • Öl in die Wunden gießen

    Öl in die Wunden gießen Lk 10,33-34

    Der Ausdruck „Öl in die Wunden gießen“ geht auf die Erzählung vom barmherzigen Samariter in Lukas 10,33–34 zurück. In dieser Geschichte handelt Jesus von einem Mann, der auf der Reise unter die Räuber gefallen ist und schwer verletzt am Weg liegt.

    Ein Samariter ist jemand aus einer Gruppe, die im damaligen Kontext oft als fremd oder gesellschaftlich distanziert galt. Er hält an, sieht den Verletzten und wird von Mitgefühl bewegt. Er verbindet die Wunden des Verletzten, gießt Öl und Wein darauf und versorgt ihn sorgfältig. Diese Handlung steht für praktische Hilfe und konkrete Fürsorge gegenüber einem Menschen in Not.

    Das „Öl in die Wunden gießen“ hatte im antiken Kontext eine heilende und pflegende Funktion. Öl wurde zur Linderung von Schmerzen und zur Behandlung von Verletzungen verwendet. Im übertragenen Sinn beschreibt die Wendung eine helfende, beruhigende oder heilende Handlung gegenüber jemandem, der körperlich oder seelisch verletzt ist.

    Empatie und Anteilnahme

    Die Szene macht deutlich, dass Mitmenschlichkeit nicht an Herkunft, Religion oder gesellschaftliche Grenzen gebunden ist. Der Samariter handelt nicht aus Pflichtgefühl gegenüber einer eigenen Gruppe, sondern aus echter Anteilnahme. Damit wird ein Beispiel für gelebte Nächstenliebe gegeben, das über bloße Worte hinausgeht und sich in konkretem Handeln zeigt.

    Im übertragenen Sprachgebrauch wird „Öl in die Wunden gießen“ heute verwendet, um eine Situation zu beschreiben, in der jemand Trost spendet, Spannungen entschärft oder eine belastende Lage durch einfühlsames Verhalten erleichtert. Es kann sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in übertragenen Konfliktsituationen verwendet werden. Man wirkt dann besänftigend auf eine Person ein, versucht dabei, Wogen zu glätten und Frieden zu stiften.

    So zeigt die biblische Erzählung, dass Hilfe oft in kleinen, konkreten Gesten besteht, die jedoch eine große Wirkung haben können. Das Bild des Öls steht dabei für Fürsorge, Linderung und die Bereitschaft, sich einem anderen Menschen zuzuwenden und aktiv zu helfen.

    Hier besteht auch eine Verwechslungsgefahr. Wer nämlich Öl ins Feuer gießt oder Salz in Wunden streut, der verschlimmert die Sache noch weiter und erreicht damit das krasse Gegenteil.

  • Wie ein Ölgötze

    Wie ein Ölgötze Lk. 22,39

    Der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ ist eine umgangssprachliche Redewendung. Sie geht nicht direkt als feststehender biblischer Begriff aus Lukas 22,39 hervor. Dafür steht sie aber im weiteren Umfeld von Begebenheiten aus dem Evangelium nach Lukas, in denen Jesus Christus in der Ölbergregion (Garten Getsemani) betet. Die Formulierung „Ölgötze“ selbst bezeichnet ursprünglich ein aus Holz oder Stein gefertigtes Götzenbild, das mit Öl überzogen sein konnte oder sinnbildlich mit etwas „eingelassen“ oder „glatt“ gemacht wurde.

    Im übertragenen Sinn wird „wie ein Ölgötze“ verwendet, um eine Person zu beschreiben, die regungslos, stumm oder ausdruckslos dasteht, ohne zu reagieren oder Anteil zu nehmen. Es geht dabei weniger um eine wörtliche Beschreibung, sondern um ein Bild für Passivität oder Teilnahmslosigkeit. Eine solche Haltung wird oft als auffällig empfunden, weil sie im Kontrast zu einer erwarteten Reaktion steht.

    Anteilnahme oder Teilnahmslosigkeit

    Im biblischen Kontext des Ölbergs wird hingegen ein sehr bewegtes Geschehen beschrieben. Jesus zieht sich zum Gebet zurück, ringt innerlich und bittet Gott um Kraft für das, was vor ihm liegt. Die Szene ist geprägt von intensiver innerer Auseinandersetzung, nicht von Teilnahmslosigkeit. Nur die Jünger schlafen. Gerade dieser Gegensatz zeigt, wie unterschiedlich Bilder und Redewendungen im Laufe der Zeit Verwendung finden können.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch kann der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ daher kritisch gemeint sein, wenn jemand als unbeteiligt, starr oder gleichgültig wahrgenommen wird. Er beschreibt eine äußere Erscheinung, die wenig oder keine emotionale Reaktion erkennen lässt.

