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  • Über den Jordan gehen

    Über den Jordan gehen Jos 1,2; 2 Kg 5,14

    Der Ausdruck „über den Jordan gehen“ hat seinen Ursprung in den biblischen Erzählungen des Josua (Jos 1,2 und 2. Könige 5,14). Der Jordan ist dabei ein bedeutender Fluss im Heiligen Land. Er stellt geografisch und symbolisch eine Grenze dar. „Über den Jordan gehen“ bedeutet zunächst ganz wörtlich, einen Übergang von einem Gebiet in ein anderes zu vollziehen.

    In Josua 1,2 steht der Übergang über den Jordan im Zusammenhang mit dem Einzug des Volkes Israel in das verheißene Land. Der Fluss markiert hier die Grenze zwischen der Wüstenzeit und einem neuen Abschnitt voller Verheißung und Neuanfang. Das Überschreiten des Flusses ist somit ein entscheidender Schritt in der Geschichte des Volkes. Es ist ein Übergang von Unsicherheit zu einer Zukunft, die von Gott zugesagt ist.

    In 2 Könige 5,14 wird der Fluss ebenfalls zu einem Ort der Wendung. Der Aramäer Naaman taucht auf Anweisung des Propheten Elischa siebenmal im Fluss unter und wird von seinem Aussatz geheilt. Hier wird der Fluss zum Symbol für Gehorsam, Vertrauen und Reinigung. Das „Hinübergehen“ bzw. das Handeln im Jordan führt zu einer tiefgreifenden Veränderung im Leben Naaman.

    Im übertragenen Sinn hat sich der Ausdruck „über den Jordan gehen“ später auch als Redewendung für das Sterben oder den Übergang aus dem Leben in einen anderen Zustand eingebürgert. Diese Bedeutung greift das Motiv des Übergangs auf: einen Wechsel von einem Zustand in einen anderen, oft mit tiefgreifender Veränderung verbunden.

    Im Kontext der Bibel steht der Jordan somit nicht nur für einen geografischen Fluss, sondern für Schwellenmomente im Leben. Er beschreibt Übergänge, die mit Vertrauen, Entscheidung und Veränderung verbunden sind – sei es im historischen, spirituellen oder übertragenen Sinn.

    Die Redewendung steht oft als Synonym dafür, das etwas kaputtgeht oder jemand stirbt. Bei Gegenständen und Sachen sprechen wir dann davon, dass etwas den Geist aufgibt, über die Wupper oder den Bach runtergeht. Bei Menschen dagegen heißt es, dass jemand aus dem Leben scheidet, das Zeitliche segnet oder die Augen für immer schließt.

  • Ein keuscher Josef sein

    Ein keuscher Josef sein Gen 39,7-10

    Der Ausdruck „ein keuscher Josef sein“ bezieht sich auf die Erzählung in Genesis (1. Mose 39,7–10). Joseph gelingt es, der Versuchung durch die Frau seines Herrn zu widerstehen. Sie versucht, ihn zu verführen, doch Josef lehnt entschieden ab und bleibt seiner moralischen und religiösen Überzeugung treu.

    Keuschheit bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als nur sexuelle Zurückhaltung. Sie steht für Integrität, Selbstbeherrschung und die Treue zu ethischen Grundsätzen – auch dann, wenn niemand zuschaut und wenn ein Fehlverhalten scheinbar Vorteile bringen könnte. Josef begründet seine Ablehnung nicht nur mit Loyalität gegenüber seinem Herrn, sondern vor allem mit seiner Verantwortung vor Gott: Er sieht in der Handlung eine Sünde gegen Gott.

    Die Geschichte zeigt, dass Keuschheit eine bewusste Entscheidung ist. Josef handelt nicht aus Zwang, sondern aus innerer Überzeugung. Trotz der möglichen Konsequenzen – in seinem Fall sogar Gefängnis – bleibt er standhaft. Damit wird er zu einem Vorbild für Treue und Charakterstärke in schwierigen Situationen.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass solche Geschichten nicht nur historische Erzählungen sind, sondern auch ethische Orientierung geben. „Ein keuscher Josef sein“ steht sinnbildlich für die Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen, klare Grenzen zu setzen und sich an das zu halten, was als richtig erkannt wird. Unabhängig von äußeren Drucksituationen.

    So wird Josef zu einem Beispiel dafür, dass wahre Stärke oft im Inneren liegt: in der Treue zu Gott, im Festhalten an Werten und im Mut, auch gegen Widerstände das Richtige zu tun.

    Eine weitere Bedeutung bekommt der Ausdruck durch den Ehemann der Maria, der ebenfalls Josef hieß. Ihm sagt man nach, dass er die schwangere Maria zu sich nahm, ohne sie zu berühren. Daher gilt er auch als Beispiel für die respektvolle Liebe, die eben nicht Besitz ergreifen will.
    Als keuschen Josef bezeichnet man einen Menschen, der sich sittsam und enthaltsam von Versuchungen fernhält. Die Bezeichnung für einen Mann, der als übertrieben brav und unnahbar erscheint, hat gerne einen ironisch-spöttischen Unterton.

  • Eine Josefsehe führen

    Eine Josefsehe führen Mt 22,30

    Der Ausdruck „eine Josefsehe führen“ bezieht sich auf die Aussage Jesu bei Matthäus (Mt 22,30). Dort erklärt er, dass es nach der Auferstehung keine ehelichen Beziehungen mehr in der Form gibt, wie sie im irdischen Leben bestehen. Jesus sagt dort, dass die Menschen „wie die Engel im Himmel“ sein und weder heiraten noch verheiratet werden.

    Der Begriff „Josefsehe“ leitet sich von der Vorstellung ab, dass eine Ehe bestehen kann, ohne dass sie sexuell vollzogen wird. Der Name „Josef“ verweist auf Joseph, den irdischen Vater Jesu. Der lebte mit Maria in einer ehelichen Beziehung, die nach der Überlieferung ohne geschlechtliche Vereinigung blieb. Eine „Josefsehe“ bezeichnet somit eine Ehe, die durch gegenseitige Treue, Verantwortung und Gemeinschaft geprägt ist, jedoch auf sexuelle Intimität verzichtet.

