Autor: admin

  • Sich selbst der Nächste sein

    Sich selbst der Nächste sein Markus 12,31, 5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18

    Der Ausdruck „sich selbst der Nächste sein“ steht im Zusammenhang mit dem biblischen Gebot der Nächstenliebe, wie es im Buch Markus (Markus 12,31) formuliert wird. Jesus Christus verbindet hier zwei zentrale Gebote miteinander: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Beide stehen untrennbar nebeneinander und bilden den Kern der biblischen Ethik.

    Die Grundlage für dieses Gebot findet sich bereits im Alten Testament, insbesondere in Leviticus (3. Mose 19,18) und Deuteronomy (5. Mose 6,5). Dort wird die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft gefordert, während gleichzeitig die Aufforderung zur Liebe gegenüber dem Mitmenschen ausgesprochen wird. Jesus greift diese Tradition auf und fasst sie in einer klaren, verbindenden Weise zusammen.

    „Sich selbst der Nächste sein“ wird oft missverstanden oder im Alltag ironisch verwendet, wenn jemand besonders auf das eigene Wohl bedacht ist. Im biblischen Sinn jedoch ist das Gegenteil gemeint: Nicht die Selbstbezogenheit steht im Mittelpunkt, sondern die Verantwortung gegenüber anderen. Der Maßstab für die Nächstenliebe ist dabei implizit die eigene Person – so, wie man für sich selbst sorgt, soll man auch für andere sorgen.

    Die Aussage „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ setzt voraus, dass Menschen ein gesundes Maß an Selbstachtung und Selbstfürsorge haben. Diese Selbstliebe ist nicht egoistisch gemeint, sondern bildet die Grundlage dafür, andere in ähnlicher Weise zu achten, zu respektieren und zu unterstützen. Wer sich selbst annimmt, kann auch anderen mit Offenheit und Mitgefühl begegnen.

    Im biblischen Verständnis ist der „Nächste“ nicht auf bestimmte Gruppen beschränkt, sondern umfasst grundsätzlich jeden Mitmenschen. Damit wird eine Haltung gefordert, die über persönliche Interessen hinausgeht und sich am Wohl anderer orientiert.

    So verbindet der Ausdruck die beiden Dimensionen von Gottesliebe und Nächstenliebe zu einem gemeinsamen ethischen Grundprinzip. „Sich selbst der Nächste sein“ im ursprünglichen Sinn bedeutet daher nicht Egoismus, sondern die Einsicht, dass die eigene Person und der Mitmensch gleichermaßen Würde besitzen und in Verantwortung füreinander stehen.

  • Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

    Liebe deinen Nächsten wie dich selbst 3.Mose19,18

    Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ stammt aus dem Buch Leviticus (3. Mose 19,18) und gehört zu den zentralen Aussagen der alttestamentlichen Ethik. Jesus Christus greift dieses Gebot später im Neuen Testament auf und stellt es in den Mittelpunkt seiner Lehre, etwa im Zusammenhang mit dem Doppelgebot der Liebe im Evangelium Markus (Markus 12,31).

    Die Aufforderung richtet sich an den Umgang der Menschen miteinander und beschreibt eine Haltung, die von Respekt, Mitgefühl und Verantwortung geprägt ist. Der „Nächste“ ist dabei nicht auf eine bestimmte Personengruppe beschränkt, sondern umfasst grundsätzlich jeden Mitmenschen, dem man im Alltag begegnet. Das Gebot fordert also eine umfassende ethische Orientierung im sozialen Zusammenleben.

    Der Zusatz „wie dich selbst“ ist besonders bedeutungsvoll. Er setzt voraus, dass Menschen ein gewisses Maß an Selbstachtung besitzen und sich selbst mit Fürsorge begegnen. Diese Selbstwahrnehmung wird nicht als Egoismus verstanden, sondern als Maßstab, an dem sich das Verhalten gegenüber anderen orientieren soll. So, wie man sich selbst behandelt, so soll man auch anderen gegenüber handeln – mit Rücksicht, Fairness und Wertschätzung.

    Im biblischen Kontext steht dieses Gebot im Zusammenhang mit weiteren Weisungen, die ein gerechtes und solidarisches Zusammenleben fördern sollen. Es geht dabei nicht nur um Gefühle, sondern auch um konkretes Handeln: helfen, teilen, vergeben und auf die Bedürfnisse anderer achten.

    Im Neuen Testament wird diese Aussage von Jesus als eines der wichtigsten Gebote hervorgehoben, das zusammen mit der Liebe zu Gott den Kern des Glaubens bildet. Dadurch wird deutlich, dass zwischen der Beziehung zu Gott und dem Verhalten gegenüber dem Mitmenschen eine enge Verbindung besteht.

    So beschreibt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ein grundlegendes Prinzip menschlichen Zusammenlebens. Es fordert dazu auf, den anderen nicht als Mittel zum Zweck zu sehen, sondern als gleichwertigen Menschen mit Würde und Bedürfnissen. In dieser Haltung zeigt sich eine Form von Liebe, die über bloße Sympathie hinausgeht und sich im verantwortungsvollen Handeln konkret ausdrückt.

  • Nichts Neues unter der Sonne

    Nichts Neues unter der Sonne Prediger 1,9

    Der Satz „Nichts Neues unter der Sonne“ stammt aus dem Buch Prediger (Prediger 1,9) im Alten Testament. Als Verfasser gilt traditionell König Salomo, der in diesem Buch über die grundlegenden Erfahrungen und Begrenzungen des menschlichen Lebens nachdenkt. Die Formulierung steht im Zusammenhang mit seiner Beobachtung, dass sich die Welt in ihren Abläufen zwar verändert, im Kern jedoch vieles gleich bleibt.

    Mit „unter der Sonne“ ist die gesamte sichtbare, irdische Welt gemeint. Der Satz bringt zum Ausdruck, dass menschliche Erfahrungen wie Geburt und Tod, Arbeit und Mühe, Freude und Leid sich im Laufe der Zeit wiederholen. Auch wenn technische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen oder kulturelle Neuerungen entstehen, bleiben die grundlegenden Fragen und Herausforderungen des Lebens bestehen.

    Im Kontext des Predigerbuches steht dieser Gedanke in einer eher nachdenklichen, teilweise ernüchternden Perspektive. Der Autor beschreibt, dass vieles, was Menschen anstreben oder erreichen, vergänglich ist und sich in ähnlicher Weise immer wieder ereignet. Daraus entsteht die Einsicht, dass menschliche Bemühungen allein keinen dauerhaften Sinn garantieren können.

    Gleichzeitig lädt die Aussage dazu ein, die Welt mit einem realistischen Blick zu betrachten. Sie relativiert den Anspruch, ständig etwas völlig Neues oder Einzigartiges schaffen zu müssen, und erinnert daran, dass der Mensch Teil eines größeren, wiederkehrenden Zusammenhangs ist.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute häufig verwendet, um auszudrücken, dass sich bestimmte Situationen oder Muster wiederholen oder dass vermeintlich neue Entwicklungen in Wirklichkeit vertrauten Strukturen folgen. Er kann sowohl nüchtern beschreibend als auch leicht skeptisch gemeint sein.