    So verweist die Redewendung auf ein Bild aus der antiken Religionswelt und hat sich im übertragenen Sinn zu einer Beschreibung für menschliches Verhalten entwickelt. Sie macht deutlich, wie Sprache historische Vorstellungen aufgreift und in neue Bedeutungszusammenhänge überträgt.

    Eine etwas andere Bedeutung soll der Begriff im 16.Jahrhundert mit dem Beginn der Reformation erhalten haben. Damals verspotteten Protestanten die katholischen Priester, die zu ihrer Weihe mit Öl gesalbt wurden, als Ölgötzen.

  • Ölzweig

    Der Ölzweig gilt als Friedenszeichen. Nachdem der Regen nachgelassen hat und die  Arche gestrandet ist, sendet Noah ein Taube aus und danach noch eine zweite, die bei ihrer Rückkehr zur Arche einen Ölzweig im Schnabel trägt. Daran meint Noah erkennen zu können, dass die Sintflut und damit auch Gottes Gerich beendet ist.
    1. Mose 8,11

    Der Ölzweig gilt seit biblischer Zeit als Zeichen des Friedens und der Versöhnung. Die Grundlage dafür findet sich im Buch Genesis (1. Mose 8,11) im Bericht von Noah und der Sintflut. Nachdem die Wasser nachgelassen hatten und die Arche auf dem Gebirge Ararat gestrandet war, ließ Noah eine Taube ausfliegen, um zu prüfen, ob die Erde wieder bewohnbar sei.

    Als die Taube zurückkehrte, trug sie einen frischen Ölzweig im Schnabel. Dieses kleine Zeichen hatte für Noah eine große Bedeutung: Es zeigte ihm, dass die Pflanzenwelt wieder zu wachsen begonnen hatte und dass das Leben auf der Erde sich erneuerte. Vor allem aber konnte er daraus schließen, dass das Gericht der Sintflut zu Ende war und eine neue Zeit des Lebens und der Hoffnung begonnen hatte.

    Neubeginn und Hoffnung

    Der Ölzweig wurde dadurch zu einem Symbol des Neubeginns, der Hoffnung und des Friedens zwischen Gott und den Menschen. Er steht für das Ende von Zerstörung und Gericht und den Beginn einer erneuerten Beziehung. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, dass Gott nicht im Gericht stehen bleibt, sondern einen Weg des Neubeginns eröffnet.

    Im Laufe der Geschichte hat sich der Ölzweig zu einem allgemein bekannten Friedenssymbol entwickelt. Er erinnert daran, dass nach Zeiten der Krise, des Konflikts oder der Zerstörung ein Neuanfang möglich ist. Die Taube mit dem Ölzweig ist bis heute ein starkes Bild für Hoffnung, Versöhnung und das Ende von Feindschaft.

    So zeigt die biblische Erzählung, wie ein einfaches Naturzeichen eine tiefere Bedeutung erhält: Der Ölzweig wird zum Zeichen dafür, dass Frieden möglich ist und dass aus einer Situation des Gerichts und der Bedrohung neues Leben hervorgehen kann.

  • Requiescat in pace – Er ruhe in Frieden

    Requiescat in pace – Er ruhe in Frieden Psalm 4,9

    Der Ausdruck „Requiescat in pace“ – „Er ruhe in Frieden“ – ist eine lateinische Segensformel, die ihren geistlichen Hintergrund unter anderem im Buch Psalmen findet, etwa in Psalm 4,9. Dort spricht David davon, dass er in Frieden niederliegen und schlafen kann, weil Gott ihm Sicherheit gibt. Dieser Gedanke des friedlichen Ruhens in Gottes Schutz hat sich später auch auf die Hoffnung für Verstorbene übertragen.

    Die Formulierung „Er ruhe in Frieden“ findet traditionell im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen Verwendung. Sie drückt den Wunsch aus, dass der Verstorbene nach den Mühen und Unruhen des irdischen Lebens zur Ruhe kommt. Diese Ruhe ist nicht nur als körperliche Stille gemeint, sondern als umfassender Zustand von Frieden, Geborgenheit und Erfüllung.

    Im biblischen Verständnis ist dieser Friede eng mit der Beziehung zu Gott verbunden. Der Mensch findet wahre Ruhe nicht allein im Ende des Lebens, sondern in der Nähe Gottes, die Sicherheit und Vertrauen schenkt. Der Psalmvers betont, dass dieser Friede schon im Leben erfahren werden kann, aber auch über den Tod hinaus zu denken ist.

