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  • Keusch wie Josef

    Keusch wie Josef 1.Mose39

    Der Ausdruck „keusch wie Josef“ bezieht sich auf die Erzählung in Genesis 39, in der Joseph als junger Mann in Ägypten dient und in das Haus des Potifar gelangt. Dort versucht die Frau seines Herrn, ihn zu verführen. Sie fordert ihn wiederholt auf, sich mit ihr einzulassen.

    Joseph weist diese Versuche entschieden zurück. Er begründet seine Ablehnung nicht nur mit Loyalität gegenüber seinem Herrn, sondern vor allem mit seiner Verantwortung vor Gott. Er will keine Schuld auf sich laden und das Vertrauen missbrauchen, das ihm entgegengebracht wurde. Selbst als sie ihn bedrängt, bleibt er standhaft und entzieht sich der Situation, indem er flieht.

    „Keusch wie Josef“ beschreibt daher eine Haltung der Treue, Selbstbeherrschung und moralischen Integrität. Keuschheit wird hier nicht nur im engeren Sinn verstanden. Sie ist eine innere Haltung, die sich durch Loyalität, Klarheit und das Festhalten an ethischen Überzeugungen auszeichnet – auch dann, wenn Versuchung oder Druck vorhanden sind.

    Joseph wird somit zu einem Vorbild für Standhaftigkeit in schwierigen Situationen. Seine Geschichte zeigt, dass es möglich ist, Versuchungen zu widerstehen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Selbst wenn dies persönliche Nachteile mit sich bringen kann.

    So steht der Ausdruck „keusch wie Josef“ sinnbildlich für die Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen und an einer als richtig erkannten Haltung festzuhalten – geprägt von Selbstdisziplin, Vertrauen und moralischer Klarheit.

    Die Keuschheit gilt seit altersher als eine der sieben himmlischen Tugenden; ihr Gegenpart ist die Wolllust (lat.: luxuria). Diese Liste himmlischer Tugenden entstand im Mittelalter. Die Tugenden ringen in den Herzen der Menschen mit ihrem jeweiligem Widersacher um die Vorherrschaft.
    Grundlage für diese Liste war die Psychomachia, ein Werk des des christlichen Dichters Prudentius (348 bis ca. 405).

    Das Wort Keusch leitet sich ab vom lateinischen concius für „bewusst“; im Mittelhochdeutschen hieß es kiusche für „sittsam“ oder „bewusst“. Die Keuschheit, die hir eigentlich gemeint ist, reicht damit ein wenig weiter als sexuelle Abstinenz.

  • Ein Kind des Todes sein

    Ein Kind des Todes sein 1 Sam 26,16; 2. Samuel 12,5

    Der Ausdruck „ein Kind des Todes sein“ findet sich in 1 Samuel (1 Sam 26,16) sowie in 2 Samuel (2 Sam 12,5) und ist Teil der alttestamentlichen Rechtssprache. Gemeint ist eine Person, die aufgrund eines schweren Vergehens nach damaligem Verständnis die Todesstrafe verdient hätte.

    In der Erzählung aus 1. Samuel spricht David zu Saul und sagt, dass Saul ihn zu Unrecht verfolgt. Die Formulierung unterstreicht hier die Schwere der Lage und die rechtliche Bewertung eines vermeintlichen oder tatsächlichen Vergehens. In 2. Samuel wird der Ausdruck im Gleichnis des Propheten Nathan verwendet, der David auf dessen Schuld hinweist. David selbst spricht dort das Urteil über einen Mann, der im Gleichnis ungerecht gehandelt hat, und erklärt ihn für „ein Kind des Todes“.

    Im übertragenen Sinn bezeichnet die Redewendung eine Situation, in der jemand durch sein Verhalten eine so schwere Schuld auf sich geladen hat. Wegen dieser muss er nach menschlichem Urteil eigentlich mit einem Todesurteil rechnen. Die Formulierung verdeutlicht die Ernsthaftigkeit eines Vergehens und die Konsequenzen, die daraus folgen können.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt sich jedoch auch, dass solche Urteile nicht nur der Feststellung von Schuld dienen. Sie sind oft in einen größeren Zusammenhang von Gerechtigkeit, Einsicht und möglicher Umkehr eingebettet. Gerade in der Begegnung zwischen Nathan und David wird deutlich, dass das Aufdecken von Schuld zur Reue führen kann.

    „Ein Kind des Todes sein“ steht sinnbildlich für eine extreme Schuldzuweisung, die die Schwere eines Vergehens unterstreicht, und verweist zugleich auf die biblische Spannung zwischen Urteil, Verantwortung und der Möglichkeit zur Umkehr.

    Eine moderne Lesart

    Der Ausdruck beschreibt in modernem Zusammenhang auch die Ausweglosigkeit einer Situation, sofern keine Hilfe kommt. Jemnd schwebt in Lebensgefahr, es gibt offenbar meine ausweg aus der leebnsbedrohlichen Situation, der Untergang ist unausweichlich, wenn nicht noch ein Wunder geschiet.

  • Ein Kind dieser Welt sein

    Ein Kind dieser Welt sein Lk 16,8

    Der Ausdruck „ein Kind dieser Welt sein“ geht auf Lukas 16,8 zurück und steht im Zusammenhang mit dem Gleichnis vom untreuen Verwalter. Jesus erzählt. In diesem Gleichnis lobt der Herr den Verwalter nicht wegen seiner Unehrlichkeit, sondern wegen seiner Klugheit und Umsicht im Umgang mit einer schwierigen Situation.

    Jesus sagt, dass die „Kinder dieser Welt“ klüger im Umgang mit ihresgleichen sind als die „Kinder des Lichts“. Damit unterscheidet er zwischen zwei Lebenshaltungen. „Kinder dieser Welt“ bezeichnet Menschen, die ihre Ziele, Entscheidungen und ihr Verhalten vor allem an weltlichen Maßstäben orientieren – an kurzfristigem Nutzen, an materiellen Interessen oder an den Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders.

    Kleine Kinder versuchen spielerisch und vorbehaltlos ihre Umwelt neu zu entdecken, statt sie – wie viele Erwachsene – achtlos und als gegeben hinzunehmen. Und Kinder werden völlig unschuldig mit Mut, mit Neugier und Staunen zu ‚Akteuren des Wandels‘. Sie versinken dann in ihrem Tun und im Spiel.

    Im Gegensatz dazu stehen die „Kinder des Lichts“. Sie orientieren sich an göttlichen Maßstäben und gestalten ihr Leben im Blick auf Glauben, Wahrheit und Verantwortung. Die Aussage Jesu ist dabei keine pauschale Abwertung der „Kinder dieser Welt“, sondern eine Beobachtung. Menschen handeln in weltlichen Angelegenheiten oft entschlossen und zielgerichtet, während im geistlichen Bereich nicht immer die gleiche Konsequenz sichtbar ist.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „ein Kind dieser Welt sein“, das eigene Denken und Handeln vor allem an den Gegebenheiten, Werten und Zielen der Welt auszurichten, ohne notwendigerweise eine religiöse oder geistliche Perspektive einzubeziehen.

    Zum guten Schluss

    Die Texte der Bibel nutzen diese Unterscheidung dazu, zur Reflexion über die eigene Lebensausrichtung anzuregen. Sie fordert dazu auf, die eigene Haltung zu überprüfen. Die Leser mögensich fragen, ob sie sich eher von kurzfristigen weltlichen Interessen leiten lassen oder von dauerhaften, geistlichen Werten.

    So beschreibt „ein Kind dieser Welt sein“ eine Lebensweise, die stark an den sichtbaren und praktischen Realitäten des Alltags orientiert ist, und stellt diese in Beziehung zu einer tieferen, geistlich geprägten Perspektive, wie sie im Gleichnis angedeutet wird.

  • Ein Kind unter dem Herzen tragen

    Ein Kind unter dem Herzen tragen 2 Makk 7,27b

    Der Ausdruck „ein Kind unter dem Herzen tragen“ steht in Zusammenhang mit der Erzählung in 2 Maccabees (2 Makk 7,27b). Dort tritt eine Mutter mit ihren sieben Söhnen auf, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. In der bewegenden Szene ermutigt die Mutter ihre Kinder, standhaft zu bleiben, und erinnert sie an die Schöpfung Gottes und daran, dass er das Leben geben kann.

    Die Mutter soll ihren jüngsten Sohn überzeugen, dass er dem Wort des Königs folgen soll. Sie will sein Leben retten. Das unterstreicht sie mit dem Argument, dass sie auch ihn, den Jüngsten, unter ihrem Herzen getragen hat. Doch der Sohn ist anderer Meinung.