    So macht „Nichts Neues unter der Sonne“ bewusst, dass die grundlegenden Erfahrungen des Menschseins zeitlos sind. Trotz aller Veränderungen bleiben zentrale Lebensfragen bestehen, und viele Dinge kehren in ähnlicher Form immer wieder zurück.

  • Was du nicht willst, dass dir geschicht, das tu auch keinem andern nicht

    Was du nicht willst, dass dir geschicht, das tu auch keinem andern nicht Tob 4,15

    Der Satz „Was du nicht willst, dass dir geschieht, das tu auch keinem andern nicht“ stammt aus dem Buch Tobit (Tob 4,15) und formuliert eine grundlegende Regel menschlichen Zusammenlebens. Der Spruch wird häufig als „goldene Regel“ bezeichnet und findet sich in ähnlicher Form auch in anderen Traditionen und später in der Lehre von Jesus Christus im Neuen Testament (z. B. in Matthäus 7,12).

    Im Kern geht es um die Aufforderung zu einem fairen und mitfühlenden Umgang miteinander. Maßstab des eigenen Handelns soll dabei die eigene Erfahrung und Erwartung sein: So, wie man selbst behandelt werden möchte, soll man auch andere behandeln. Damit wird ein einfach verständliches Prinzip formuliert, das ohne komplizierte Regeln auskommt und sich an der inneren Haltung des Menschen orientiert.

    Die Aussage setzt voraus, dass man sich in andere hineinversetzen kann. Wer überlegt, wie eine Handlung auf ihn selbst wirken würde, entwickelt eher ein Gespür für Gerechtigkeit, Rücksicht und Verantwortung. Dadurch entsteht eine ethische Orientierung, die nicht nur auf Vorschriften beruht, sondern auf Empathie und gegenseitigem Respekt.

    Im biblischen Zusammenhang ist diese Regel Teil einer größeren Sammlung von Weisungen, die ein gerechtes und solidarisches Leben fördern sollen. Sie richtet sich nicht nur an das äußere Verhalten, sondern auch an die innere Haltung gegenüber Mitmenschen, insbesondere gegenüber Schwächeren oder Hilfsbedürftigen.

    Im Alltag wird der Satz oft als Leitprinzip verstanden, das hilft, Konflikte zu vermeiden und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Er erinnert daran, dass die eigenen Handlungen Konsequenzen für andere haben und dass man Verantwortung für das eigene Verhalten trägt.

    So bringt die „goldene Regel“ in einfacher Form eine grundlegende Wahrheit zum Ausdruck: Menschliches Zusammenleben gelingt dann am besten, wenn man die Perspektive des anderen mitbedenkt und ihn mit der gleichen Rücksicht behandelt, die man sich selbst wünscht.

  • Es ist nichts dahinter

    Es ist nichts dahinter 2 Petr 2,18

    Der Ausdruck „Es ist nichts dahinter“ steht im Zusammenhang mit Aussagen aus dem zweiten Petrusbrief, insbesondere (2 Petr 2,18). Dort warnt der Verfasser vor falschen Lehrern, die mit groß klingenden Worten auftreten, in Wahrheit aber keine Substanz haben und Menschen in die Irre führen. Petrus richtet sich mit seinen Worten an eine Gemeinschaft von Glaubenden, die sich vor Täuschung und leeren Versprechungen hüten sollen.

    „Es ist nichts dahinter“ beschreibt etwas, das äußerlich eindrucksvoll erscheinen mag, innerlich aber keinen echten Gehalt besitzt. Gemeint sind Worte oder Versprechen, die viel versprechen, aber letztlich nicht gehalten werden oder keinen tragfähigen Inhalt haben. Im biblischen Kontext bezieht sich das vor allem auf Lehrreden, die zwar überzeugend klingen, aber nicht der Wahrheit entsprechen und keine verlässliche Grundlage für das Leben bieten.

    Die Warnung zielt darauf ab, Menschen zur Unterscheidung zu befähigen. Nicht alles, was schön formuliert oder überzeugend vorgetragen wird, ist auch wahr oder hilfreich. Gerade deshalb ist es wichtig, Inhalte zu prüfen und sich nicht allein von äußeren Eindrücken leiten zu lassen.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute häufig verwendet, um auszudrücken, dass etwas nur oberflächlich wirkt oder keinen echten Wert hat. Sie kann sich auf Aussagen, Angebote oder auch Versprechen beziehen, bei denen sich bei genauerem Hinsehen zeigt, dass sie nicht belastbar sind.

    Die biblische Aussage macht deutlich, dass Worte Verantwortung tragen und nicht beliebig sind. Sie erinnert daran, kritisch zu prüfen, was Menschen lehren oder versprechen, und sich nicht von bloßer Rhetorik täuschen zu lassen. So wird zu einer Haltung der Wachsamkeit und der inneren Klarheit ermutigt.

    In diesem Sinne bedeutet „Es ist nichts dahinter“, den Unterschied zwischen äußerem Schein und innerem Gehalt zu erkennen und sich an dem zu orientieren, was wirklich Bestand hat.

  • Nichts Besseres noch zu erwarten haben

    Nichts Besseres noch zu erwarten haben Sirach 41,3

    Der Ausdruck „Nichts Besseres noch zu erwarten haben“ stammt aus dem Buch Sirach (Sirach 41,3) und steht im Zusammenhang mit der Reflexion über das menschliche Leben, seine Grenzen und seine Endlichkeit. In diesem Abschnitt wird daran erinnert, dass das Leben des Menschen von Natur aus vergänglich ist und niemand sich dauerhaft vor dem Tod schützen kann. Jesus Sirach, der als Verfasser dieses Weisheitsbuches gilt, beschreibt nüchtern die Realität des menschlichen Daseins.

    Der Satz macht deutlich, dass es Situationen gibt, in denen keine weiteren Möglichkeiten oder Verbesserungen mehr zu erwarten sind. Er verweist auf die Begrenztheit menschlicher Hoffnung im Angesicht des Todes und auf die Tatsache, dass bestimmte Entwicklungen im Leben unwiderruflich sind. Damit ist nicht nur eine pessimistische Sicht gemeint, sondern vielmehr eine realistische Einschätzung der menschlichen Existenz.

    Im biblischen Kontext dient diese Aussage dazu, den Leser zur Besinnung zu führen. Wenn der Mensch erkennt, dass sein Leben begrenzt ist, kann er bewusster mit der ihm gegebenen Zeit umgehen. Die Vergänglichkeit wird so nicht nur als Verlust, sondern auch als Anstoß verstanden, das Leben verantwortungsvoll und sinnvoll zu gestalten.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute verwendet, um auszudrücken, dass eine Situation an einem Punkt angelangt ist, an dem keine Verbesserung mehr möglich erscheint. Er kann sowohl resignierend als auch sachlich beschreibend gemeint sein, je nach Kontext.

    Die Weisheit des Sirach lädt dazu ein, sich der Endlichkeit des Lebens bewusst zu werden und daraus Konsequenzen zu ziehen. Gerade weil nicht alles unbegrenzt fortgesetzt oder verbessert werden kann, kommt es darauf an, das gegenwärtige Leben bewusst zu gestalten und die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen.