    Im Licht von Matthäus 22,30 wird deutlich, dass die irdische Ehe eine zeitliche Ordnung für das gegenwärtige Leben darstellt, die in der kommenden Wirklichkeit nicht in gleicher Weise fortbesteht. Die Aussage Jesu richtet den Blick auf eine zukünftige Existenzform. Dort stehen andere Beziehungen und eine andere Form der Gemeinschaft mit Gott im Mittelpunkt.

    Der Begriff „eine Josefsehe führen“ beschreibt oft eine Lebensform, die sich durch besondere geistliche Ausrichtung, Enthaltsamkeit und gegenseitige Hingabe auszeichnet. Im weiteren Kontext der Bibel verweist er auf die Spannung zwischen dem gegenwärtigen Leben und der zukünftigen Hoffnung. Die Ehe ist ein Geschenk für diese Welt. Sie weist aber zugleich über sich hinaus auf eine vollkommene Gemeinschaft mit Gott, in der andere Maßstäbe gelten.

    Paare, die eine Josefsehe führen wollen, treffen ganz bewusst die Entscheidung, in ihrer Ehe auf Intimität zu verzichten. Sie leben in einer verbindlichen Partnerschaft, sind aber sexuell enthaltsam. Damit versucht man, sich einem von Jesus beschriebenen engelsgleichen Ideal anzunähern das dieser aber nicht verbindlich gefordert, sondern als einen Weg für die dargestellt hat, die sich dazu berufen fühlen.

    Die Josefsehe gibt sogar wiederverheirateten Geschiedenen theoretisch die Möglichkeit, in ihrer katholischen Gemeinde wieder zur Kommunion zugelassen zu werden.

    Auch eine Ehe, bei der beide Partner von vorneherein auf Sex und Intimität verzichten, ist eine rechtlich gültige Ehe. Zu Problemen kann es dann aber kommen, wenn einseitig der Wunsch nach Nähe entsteht oder die Intimität verweigert wird.

  • Nicht ein Jota zurücknehmen

    Nicht ein Jota zurücknehmen Mt 5,18

    Der Ausdruck „nicht ein Jota zurücknehmen“ bezieht sich auf die Worte Jesu bei Matthäus (Mt 5,18), wo er betont, dass vom Gesetz nichts vergehen wird, „nicht ein Jota noch ein Strichlein“, bis alles erfüllt ist. Das „Jota“ ist dabei der kleinste Buchstabe im hebräischen Alphabet und steht sinnbildlich für das Geringste oder Unbedeutendste.

    Mit dieser Formulierung macht Jesus deutlich, dass Gottes Wort und seine Weisung Bestand haben und in ihrer ganzen Tiefe und Genauigkeit gültig bleiben. Es geht ihm nicht darum, das Gesetz zu relativieren oder aufzuheben, sondern es zu erfüllen und in seinem eigentlichen Sinn zur Geltung zu bringen. Selbst kleinste Bestandteile haben Bedeutung und werden nicht einfach übergangen oder verändert.

    „Nicht ein Jota zurücknehmen“ wird daher zu einem Ausdruck für Verlässlichkeit, Treue und die Unveränderlichkeit von Gottes Wort. Es unterstreicht, dass die göttliche Ordnung nicht willkürlich ist, sondern eine bleibende Grundlage bildet, an der sich das Leben orientieren kann. Diese Aussage ruft dazu auf, Gottes Wort ernst zu nehmen – nicht nur in seinen großen Linien, sondern auch in seinen scheinbar kleinen Details.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt sich hier eine Haltung, die sowohl Achtung vor der Überlieferung als auch ein vertieftes Verständnis einschließt. Es geht nicht um äußerliche Gesetzestreue allein, sondern um eine innere Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, der in allem Bestand hat – bis ins kleinste Zeichen hinein.

    Wenn heute im modernen Sprachgebrauch davon die Rede ist, dass kein Jota zurückgenommen werden soll, dann heißt das soviel wie „nicht das Geringste“ und sogar „gar nichts“. Nicht die Spur, kein bisschen, nicht die Bohne und nicht die geringste Kleinigkeit will man abweichen und schon gar keinen Millimeter Boden preisgeben von einer Abmachung, einer Meinung, einem Standpunkt oder einem vorgefassten Entschluss. Die Konsequenz und Unnachgiebigkeit, mit der an Vorgaben festgehalten wird, kann sehr vertrauen erweckend sein und Sicherheit vermitteln. Andererseits mögen Zusammenleben oder gar Zusammenarbeit mehr als nötig erschwert werden durch das eiserne Beharren auf Althergebrachtem.

  • Alle Jubeljahre einmal

    Alle Jubeljahre einmal 3.Mo. 25,8-10

    Der Ausdruck „alle Jubeljahre einmal“ bezieht sich auf die Vorschriften im Leviticus (3. Mose 25,8–10) zum sogenannten Jubeljahr. Nach sieben Sabbatjahren, also nach sieben mal sieben Jahren, wird das fünfzigste Jahr als besonderes Jahr ausgerufen. In diesem „Jubeljahr“ sollen Freiheit, Neuanfang und Ausgleich im Mittelpunkt stehen.

    Im biblischen Kontext bedeutet das Jubeljahr, dass Land, das verkauft wurde, an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben wird und verschuldete Menschen in ihre Freiheit entlassen werden. Schulden werden erlassen, Besitzverhältnisse neu geordnet und gesellschaftliche Ungleichgewichte ausgeglichen. Der Klang des „Jubelhorns“ (hebräisch „Jobel“) gibt diesem besonderen Jahr seinen Namen.