    Es ist etwas Kleines unterwegs. Die werdende Mutti trägt ein neues Leben unter dem Herzen. Sie ist in anderen oder in gesegneten Umständen und guter Hoffnung. Und sie sieht ihren Mutterfreuden entgegen.

    „Ein Kind unter dem Herzen tragen“ ist eine bildhafte Umschreibung für die Schwangerschaft. Es beschreibt die enge, körperliche und zugleich emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind. In der biblischen Erzählung wird diese Formulierung im Kontext von Fürsorge, Hoffnung und Opferbereitschaft verwendet. Die Mutter zeigt eine tiefe Bindung zu ihren Kindern, die über bloße Fürsorge hinausgeht und auch Bereitschaft zum Leiden umfasst.

    Und das heißt …?

    Im übertragenen Sinn steht der Ausdruck für das Tragen von Leben im eigenen Inneren – sowohl im wörtlichen als auch im symbolischen Sinne. Er kann für Verantwortung, Schutz und die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind stehen. Es mag aber auch für etwas steeen, das man in sich trägt und das einem besonders am Herzen liegt.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird die Szene oft als Beispiel für Glaubenstreue, Mut und Vertrauen verstanden. Die Mutter verkörpert dabei nicht nur körperliche Mutterschaft, sondern auch geistliche Stärke, indem sie ihre Kinder im Glauben bestärkt und selbst in einer extremen Situation Haltung bewahrt.

    So beschreibt „ein Kind unter dem Herzen tragen“ nicht nur einen biologischen Zustand, sondern auch eine tiefgehende Beziehung, die von Nähe, Verantwortung und Hingabe geprägt ist – ein Bild für das Entstehen und Bewahren von Leben in einem umfassenden Sinn.

  • Wes Geistes Kind jemand ist

    Wes Geistes Kind jemand ist Lk 9,55

    Der Ausdruck „wes Geistes Kind jemand ist“ geht auf eine Szene in Lukas 9,55 zurück. Dort begegnen Jesus und seine Jünger einem Dorf, das sie nicht aufnehmen will. Einige der Jünger reagieren darauf mit dem Vorschlag, Feuer vom Himmel fallen zu lassen, um die Ablehnung zu bestrafen. Jesus weist sie jedoch zurecht und macht deutlich, dass ihre Reaktion nicht seinem Geist entspricht.

    Mit der Frage bzw. dem Gedanken „wes Geistes Kind jemand ist“ beurteilen wir die innere Haltung eines Menschen. Gemeint ist nicht nur das äußere Verhalten, sondern die Motivation, die dahintersteht: Welche Gesinnung, welcher Charakter oder welcher „Geist“ prägt das Handeln? Im biblischen Kontext wird damit deutlich gemacht, dass die Jünger in diesem Moment von einer Haltung der Strenge und des Strafens geleitet sind, während Jesus einen anderen Weg der Barmherzigkeit und Zurückhaltung vertritt.

    Im übertragenen Sinn dient der Ausdruck heute dazu, um zu hinterfragen, aus welcher inneren Einstellung heraus jemand handelt oder spricht. Es geht um die grundlegende Ausrichtung des Denkens und Handelns. Ist die Haltung einer Person von Mitgefühl, Härte, Egoismus oder Verantwortung geprägt.

    Die Szene lädt dazu ein, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Sie macht deutlich, dass nicht jede spontane Reaktion dem entspricht, was als gut oder angemessen gilt, und dass die innere Haltung entscheidend ist für die Qualität des Handelns.

    Als Redewendung

    Die Redewendung „Wes Geistes Kind jemand ist“ steht sinnbildlich für die Frage nach der inneren Prägung eines Menschen. Sie erinnert daran, dass Worte und Taten aus einer bestimmten Grundhaltung hervorgehen, die das gesamte Verhalten bestimmt.

    Wenn die Überlegung angestellt wird, welches Geistes Kind eine Person denn wohl sein möge, dann meist mit einem sehr kritischen Unterton. Es ist mehr als legitim, zu hinterfragen, wie eine Person tickt, wie der Mensch in Wahrheit denkt, wer sie oder er wirklich ist. Die Ausssage macht deutlich, dass man anhan des Verhaltens, der Redens und Tuns den Menschen dahinter deutlich sehen kann, wie sie oder er ist. Zuweilen findet der Ausdruck Verwendung um eine ungewöhnliche, wenn nicht gar zweifelhafte Haltung anzuprangern.

  • Die Kinder dieser Welt

    Die Kinder dieser Welt Lukas 16,8

    Der Ausdruck „die Kinder dieser Welt“ stammt aus Lukas 16,8 und steht im Zusammenhang mit dem Gleichnis vom untreuen Verwalter, das Jesus Christ erzählt. In diesem Gleichnis wird ein Verwalter beschrieben, der in einer schwierigen Lage klug handelt, um seine Zukunft zu sichern.

    Wenn Jesus von den „Kindern dieser Welt“ spricht, meint er Menschen, die ihr Leben vor allem an weltlichen Maßstäben orientieren. Dazu gehören praktische Klugheit, strategisches Denken und ein geschickter Umgang mit den Gegebenheiten des Alltags. Diese Menschen handeln oft zielgerichtet und nutzen ihre Möglichkeiten. Sie versuchen, ihre Interessen zu wahren oder ihre Situation zu verbessern.

    Im Gleichnis wird deutlich, dass diese „Kinder dieser Welt“ in ihrem eigenen Bereich mit großer Umsicht und Konsequenz handeln. Jesus stellt dem die „Kinder des Lichts“ gegenüber, also diejenigen, die sich am Glauben und an geistlichen Werten orientieren. Die Aussage hebt hervor, dass es im geistlichen Bereich manchmal an derselben Entschlossenheit und Weitsicht fehlt, die im weltlichen Leben selbstverständlich erscheint.

    Im übertragenen Sinn beschreibt „die Kinder dieser Welt“ Menschen, deren Denken und Handeln stark von den Realitäten, Zielen und Prioritäten des alltäglichen Lebens geprägt ist, ohne notwendigerweise eine religiöse Perspektive einzubeziehen.

    Kind dieser Welt

    Im weiteren Kontext der Bibel dient dieser Ausdruck dazu, zum Nachdenken über die eigene Lebensweise anzuregen. Er fordert dazu auf, die eigene Zielstrebigkeit und Konsequenz zu prüfen und zu überlegen, in welchem Maß das eigene Handeln von weltlichen oder von geistlichen Werten bestimmt ist.

    So steht „die Kinder dieser Welt“ für eine Lebenshaltung, die sich an praktischen, sichtbaren und gegenwärtigen Interessen orientiert. Damit bildet diese Haltung eine Gegenüberstellung zu einer stärker geistlich geprägten Perspektive bildet.

    Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. (Lukas 16,8)
    Nicht die Unehrlichkeit des Verwalters, sondern vielehr der geschickte Umgang mit Ressourcen, die umsichtige und vorausschauende Haltung, sich rechtzeitig um Zukünftiges zu kümmern, werden hier gelobt.

  • Kinder sind Kinder, als Kinder treiben sie kindisches

    Kinder sind Kinder, als Kinder treiben sie kindisches. –
    Sunt pueripueri, pueripuerilia tractant. 1.Kor.13,11

    Der Gedanke greift eine Aussage aus 1. Korinther 13,11 auf, die von Paulus stammt. Der Apostel vergleicht darin verschiedene Entwicklungsstufen des Menschen und beschreibt, wie sich Denken, Sprechen und Handeln im Laufe des Lebens verändern.

    Im genannten Vers sagt Paulus sinngemäß, dass er als Kind wie ein Kind dachte, redete und urteilte, und dass er mit dem Erwachsenwerden diese kindlichen Verhaltensweisen ablegte. Die lateinische Formulierung „Sunt pueri, pueripuerilia tractant“ (Kinder sind Kinder, sie tun kindische Dinge) bringt denselben Gedanken prägnant zum Ausdruck. In der Kindheit entspricht das Verhalten dem Entwicklungsstand. Später tritt mit zunehmender Reife ein Wandel ein.