    So beschreibt „Nichts Besseres noch zu erwarten haben“ eine nüchterne Einsicht in die Grenzen des menschlichen Lebens und erinnert daran, dass gerade diese Begrenztheit zu einer verantwortungsvollen und achtsamen Lebensführung führen kann.

  • Niemand kann zwei Herren dienen

    Niemand kann zwei Herren dienen. Matthäus 6,24

    Der Satz „Niemand kann zwei Herren dienen“ stammt aus dem Evangelium nach Matthäus (Matthäus 6,24) und wird von Jesus Christus im Rahmen der Bergpredigt gesprochen. In diesem Zusammenhang erklärt Jesus grundlegende Haltungen zum Leben, zum Umgang mit Besitz und zur inneren Ausrichtung des Menschen.

    Die Aussage macht deutlich, dass ein Mensch nicht gleichzeitig zwei gegensätzlichen Herren mit voller Hingabe dienen kann. Gemeint ist nicht nur ein äußerer Dienst, sondern eine innere Bindung und Loyalität. Wer zwei Herren dienen will, gerät in einen Konflikt, da die Anforderungen und Erwartungen dieser „Herren“ sich widersprechen können. Deshalb wird am Ende immer einer den Vorrang haben.

    Im weiteren Verlauf des Verses wird dieser Gedanke konkretisiert: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Der Begriff „Mammon“ steht dabei für Reichtum, Besitz und materielle Werte, die zur bestimmenden Größe im Leben werden können. Jesus Christus stellt hier zwei mögliche Lebensausrichtungen gegenüber: die Orientierung an Gott oder die Bindung an materielle Sicherheiten.

    Die Aussage richtet sich an die innere Haltung des Menschen. Sie fordert dazu auf, Prioritäten zu klären und sich bewusst zu machen, woran das eigene Herz hängt. Es geht nicht darum, Besitz grundsätzlich abzulehnen, sondern darum, dass er nicht zum bestimmenden Maßstab des Lebens wird.

    Im übertragenen Sinn wird der Satz häufig verwendet, um darauf hinzuweisen, dass man sich nicht gleichzeitig widersprüchlichen Verpflichtungen oder Interessen unterordnen kann. Er beschreibt eine grundlegende Erfahrung: Wo zwei konkurrierende Ansprüche bestehen, muss letztlich eine Entscheidung getroffen werden.

    So bringt „Niemand kann zwei Herren dienen“ eine klare Einsicht zum Ausdruck: Menschliche Hingabe ist nicht beliebig teilbar. Der Satz lädt dazu ein, sich bewusst zu entscheiden, woran man sein Leben ausrichten will, und die eigenen Prioritäten entsprechend zu ordnen.

  • Ein Nimmersatt sein

    Ein Nimmersatt sein Prediger 1,8

    Der Ausdruck „Ein Nimmersatt sein“ geht auf Gedanken aus dem Buch Prediger (Prediger 1,8) zurück, das traditionell König Salomo zugeschrieben wird. In diesem Abschnitt wird beschrieben, dass die Dinge der Welt – sei es Arbeit, Reden oder Wahrnehmung – den Menschen nie vollständig sättigen oder dauerhaft zufriedenstellen können.

    „Nimmersatt“ bezeichnet jemanden, der nie genug bekommt, der unersättlich ist und ständig nach mehr verlangt. Im übertragenen Sinn steht der Ausdruck für ein Grundproblem menschlicher Erfahrung: Wünsche, Bedürfnisse und Ziele werden erreicht, doch die Zufriedenheit hält oft nicht dauerhaft an. Es entsteht ein Kreislauf aus Streben und erneutem Verlangen.

    Im Kontext des Predigerbuches wird diese Beobachtung nicht nur auf einzelne Menschen bezogen, sondern allgemein auf das menschliche Leben „unter der Sonne“. Die Welt bietet viele Möglichkeiten, doch keine davon kann letztlich eine bleibende, vollständige Erfüllung garantieren. Selbst das, was zunächst als sinnvoll oder erfüllend erscheint, verliert mit der Zeit an Wirkung oder wird als unzureichend empfunden.

    Die Aussage kann als nüchterne Beschreibung menschlicher Erfahrung verstanden werden, aber auch als Anstoß zur Selbstreflexion. Sie lädt dazu ein, sich zu fragen, worauf man sein Streben ausrichtet und ob das, wonach man sucht, tatsächlich dauerhaft zufriedenstellen kann.

    Im übertragenen Sinn wird „ein Nimmersatt sein“ heute verwendet, um eine Person zu beschreiben, die nie genug bekommt – sei es in Bezug auf Besitz, Erfolg, Anerkennung oder andere Lebensbereiche. Der Begriff kann dabei sowohl kritisch als auch beschreibend gemeint sein.

    So macht der biblische Gedanke deutlich, dass menschliches Begehren unbegrenzt sein kann, während die Welt selbst begrenzt ist. Daraus ergibt sich die Einsicht, dass wahre Zufriedenheit nicht allein im ständigen Mehr liegt, sondern auch in der Fähigkeit, Maß zu halten und das Vorhandene wertzuschätzen.

  • Vom Stamme Nimm sein

    Vom Stamme Nimm sein 4. Mose 13,9

    Der Ausdruck „Vom Stamme Nimm sein“ geht auf den biblischen Bericht im Buch Numeri (4. Mose 13,9) zurück. Dort wird im Zusammenhang mit der Erkundung des verheißenen Landes eine Liste von Kundschaftern genannt, die aus verschiedenen Stämmen Israels stammen. Einer dieser Männer ist Josua, der hier als „Sohn Nuns“ bezeichnet wird.

    „Nimm“ bzw. „Nun“ ist dabei kein Aufruf, etwas zu nehmen, sondern ein Eigenname. Der Ausdruck „vom Stamme Nimm sein“ bedeutet daher, dass jemand aus einer bestimmten Familie oder Abstammungslinie stammt – konkret aus dem Haus des Nuns. In der biblischen Namensgebung ist es üblich, Personen über ihren Vater oder ihre Herkunft zu identifizieren, um ihre Zugehörigkeit innerhalb des Volkes Israel zu verdeutlichen.

    Im übertragenen Sinn hat sich die Wendung im Deutschen zu einer Redensart entwickelt, die Herkunft oder Abstammung beschreibt, oft mit einem leicht humorvollen oder ungewöhnlichen Klang. Sie wird verwendet, um darauf hinzuweisen, aus welcher „Familie“ oder welchem „Stamm“ jemand kommt, ohne dabei eine tiefere inhaltliche Bedeutung zu transportieren.

    Im biblischen Kontext verweist die Nennung der Abstammung jedoch auf mehr als nur genealogische Information. Sie ordnet die Person in die Geschichte des Volkes ein und macht deutlich, dass individuelle Aufgaben und Berufungen innerhalb eines größeren Zusammenhangs stehen. Josua selbst wird später zu einer wichtigen Führungsperson, die das Volk Israel in das verheißene Land führt.

    So zeigt der Ausdruck „vom Stamme Nimm sein“ sowohl die Bedeutung von Herkunft und Zugehörigkeit im biblischen Denken als auch die Art und Weise, wie Namen und Abstammung zur Identifikation von Personen verwendet werden.