    Der Gedanke „alle Jubeljahre einmal“ hat sich später als Redewendung für etwas sehr Seltenes oder nur in großen Abständen Wiederkehrendes eingebürgert. Ursprünglich verweist er jedoch auf einen tiefen sozialen und theologischen Gedanken. Regelmäßige Zeiten, in denen Neustart möglich ist und niemand dauerhaft in Armut oder Abhängigkeit festgehalten werden soll.

    Im weiteren Zusammenhang der Bibel zeigt das Jubeljahr, dass Zeit nicht nur wirtschaftlich oder praktisch zu verstehen ist. Sie hat auch eine geistliche Dimension hat. Es erinnert daran, dass alles Eigentum letztlich Gott gehört und menschliche Verhältnisse nicht absolut sind. Das Jubeljahr ist somit ein Zeichen von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und der Möglichkeit eines Neuanfangs.

    So steht der Ausdruck „alle Jubeljahre einmal“ nicht nur für seltene Ereignisse. Er staht auch für die Hoffnung auf Erneuerung und Ausgleich – ein Prinzip, das im biblischen Denken tief verankert ist und das Zusammenleben der Menschen prägen soll.

    Wenn etwas alle Jubeljahre einmal vorkommt, dann kann man durchaus von Seltenheitswert sprechen. Und wenn damit die Möglichkeit für einen Neubeginn verbunden ist, dann umso besser.
    Gehen wir davon aus, dass ein Leben in Zeiten des Alten Testamentes 70 bis 80 Jahre dauerte. Dann wird mancher Mensch eine lange Zeit seines Lebens darauf gewartet haben, dass sich die Dinge wieder zum Guten ändern, dass Familieneigentum wieder zurückgegeben, Schulden erlassen oder geliebte Menschen wieder in dei Freiheit entlassen werden.

    Und wenn wir heute von alle Jubeljahre einmal sprechen, dann ist das einmal in einem halben Jahrhundert, also äußerst oder sehr selten, fast nie. Andere sprechen von nur gelegentlich, punktuell oder oder sehr rar,

  • Ein Judas, Judaskuss, Judaslohn bekommen

    Eine Judas, Judaskuss, Judaslohn bekommen
    Matthäus 26,14-16;46-49; Markus 14,43-45; Lukas 22,3-6.47-48; Johannes 18,2-3

    Der Ausdruck „einen Judas bekommen“, „Judaskuss“ oder „Judaslohn“ geht auf die Ereignisse rund um die Verhaftung Jesu zurück, wie sie in den Evangelien bei Matthäus (Mt 26,14–16; 26,46–49), bei Markus (Mk 14,43–45), bei Lukas (Lk 22,3–6; 22,47–48) und bei Johannes (Joh 18,2–3) beschrieben werden. Im Zentrum steht Judas Iscariot, einer der Jünger Jesu, der diesen an die religiösen Führer auslieferte.

    Der „Judaslohn“ bezeichnet den Geldbetrag, den Judas für seinen Verrat erhielt. Die biblische Erzählung berichtet, dass er dafür dreißig Silberstücke bekam. Dieser Lohn steht sinnbildlich für eine Belohnung, die auf Verrat, Treulosigkeit oder moralisch fragwürdigem Verhalten basiert. Der Begriff findet heute allgemein Verwendung, um eine Art „verräterischen Gewinn“ zu bezeichnen.

    Der „Judaskuss“ ist das äußere Zeichen, mit dem Judas Jesus in der Nacht seiner Verhaftung identifizierte. Mit einem Kuss, der normalerweise ein Zeichen von Nähe, Freundschaft und Respekt ist, markiert Judas Jesus gegenüber den Soldaten. Diese Geste macht den Verrat besonders deutlich, da sie ein Zeichen von Vertrauen in einen Akt der Täuschung verwandelt. Der Kuss steht somit symbolisch für den Gegensatz zwischen äußerer Freundschaft und innerem Verrat.

    Treue oder Verrat

    Die Erzählungen zeigen eindrücklich die Spannung zwischen Nähe und Abkehr, Vertrauen und Verrat. Judas war Teil der Jüngerschaft Jesu und dennoch entschied er sich für einen Weg, der zu dessen Auslieferung führte. Diese Geschichte hat den Begriff „Judas“ zu einem Symbol für Verrat werden lassen, das bis heute in Sprache und Kultur nachwirkt.

    Im weiteren Kontext der Bibel erinnern diese Begriffe daran, wie eng menschliche Entscheidungen mit Verantwortung verbunden sind. „Judaslohn“ und „Judaskuss“ stehen sinnbildlich für Handlungen, bei denen äußere Gesten und innere Absichten auseinanderfallen – und mahnen zur Echtheit, Treue und Aufrichtigkeit im Umgang mit anderen.

    Das Motiv, ein zentrales Thema in christlicher Kunst, Literatur und Musik, steht sprichwörtlich für Heuchelei, Täuschung und den Verrat durch einen engen Freund oder Vertrauten.

  • Eine Jugendsünde begehen

    Eine Jugendsünde begehen Ps 25,7

    Der Ausdruck „eine Jugendsünde begehen“ steht im Zusammenhang mit Psalms (Ps 25,7), wo der Beter Gott bittet, sich nicht an die Sünden seiner Jugend zu erinnern. Dieser Vers bringt die Einsicht zum Ausdruck, dass frühe Lebensphasen oft von Unreife, Fehlentscheidungen und mangelnder Erfahrung geprägt sind.

    Eine „Jugendsünde“ bezeichnet dabei ein Fehlverhalten in jungen Jahren, das aus Unwissenheit, Impulsivität oder mangelnder Reife entstanden ist. Der biblische Kontext zeigt jedoch, dass solche Verfehlungen nicht einfach verdrängt werden, sondern bewusst vor Gott gebracht werden. Der Beter vertraut darauf, dass Gott barmherzig ist und nicht nur die Taten sieht, sondern auch die Entwicklung des Menschen im Blick hat.