    Im übertragenen Sinn verweist dieser Gedanke darauf, dass bestimmtes Verhalten alters- oder entwicklungsabhängig ist. Kindliches Verhalten ist nicht negativ gemeint, sondern Ausdruck einer natürlichen Phase, in der Lernen, Ausprobieren und spielerisches Handeln im Vordergrund stehen. Mit zunehmender Reife erwarten wir jedoch voneinander, dass Denken und Handeln differenzierter, verantwortungsbewusster und reflektierter werden.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Aussage auch symbolisch verstanden. Sie beschreibt nicht nur das tatsächliche Erwachsenwerden. Sie mahnt auch ein inneres Reifen im Glauben und in der Lebensführung an. Bestimmte Denk- und Verhaltensweisen lassen wir dabei hinter uns, um zu einer größeren Klarheit und Tiefe zu gelangen.

    So macht der Satz deutlich, dass kindliches Verhalten zur Kindheit gehört, während Reife darin besteht, sich weiterzuentwickeln und über frühere, weniger reflektierte Formen des Denkens und Handelns hinauszuwachsen.

    Kind-Ich vs. Erwachsenen-Ich

    Das freie Kind-Ich wird recht spontan und emotional reagieren. Dabei kann es recht krativ und phantasievoll, daber auch trotzig, unsicher und ängstlich auftreten. Ein starker Fokus liegt auf der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung, meist Hunger, Durst oder die Suche nach Zuwendung.
    Das Erwachsenen-Ich begegnet auf rational-sachlicher Ebene und versucht, die jeweilige Situation im Hier und Jetzt ruhig, objektiv und lösungsorientiert wahrzunehmen. Der erwachsene Mensch kann unvoreingenommen bewerten, Handlungsalternativen abwägen und Verantwortung übernehmen. Die Kommunikation geschieht resspektvoll und sachlich auf Augenhöhe. – „Ich bin gut. Du bist gut.“

    Die beiden Ich-Zustände, die sich nach Bedarf abwechseln können, sind doch beide Teil unserer jeweiligen Persönlichkeit.

    Siehe z.B. auch Transaktionsanalys nach Eric Berne

  • Kinder und Kindeskinder

    Kinder und Kindeskinder nach 2 Mose 34,7

    Der Ausdruck „Kinder und Kindeskinder“ geht auf Exodus (2. Mose 34,7) zurück. Er ist ist Teil einer Selbstoffenbarung Gottes an Moses. In diesem Zusammenhang beschreibt Gott seine Barmherzigkeit, aber auch die Ernsthaftigkeit von Schuld und Verantwortung. Die kann sich über Generationen auswirken.

    Mit „Kinder und Kindeskinder“ ist die nachfolgende Generation gemeint – also die direkte Nachkommenschaft und darüber hinaus die Enkel und weitere Generationen. Der Ausdruck macht deutlich, dass die Folgen menschlichen Handelns nicht nur den Einzelnen betreffen. Sie können sich auch auf die Gemeinschaft und die kommenden Generationen auswirken können. In der biblischen Darstellung wird damit die Tragweite von Entscheidungen unterstrichen.

    Im Kontext von 2. Mose 34,7 steht der Satz in einer längeren Beschreibung Gottes, in der sowohl seine Geduld und Gnade als auch seine Gerechtigkeit betont werden. Es wird deutlich, dass Gott Schuld ernst nimmt, gleichzeitig aber auch bereit ist zu vergeben und treu zu sein. Die Erwähnung von „Kindern und Kindeskindern“ verweist darauf, dass sowohl positive als auch negative Auswirkungen von Handlungen langfristige Folgen haben können.

    Thema Verantwortung

    Im weiteren Zusammenhang der Bibel wird dieser Gedanke häufig als Hinweis auf Verantwortung verstanden. Menschen sollen sich ihrer Wirkung auf andere bewusst sein, insbesondere im Blick auf kommende Generationen. Gleichzeitig wird aber auch die Hoffnung vermittelt, dass Gottes Barmherzigkeit größer ist und nicht auf eine einzige Generation beschränkt bleibt.

    Der Bibelvers sagt, dass Gott gnädig sein und Sünden vergeben will, dass er aber niemand ungestraft lässt. Nach der Aussage am Ende von Vers 7 wird er die Fehltritte der Menschen verfolgen bis ins dritte und vierte Glied. Damit ist aber auch die Verfolgung einer Tat beschränkt auf die noch lebenden Generationen von Großvätern, Vätern, Söhnen und Enkel. Vielleicht dürfen wir das als Zeichen von Gottes Gnade verstehen: Irgendwann darf es auch mal gut sein.

    Der Ausdruck „Kinder und Kindeskinder“ steht sinnbildlich für die Weitergabe von Wirkungen über Generationen hinweg und erinnert daran, dass menschliches Handeln nicht nur im Moment Bedeutung hat, sondern auch langfristige Konsequenzen entfalten kann.

  • Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder

    Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder Mt 18,1-4

    Der Satz „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ stammt aus Matthäus 18,1–4.
    Er gehört zu einer Lehre von Jesus über das Wesen des Reiches Gottes. Die Jünger fragen Jesus, wer im Himmelreich der Größte sei, woraufhin Jesus ein Kind in ihre Mitte stellt und die Bedeutung von kindlicher Haltung hervorhebt.

    Mit der Aussage macht Jesus deutlich, dass der Zugang zum Reich Gottes nicht von Macht, Status oder Leistung abhängt, sondern von einer inneren Haltung, die er mit der eines Kindes vergleicht. Kinder stehen in diesem Bild für Demut, Offenheit und Vertrauen. Sie sind nicht geprägt von Selbstüberhöhung oder Anspruchsdenken, sondern nehmen Hilfe an und sind auf Beziehung angewiesen.

    „Wie die Kinder werden“ bedeutet im übertragenen Sinn, eine Haltung der Einfachheit, Ehrlichkeit und Abhängigkeit zu entwickeln. Es geht darum, eigene Ansprüche zurückzustellen, sich nicht über andere zu erheben und eine offene, vertrauensvolle Haltung gegenüber Gott einzunehmen. Diese Einstellung steht im Gegensatz zu Konkurrenzdenken oder dem Streben nach Überlegenheit.

    Im weiteren Kontext der Bible wird die kindliche Haltung als Modell für geistliches Leben verstanden. Sie beschreibt eine innere Bereitschaft, sich führen zu lassen, zu lernen und auf Gott zu vertrauen, ohne alles selbst kontrollieren zu wollen.

    Eine Einladung

    So ist der Satz „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ eine Einladung, die eigene Haltung zu überprüfen und eine neue Perspektive einzunehmen, die von Demut, Vertrauen und Offenheit geprägt ist. Eine Grundlage für das Verständnis des Reiches Gottes.

    Jesus provoziert wieder einmal und stellt den Stolz und die Machtstrukturen der Erwachsenenwelt in Frage. Er antwortet damit auf einen Streit der Jünger, wer unter ihnen der Größte sei. Anstatt aber über eine Rangfolge zu streiten, so sagt er ihnen, dürfen sie große Erwartungen an ihren Glauben haben, ohne die „Buchhaltung“ Gottes infrage zu stellen.
    Die Aussage ist aber keineswegs eine Aufforderung zu kindischem Verhalten, als vielmehr eine Einladung, Gottes Liebe als ein Geschenk anzunehmen, statt sie durch welche guten Taten auch immer verdienen zu wollen.

  • Lasset die Kindlein zu mir kommen!

    Lasset die Kindlein zu mir kommen! Mt 19,13-15

    Der Satz „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ stammt aus Matthäus 19,13–15 und ist Teil einer Begebenheit, in der Jesus Christ mit Kindern in Berührung kommt. Die Jünger versuchen zunächst, die Kinder zurückzuweisen, doch Jesus weist sie zurecht und lädt die Kinder ausdrücklich zu sich ein.

    Mit dieser Aussage macht Jesus deutlich, dass Kinder in besonderer Weise willkommen sind. Sie stehen im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit und werden nicht als unwichtig oder störend betrachtet, sondern als wertvolle Personen, denen seine Zuwendung gilt. Jesus segnet die Kinder und zeigt damit, dass das Reich Gottes auch ihnen offensteht.

    Im übertragenen Sinn unterstreicht der Satz die Bedeutung von Offenheit, Zugänglichkeit und Zuwendung gegenüber denjenigen, die oft übersehen oder unterschätzt werden. Kinder stehen dabei symbolisch für Unschuld, Vertrauen und Unbefangenheit. Jesus stellt klar, dass gerade diese Eigenschaften eine Nähe zum Reich Gottes ausdrücken.

    Im weiteren Kontext der Bible wird diese Szene häufig als Zeichen für die besondere Wertschätzung von Kindern verstanden. Sie zeigt, dass niemand aufgrund seines Alters oder gesellschaftlichen Status ausgeschlossen ist, sondern dass Gottes Einladung allen gilt.