  • Ein Nimrod sein – Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn sein

    Ein Nimrod sein – Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn sein 1. Mose 10,8-9

    Der Ausdruck „ein Nimrod sein“ geht zurück auf die Gestalt des Nimrod im Buch Genesis (1. Mose 10,8–9). Dort wird Nimrod als ein „gewaltiger Jäger vor dem Herrn“ beschrieben und als eine herausragende, machtvolle Persönlichkeit der frühen Menschheitsgeschichte dargestellt.

    Die Formulierung „gewaltiger Jäger vor dem Herrn“ kann auf unterschiedliche Weise verstanden werden. Einerseits beschreibt sie Nimrod als jemanden, der durch seine Stärke, seinen Mut und seine Fähigkeiten hervorsticht. Er steht sinnbildlich für Tatkraft, Durchsetzungsvermögen und Führungsstärke. In diesem Sinne verkörpert er eine Person, die aktiv handelt, Einfluss ausübt und sich durch besondere Leistungen hervorhebt.

    Andererseits wird der Ausdruck „vor dem Herrn“ im biblischen Kontext oft als Hinweis darauf verstanden, dass auch außergewöhnliche menschliche Stärke und Macht letztlich vor Gott stehen und in Beziehung zu ihm gesehen werden müssen. Die Erwähnung kann daher auch eine gewisse Ambivalenz enthalten: Nimrod ist zwar groß und mächtig, doch seine Größe bleibt im Blick auf Gott relativiert.

    Im weiteren Verlauf der biblischen Überlieferung wird Nimrod mit der Entstehung bedeutender Städte wie Babel in Verbindung gebracht. Er steht damit auch für den Beginn von Machtstrukturen und frühen Formen von Herrschaft und Zivilisation. Seine Figur wird so zu einem Symbol für menschliche Stärke, aber auch für den Anspruch, sich durch eigene Kraft und Organisation Bedeutung zu verschaffen.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck „ein Nimrod sein“ heute gelegentlich verwendet, um eine Person zu beschreiben, die besonders kräftig, durchsetzungsfähig oder erfolgreich ist, manchmal auch mit einem leicht kritischen Unterton gegenüber übermäßiger Machtentfaltung.

    So zeigt die biblische Figur des Nimrod eine Verbindung von Stärke, Einfluss und menschlichem Streben nach Bedeutung. Gleichzeitig erinnert der Text daran, dass selbst große Leistungen und Macht immer in einem größeren, göttlichen Zusammenhang stehen.

  • Noli me tangere – Rühr mich nicht an!

    Noli me tangere – Rühr mich nicht an! Johannes 20,17

    Der Ausdruck „Noli me tangere“ („Rühr mich nicht an!“) stammt aus dem Evangelium nach Johannes (Johannes 20,17). Gesprochen wird er von Jesus Christus, als er nach seiner Auferstehung Maria Magdalena begegnet. In dieser besonderen Situation erkennt Maria ihn zunächst nicht, bis Jesus sich ihr offenbart. Aus Freude und Erstaunen will sie ihn festhalten, woraufhin Jesus diese Worte sagt.

    Die Aussage „Rühr mich nicht an“ ist dabei nicht als Zurückweisung im Sinne von Ablehnung zu verstehen, sondern als Hinweis auf die veränderte Situation nach der Auferstehung. Die Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern befindet sich in einem Übergang: Jesus ist nicht mehr in der gleichen Weise körperlich greifbar wie vor seinem Tod. Seine Auferstehung weist auf eine neue Wirklichkeit hin, die sich dem gewohnten Zugriff entzieht.

    Im weiteren Wortlaut erklärt Jesus Maria, dass sie ihn nicht festhalten soll, da er noch nicht zum Vater aufgefahren sei. Damit wird deutlich, dass seine Gegenwart nun eine andere Form annimmt – eine, die nicht mehr an einen bestimmten Ort oder eine physische Nähe gebunden ist. Zugleich sendet er Maria mit einer Botschaft zu den Jüngern, wodurch sie zur ersten Zeugin der Auferstehung wird.

    Im übertragenen Sinn wird „Noli me tangere“ oft verwendet, um auf etwas hinzuweisen, das nicht festgehalten oder vereinnahmt werden kann. Es kann darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Erfahrungen, Begegnungen oder Zustände nicht dauerhaft festzuhalten sind, sondern sich verändern oder einer neuen Form der Beziehung bedürfen.

    So beschreibt dieser kurze Satz einen tiefen Moment im Osterbericht: die Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die Freude des Wiedersehens und zugleich die Einsicht, dass sich die Art der Gemeinschaft grundlegend gewandelt hat. „Rühr mich nicht an“ wird damit zu einem Hinweis auf eine neue, geistlich geprägte Beziehung, die über das rein Sicht- und Greifbare hinausgeht.

  • Eins aber ist not

    Eins aber ist not Lukas 10,42

    Der Satz „Eins aber ist not“ stammt aus dem Evangelium nach Lukas (Lukas 10,42) und wird von Jesus Christus im Gespräch mit Martha und Maria von Bethanien gesprochen. In dieser Begebenheit kümmert sich Martha um viele häusliche Aufgaben, während Maria sich zu Jesus setzt und seinen Worten zuhört.

    Als Martha sich darüber beklagt, dass sie allein mit der Arbeit sei, antwortet Jesus mit den Worten: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ Damit weist Jesus darauf hin, dass inmitten vieler Aufgaben eine grundlegende Priorität nicht aus dem Blick geraten darf.

    „Eins aber ist not“ bedeutet, dass es etwas gibt, das im Vergleich zu vielen anderen Dingen Vorrang hat und entscheidend ist. Im Kontext der Erzählung ist damit die Hinwendung zu Jesus und das Hören auf sein Wort gemeint. Während die Sorge um praktische Dinge nicht grundsätzlich abgewertet wird, wird deutlich gemacht, dass sie nicht das Wichtigste im Leben sein darf.

    Die Szene stellt zwei Haltungen gegenüber: die aktive Sorge um viele Dinge und die ruhige Aufmerksamkeit für das Wesentliche. Jesus macht deutlich, dass beides seinen Platz hat, aber nicht im gleichen Maß gewichtet werden sollte. Das Hören auf sein Wort wird hier als „das gute Teil“ bezeichnet, das bleibenden Wert hat.

    Im übertragenen Sinn wird der Satz heute oft verwendet, um daran zu erinnern, dass es im Leben zentrale Prioritäten gibt, die nicht von vielen nebensächlichen Anliegen überdeckt werden sollten. Er kann als Aufforderung verstanden werden, sich bewusst Zeit für das Wesentliche zu nehmen und nicht ausschließlich von alltäglicher Geschäftigkeit bestimmt zu werden.

    So bringt „Eins aber ist not“ eine grundlegende Einsicht zum Ausdruck: Inmitten vieler Anforderungen und Aufgaben bleibt das Hören, Verstehen und Ausrichten auf das Wesentliche entscheidend.

  • Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden

    Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden 5.Mo.25,4; 1.Kor.9,9; 1.Tim.5,18

    Der Satz „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ stammt aus dem Buch Deuteronomy (5. Mose 25,4). Er wird im Alten Testament als eine Anweisung im Umgang mit arbeitenden Tieren gegeben und bedeutet zunächst ganz konkret, dass ein Ochse, der beim Dreschen des Getreides eingesetzt wird, während seiner Arbeit fressen darf und nicht daran gehindert werden soll.

    Im biblischen Kontext steht hinter dieser Regel ein Prinzip der Fairness und Fürsorge. Der Ochse leistet durch seine Arbeit einen Beitrag zur Ernte und soll daher auch von den Früchten seiner Arbeit profitieren können. Die Vorschrift zeigt, dass selbst gegenüber Tieren ein Maß an Rücksicht und Gerechtigkeit erwartet wird.

    Dieses Gebot wird im Neuen Testament von Paulus von Tarsus aufgegriffen und auf menschliche Verhältnisse übertragen (vgl. 9,9; 5,18). Paulus verwendet das Beispiel des Ochsen als Begründung dafür, dass auch Menschen, die im Dienst der Verkündigung stehen, Anspruch auf ihren Lebensunterhalt haben. Damit wird aus einer konkreten Regel für Tiere ein allgemeines Prinzip für gerechte Entlohnung und Wertschätzung von Arbeit.

    Im übertragenen Sinn steht der Satz für die Einsicht, dass Arbeit und Leistung angemessen entlohnt und gewürdigt werden sollen. Wer arbeitet, soll nicht ausgebeutet oder von den Früchten seiner Tätigkeit ausgeschlossen werden. Das gilt sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich.

    Die Formulierung wird heute gelegentlich auch sprichwörtlich verwendet, um auf gerechte Behandlung und angemessene Bezahlung hinzuweisen. Sie erinnert daran, dass Leistung und Einsatz Anerkennung verdienen und dass es ungerecht ist, jemanden arbeiten zu lassen, ohne ihm einen angemessenen Anteil zukommen zu lassen.

    So verbindet das biblische Gebot eine konkrete praktische Regel mit einem allgemeinen ethischen Prinzip: Es fordert zu Gerechtigkeit, Rücksicht und Wertschätzung gegenüber denen auf, die arbeiten – unabhängig davon, ob es sich um Menschen oder, im ursprünglichen Kontext, um Tiere handelt.

  • Das ist aber keine Offenbarung

    Das ist aber keine Offenbarung Sprüche 29,18

    Der Satz „Das ist aber keine Offenbarung“ bezieht sich auf den Gedanken aus dem Buch Proverbs (Sprüche 29,18), wo es heißt: „Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und zügellos.“ Im Hintergrund steht die Einsicht, dass Orientierung und Einsicht für das Zusammenleben von Menschen notwendig sind. Als Verfasser der Sprüche gilt traditionell König Salomo, der für seine Weisheit bekannt ist.

    Mit „Offenbarung“ ist in diesem Zusammenhang eine göttliche Weisung, ein klares Wort oder eine verbindliche Orientierung gemeint, die dem Menschen Richtung gibt. Ohne eine solche Grundlage fehlt es an Maßstab und Ziel, was dazu führen kann, dass Menschen planlos handeln oder gesellschaftliche Ordnung verloren geht. Der Satz „Das ist aber keine Offenbarung“ kann daher ausdrücken, dass etwas keine echte Einsicht, keine verlässliche Erkenntnis oder keine tragfähige Orientierung bietet.

    Im biblischen Kontext wird deutlich, wie wichtig es ist, sich an verlässliche Weisung und Weisheit zu halten. „Offenbarung“ steht hier nicht nur für außergewöhnliche Visionen, sondern allgemein für klare Einsichten, die helfen, das Leben sinnvoll zu gestalten und gute Entscheidungen zu treffen. Wo solche Orientierung fehlt, besteht die Gefahr von Orientierungslosigkeit und Unruhe.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute oft verwendet, um auszudrücken, dass eine Aussage, Idee oder Erklärung nichts wirklich Neues, Klärendes oder Substanzielles enthält. Sie kann auch kritisch gemeint sein, wenn etwas zwar als besonders dargestellt wird, tatsächlich aber keine tiefere Bedeutung oder Erkenntnis liefert.

    So macht der biblische Gedanke deutlich, dass Orientierung und Einsicht eine zentrale Rolle im Leben und im Zusammenleben von Menschen spielen. „Das ist aber keine Offenbarung“ kann deshalb als Hinweis verstanden werden, Aussagen und Ideen daraufhin zu prüfen, ob sie wirklich Klarheit und Orientierung bieten oder lediglich oberflächlich bleiben.

  • In den Ohren gellen Jer 19,3b

    In den Ohren gellen Jer 19,3b

    Der Ausdruck „in den Ohren gellen“ hat seinen Ursprung im Buch Jeremia (Jeremia 19,3). Dort kündigt Jeremia im Auftrag Gottes ein Gericht an und spricht davon, dass die Botschaft so erschütternd sein wird, dass sie „in den Ohren gellen“ wird. Gemeint ist ein Klang oder eine Nachricht, die so heftig und eindringlich ist, dass sie nicht überhört werden kann und lange nachwirkt.

    Das Bild des „Gellens“ beschreibt einen lauten, scharfen und durchdringenden Ton, der sich ins Bewusstsein einprägt. Im biblischen Zusammenhang steht es für eine Botschaft von großer Tragweite, die die Menschen erschrecken und aufrütteln soll. Es geht nicht um gewöhnliche Worte, sondern um eine Ankündigung, die die gewohnte Ordnung erschüttert und zum Nachdenken zwingt.

    Jeremia verwendet dieses Bild, um die Ernsthaftigkeit seiner Botschaft zu unterstreichen. Die angekündigten Ereignisse sind so bedeutend, dass sie nicht ignoriert werden können. Das „Gellen“ in den Ohren steht somit für die Unüberhörbarkeit und Dringlichkeit dessen, was gesagt wird.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute verwendet, um etwas zu beschreiben, das besonders laut, eindringlich oder schockierend ist – sei es ein Geräusch, eine Nachricht oder auch eine Erfahrung. Es kann sich um Worte handeln, die lange im Gedächtnis bleiben und eine starke Wirkung hinterlassen.

    So macht der Ausdruck „in den Ohren gellen“ deutlich, dass bestimmte Eindrücke oder Botschaften eine besondere Intensität besitzen. Sie dringen tief ein, lassen sich nicht leicht vergessen und fordern dazu heraus, sich mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen.

  • Tauben Ohren predigen

    Tauben Ohren predigen Jes 6,10; 42,20; Matthäus 13,13

    Der Ausdruck „tauben Ohren predigen“ geht auf verschiedene biblische Stellen zurück, unter anderem auf das Buch Jesaja (Jesaja 6,10; 42,20) sowie auf das Evangelium nach Matthäus (Matthäus 13,13). In diesen Texten beschreibt Jesus Christus eine Situation, in der Menschen zwar hören, aber nicht verstehen, und sehen, aber nicht erkennen.

    Der Ausdruck „taube Ohren“ ist dabei bildlich gemeint. Er beschreibt Menschen, die zwar physisch hören können, die aber innerlich nicht aufnahmebereit sind. Die Botschaft dringt nicht zu ihnen durch, weil sie nicht offen sind oder sich bewusst dagegen verschließen. „Predigen“ meint in diesem Zusammenhang das Verkündigen oder Weitergeben einer Botschaft, die jedoch nicht verstanden oder angenommen wird.