    Die Bitte in Psalm 25,7 ist zugleich ein Ausdruck von Reue und Hoffnung. Reue, weil die eigenen Fehler erkannt und nicht verharmlost werden; Hoffnung, weil Gott als gnädig und vergebend beschrieben wird. Es geht darum, Vergangenes nicht als endgültige Last zu betrachten, sondern als Teil eines Weges, auf dem Vergebung und Neuanfang möglich sind.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass der Mensch nicht auf seine frühen Fehler festgelegt ist. Die Erinnerung an „Jugendsünden“ kann zwar beschämend sein, doch sie ist auch eine Gelegenheit zur Umkehr und zur Reifung. Gott wird hier als einer dargestellt, der vergibt, leitet und den Menschen auf seinem weiteren Lebensweg begleitet.

    So steht der Ausdruck „eine Jugendsünde begehen“ nicht nur für einen Fehltritt in jungen Jahren, sondern auch für die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit neu zu beginnen.

    Eine Jugendsünde begehen bedeutet, dass junge Menschen im jugendlichen Übermut manchmal Fehlentscheidungen treffen und Dummheiten machen. Oder sie leisten sich den einen oder anderen Ausrutscher, den sie bei etwas Überlegung vermieden hätten. Als Erwachsene werden sie drüber schmunzeln, manches bereuen oder verharmlosen. Und mancher wird Schwänke und Geschichten aus seiner Jugend erzählen können über Wettstreit, Rausch und Liebelei.

  • Wie die Jungfrau zum Kind

    Wie die Jungfrau zum Kind Lk. 1,30

    Der Ausdruck „wie die Jungfrau zum Kind“ geht zurück auf die Verkündigung der Geburt Jesu bei Lukas (Lk 1,30). In diesem Zusammenhang erscheint der Engel Gabriel bei Mary und kündigt ihr an, dass sie einen Sohn empfangen und gebären wird, obwohl sie keine Beziehung zu einem Mann hatte. Die Aussage verweist somit auf ein außergewöhnliches, menschlich nicht erklärbares Geschehen.

    Im biblischen Kontext steht dieses Ereignis im Zentrum der Weihnachtsgeschichte. Es wird als Wirken Gottes verstanden, der in das Leben der Menschen eingreift und Neues schafft. Die Empfängnis Jesu wird nicht als gewöhnlicher biologischer Vorgang beschrieben. Sie gilt als Zeichen göttlicher Initiative und Gnade. Maria reagiert auf die Ankündigung mit Vertrauen und Offenheit gegenüber Gottes Plan.

    Der Ausdruck „wie die Jungfrau zum Kind“ hat sich im Sprachgebrauch zu einer Redewendung entwickelt, die etwas überraschend, unerwartet oder scheinbar aus dem Nichts entstanden beschreibt. Oft wird damit eine Situation bezeichnet, in der etwas plötzlich geschieht, ohne dass es vorhersehbar war oder aus einer erkennbaren Ursache hervorging.

    Etwas ist geschehen völlig unerklärlich und wie durch ein Wunder. Dabei geschah es ohne jede Vorbereitung oder eine Absicht. Weder durch eigenes Zutun noch bewusste Planung. Sie oder er kam dazu wie die Jungfrau zum Kind oder es fiel ihr/ihm in den Schoß. Sei es plötzlicher Reichtum oder Besitz, eine neue Position oder eine Aufgabe.
    Und die Schilderung des überraschenden Geschehens geschieht natürlich nicht ohne die zugehörige Portion Ironie.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass die Geschichte nicht nur ein außergewöhnliches Ereignis beschreibt, sondern auch eine theologische Botschaft trägt: Gott handelt auf unerwartete Weise und überschreitet menschliche Vorstellungen und Möglichkeiten. Die Erzählung lädt dazu ein, offen zu sein für das, was über das Gewohnte hinausgeht, und Vertrauen in Gottes Wirken zu haben, auch wenn es sich nicht vollständig erklären lässt.

  • Beim Jüngsten Gericht – Am jüngsten Tag

    Beim Jüngsten Gericht – Am jüngsten Tag Mt 25, 31-32

    Der Ausdruck „beim Jüngsten Gericht“ bzw. „am jüngsten Tag“ bezieht sich auf die Worte bei Matthäus (Mt 25,31–32), wo Jesus eine Endzeitvision beschreibt. Der Menschensohn kommt in seiner Herrlichkeit, begleitet von allen Engeln, und setzt sich auf den Thron seiner Herrlichkeit. Vor ihm werden alle Völker versammelt. Und er trennt sie voneinander, wie ein Hirte die Schafe von den Ziegen trennt.

    Das Bild des „Jüngsten Gerichts“ steht für die Vorstellung eines abschließenden göttlichen Urteils über das Leben und Handeln der Menschen. Es ist der Moment, in dem Wahrheit und Gerechtigkeit offenbar werden. Die Trennung in „Schafe“ und „Böcke“ ist dabei ein Gleichnis, das unterschiedliche Haltungen und Lebensweisen symbolisiert. Insbesondere im weiteren Verlauf des Textes die Frage, wie Menschen mit ihren Mitmenschen umgegangen sind.

    Dieses Jüngste Gericht, das auch als Weltgericht oder Letztes Gericht bezeichnet wird, kommt in den drei abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum, Islam vor und bezeichnet das endzeitliche Gottesgericht über alle Menschen

    Im biblischen Verständnis geht es beim „jüngsten Tag“ nicht nur um Gericht im Sinne von Strafe, sondern auch um Offenbarung und Gerechtigkeit. Verborgene Taten werden dann sichtbar. Und das Leben eines jeden Menschen wird im Licht Gottes beurteilt. Gleichzeitig zeigt der Zusammenhang in Matthäus 25, dass Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit und gelebte Nächstenliebe eine zentrale Rolle spielen.

    Das letzte?