    So steht „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ sinnbildlich für die Einladung zur Nähe, zum Vertrauen und zur Annahme – eine Haltung, die nicht nur Kindern, sondern allen Menschen gilt, die sich offen und vertrauensvoll an Gott wenden.

    Kinderlachen

    Die Menschen wollen Jesus ihre Kinder vorstellen, sie zu ihm bringen, und die Jünger wollen die zudringlichen Menschen abwehren. Jesus aber lässt die Kinder zu sich kommen und segnet sie. Für ihn ist das Reich Gottes ein Geschenk, und die Menschen können sich nur beschenken lassen, wie es Kinder tun.
    Niemand kann sich Gnade oder Segen Gottes verdienen, ebensowenig wie die Teilhabe am Werk des Herrn. Gläubige tun wohl gut daran, diese Geschenk offen und unvoreingenommen als solches von Gott anzunehmen und darin zu leben. Der Glaube ist ein Geschenk, das die (großen) Menschen dankbar annehmen dürfen, so wie sich auch Kinder gerne beschenken lassen und Geschenke freudig annehmen.

    • Kinderlachen ist Zukunftsmusik – frei nach Alfred Biolek
    • Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen. – M. Montessori
  • Was wird aus diesem Kindlein werden?

    Was wird aus diesem Kindlein werden? Lk 1,66

    Der Satz „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ stammt aus Evangelium des Lukas (Lk 1,66). Er bezieht sich auf die Geburt von Johannes, dem Täufer. Die Erzählung berichtet, wie die Geburt und die Umstände dieses Kindes die Menschen in Staunen versetzen. Die Nachbarn und Verwandten reagieren mit Verwunderung. Sie stellen sich die Frage nach der Zukunft und der besonderen Bestimmung dieses Kindes.

    Die Frage „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ drückt einerseits Neugier und Staunen aus. Andererseits klingt schon eine Ahnung mit, dass dieses Kind eine besondere Rolle im Leben spielen könnte. Im biblischen Kontext wird deutlich, dass schon vor seinem späteren Auftreten als Prophet eine gewisse Erwartung und Bedeutung mit ihm verbunden ist. Die Frage bleibt zunächst offen und verweist auf die Zukunft, die sich erst nach und nach entfaltet.

    Im weiteren Verlauf der Erzählung wird sichtbar, dass Johannes der Täufer eine wichtige Aufgabe erfüllt: Er bereitet den Weg für Jesus von Nazareth und ruft die Menschen zur Umkehr. Das beantwortet die anfängliche Frage rückblickend. Das Kind wächst heran und übernimmt eine besondere Sendung im Rahmen der biblischen Geschichte.

    Im übertragenen Sinn steht der Satz für die Frage nach der Zukunft und dem Potenzial eines Neugeborenen. Er bringt die Mischung aus Hoffnung, Erwartung und Ungewissheit zum Ausdruck, die mit jeder Geburt verbunden ist. Eltern, Verwandte und eine Gemeinschaft stellen sich oft die Frage, welche Persönlichkeit sich entwickeln und welchen Weg ein Kind im Leben gehen wird.

    Im Kontext der Bibel zeigt diese Stelle, dass menschliches Leben als etwas zu verstehen ist, dessen Bedeutung sich im Laufe der Zeit entfaltet. Was am Anfang noch offen erscheint, kann sich im Rückblick als Teil eines größeren Plans oder einer besonderen Berufung erweisen.

    Die Frage „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ beschreibt sowohl Staunen als auch Erwartung. Sie verweist darauf, dass jedes Leben eine eigene Entwicklung nimmt, deren Bedeutung sich oft erst im Laufe der Zeit vollständig erschließt.

  • Kein hochzeitlich Kleid anhaben

    Kein hochzeitlich Kleid anhaben Matthäus 22,11

    Der Ausdruck „kein hochzeitlich Kleid anhaben“ stammt aus dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl in Matthäus 22,11. Jesus erzählt darin, dass ein König für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichtet und viele Gäste einlädt.

    In der Geschichte wird ein Gast entdeckt, der ohne das passende Hochzeitsgewand erscheint. Dieses Gewand ist im Gleichnis ein symbolisches Zeichen für die angemessene Vorbereitung und Haltung gegenüber Fest und Gastgeber. Der Mann wird angesprochen und kann sich nicht rechtfertigen. Er hat die Einladung zwar angenommen, aber die damit verbundene Erwartung nicht erfüllt.

    „Kein hochzeitlich Kleid anhaben“ bedeutet, nicht angemessen vorbereitet oder nicht in der richtigen inneren Haltung zu sein. Es geht dabei nicht nur um äußere Kleidung. Vielmehr geht es um eine grundlegende Bereitschaft, sich auf das einzulassen, wozu man eingeladen ist. Das Hochzeitsgewand steht sinnbildlich für eine innere Haltung, die zur Teilnahme am Fest passt.

    Dieses Gleichnis wird oft so verstanden, dass die Einladung zwar offen und großzügig ist, aber auch eine entsprechende Antwort verlangt. Wer die Einladung annimmt, soll sich auch entsprechend darauf einstellen und die damit verbundene Verantwortung wahrnehmen.

    Der Ausdruck beschreibt sinnbildlich eine Situation, in der jemand zwar eingeladen ist oder teilnimmt, aber nicht die erforderliche innere oder äußere Vorbereitung mitbringt, die zu diesem Anlass gehört.

    Über Kleidung und Zugehörigkeit

    Kleidung und Sprache sind zwei verschiedene Paar Schuhe. – Angemessene festliche Kleidung sagt etwas über die gesellschaftliche Stellung einer Person und über die Wertschätzung für eine Veranstaltung wie auch dem Gastgeber gegenüber. Sprache und Ausdrucksweise zeigen die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Oder die Menschen grenzen sich ab und bleiben außen vor.

    Bei aller Individualität und Einzigartigkeit, die erstrebenswert scheinen, sind wenige, aber wesentliche Übereinstimmungen unverzichtbar. Und da sind Festgewand und Sprache, Dresscode und Sprachcode, ganz vorne dabei. – Weder der Mantel der Liebe, der alles deckt noch ein Festgewand taugen als Verkleidung. Das festliche Kleid als Zeichen von Buße und Umkehr sieht anders aus. Der Stoff des Festgewandes kann z.B. bedruckt sein mit Bildern von den Früchte des Geistes, wie sie in Gal.5,22.23 genannt sind.

    Über Festgewand und Buße[1]

    Die Frage, woran bei dem sauberen Gewand zu denken sei, das Voraussetzung für die Zulassung zur Festtafel ist, beantwortet Rabbi Eli’ezer[2], der sagt, seine Zuhörer sollen einen Tag vor ihrem Tode Buße tun. Seine Schüler fragen ihn verwundert, woher der Mensch denn wissen solle, wann er stirbt und erhalten zur Antwort, umso mehr tue er, Rabbi Eli‘ezer, jeden Tag Buße, denn er könne ja am nächsten Tage sterben. So werde er ein Leben lang in der Buße gefunden werden.

    [1] Nach Die Gleichnisse Jesu, Seite 126f. – [2] ein Theologe aus dem 1. Jahrhundert

    Die letzten beiden Absätze „Über Kleidung und Zugehörigkeit“ und „Über Festgewand und Buße[1]“ stammen aus dem Buch „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, F.Weber, BoD, 2025

  • Im Kleinen treu sein

    Im Kleinen treu sein Lk 16,10

    Der Satz „Im Kleinen treu sein“ stammt aus Lukas 16,10 und gehört zu den Lehren von Jesus über Verantwortung und Verlässlichkeit. In diesem Zusammenhang betont Jesus, dass Treue und Zuverlässigkeit nicht erst bei großen Aufgaben oder sichtbaren Erfolgen beginnen, sondern sich gerade im Umgang mit kleinen Dingen zeigen.

    Die Aussage macht deutlich: Wer in kleinen Angelegenheiten gewissenhaft, ehrlich und verantwortungsvoll handelt, zeigt damit Charakter und Verlässlichkeit. Umgekehrt gilt auch, dass Nachlässigkeit oder Unaufrichtigkeit im Kleinen ein Hinweis darauf sein kann, dass jemand auch in größeren Dingen nicht zuverlässig ist. Kleine Entscheidungen und alltägliche Handlungen sind somit ein Prüfstein für die innere Haltung eines Menschen.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „im Kleinen treu sein“, die eigenen Aufgaben, Pflichten und Beziehungen mit Sorgfalt zu erfüllen – auch dann, wenn sie unscheinbar erscheinen oder wenig Beachtung finden. Es geht um Beständigkeit, Genauigkeit und Verlässlichkeit im Alltag, sei es im Beruf, im sozialen Umfeld oder im persönlichen Verhalten.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Haltung als wichtige Grundlage für Vertrauen und Verantwortungsübernahme verstanden. Wer in kleinen Dingen treu ist, kann auch größere Verantwortung tragen, weil sich darin eine grundlegende Haltung der Integrität zeigt.