    Im Kontext der Bibel steht diese Formulierung für eine geistliche Blindheit oder Verhärtung. Trotz klarer Worte und deutlicher Hinweise bleiben Menschen unzugänglich für die Botschaft, weil ihre Herzen nicht offen sind. Die Texte bei Jesaja und im Matthäusevangelium machen deutlich, dass dies nicht nur ein Problem des Hörens, sondern vor allem des Verstehens und der inneren Bereitschaft ist.

    Die Wendung wird im übertragenen Sinn heute verwendet, um auszudrücken, dass jemand nicht zuhört oder für Argumente nicht zugänglich ist. Sie kann sich auf Situationen beziehen, in denen eine Person Informationen ignoriert, ablehnt oder schlicht nicht aufnimmt, obwohl sie eigentlich dazu in der Lage wäre.

    So beschreibt „tauben Ohren predigen“ eine grundlegende menschliche Erfahrung: Kommunikation gelingt nicht allein durch das Sprechen, sondern setzt auch Offenheit und Bereitschaft auf Seiten des Hörenden voraus. Ohne diese innere Aufnahmebereitschaft bleibt selbst eine klare Botschaft wirkungslos.

  • Wer Ohren hat zu hören, der höre!

    Wer Ohren hat zu hören, der höre! Mt 11,14-15

    Der Satz „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ stammt aus dem Evangelium nach Matthäus und findet sich in ähnlicher Form mehrfach im Neuen Testament. Gesprochen wird er von Jesus Christus im Zusammenhang mit seinen Gleichnissen und Lehren (vgl. auch Matthäus 11,14–15 im weiteren Kontext seiner Verkündigung).

    Mit dieser Aufforderung macht Jesus deutlich, dass es nicht allein darauf ankommt, physisch hören zu können. „Ohren haben“ ist hier nicht nur eine körperliche Fähigkeit, sondern meint die Bereitschaft, eine Botschaft wirklich aufzunehmen, zu verstehen und ihr Bedeutung für das eigene Leben zu geben. Es geht also um ein aktives, inneres Hören.

    Die Formulierung wird oft im Zusammenhang mit Gleichnissen verwendet, die nicht immer auf den ersten Blick leicht verständlich sind. Jesus spricht in Bildern und Vergleichen, die zum Nachdenken anregen. Wer „zu hören“ bereit ist, ist offen dafür, hinter die Worte zu schauen und ihren tieferen Sinn zu erfassen. Wer hingegen nicht aufmerksam ist oder sich innerlich verschließt, wird die Bedeutung möglicherweise nicht erkennen.

    Im übertragenen Sinn ist der Satz eine Einladung zur Aufmerksamkeit und Offenheit. Er fordert dazu auf, nicht oberflächlich zuzuhören, sondern sich bewusst mit dem Gehörten auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht nur um religiöse Inhalte, sondern allgemein um die Haltung, mit der man Informationen, Erfahrungen oder Mitteilungen aufnimmt.

    Die wiederholte Verwendung dieser Aufforderung in den Evangelien unterstreicht ihre Bedeutung: Sie richtet sich an alle, die bereit sind, sich auf die Botschaft einzulassen. Hören wird dabei als ein aktiver Vorgang verstanden, der Verstehen und Handeln einschließt.

    So bringt „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ eine grundlegende Einsicht zum Ausdruck: Wahres Verstehen beginnt mit der inneren Bereitschaft zuzuhören, aufmerksam zu sein und dem Gehörten Bedeutung im eigenen Leben zu geben.

  • Öl in die Wunden gießen

    Öl in die Wunden gießen Lk 10,33-34

    Der Ausdruck „Öl in die Wunden gießen“ geht auf die Erzählung vom barmherzigen Samariter im Evangelium nach Lukas (Lukas 10,33–34) zurück. In dieser Geschichte handelt Jesus Christus von einem Mann, der auf der Reise unter die Räuber gefallen ist und schwer verletzt am Weg liegt.

    Ein Samariter, also jemand aus einer Gruppe, die im damaligen Kontext oft als fremd oder gesellschaftlich distanziert galt, hält an, sieht den Verletzten und wird von Mitgefühl bewegt. Er verbindet seine Wunden, gießt Öl und Wein darauf und versorgt ihn sorgfältig. Diese Handlung steht für praktische Hilfe und konkrete Fürsorge gegenüber einem Menschen in Not.

    Das „Öl in die Wunden gießen“ hatte im antiken Kontext eine heilende und pflegende Funktion. Öl wurde zur Linderung von Schmerzen und zur Behandlung von Verletzungen verwendet. Im übertragenen Sinn beschreibt die Wendung eine helfende, beruhigende oder heilende Handlung gegenüber jemandem, der körperlich oder seelisch verletzt ist.

    Die Szene macht deutlich, dass Mitmenschlichkeit nicht an Herkunft, Religion oder gesellschaftliche Grenzen gebunden ist. Der Samariter handelt nicht aus Pflichtgefühl gegenüber einer eigenen Gruppe, sondern aus echter Anteilnahme. Damit wird ein Beispiel für gelebte Nächstenliebe gegeben, das über bloße Worte hinausgeht und sich in konkretem Handeln zeigt.

    Im übertragenen Sprachgebrauch wird „Öl in die Wunden gießen“ heute verwendet, um eine Situation zu beschreiben, in der jemand Trost spendet, Spannungen entschärft oder eine belastende Lage durch einfühlsames Verhalten erleichtert. Es kann sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in übertragenen Konfliktsituationen verwendet werden.

    So zeigt die biblische Erzählung, dass Hilfe oft in kleinen, konkreten Gesten besteht, die jedoch eine große Wirkung haben können. Das Bild des Öls steht dabei für Fürsorge, Linderung und die Bereitschaft, sich einem anderen Menschen zuzuwenden und aktiv zu helfen.

  • Wie ein Ölgötze

    Wie ein Ölgötze Lk. 22,39

    Der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ ist eine umgangssprachliche Redewendung und geht nicht direkt als feststehender biblischer Begriff aus Lukas 22,39 hervor, steht aber im weiteren Umfeld von Begebenheiten aus dem Evangelium nach Lukas, in denen Jesus Christus in der Ölbergregion (Garten Getsemani) betet. Die Formulierung „Ölgötze“ selbst bezeichnet ursprünglich ein aus Holz oder Stein gefertigtes Götzenbild, das mit Öl überzogen sein konnte oder sinnbildlich mit etwas „eingelassen“ oder „glatt“ gemacht wurde.

    Im übertragenen Sinn wird „wie ein Ölgötze“ verwendet, um eine Person zu beschreiben, die regungslos, stumm oder ausdruckslos dasteht, ohne zu reagieren oder Anteil zu nehmen. Es geht dabei weniger um eine wörtliche Beschreibung, sondern um ein Bild für Passivität oder Teilnahmslosigkeit. Eine solche Haltung wird oft als auffällig empfunden, weil sie im Kontrast zu einer erwarteten Reaktion steht.