    Aus dem althochdeutschen „jungist“ wurde „jüngster“, das heißt „letzter“. Der jüngste Tag steht also für den letzten Tag der Zeitrechnung.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass diese Vorstellung Menschen dazu einlädt, ihr Leben bewusst und verantwortungsvoll zu gestalten. Der Gedanke an das Jüngste Gericht ist nicht nur warnend, sondern auch orientierend. Er erinnert daran, dass das eigene Handeln Bedeutung hat und vor Gott Bestand haben soll.

    So beschreibt der „jüngste Tag“ eine endgültige Perspektive, in der Gerechtigkeit, Wahrheit und Gottes Urteil zusammenkommen. Und in der das menschliche Leben in seiner Tiefe und Verantwortung sichtbar wird.

  • Einen Kahlkopf haben

    Einen Kahlkopf haben 2 Kg 2,23-24

    Der Ausdruck „einen Kahlkopf haben“ aus 2. Könige 2,23–24 steht in einer Erzählung über den Propheten Elisha. Als Elischa nach Bethel hinaufzieht, begegnen ihm einige junge Leute, die ihn verspotten und ihm zurufen: „Komm herauf, Kahlkopf! Komm herauf, Kahlkopf!“ Darauf reagiert Elischa mit einem Fluch, woraufhin Bären aus dem Wald herauskommen und die Spötter angreifen.

    Die Bezeichnung „Kahlkopf“ ist hier als spöttische und respektlose Beleidigung zu verstehen. Sie richtet sich nicht nur gegen das äußere Erscheinungsbild, sondern dient als Ausdruck von Geringschätzung gegenüber dem Propheten und damit indirekt auch gegenüber seiner göttlichen Sendung. In der damaligen Kultur war die Respektlosigkeit gegenüber einem Gottesmann ein ernstes Vergehen.

    Die Erzählung verdeutlicht die Bedeutung von Achtung gegenüber göttlicher Autorität und gegenüber Personen, die im Namen Gottes sprechen. Der Vorfall zeigt, dass Spott und Verhöhnung nicht folgenlos bleiben, sondern Konsequenzen haben können. Dabei geht es weniger um die äußere Bezeichnung „Kahlkopf“ an sich, sondern um die dahinterstehende Haltung von Respektlosigkeit und Ablehnung.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Geschichte häufig als Mahnung verstanden, mit Worten und Verhalten verantwortungsvoll umzugehen. Sie zeigt, dass Sprache Macht hat und dass abwertende oder spöttische Äußerungen nicht nur verletzen, sondern auch tiefgreifende Folgen haben können.

    So steht der Ausdruck in dieser biblischen Szene exemplarisch für eine respektlose Anrede, die über eine bloße Beschreibung hinausgeht und eine Haltung der Missachtung ausdrückt – mit entsprechenden Konsequenzen im erzählten Geschehen.

    Allzumenschliches

    Auf den Kopfschmuck mittels Frisuren aus dem eigenem Kopfhaar, unter Verwendung von Haarteilen, Perücken oder anderem wird von den Menschen seit Alters her großer Wert gelegt. In vielen Kulturen haben Menschen ihr Kopfhaar nach geltenden Moden und Normen hergerichtet, um z.B. ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu zeigen oder ihre besondere Stellung auszudrücken.

    Die (altersbedingte) Glatze wird oft als unattraktiv und Zeichen des Alters gesehen, während volles und langes Haar für Vitalität und Fitness steht.

  • Das Kainsmal

    Das Kainsmal oder -zeichen ist ein göttliches Zeichen, das ein Schuldiger trägt, und welches ihn schützen soll vor aller Welt und Rache. 1. Mose 4,15

    Hintergrund: Die beiden Brüder Kain und Abel opfern ihrem Gott; dabei wird Abels Opfer angenommen, Kains dagegen nicht. Kain sinnt auf Rache und erschlägt schließlich im Zorn seinen Bruder. Damit wird er zum ersten Mörder der Menschheitsgeschichte und zum Brudermörder.
     Von Gott zur Rede gestellt, leugnet er zunächst. Gott ist entsetzt über die Tat und verflucht Kain, sagt sogar, dass Kain von seinem Acker nicht mehr wird ernten können. Kain erkennt seine große Schuld und seine hilflose Lage im Angesicht von Gottes Fluch, und er schreit seine Scham und Schuld heraus. Daraufhin lässt Gott Gnade walten und verpasst dem Kain ein Zeichen, dass ihn schützen soll vor jeder Blutrache. Auch der Brudermörder soll weder schutz- noch rechtlos sein. Das Kainsmal ist also weniger Schandfleck als Schutzzeichen.

    Heute dagegen wird gilt das Kainszeichen als Stigmatisierung von Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, seien es Kriegs- oder politische Parteien oder sonstige Personen, denen ein kritikfähiges Verhalten vorgeworfen wird. 1. Mose 4,15

    Menschlich gesehen

    Nach einem gemeinsamen Opfer muss Kain feststellen, dass sein Bruder ihm irgendwie etwas voraus hat. Abels Opfer ist vor Gott angenehm, Kains Opfer nicht. Abel ist erfolgrteich, sein Bruder hat das Nachsehen. Der Neid des Bruders wird zu Hass, und daraus wird schließlich der erste Mord der Menschheitsgeschichte.

    Wie soll man eine solche Tat sühnen? Was ist gerecht? Welche Strafe kann einen Mord, sogar einen Brudermord ausgleichen? – Gott straft Kain, den Brudermörder hart, aber er lässt ihm das Leben. Und er verpasst ihm ein Mal, ein Zeichen, dass zeigt, daß der Mensch Kain trotz der schweren Schuld als Geschöpf Gottes unter dem Schutz desselben steht.

    Heute ist das Kainsmal sowohl ein Schutzzeichen im biblischen Sinn als auch ein Stigma, ein Brandmal, das die Last einer schweren Verfehlung zeigt. Wer sich etwas zu Schulden hat kommen lassen, der wird dieses Stigma als Kainszeichen zeitlebens mit sich tragen.