    So beschreibt „im Kleinen treu sein“ eine Lebensweise, die nicht auf äußere Anerkennung angewiesen ist, sondern aus innerer Überzeugung heraus handelt und gerade in den unscheinbaren Momenten des Alltags ihre Stärke zeigt.

    Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.

    Zu Zeiten eines Martin Luther hieß es: „Wer den Pfennig nicht ehrt, wird keines Guldens Herr.“ Heute würde es heißen: „Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert.“ – Wie auch immer; schon der Umgang mit kleinen Geldbeträgen erfordert einige Sorgfalt. Besonndenheit und sparsamer Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sind hohe Tugenden. Und wer mit kleinen Mengen und Beträgen zu wirtschaften weiß, wird auch im Großen erfolgreoch sein.

  • Eine große Kluft

    Eine große Kluft Lk 16,26 und Hiob 1,14-15

    Der Ausdruck „eine große Kluft“ findet sich bei Lukas (Lk 16,26) im Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus. Dort beschreibt Jesus eine Trennung zwischen dem Ort der Geborgenheit und dem Ort des Leidens, die nicht überbrückt werden kann. Die „große Kluft“ steht dabei sinnbildlich für eine unüberwindbare Trennung.

    Im übertragenen Sinn bezeichnet der Ausdruck eine tiefe, nicht leicht zu überwindende Distanz zwischen zwei Zuständen, Personen oder Lebensrealitäten. Diese Kluft kann sozialer, emotionaler, geistlicher oder auch moralischer Natur sein. Sie verdeutlicht, dass es Situationen gibt, in denen eine Annäherung oder ein Ausgleich nicht mehr möglich erscheint, weil die Unterschiede zu groß geworden sind.

    Im Kontext des Gleichnisses macht die „große Kluft“ auch auf die Endgültigkeit von Entscheidungen im Leben aufmerksam. Die Erzählung unterstreicht, dass das Verhalten und die Haltung im Leben Auswirkungen haben, die sich nicht beliebig rückgängig machen lassen. Damit wird die Verantwortung des Menschen für sein Handeln hervorgehoben.

    Ein verwandter Gedanke findet sich auch in Hiob 1,14–15, wo durch Katastrophen und Verluste ebenfalls deutliche Einschnitte und Trennungen im Leben eines Menschen sichtbar werden. Auch hier zeigt sich, wie abrupt und tiefgreifend Veränderungen sein können, die das Leben grundlegend erschüttern und „Klüfte“ zwischen früherem und gegenwärtigem Zustand entstehen lassen.

    So steht „eine große Kluft“ sinnbildlich für eine tiefe, oft unüberbrückbare Trennung. Der Ausdruck macht deutlich, wie gravierend Unterschiede oder Entscheidungen sein können. Er erinnert auch daran, dass wir manche Distanzen nicht leicht überwinden können, sondern dass sie als ernsthafte Grenzen bestehen bleiben.

    Menschliches

    Wo tiefe Klüfte, riesige Abstände oder unüberbrückbare Gegensätze die Menschen trennen, da liegen oft (Gedanken-) Welten zwischen den einzelnen Gruppen. Breite Gräben, wenn nicht sogar wahre Abgründe tun sich auf, wo zwischen den Meinungen, zwischen Werten, sozialen Schichten oder in anderer Hinsicht große Unterschiede vorhanden sind. Und wenn man nur miteindander reden würde, wär’s vielleicht halb so schlimm. …

    Die Kluft als traditonelle Bekleidung wandernder Handwerksgesellen wird hier wohl weniger gemient sein.

  • Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben

    Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben Matthäus 10,16

    Der Satz „Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben“ stammt aus Matthäus 10,16 und gehört zu den Anweisungen von Jesus an seine Jünger, die er in die Welt sendet. Er bereitet sie darauf vor, mit Herausforderungen, Widerständen und möglichen Gefahren umzugehen.

    Mit dem Bild der Schlange ist Klugheit, Wachsamkeit und Umsicht gemeint. Schlangen gelten im biblischen Sprachgebrauch als vorsichtig und aufmerksam. Diese Eigenschaften sollen die Jünger im Umgang mit ihrer Umwelt übernehmen: Sie sollen Situationen richtig einschätzen, umsichtig handeln und sich nicht unbedacht in Schwierigkeiten bringen.

    Die Taube hingegen steht für Unschuld, Aufrichtigkeit und Lauterkeit. „Ohne Falsch“ zu sein bedeutet, ehrlich, transparent und ohne Hintergedanken zu handeln. Es geht um eine innere Haltung, die frei von Täuschung, Berechnung oder Bosheit ist.

    Die Kombination beider Bilder zeigt ein ausgewogenes Verhältnis von Klugheit und Reinheit. Jesus fordert weder Naivität noch Berechnung allein, sondern eine Verbindung aus praktischer Weisheit und moralischer Integrität. Die Jünger sollen also einerseits aufmerksam und vorausschauend handeln, andererseits aber in ihrem Wesen ehrlich und unverfälscht bleiben.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Aussage oft als Leitprinzip für verantwortungsvolles Handeln verstanden. Sie beschreibt eine Haltung, die sowohl den Herausforderungen der Welt gerecht wird als auch an ethischen und geistlichen Grundsätzen festhält.

    Die Scharfsinnigkeit der Schlangen ist keineswegs hinterlistig, aber weise und aufmerksam. Sie versucht, auf dem Weg zu einem gesteckten Ziel vorausschauend und taktisch geschickt zu handeln und Konflikte zu vermeiden.

    Sanft wie die Tauben meint auch oft „ohne Falsch“ oder „einfältig“. Die gefiederten Friedensboten symbolisieren Reinheit, Friedfertigkeit und Aufrichtigkeit. Bei aller Cleverness sollen die Jünger keinerlei bösen Absichten verfolgen, ehrlich sein und in aller Güte handeln.

    „Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben“ steht für die Verbindung von Verstand und Integrität – eine Einladung, klug zu handeln, ohne dabei die eigene Aufrichtigkeit und Lauterkeit zu verlieren.

  • Feurige Kohlen auf jemandes Haupt sammeln

    Feurige Kohlen auf jemandes Haupt sammeln Römer 12,20

    Der Ausdruck „feurige Kohlen auf jemandes Haupt sammeln“ stammt aus dem Römerbrief (Röm 12,20). Er ist Teil einer ethischen Weisung von Paulus an die Gemeinde in Rom. In diesem Abschnitt wird dazu aufgerufen, auf Böses nicht mit Bösem zu reagieren, sondern das Gute zu suchen. Auch gegenüber Menschen, die einem feindlich gesinnt sind.

    Paulus greift dabei ein Bild auf aus Sprüche Salomo 25, 2122. Dort heißt es: „Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot. Dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen. Und der HERR wird dir’s vergelten.“

    Das Bild der „feurigen Kohlen“ ist bildhaft zu verstehen. Es stammt vermutlich aus einem Kontext, in dem das Tragen von glühenden Kohlen auf dem Kopf eine intensive, beschämende oder auch läuternde Erfahrung beschreibt. Im übertragenen Sinn bedeutet der Satz, dass durch freundliches, hilfreiches und großzügiges Verhalten gegenüber einem Gegner dessen Gewissen angesprochen und berührt werden kann.

    „Feurige Kohlen auf jemandes Haupt sammeln“ meint also nicht, jemandem absichtlich zu schaden. Man will vielmehr durch gutes Handeln eine Wirkung erzielen, die den anderen zum Nachdenken bringt und möglicherweise zur Einsicht führt. Das Gute wird dabei als stärkere Kraft dargestellt als Vergeltung oder Rache.

    Im weiteren Kontext der Bibel steht dieser Gedanke im Zusammenhang mit dem Aufruf zur Feindesliebe und zur Überwindung von Bösem durch Gutes. Es geht um eine Haltung, die nicht auf Gegenschläge setzt, sondern auf Versöhnung, Geduld und moralische Stärke.

    So beschreibt die Redewendung eine Form des Handelns, die Konflikte nicht verschärft, sondern durch Güte und Wohlwollen eine tiefere Wirkung entfalten kann – mit dem Ziel, Spannungen zu lösen und das Gegenüber innerlich zu bewegen.