    Im biblischen Kontext des Ölbergs wird hingegen ein sehr bewegtes Geschehen beschrieben: Jesus zieht sich zum Gebet zurück, ringt innerlich und bittet Gott um Kraft für das, was vor ihm liegt. Die Szene ist geprägt von intensiver innerer Auseinandersetzung, nicht von Teilnahmslosigkeit. Gerade dieser Gegensatz zeigt, wie unterschiedlich Bilder und Redewendungen im Laufe der Zeit verwendet werden können.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch kann der Ausdruck „wie ein Ölgötze“ daher kritisch gemeint sein, wenn jemand als unbeteiligt, starr oder gleichgültig wahrgenommen wird. Er beschreibt eine äußere Erscheinung, die wenig oder keine emotionale Reaktion erkennen lässt.

    So verweist die Redewendung auf ein Bild aus der antiken Religionswelt und hat sich im übertragenen Sinn zu einer Beschreibung für menschliches Verhalten entwickelt. Sie macht deutlich, wie Sprache historische Vorstellungen aufgreift und in neue Bedeutungszusammenhänge überträgt.

  • Ölzweig

    Der Ölzweig gilt als Friedenszeichen. – Nachdem der Regen nachgelassen hat und die  Arche gestrandet ist, sendet Noah ein Taube aus und danach noch eine zweite, die bei ihrer Rückkehr zur Arche einen Ölzweig im Schnabel trägt. Daran meint Noah erkennen zu können, dass die Sintflut und damit auch Gottes Gerich beendet ist. 1. Mose 8,11

    Der Ölzweig gilt seit biblischer Zeit als Zeichen des Friedens und der Versöhnung. Die Grundlage dafür findet sich im Buch Genesis (1. Mose 8,11) im Bericht von Noah und der Sintflut. Nachdem die Wasser nachgelassen hatten und die Arche auf dem Gebirge Ararat gestrandet war, ließ Noah eine Taube ausfliegen, um zu prüfen, ob die Erde wieder bewohnbar sei.

    Als die Taube zurückkehrte, trug sie einen frischen Ölzweig im Schnabel. Dieses kleine Zeichen hatte für Noah eine große Bedeutung: Es zeigte ihm, dass die Pflanzenwelt wieder zu wachsen begonnen hatte und dass das Leben auf der Erde sich erneuerte. Vor allem aber konnte er daraus schließen, dass das Gericht der Sintflut zu Ende war und eine neue Zeit des Lebens und der Hoffnung begonnen hatte.

    Der Ölzweig wurde dadurch zu einem Symbol des Neubeginns, der Hoffnung und des Friedens zwischen Gott und den Menschen. Er steht für das Ende von Zerstörung und Gericht und den Beginn einer erneuerten Beziehung. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, dass Gott nicht im Gericht stehen bleibt, sondern einen Weg des Neubeginns eröffnet.

    Im Laufe der Geschichte hat sich der Ölzweig zu einem allgemein bekannten Friedenssymbol entwickelt. Er erinnert daran, dass nach Zeiten der Krise, des Konflikts oder der Zerstörung ein Neuanfang möglich ist. Die Taube mit dem Ölzweig ist bis heute ein starkes Bild für Hoffnung, Versöhnung und das Ende von Feindschaft.

    So zeigt die biblische Erzählung, wie ein einfaches Naturzeichen eine tiefere Bedeutung erhält: Der Ölzweig wird zum Zeichen dafür, dass Frieden möglich ist und dass aus einer Situation des Gerichts und der Bedrohung neues Leben hervorgehen kann.

  • Requiescat in pace – Er ruhe in Frieden

    Requiescat in pace – Er ruhe in Frieden Psalm 4,9

    Der Ausdruck „Requiescat in pace“ – „Er ruhe in Frieden“ – ist eine lateinische Segensformel, die ihren geistlichen Hintergrund unter anderem im Buch Psalmen findet, etwa in Psalm 4,9. Dort spricht David davon, dass er in Frieden niederliegen und schlafen kann, weil Gott ihm Sicherheit gibt. Dieser Gedanke des friedlichen Ruhens in Gottes Schutz hat sich später auch auf die Hoffnung für Verstorbene übertragen.

    Die Formulierung „Er ruhe in Frieden“ wird traditionell im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen verwendet. Sie drückt den Wunsch aus, dass der Verstorbene nach den Mühen und Unruhen des irdischen Lebens zur Ruhe kommt. Diese Ruhe ist nicht nur als körperliche Stille gemeint, sondern als umfassender Zustand von Frieden, Geborgenheit und Erfüllung.

    Im biblischen Verständnis ist dieser Friede eng mit der Beziehung zu Gott verbunden. Der Mensch findet wahre Ruhe nicht allein im Ende des Lebens, sondern in der Nähe Gottes, die Sicherheit und Vertrauen schenkt. Der Psalmvers betont, dass dieser Friede schon im Leben erfahren werden kann, aber auch über den Tod hinaus gedacht wird.

    Im übertragenen Sinn ist „Requiescat in pace“ zu einer festen Wendung geworden, die bei Trauerfeiern, auf Grabsteinen oder in Gedenktexten verwendet wird. Sie bringt Respekt, Mitgefühl und die Hoffnung auf einen friedlichen Zustand nach dem Tod zum Ausdruck.

    So verbindet der Satz die Erfahrung von Vergänglichkeit mit einer Perspektive des Friedens. Er erinnert daran, dass das menschliche Leben zwar begrenzt ist, aber im Vertrauen auf Gott in eine Ruhe münden kann, die über alle Unruhe und Mühe hinausgeht.

  • Wie im Paradies – Im Paradies sein Lk. 23,43

    Wie im Paradies – Im Paradies sein Lk. 23,43

    Der Ausdruck „wie im Paradies“ bzw. „im Paradies sein“ geht auf eine Aussage von Jesus Christus im Evangelium nach Lukas (Lukas 23,43) zurück. Am Kreuz wendet sich Jesus einem der Mitgekreuzigten zu und spricht zu ihm: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Diese Worte stehen in einer Situation äußerster Not und zugleich großer Hoffnung.

    Das „Paradies“ bezeichnet im biblischen Zusammenhang einen Ort der Gemeinschaft mit Gott, des Friedens und der Geborgenheit. Der Begriff erinnert zugleich an den Garten Eden aus dem Anfang der Bibel, in dem der Mensch ursprünglich in Harmonie mit Gott lebte. In der Aussage Jesu wird das Paradies jedoch als eine zukünftige Wirklichkeit verstanden, in die der Mensch nach dem Tod eintreten kann.

    Bemerkenswert ist, dass diese Verheißung einem Menschen zugesprochen wird, der sich in einer Grenzsituation befindet und sich Jesus im Vertrauen zuwendet. Damit wird deutlich, dass der Zugang zum „Paradies“ nicht von äußeren Leistungen abhängt, sondern von der Beziehung zu Gott und vom Vertrauen auf ihn.

    Im übertragenen Sinn wird „wie im Paradies“ heute verwendet, um einen Zustand großer Freude, Ruhe oder Zufriedenheit zu beschreiben. Es kann sich auf einen Ort beziehen, der besonders schön und friedlich ist, oder auf eine Situation, in der man sich rundum wohlfühlt.