  • Ein Kainszeichen tragen

    Ein Kainszeichen tragen Gen 4,10-15

    Das Kainsmal oder -zeichen ist ein göttliches Zeichen, das ein Schuldiger trägt, und welches ihn schützen soll vor aller Welt und Rache. 1. Mose 4,15

    Der Ausdruck „ein Kainszeichen tragen“ geht auf die Erzählung in Genesis (1. Mose 4,15) zurück, in der Kain nach dem Mord an seinem Bruder Abel von Gott angesprochen wird. Als Kain die Konsequenzen seiner Tat fürchtet, setzt Gott ein „Zeichen“ an ihn, um ihn zu schützen: Niemand soll ihn töten.

    Das „Kainszeichen“ ist dabei kein Strafinstrument im engeren Sinn, sondern ein Schutzzeichen. Es dient dazu, Kain vor Vergeltung zu bewahren und sein Leben trotz seiner Schuld zu erhalten. Gleichzeitig macht es seine Tat sichtbar und erinnert an die schwere Schuld, die er auf sich geladen hat. Das Zeichen steht somit in einer Spannung zwischen Gericht und Barmherzigkeit.

    „Ein Kainszeichen tragen“ heute oft verwendet, um jemanden zu beschreiben, der durch eine besondere Schuld oder ein Makel gekennzeichnet ist, der sichtbar oder zumindest bekannt ist. Es kann auch allgemein für eine Last stehen, die jemand mit sich trägt und die ihn von anderen unterscheidet.

    Im biblischen Kontext zeigt die Geschichte, dass selbst nach schwerer Schuld ein völliger Ausschluss oder die endgültige Vernichtung nicht das letzte Wort haben. Gott setzt ein Zeichen, das sowohl die Verantwortung für die Tat als auch den Schutz des Täters umfasst. Dadurch wird deutlich, dass göttliches Handeln sowohl Gerechtigkeit als auch Bewahrung beinhaltet.

    In der Bibel erinnert das „Kainszeichen“ daran, dass Schuld und Barmherzigkeit nebeneinanderstehen können. Es ist ein vielschichtiges Symbol für die Folgen menschlichen Handelns, aber auch für die Möglichkeit, dass Leben bewahrt wird, selbst wenn es von Schuld geprägt ist.

    Und heute?

    Heute hat sich die Bedeutung des Kainszeichens geändert. Menschen, die einen Fehler begangen oder eine Schuld auf sich geladen haben, tragen dieses Image oder Stigma zeit ihres Lebens mit sich. Sie werden oft und in den Augen anderer immer die Täter einer längst vergangenen Tat bleiben; der Betrüger, der Dieb, der Gewalttäter, der Raser, usw.

  • Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist

    Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist Matthäus 22,21b; Markus 12,17; Lukas 20,25

    Der Satz „Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“ stammt aus den Evangelien Matthäus (Mt 22,21b), Markus (Mk 12,17) und Lukas (Lk 20,25). Er geht auf eine Antwort von Jesus Christus zurück. Der wird von Gegnern gefragt, ob es erlaubt sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen.

    Jesus wird dabei eine Falle gestellt. Wird er die Steuer bejahen, könnte man ihn als Unterstützer der römischen Besatzungsmacht darstellen. Wird er die Steuer ablehnen, könnte man ihn als Aufrührer anklagen. Seine Antwort „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ durchbricht jedoch diese Falle und lenkt die Frage auf eine grundsätzliche Ebene.

    Mit diesem Satz macht Jesus deutlich, dass es unterschiedliche Bereiche von Verantwortung gibt. Einerseits haben staatliche Autoritäten Anspruch auf bestimmte Abgaben und Pflichten im gesellschaftlichen Zusammenleben. Andererseits bleibt Gott der letztgültige Bezugspunkt für das Leben des Menschen. Die Antwort Jesu stellt somit keine einfache Trennung dar. Sie weist vielmehr auf eine doppelte Zugehörigkeit hin. Der Mensch lebt in einer weltlichen Ordnung, steht aber zugleich in Beziehung zu Gott.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“, die Anerkennung legitimer staatlicher Ordnung und die Erfüllung bürgerlicher Pflichten. Gleichzeitig betont die Antwort Jesu, dass diese Verpflichtungen nicht absolut sind, sondern in einem größeren Rahmen stehen. In diesem soll Gott immer den obersten Anspruch haben.

    Im Kontext der Bibel zeigt dieser Satz eine ausgewogene Haltung zwischen Verantwortung gegenüber der weltlichen Ordnung und Treue gegenüber Gott. Er lädt dazu ein, die eigenen Pflichten bewusst wahrzunehmen, ohne dabei die tiefere, geistliche Ausrichtung des Lebens aus dem Blick zu verlieren.

  • Ein fettes Kalb schlachten

    Ein fettes Kalb schlachten Lukas 15,23

    Der Ausdruck „ein fettes Kalb schlachten“ stammt aus dem Lukasevangelium (Lk 15,23) und gehört zum Gleichnis vom verlorenen Sohn. Jesus Christ erzählt darin von einem Vater, der seinen zurückkehrenden Sohn mit großer Freude empfängt, nachdem dieser sein Erbe verschwendet und in Not geraten ist.

    Das „fette Kalb“ war in der damaligen Zeit ein besonderes Tier, das für festliche Anlässe reserviert war. Es zu schlachten bedeutete, ein großes Fest auszurichten. Ein besonderer Anlass ist gebührend zu feiern. Im Gleichnis steht diese Handlung für die außergewöhnliche Freude des Vaters über die Rückkehr seines Sohnes. Die Feier symbolisiert Vergebung, Wiederaufnahme in die Familie und einen Neuanfang.