    Allzumenschliches aus der KI

    Satt zu eskalieren, nimmt man dem Gegenüber durch übertriebene Höflichkeit und Hilfsbereitschaft den Wind aus den Segeln und treibt ihn moralisch in die Enge. Das unerwartete Erleben von Güte und Großmut wird den Gegner so sehr beschämen, daß sie/er das ungerechte Verhalten einsieht und ändert. Das Vergelten von Bösem mit etwas Gutem wird beim Anderen ein brennendes Gefühl von Scham und Reue erzeugen – ähnlich, als würden glühende Kohlen auf dem Kopf liegen. –
    Möglicherweise stammt dieser Ausdruck von einm altägyptischen Bussritus, bei dem die Büßenden als Zeichen ihrer Reue jeweils ein Becken mit heißen Kohlen auf dem Kopf trugen

  • Ein Koloss auf tönernen Füßen

    Ein Koloss auf tönernen Füßen aus Daniel 2

    Der Ausdruck „Ein Koloss auf tönernen Füßen“ geht auf das Buch Daniel (Dan 2) zurück und bezieht sich auf die Deutung eines Traumes durch Daniel. In dem Traum sieht der babylonische König ein großes Standbild aus verschiedenen Materialien: goldener Kopf, silberne Brust, bronzener Bauch, eiserne Beine und Füße, die teils aus Eisen, teils aus Ton bestehen.

    Der entscheidende Teil des Bildes ist die Beschreibung der Füße aus Eisen und Ton. Während Eisen für Stärke steht, symbolisiert Ton Zerbrechlichkeit und Instabilität. Die Kombination beider Materialien weist darauf hin, dass die scheinbar mächtige Gestalt in ihrem Fundament nicht stabil ist. Gerade an dieser Stelle wird die Bedrohlichkeit und zugleich die Verletzlichkeit des Kolosses deutlich.

    Im übertragenen Sinn beschreibt der Ausdruck „Koloss auf tönernen Füßen“ etwas, das äußerlich groß, beeindruckend oder mächtig erscheint, aber innerlich schwach oder instabil ist. Es kann sich auf politische Systeme, persönliche Lebensentwürfe oder auch auf Überzeugungen beziehen, die zwar stark wirken, aber keine tragfähige Grundlage haben.

    Im Kontext der Bibel macht die Erzählung deutlich, dass menschliche Macht und Reiche vergänglich sind und letztlich nicht von Dauer bestehen, wenn ihnen eine solide Grundlage fehlt. Im Gegensatz dazu wird in der Daniel-Erzählung ein Reich Gottes angedeutet, das nicht von Menschenhand geschaffen ist und Bestand hat.

    So steht der Ausdruck sinnbildlich für die Diskrepanz zwischen äußerer Größe und innerer Schwäche. Er erinnert daran, dass wahre Stabilität nicht allein von Größe oder Macht abhängt. Jede Größe bedarf einer tragfähigen Grundlage, die dauerhaft Bestand hat.

    Zusammengefasst

    Der Koloss auf seinen tönernen Füßen steht ebensowenig stabil wie das Haus das auf Sand gebaut ist. Er beschreibt ein System, das sich wohl als mächtig , imposant und stabil darstellen mag, welches sich aber aufgrund dysfunktionaler Strukturen, mangelhafter Basis als krisenanfällig erweist. Der Ausdruck taucht hin und wieder in der politischen Berichterstattung auf. Mit der Redewendung wird oft vor instabilen Machtverhältnissen und einem drohenden Zusammenbruch gewarnt. – Und ein Koloss mit tönernen Füßen musss nicht unbedingt ein Königreich oder eine Großmacht sein.

  • Den Kopf hängen lassen

    Den Kopf hängen lassen Jes 58,4b-5a

    Der Ausdruck „den Kopf hängen lassen“ ist ein bildhafter Satz, der in Anlehnung an Jesaja 58,4b–5a zu verstehen ist. Er beschreibt im weiteren Sinn eine Haltung von Niedergeschlagenheit, Resignation oder innerer Erschöpfung. In dem biblischen Abschnitt kritisiert der Prophet Jesaja ein Fasten, das zwar äußerlich religiös erscheint, aber nicht mit echter innerer Umkehr und gerechtem Handeln verbunden ist.

    „Den Kopf hängen lassen“ steht sinnbildlich für eine Haltung der Entmutigung oder des Klagens, die sich in der Körperhaltung widerspiegelt. Im übertragenen Sinn kann es bedeuten, dass Menschen sich niedergeschlagen fühlen, wenn ihre Erwartungen enttäuscht werden oder wenn sie sich in einer Situation ohnmächtig erleben. In Jesaja 58 wird jedoch deutlich, dass bloße äußere Frömmigkeit nicht genügt, um vor Gott zu bestehen. Es sei denn, sie ist von echtem Mitgefühl, Gerechtigkeit und verantwortlichem Handeln begleitet.

    Religiöse Praxis besteht nicht nur in äußeren Formen. Sie setzt eine innere Haltung voraus, die sich im Umgang mit anderen Menschen zeigt. Wer „den Kopf hängen lässt“, kann damit auch ein Zeichen von Frustration über eine fehlende Verbindung zwischen äußeren Handlungen und innerer Wahrheit sein.

    Menschen, insbesondere Gläubige, sind gefordert, nicht in Resignation zu verharren, sondern aktiv Gerechtigkeit zu üben, sich für andere einzusetzen und die eigene Haltung zu überprüfen. Wahre Frömmigkeit zeigt sich demnach nicht nur in Ritualen, sondern im gelebten Alltag.

    So beschreibt „den Kopf hängen lassen“ sowohl eine körperliche Geste als auch eine innere Verfassung, die für Enttäuschung oder Niedergeschlagenheit stehen kann – zugleich aber auch den Anlass bietet, die eigene Haltung zu überdenken und neu auszurichten.

    Allzumenschliches

    Nach Niederlagen oder Kummer lassen Menschen sprichwörtlich den Kopf nach unten sinken und zeigen damit, dass sie traurig, resigniert oder enttäusht sind. Sie verzagen, sind deprimiert, drohen den ut zu verlieren und möchten am liebsten aufgeben. Als Aufmunterung dient oft die verneinende Form der Redewendung: „Kopf hoch! Hör auf Trübsal zu blasen! Komm schon; lass den Kopf nicht so hängen!“

  • Sich etwas über den Kopf wachsen lassen

    Sich etwas über den Kopf wachsen lassen Esra 9,6

    Der Ausdruck „sich etwas über den Kopf wachsen lassen“ ist in Anlehnung an Esra 9,6 zu verstehen. Er beschreibt eine Situation, in der ein Mensch von Schuld, Sorgen oder Problemen überwältigt wird. Im genannten biblischen Kontext spricht Esra ein Gebet, in dem er die Schwere der Schuld seines Volkes zum Ausdruck bringt. Darin bekennt er, dass diese „uns bis über den Kopf gewachsen ist“.

    Das Bild verdeutlicht, dass die Last nicht mehr zu bewältigen ist und den Menschen gleichsam überragt. Es geht um ein Gefühl der Überforderung, bei dem die eigene Kraft oder die eigenen Möglichkeiten nicht mehr ausreichen, um mit der Situation fertigzuwerden. Die Metapher macht anschaulich, wie Schuld oder Belastung den Menschen einnehmen und ihm den Handlungsspielraum nehmen kann.

    Im biblischen Zusammenhang steht dieses Bekenntnis nicht nur für Klage, sondern auch für Einsicht und Verantwortung. Esra spricht offen die Situation an und erkennt die eigene und gemeinschaftliche Schuld an. Diese Haltung ist verbunden mit dem Wunsch nach Umkehr und einer neuen Ausrichtung.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass das Eingeständnis von Überforderung ein erster Schritt zur Veränderung sein kann. Menschen erkennen ihre Grenzen an und bringen ihre Situation vor Gott. Damit öffnen sie sich für Hilfe, Vergebung und Neuanfang.

    So beschreibt „sich etwas über den Kopf wachsen lassen“ eine Erfahrung, in der Belastungen so groß werden, dass sie den Menschen zu überwältigen scheinen – zugleich aber auch den Moment, in dem Einsicht und Umkehr sich anbieten.