    Die biblische Aussage geht jedoch über diese alltägliche Verwendung hinaus. Sie beschreibt eine tiefere Hoffnung: dass es eine Wirklichkeit gibt, in der Leid, Schuld und Begrenzung überwunden sind und der Mensch in vollkommener Gemeinschaft mit Gott lebt.

    So verbindet der Satz „im Paradies sein“ die Vorstellung eines vollkommenen Friedens mit der Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott. Selbst in einer Situation größter Dunkelheit eröffnet er eine Perspektive von Trost, Nähe und endgültiger Geborgenheit.

  • Paradiesische Zustände

    Paradiesische Zustände Lk 23,43; 2Kor 12,4; Apk 2,7

    Der Ausdruck „paradiesische Zustände“ hat seinen Ursprung in verschiedenen biblischen Vorstellungen vom Paradies, wie sie unter anderem im Evangelium nach Lukas (Lk 23,43), im zweiten Korintherbrief (2 Kor 12,4) sowie in der Offenbarung des Johannes Offenbarung (Apk 2,7) beschrieben werden. Diese Texte zeigen unterschiedliche Facetten eines Ortes oder Zustands, der durch Nähe zu Gott, Frieden und Vollkommenheit geprägt ist.

    In Lukas 23,43 spricht Jesus Christus dem reuigen Mitgekreuzigten die Verheißung zu, noch am selben Tag mit ihm im Paradies zu sein. Hier steht das Paradies für eine unmittelbare Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod, frei von Leid und Schuld. Im zweiten Korintherbrief berichtet Paulus von Tarsus von einer visionären Erfahrung, in der er „in das Paradies entrückt“ wurde und unaussprechliche Worte hörte – ein Hinweis auf eine Wirklichkeit, die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. In der Offenbarung schließlich wird das Paradies mit dem „Baum des Lebens“ verbunden, der denen verheißen ist, die überwinden – ein Bild für ewiges Leben und erneuerte Schöpfung.

    Gemeinsam ist diesen Vorstellungen, dass das Paradies als Ort oder Zustand vollkommener Harmonie gedacht wird: frei von Leid, geprägt von Frieden, erfüllt von Gottes Gegenwart. Es ist ein Gegenbild zu den Begrenzungen und Mühen der irdischen Welt und zugleich Ziel und Hoffnung des Glaubens.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck „paradiesische Zustände“ heute verwendet, um besonders angenehme, friedliche oder ideale Lebensverhältnisse zu beschreiben. Damit kann ein Ort gemeint sein, der durch Schönheit und Ruhe besticht, oder eine Situation, in der Sorgen und Konflikte in den Hintergrund treten.

    Die biblische Grundlage verleiht dieser Redewendung jedoch eine tiefere Dimension. Sie erinnert daran, dass die Sehnsucht nach solchen „paradiesischen Zuständen“ im Menschen verankert ist und auf eine umfassendere Hoffnung verweist: auf eine Wirklichkeit, in der das Leben in seiner ursprünglichen Fülle und in Gemeinschaft mit Gott vollendet wird.

  • Eine Passion haben

    Eine Passion haben 2 Kor 1,5

    Der Ausdruck „eine Passion haben“ steht im Zusammenhang mit dem Wort „Passion“, das ursprünglich „Leiden“ bedeutet und besonders im biblischen Sprachgebrauch eine zentrale Rolle spielt. Im zweiten Korintherbrief, im Buch (2 Kor 1,5), spricht Paulus von Tarsus davon, dass die Leiden Christi in den Gläubigen reichlich vorhanden sind, aber ebenso auch der Trost durch Christus.

    Im biblischen Kontext bezeichnet „Passion“ vor allem das Leiden von Jesus Christus, insbesondere seinen Weg zum Kreuz. Dieses Leiden wird nicht nur als schmerzvolle Erfahrung verstanden, sondern auch als Ausdruck von Hingabe, Liebe und Erlösung. Paulus greift diesen Gedanken auf, indem er zeigt, dass auch die Gläubigen Anteil an Leiden haben können, aber darin nicht allein sind, sondern Trost und Hoffnung erfahren.

    Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung des Wortes „Passion“ erweitert. Heute wird der Ausdruck „eine Passion haben“ meist im positiven Sinn verwendet und beschreibt eine starke innere Begeisterung oder Hingabe für eine Sache. Wer „eine Passion“ für etwas hat, widmet sich diesem Bereich mit besonderem Engagement, Ausdauer und innerer Beteiligung.

    Dennoch bleibt im Hintergrund die ursprüngliche Bedeutung spürbar: Eine echte Leidenschaft ist oft mit Einsatz, Anstrengung und manchmal auch mit Verzicht verbunden. Sie fordert etwas vom Menschen, gibt ihm aber zugleich Sinn und Erfüllung.

    So verbindet der Ausdruck zwei Ebenen: die ursprüngliche biblische Bedeutung des Leidens und die heutige Vorstellung von Begeisterung und Hingabe. „Eine Passion haben“ beschreibt daher eine tiefe innere Bindung an etwas, das den Menschen prägt – sei es im Glauben oder im alltäglichen Leben.

  • Einen Paternoster benutzen

    Einen Paternoster benutzen Mt 6,9–13; Lk 11,2–4

    Der Ausdruck „einen Paternoster benutzen“ geht auf das Gebet zurück, das Jesus Christus seine Jünger lehrt, überliefert im Evangelium nach Matthäus (Mt 6,9–13) und Lukas (Lk 11,2–4). Dieses Gebet beginnt mit den Worten „Vater unser“ – auf Latein „Pater noster“ – und wurde daher im kirchlichen Sprachgebrauch so bezeichnet.

    Ursprünglich meint „einen Paternoster benutzen“ das Beten dieses zentralen christlichen Gebets. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff auch auf die Gebetsschnur übertragen, die beim Beten verwendet wird, insbesondere im Zusammenhang mit wiederholten Gebeten. Diese Schnur hilft dabei, die einzelnen Gebete zu zählen und sich auf das Gebet zu konzentrieren.

    Im biblischen Kontext steht das Vaterunser für eine einfache, klare und zugleich umfassende Weise zu beten. Jesus gibt seinen Jüngern damit kein langes oder kompliziertes Gebet vor, sondern eine Struktur, die sowohl die Beziehung zu Gott als auch die Anliegen des Menschen umfasst: Gottes Name, sein Wille, das tägliche Brot, Vergebung und Bewahrung.

    Der Ausdruck „einen Paternoster benutzen“ kann im übertragenen Sinn auch bedeuten, dass jemand regelmäßig oder routinemäßig betet. Manchmal wird er auch leicht ironisch verwendet, wenn Gebete als bloße Gewohnheit ohne innere Beteiligung gesprochen werden. Ursprünglich jedoch steht er für eine Form der bewussten Hinwendung zu Gott.

    So verbindet der Begriff „Paternoster“ eine konkrete Gebetspraxis mit einem der bekanntesten Texte des Christentums. Er erinnert daran, dass Beten sowohl eine persönliche als auch eine gemeinschaftliche Handlung ist, die dem Menschen Orientierung, Trost und Verbindung zu Gott geben kann.