    Der Ausdruck wird heute oft verwendet, um eine große Feier oder einen besonderen Anlass zu beschreiben, bei dem man sich etwas Besonderes gönnt. Ursprünglich verweist der Ausdruck jedoch auf die tiefere Bedeutung der Versöhnung. Er zeigt die Freude über Wiederherstellung einer zerbrochenen Beziehung.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt das Gleichnis, dass Vergebung nicht nur ein innerer Akt ist, sondern auch Ausdruck in konkreten Zeichen der Freude und des Feierns findet. Die Reaktion des Vaters macht deutlich, dass Rückkehr und Umkehr willkommen sind und mit offenen Armen und großzügiger Freude beantwortet werden.

    So steht das „fette Kalb“ im Gleichnis als Symbol für überströmende Freude, Annahme und die Feier eines Neubeginns, der aus Vergebung und Versöhnung entsteht.

    Von wegen ein Kalb schlachten

    Bei aller Freude über ein bestimmtes Ereignis, bei aller Begeisterung für das Fest müssen doch ein paar Vorgaben beachtet werden. Die Schlachtung eine Kalbes muss nach strengen Regeln ablaufen. Hier spielt der Tierschutz eine wichtige Rolle (auch wenn dem Tier gerade das Leben genommen wird). Andererseits kommt es der Fleischqualität sehr zugute, wenn ein Tier stressfrei getötet wird. Ein Tier dagegen, dass gestresst ist, erschreckt wird und flüchten will, würde Hormone produzieren, die die Fleischqualität negativ beeinflussen.

  • Um das goldene Kalb tanzen

    Um das goldene Kalb tanzen 2. Mose 32,8

    Der Ausdruck „um das goldene Kalb tanzen“ geht auf die Erzählung in Exodus (2. Mose 32,8) zurück. In dieser Szene wird beschrieben, was geschieht, während Mose auf dem Berg Sinai verweilt. Das Volk Israel fertigt ein goldenes Kalb als Götzenbild an und betet es auch an. In Abwesenheit ihres Anführers wenden sich die Menschen von dem Gott ab, der sie aus Ägypten geführt hat. Sie suchen sich ein sichtbares, greifbares Objekt der Verehrung.

    „Um das goldene Kalb tanzen“ beschreibt die ausgelassene, aber zugleich fehlgeleitete Verehrung dieses selbstgemachten Götzen. Das Tanzen steht dabei für die festliche, aber in diesem Fall religiös fehlgeleitete Feier rund um das Götzenbild. Die Szene zeigt eine Mischung aus Unsicherheit, Ungeduld und dem Wunsch nach unmittelbarer, sichtbarer Sicherheit, die das Vertrauen auf den unsichtbaren Gott verdrängt.

    Im übertragenen Sinn wird der Ausdruck heute verwendet, um eine Haltung zu beschreiben, in der Menschen materiellen Dingen, Macht oder äußeren Werten eine übermäßige Bedeutung beimessen. „Um das goldene Kalb tanzen“ kann somit für das Streben nach Geld, Erfolg oder anderen weltlichen Zielen stehen, denen ein nahezu kultischer Stellenwert eingeräumt wird.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird die Geschichte des goldenen Kalbes zu einem warnenden Beispiel für den Verlust von Orientierung und Vertrauen. Sie zeigt, wie schnell Menschen sich von grundlegenden Werten und von ihrem Glauben entfernen können, wenn Unsicherheit oder Ungeduld überhandnehmen.

    So steht die Redewendung sinnbildlich für die Gefahr, äußeren oder materiellen Dingen eine zentrale Rolle im Leben zu geben und dabei das eigentliche Fundament aus dem Blick zu verlieren.

    Allzumenschliches

    Wenn Menschen dem Mammon dienen, wenn nur die Rendite zählt, dann ist das oft ein Tanz ums goldene Kalb. Die Redewendung beschreibt eine Fixierung auf materielle Dinge oder den überhöhten Kult, der über Ideen, Personen oder Projekte veranstaltet wird. Kulturelle Werte, ethische Grundsätze treten in den Hintergrund. Sie haben dem Schein, der Gier und falchen Idealen, z.B. Gled, Luxus und Macht, den Vortritt zu lassen.

  • Mit fremdem Kalbe pflügen

    Mit fremdem Kalbe pflügen Richter 14,8

    Der Ausdruck „mit fremdem Kalbe pflügen“ stammt aus Richter 14,8 und steht im Zusammenhang mit der Geschichte von Samson. In der Erzählung gibt Samson ein Rätsel auf, dessen Lösung seine Gegner durch Drohung und Druck von seiner Frau erlangen. Dadurch verrät sie das Geheimnis an die anderen, und Samson erkennt, dass seine Worte auf indirekte Weise „ausgebeutet“ wurden.

    Der Ausdruck selbst ist ein Bild für unrechtmäßiges oder unlauteres Verhalten. „Mit fremdem Kalbe pflügen“ bedeutet sinngemäß, sich etwas zunutze zu machen, was einem nicht gehört, oder durch Umwege an Informationen oder Vorteile zu gelangen, die man eigentlich nicht hätte erlangen dürfen. Es beschreibt also ein Vorgehen, das auf Täuschung, Ausnutzung oder indirekter Beschaffung beruht.

    Im übertragenen Sinn wird die Redewendung heute verwendet, um Situationen zu charakterisieren, in denen jemand auf unfaire Weise profitiert oder sich fremder Mittel bedient, um eigene Ziele zu erreichen. Dabei schwingt eine kritische Bewertung mit, da ein solches Verhalten gegen Regeln von Fairness und Ehrlichkeit verstößt.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt die Szene um Samson, wie zwischenmenschliche Beziehungen durch Misstrauen und Druck belastet werden können. Die Geschichte macht deutlich, dass Geheimnisse und Vertrauen verletzlich sind und dass unlautere Mittel letztlich zu Konflikten und Enttäuschung führen können.