    Allzumenschliches

    Die Redewendung erscheint oft in Verbindung mit beruflicher oder persönlicher Überlastung, wenn Dinge zu anspruchsvoll werden, wenn Aufgaben, Probleme oder Stress so stark zunehmen, dass man sie nicht mehr bewältigen kann. In der Situation der Überforderung drohen dann Dinge außer Kontrolle zu geraten, eine Situation kippt und die Wellen schlagen über uns zusammen. Alles erscheint eine Nummer zu groß und droht, im Chaos zu versinken. Die Beteiligten verlieren de Kontrolle und sind dann auch nciht mehr Herr der Lage. – Nur um ein paar Synonyme noch zu nennen.

  • Nicht ganz koscher sein

    Nicht ganz koscher sein 3. Mose 11, 1-8

    Der Ausdruck „nicht ganz koscher sein“ geht auf die Speisevorschriften in 3. Mose 11,1–8 zurück. Dort wird zwischen reinen und unreinen Tieren unterschieden. Diese Regelungen legen fest, welche Tiere nach dem Gesetz Israels als „rein“ gelten und gegessen werden dürfen und welche als „unrein“ zu meiden sind.

    Im ursprünglichen biblischen Kontext bedeutet „koscher“ also „den religiösen Vorschriften entsprechend“ oder „rein, tauglich, in Ordnung und erlaubt“. Tiere müssen bestimmte Merkmale erfüllen, um als koscher zu gelten, etwa gespaltene Hufe und Wiederkäuen bei Landtieren. Tiere, die diese Kriterien nicht erfüllen, wie z.B. Meerestiere, die keine Schuppen haben, gelten als unrein und sind vom Verzehr ausgeschlossen.

    Im übertragenen Sprachgebrauch hat sich der Ausdruck „nicht ganz koscher sein“ im Deutschen verselbständigt. Er bedeutet heute allgemein, dass etwas verdächtig, nicht ganz in Ordnung oder moralisch fragwürdig erscheint. Der ursprüngliche religiöse Bezug ist dabei in den Hintergrund getreten. Die Vorstellung von „Unreinheit“ im Sinne von „nicht vertrauenswürdig“ hat sich dagegen erhalten.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt sich, dass solche Vorschriften ursprünglich nicht nur praktische, sondern auch identitätsstiftende Bedeutung für das Volk hatten. Sie sollten helfen, eine klare Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Alltäglichen zu markieren und das Leben im Einklang mit den Geboten Gottes zu gestalten.

    So beschreibt der Ausdruck „nicht ganz koscher sein“ heute eine Situation oder einen Zustand, der Zweifel weckt oder nicht ganz vertrauenswürdig erscheint, während sein Ursprung in den detaillierten Reinheitsvorschriften der biblischen Tradition liegt.

    Allzumenschliches

    Der Ausdruck findet Verwendung, wenn aus irgend einem Grund Zweifel oder Mißtrauen an einer Person oder an Vorgängen aufkommen. Dinge, die „nicht ganz koscher sind“, erscheinen uns fragwürdig oder dubios. Aus welchen Gründen auch immer scheint eine Sache nicht ganz einwandfrei, unlauter oder verdächtig zu sein. Die ganze Angelegenheit ist irgendwie ein wenig zweifelhaft und merkwürdig. Das Ganze ist mir nicht geheuer. Es hat ein Geschmäckle. Schlicht und ergreifend: Da ist was faul!

  • Krank vor Liebe sein

    Krank vor Liebe sein Hld 2,5

    Der Ausdruck „krank vor Liebe sein“ geht auf das Hoheslied 2,5 zurück. Er stammt aus einem poetischen Text der Bibel, der die Liebe zwischen zwei Menschen in bildreicher Sprache beschreibt. In diesem biblischen Buch spricht traditionell die Geliebte und schildert ihre Sehnsucht und ihr emotionales Erleben in der Liebe.

    „Krank vor Liebe sein“ ist dabei nicht im medizinischen Sinn zu verstehen, sondern als eine bildhafte Beschreibung eines intensiven Gefühlszustandes. Gemeint ist eine so starke Sehnsucht oder Zuneigung, dass sie den Menschen innerlich bewegt, beschäftigt und beinahe überwältigt. Liebe wird hier als Kraft dargestellt, die sowohl Freude als auch Unruhe hervorrufen kann.

    Im ursprünglichen Zusammenhang drückt der Vers die Tiefe und Intensität romantischer Liebe aus. Die Person erlebt eine Art inneres Verlangen nach Nähe und Erfüllung, das so stark ist, dass es mit körperlichen oder seelischen Empfindungen verglichen wird, die an eine „Krankheit“ erinnern. Es handelt sich dabei um eine poetische Überhöhung, die die Leidenschaft und Hingabe in der Liebe verdeutlicht.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute oft verwendet, um eine besonders starke Verliebtheit oder emotionale Bindung zu beschreiben, die jemanden gedanklich und gefühlsmäßig stark einnimmt. Die Formulierung betont dabei die Kraft der Gefühle, die den Alltag beeinflussen und das Erleben prägen können.

    So zeigt „krank vor Liebe sein“ eindrücklich, wie intensiv menschliche Liebe empfunden werden kann – als ein Zustand, der den Menschen innerlich bewegt, beschäftigt und tief berührt.

    Menschliches

    Wir wissen heute, dass man sehr wohl krank vor Liebe sein kann. – Und das ist nicht ma l ironisch gemeint. –
    Ein Liebeskummer gilt zwar noch nicht als dauerhafte Erkrankung, kann aber bei jungen Menschen je nach emotionaler Veranlagung schon mal eine psychische Krise verursachen. Trennungen, auch unerwiderte Liebe können zu Verzweiflung und sogar zu einer Belastung des Immunsystems führen. Allzu große Verliebtheit oder besondes großer Liebeskummer können einen emotionalen Stress auslösen, der zum Broken-Heart-Syndrom (Gebrochenes Herz) führt. „Krank vor Liebe sein“ kann erfahrungsgemäß zu Appetit- und Schlaflosig keit bis hin zu Depressionen führen. – Bis zur nächsten Party! ;- )

  • Krethi und Plethi beisammen

    Krethi und Plethi beisammen. 2 Sam 8,18

    Der Ausdruck „Krethi und Plethi beisammen“ stammt aus 2. Samuel 8,18. Er bezieht sich auf Gruppen von Gefolgsleuten im Umfeld von König David. In der biblischen Erzählung werden die „Krethi“ und „Plethi“ als Teil der königlichen Leibwache oder Eliteeinheit beschrieben. Sie waren für den Schutz des Königs zuständig.

    Im ursprünglichen Kontext handelt es sich bei den Begriffen vermutlich um Bezeichnungen für bestimmte Gruppen von Söldnern oder spezialisierten Truppen, die zusammen eine Einheit bildeten. Ihre genaue Herkunft ist historisch nicht eindeutig geklärt, doch ihre Funktion im Dienst Davids als verlässliche Schutztruppe ist im biblischen Text erkennbar.

    Im übertragenen Sprachgebrauch hat sich der Ausdruck „Krethi und Plethi“ zu einer Redewendung entwickelt. Dieser beschreibt allgemein eine gemischte Gruppe von Menschen bemeint. Da bei gibt es keine genaue Unterscheidung oder besondere Hervorhebung einzelner Personen. Der Ausdruck kann sinngemäß „alle möglichen Leute“ oder „Leute von unterschiedlicher Herkunft“ bedeuten.

    Die Erwähnung solcher Gruppen zeigt, wie vielfältig die Zusammensetzung von Gemeinschaften und Diensten im Umfeld eines Königs sein konnte. Unterschiedliche Personen konnten zusammenwirken, um eine gemeinsame Aufgabe zu erfüllen. Und das konnte sogar unabhängig von ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit geschehen.

    „Krethi und Plethi beisammen“ steht zum Einen sowohl für eine konkrete historische Gruppe im Dienst Davids. Zum anderen ist die Redewendung auch eine bildhafte Beschreibung einer zusammengewürfelten Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam handeln oder auftreten.

    Heutzutage

    Die alttestamentliche Redewendung wird heute verwendet, wenn alle möglichen Leute zusammenkommen. Da kommen Hinz und Kunz, später auch noch Hans und Franz, und Hans und Grete sowieso.. Komm doch auch vorbei. Gott und die Welt treffen sich da. Hack und Pack geben sich ein Stelldichein, und hier ist Jedermann willkommen.
    Es klingt vielleicht etwas abwertend, von Gesindel oder Fußvolk zu sprechen. Die Redewendung beschreibt eher eine bunte, ungeordnete Truppe, oft aber auch mit einem leicht abwertenden Unterton, eine bunte und zusammengewürfekte Gesellschaft, allerlei Leute aus aller Welt.