    Im übertragenen Sinn ist „Requiescat in pace“ zu einer festen Wendung geworden. Sie findet bei Trauerfeiern, auf Grabsteinen oder in Gedenktexten Verwendung. Die Redewendung bringt Respekt, Mitgefühl und die Hoffnung auf einen friedlichen Zustand nach dem Tod zum Ausdruck. Laut wikipedia lässt sich der Ausdruck, der aus der Liturgie der katholischen Totenmesse stammt, als Grabinschrift bis ins 7./8. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Phrase, die in englischer Sprache übersetzt Rest in Pece bedeutet, wird abgekürzt mit den Buchstaben R.i.P. Die Kurzform ist dann auch in sozialen Medien zu finden als Zeichen des Abschieds und Gedenkens.

    Der Satz verbindet die Erfahrung von Vergänglichkeit mit einer Perspektive des Friedens. Er erinnert daran, dass das menschliche Leben zwar begrenzt ist. Dieses Leben kann aber im Vertrauen auf Gott in eine Ruhe münden, die über alle Unruhe und Mühe hinausgeht.

  • Wie im Paradies – Im Paradies sein

    Wie im Paradies – Im Paradies sein Lk. 23,43

    Der Ausdruck „wie im Paradies“ bzw. „im Paradies sein“ geht auf eine Aussage von Jesus aus Lukas 23,43 zurück. Am Kreuz wendet sich Jesus einem der Mitgekreuzigten zu und spricht zu ihm: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Diese Worte stehen in einer Situation äußerster Not und zugleich großer Hoffnung.

    Das „Paradies“ bezeichnet im biblischen Zusammenhang einen Ort der Gemeinschaft mit Gott, des Friedens und der Geborgenheit. Der Begriff erinnert zugleich an den Garten Eden aus dem Anfang der Bibel, in dem der Mensch ursprünglich in Harmonie mit Gott lebte.
    Der Garten Eden wird in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, paradeisos genannt. Das Wort stammt us der altpersischen Sprache und bedeutete Garten oder Park.
    In der Aussage Jesu wird das Paradies jedoch als eine zukünftige Wirklichkeit verstanden, in die der Mensch nach dem Tod eintreten kann.

    Bemerkenswert ist, dass diese Verheißung einem Menschen zugesprochen wird, der sich in einer Grenzsituation befindet und sich Jesus im Vertrauen zuwendet. Damit wird deutlich, dass der Zugang zum „Paradies“ nicht von äußeren Leistungen abhängt, sondern von der Beziehung zu Gott und vom Vertrauen auf ihn.

    Als Ort und Zustand

    Die Redewedung wird heute verwendet, um einen Zustand großer Freude, Ruhe oder Zufriedenheit zu beschreiben. Es kann sich auf einen Ort beziehen, der besonders schön und friedlich ist, oder auf eine Situation, in der man sich rundum wohlfühlt.

    Die biblische Aussage geht jedoch über diese alltägliche Verwendung hinaus. Sie beschreibt eine tiefere Hoffnung: dass es eine Wirklichkeit gibt, in der Leid, Schuld und Begrenzung überwunden sind und der Mensch in vollkommener Gemeinschaft mit Gott lebt.

    So verbindet der Ausdruck die Vorstellung eines vollkommenen Friedens mit der Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott. Selbst in einer Situation größter Dunkelheit eröffnet er eine Perspektive von Trost, Nähe und endgültiger Geborgenheit.

    In der Umgangssprache verwenden wir das „wie im Paradies sein“ für einen Ort oder Zustand, wo wir dem Alltag entfliehen, Sorgen und Belastungen hinter uns lassen, zur Ruhe kommen und Zufriedenheit empfinden (s.o.).

  • Paradiesische Zustände

    Paradiesische Zustände Lk 23,43; 2Kor 12,4; Offb. 2,7

    Der Ausdruck „paradiesische Zustände“ hat seinen Ursprung in verschiedenen biblischen Vorstellungen vom Paradies. Diese werden unter anderem im Evangelium nach Lukas (Lk 23,43), im zweiten Korintherbrief (2 Kor 12,4) sowie in der Offenbarung des Johannes (Offb. 2,7) beschrieben. Die Texte zeigen unterschiedliche Facetten eines Ortes oder Zustands, der durch Nähe zu Gott, Frieden und Vollkommenheit geprägt ist.