  • Sein Kreuz auf sich nehmen

    Sein Kreuz auf sich nehmen Matthäus
    10,38, 16,24; Markus 8,34; 10,21; Lukas 9,23; 14,27; Joh. 19,17

    Der Ausdruck „sein Kreuz auf sich nehmen“ stammt aus den Evangelien der Bibel. Es ist zu finden bei Matthäus in Mt 10,38; 16,24 sowie parallel bei Markus 8,34; 10,21 und Lukas 9,23; 14,27. Die Redewendung stammt von Jesus im Zusammenhang mit der Nachfolge.

    Im historischen Kontext war das Kreuz ein Symbol für Leid, Schande und Hinrichtung. Wer sein Kreuz „auf sich nimmt“, macht sich auf den Weg, der mit Hingabe, Verzicht und auch mit Belastungen verbunden sein kann. Jesus verwendet dieses Bild, um deutlich zu machen, dass Nachfolge nicht bequem oder ohne Herausforderungen ist, sondern Bereitschaft erfordert, auch schwierige Wege anzunehmen. Sein Kreuz auf sich zu ehmen beschreibt also die Bereitschaft zur totalen Hingabe und die Bereitschaft zum allergrößten Opfer, sogar auf dem Weg zur eigenen hinrichtung.

    Kreuzesträger

    Im übertragenen Sinn bedeutet „sein Kreuz auf sich nehmen“, die eigenen Lebensumstände, Pflichten oder auch Leiden bewusst anzunehmen und verantwortungsvoll zu tragen. Dazu kann gehören, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, für Überzeugungen einzustehen oder schwierige Situationen nicht zu vermeiden, sondern mit Geduld und Ausdauer zu bewältigen.

    Der Gedanke wird im weiteren Kontext der Evangelien immer wieder aufgegriffen. Nachfolge ist nicht nur ein Bekenntnis, sondern zeigt sich im konkreten Leben, im Umgang mit anderen Menschen und in der Bereitschaft, sich selbst zurückzustellen. In Johannes 19,17 wird das Bild konkret, als Jesus selbst das Kreuz trägt. Das istein Hinweis darauf, dass dieses Bild nicht nur symbolisch, sondern auch existenziell verstanden wird.

    „Sein Kreuz auf sich nehmen“ beschreibt somit eine Haltung der bewussten Annahme von Verantwortung, verbunden mit der Bereitschaft, auch schwierige Wege zu gehen. Es ist ein Bild für Nachfolge, die nicht nur Worte, sondern auch Taten und innere Standhaftigkeit umfasst, auch wenn schwerde lasten zu (er-)tragen oder unabwendbare Pflichten wahrzunehmen sind.

  • Ein langer Laban

    Ein langer Laban 1. Mose 29, 26-27

    Der Abschnitt 1. Mose 29, 26–27 schildert eine entscheidende Szene im Leben von Jakob und seinem Onkel Laban. Nachdem Jakob sieben Jahre für Rahel gearbeitet hat, um sie zur Frau zu bekommen, täuscht Laban ihn jedoch. Er erklärt, dass es in seiner Familie unüblich sei, die jüngere Tochter vor der älteren zu verheiraten. Daher gibt er Jakob nicht Rahel, sondern seine ältere Tochter Lea zur Frau. Er, der Vater zweier Töchter, nutzt seine Machtposition gegenüber dem Jüngeren, seinem Neffen, aus, um beide Töchter zu verheiraten. Gleichzeitig bietet Laban Jakob an, zusätzlich weitere sieben Jahre zu arbeiten, damit er auch Rahel heiraten kann.

    Diese Begebenheit zeigt sowohl Labans List als auch die damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Gleichzeitig verdeutlicht der Text, wie Jakob selbst, der zuvor durch Täuschung den Segen seines Vaters erschlichen hatte, nun auf ähnliche Weise getäuscht wird. Die Erzählung macht deutlich, dass Handlungen oft Konsequenzen nach sich ziehen und dass menschliche Pläne nicht immer so verlaufen, wie man es erwartet.

    Nachdem Jakob seinen Bruder um das Erstgeburtsrecht betrogen und sich den Segen vom Vater abgeholt hat,flüchtet er nach Mesopotamien zum Bruder seiner Mutter Rebekka, seinem Onkel Laban. Diesem dient er sieben Jahre in dem Glauiben, der Onkel wird ihm, Jakob, die geliebte Cousine Rebekka zur Frau geben. Doch der Schwiegervater in spe hintergeht seinen Diener und Neffen und gibt ihm die ältere Schwester Lea zur Frau. Dabei verweist er auf alte Gepflogenheiten. Also muss Jakob, um Rahel als Frau bekommen zu können, weitere sieben Jahre am Hof seines Schwiegervaters dienen.

    Bevor Jakob für Laban beginnt zu arbeiten, ist dessen unternehmerischer Erfolg recht überschaubar. Erst nachdem der Neffe den Segen seines Vaters mitbringt und zu wirtschaften beginnt, wird Laban wohlhabend. Laban weiß, wem er seinen Wohlstand zu verdanken hat. Doch er übervorteilt den Neffen und nutzt ihn aus, so gut er kann. Jakob lässt sich vieles gefallen; erarbeitet sich bei seinem Onkel auch das Recht, die geliebte Rahel zur Frau zu nehmen. Fast nebenbei erwirbt Jakob sich einen nicht unbedeutetenden Reichtum, zum einem durch seine fleißuge Arbeit, zum anderen dadurch, dass er seinen hinterlistigen Onkel hinters Licht führt. Als Jakob nach 25 jähriger Dientszeit mit seinen beiden Frauen und den Kindern das Anwesen des Schwiegervaters verlässt, ist er weitaus wohlhabender als sein langjähriger Dienstherr, der das Nachsehen hat. (hier, hier)

    Der „lange Laban“ ist umgangssprachliche eine, besonders im Rheinland gebräuchliche, Bezeichnung für einen hochgewachsenen, schlacksigen jungen Kerl.

  • Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird

    Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird Jes 53,7

    Der Vers aus Jesaja 53,7 ist ein tief bewegendes Bild für Leiden und Hingabe. Er beschreibt eine Figur, die still und ohne Widerstand Leid erträgt, obwohl sie unschuldig ist. In diesem Bild wird das Lamm zum Symbol für Opferbereitschaft. Ebenso für Demut und leidenschaftsloses Ertragen von Ungerechtigkeit.

    In Jesaja 53 geht es um den leidenden Diener, der stellvertretend für andere Schmerzen und Schuld auf sich nimmt. Das Lamm steht hier für Unschuld und Schutzlosigkeit. Es ist auch ein Symbol zugleich für die Bereitschaft, das eigene Leid aus Liebe oder Pflicht zu tragen. Die Metapher vermittelt sowohl Traurigkeit als auch Ehrfurcht – sie spricht von einem Leiden, das nicht durch Widerstand, sondern durch stille Hingabe geprägt ist.

    Für viele Menschen ist dieser Vers auch ein prophetisches Bild, das im Neuen Testament auf Jesus Christus bezogen wird, der sein Leben aus Liebe und Opferbereitschaft hingibt. Die Vorstellung eines Lichts im Dunkel des Leids schenkt durch stille Standhaftigkeit Hoffnung. Das macht Jesaja 53,7 zu einem besonders kraftvollen Text über Geduld, Gerechtigkeit und Mitgefühl.

    Allzumenschliches

    Ein Schicksal wird angenommen, ergeben, geduldig und widerstandslos. Eine Person gerät unschuldig und hilflos in eine Situation und läuft völlig ohne Gegenwehr in ihr Verderben.
    Im Christentum berichtet die Redewendung von Jesus von Nazareth, der ohne jeden Verteidigungsversuch als Lamm Gottes den Tod am Kreuz für die Sünden der Welt annimmt und damit Gewaltlosigkeit demonstriert.

    „Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt“ berichtet, wie ein Mensch gänzlich wehr- und widerstandslos bleibt aus Unwissenheit, Schwäche oder Schicksalsergebenheit.
    Menschen fühlen sich – oft aus Resignation – dem Schicksal oder anderen Personen ausgeliefert. Sie ertragen Misshandlung oder andere Missstände extrem passiv und unterwürfig. Betroffene fühlen sich als Opfer, erleben sich als fremdbestimmt und belastet. Ihr Credo lautet oft: „Ich muss …“
    Sie sind unfähig, Grenzen zu setzen und gegen Ungerechtigkeit anzugehen. Stattdessen bleiben sie in der sicher geglaubten Opferrolle, um nicht aufbegehren, aufstehen und kämpfen zu müssen.