    In Lukas 23,43 spricht Jesus dem reuigen Mitgekreuzigten eine Verheißung zu. Danach soll dieser noch am selben Tag mit ihm im Paradies zu sein. Hier steht das Paradies für eine unmittelbare Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod. Der Zustand ist frei von Leid und Schuld. Im zweiten Korintherbrief berichtet Paulus von Tarsus von einer visionären Erfahrung, in der er „in das Paradies entrückt“ wurde und unaussprechliche Worte hörte. Für ihn ist das ein Hinweis auf eine Wirklichkeit, die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. In der Offenbarung schließlich wird das Paradies mit dem „Baum des Lebens“ verbunden, der denen verheißen ist, die überwinden. Hier ist es ein Bild für ewiges Leben und erneuerte Schöpfung.

    Ort oder Zustand des Daseins

    Gemeinsam ist diesen Vorstellungen, dass das Paradies als Ort oder Zustand vollkommener Harmonie gilt. Es istrei von Leid, geprägt von Frieden, erfüllt von Gottes Gegenwart. Hier ist es ein Gegenbild zu den Begrenzungen und Mühen der irdischen Welt und zugleich Ziel und Hoffnung des Glaubens.

    Im übertragenen Sinn findet der Ausdruck „paradiesische Zustände“ heute Verwendung, um besonders angenehme, friedliche oder ideale Lebensverhältnisse zu beschreiben. Damit kann ein Ort gemeint sein, der durch Schönheit und Ruhe besticht, oder eine Situation, in der Sorgen und Konflikte in den Hintergrund treten.

    Die biblische Grundlage verleiht dieser Redewendung jedoch eine tiefere Dimension. Sie erinnert daran, dass die Sehnsucht nach solchen „paradiesischen Zuständen“ im Menschen verankert ist und auf eine umfassendere Hoffnung verweist: auf eine Wirklichkeit, in der das Leben in seiner ursprünglichen Fülle und in Gemeinschaft mit Gott vollendet wird.

  • Eine Passion haben

    Eine Passion haben aus 2. Korinther 1,5

    Der Ausdruck „eine Passion haben“ steht im Zusammenhang mit dem Wort „Passion“, das ursprünglich „Leiden“ bedeutet und besonders im biblischen Sprachgebrauch eine zentrale Rolle spielt. Im zweiten Korintherbrief (2 Kor 1,5), spricht Paulus von Tarsus davon, dass die Leiden Christi in den Gläubigen reichlich vorhanden sind, aber ebenso auch der Trost durch Christus.

    Im biblischen Kontext bezeichnet „Passion“ vor allem das Leiden von Jesus Christus, insbesondere seinen Weg zum Kreuz. Dieses Leiden wird nicht nur als schmerzvolle Erfahrung verstanden, sondern auch als Ausdruck von Hingabe, Liebe und Erlösung. Paulus greift diesen Gedanken auf, indem er zeigt, dass auch die Gläubigen Anteil an Leiden haben können, aber darin nicht allein sind, sondern Trost und Hoffnung erfahren.

    Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung des Wortes „Passion“ erweitert. Heute wird der Ausdruck „eine Passion haben“ meist im positiven Sinn verwendet und beschreibt eine starke innere Begeisterung oder Hingabe für eine Sache. Wer „eine Passion“ für etwas hat, widmet sich diesem Bereich mit besonderem Engagement, Ausdauer und innerer Beteiligung.

    Dennoch bleibt im Hintergrund die ursprüngliche Bedeutung spürbar: Eine echte Leidenschaft ist oft mit Einsatz, Anstrengung und manchmal auch mit Verzicht verbunden. Sie fordert etwas vom Menschen, gibt ihm aber zugleich Sinn und Erfüllung.

    Leidenschaft und Herzblut

    So verbindet der Ausdruck zwei Ebenen: die ursprüngliche biblische Bedeutung des Leidens und die heutige Vorstellung von Begeisterung und Hingabe. Die Redewendung beschreibt daher eine tiefe innere Bindung an etwas, das den Menschen prägt – sei es im Glauben oder im alltäglichen Leben.

    Wenn wir davon sprechen, eine Passion zu haben, meinen wir oft ein brennendes Interesse oder eine Leidenschaft für eine Lebensaufgabe, ein Thema, eine Tätigkeit.Diese Leidenschaft – Leiden, lat.: passio – sorgt dafür, dass wir uns mit den Themen beschäftigen, auseinandersetzen, daraus eine Lebenssinn entwickeln, Kraft und Energie daraus schöpfen. Die „passio“, die im Christentum ursprünglich mit dem Leiden am Kreuz verbunden war, wird zum Lebensthema, auch als Herzblut bekannt. Die Begeisterung für das eigene Thema wird zum Teil der Identität.
    Das griechische Wort für Begeisterung „enthousiasmos“ bedeutet soviel wie „vom Göttlichen ergriffen sein“.