    Die Redewendung steht sinnbildlich für ein Vorgehen, das nicht auf eigener Leistung oder ehrlichem Weg beruht, sondern sich fremder Mittel oder Wege bedient, um einen Vorteil zu erlangen.

    So was von menschlich?

    Menschen, die mit fremdem Kalbe pflügen, schmücken sich auch gerne mit fremden Federn. Man erntet, wo man vorher nicht gesät hat, nutzt fremde Arbeit oder Hilfe, anstatt sich selber zu bemühen. Das Bild vom Arbeiten mit einem Nutztier, das einem nicht gehört, steht für die Ausnutzung der Arbeit anderer Menschen. Hier wird einfach abgepinnt, abgekupfert und unerlaubt kopiert. Dabei werden nicht selten Urheberrechte verletzt. Und man spricht dann auch gelegentlich vom Plagiat, einer modernen Form, sich literarisch und wissenschaftlich hervorzutun. (*Ironiemodus aus!*)

  • Weder kalt noch warm

    Weder kalt noch warm Offb.3,15

    Der Ausdruck „weder kalt noch warm“ stammt aus der Offenbarung des Johannes (Offb 3,15) und ist Teil der Mahnung an die Gemeinde in Laodizea. Jesus Christ richtet dort Worte an die Gemeinde und kritisiert ihre geistliche Haltung als lau und unentschlossen.

    Mit den Bildern „kalt“ und „warm“ beschreibt der Text zwei gegensätzliche Zustände: „warm“ steht für eine lebendige, engagierte und überzeugte Glaubenshaltung, während „kalt“ zumindest eine klare, wenn auch ablehnende Position darstellen kann. Die Redewendung bezeichnet eine Haltung der Gleichgültigkeit, Halbherzigkeit und inneren Unentschiedenheit. Gerade diese Lauheit wird im Text besonders kritisch bewertet, weil sie weder echte Ablehnung noch echte Hingabe erkennen lässt.

    Die Gemeinde in Laodizea war offenbar materiell wohlhabend und äußerlich gut gestellt, hatte jedoch ihre geistliche Orientierung verloren. Die Mahnung zielt darauf ab, sich der eigenen Situation bewusst zu werden und eine klare Haltung einzunehmen. Die Metapher verdeutlicht, dass eine gleichgültige oder oberflächliche Einstellung im Glauben nicht ausreicht.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird der Ausdruck „weder kalt noch warm“ zu einem Bild für innere Unentschlossenheit und mangelnde Konsequenz. Er erinnert daran, dass Glauben mehr ist als äußere Zugehörigkeit oder Routine, sondern eine bewusste und lebendige Beziehung erfordert.

    Somit steht dieser Satz sinnbildlich für die Kritik an Gleichgültigkeit und Halbherzigkeit und ruft dazu auf, eine klare, aufrichtige und engagierte Haltung einzunehmen, anstatt zwischen verschiedenen Zuständen zu verharren.

    Allzumenschliches

    Der Ausdruck fordert eigentlich dazu auf, sich zu entscheiden: vor oder zurück, rechts oder links, oben oder unten. Die Frage lautet dann: „Willst du jetzt oder willst du nicht?!“

    Als Synonym kennen wir auch den Ausdruck „Weder Fisch noch Fleisch„. Eine Person kann oder will sich nicht entscheiden, bleibt indifferent, unentschlossen. Man (oder frau) müsste sich ja festlegen, müsste auch zu einer getroffenen Entscheidung stehen und Verantwortung übernehmen. Und sei es nur die Verantwortung für eben diese getroffene Entwscheidung.

    Die Redensart beschreibt einen ‚lauwarmen‚, gleichgültigen Zustand, der als angepasst, wankelmütig oder charakterlos empfunden wird. Und im folgenden heißt es dann auch kosequenter Weise: „Weil du aber lau bist, will ich dich ausspeien aus meinem Mund.“ – Weil du dich ewig nicht entscheiden kannst, spielst du bei meinen weiteren Planungen keine Rolle mehr. Ich möchte mich auf die Menchen in meiner Umgebung verlassen können, und ich habe keine Lust und keine Zeit für solche Spielchen.

  • Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr

    Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr
    (Matthäus 19,24, Markus 10,25, Lukas 18,25)

    Der Ausdruck „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ stammt aus den Evangelien von Matthäus (Mt 19,24), Markus (Mk 10,25) und Lukas (Lk 18,25). Jesus verwendet dieses Bild im Gespräch mit seinen Jüngern, nachdem ein reicher Mann traurig weggegangen ist, weil er seinen Besitz nicht aufgeben wollte, um Jesus nachzufolgen.

    Das Bild vom Kamel, das durch ein Nadelöhr gehen soll, ist eine drastische Übertreibung und verdeutlicht die Unmöglichkeit eines solchen Vorgangs. Es dient als anschauliche Metapher, um zu zeigen, wie schwierig es ist, dass ein Mensch, der stark an seinen Reichtum gebunden ist, in das Reich Gottes gelangt. Dabei geht es nicht allein um materiellen Besitz, sondern um die innere Haltung: Wer sich zu sehr an weltliche Sicherheiten klammert, findet schwer Zugang zu einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott.

    Jesus macht deutlich, dass Reichtum eine Herausforderung darstellen kann, wenn er zum Zentrum des Lebens wird. Die Jünger reagieren entsprechend erstaunt, denn die Aussage widerspricht der damaligen verbreiteten Vorstellung, dass Reichtum ein Zeichen von Gottes Segen sei. Jesus stellt jedoch klar, dass nicht äußere Umstände entscheidend sind, sondern die innere Bereitschaft, sich Gott anzuvertrauen.

    Das Bild wird oft als Hinweis darauf verstanden, dass menschlich Unmögliches bei Gott möglich ist. Es unterstreicht die Grenzen menschlicher Möglichkeiten und lenkt den Blick auf Gottes Handeln, das auch dort neue Wege eröffnen kann, wo aus menschlicher Sicht keine bestehen.

    So steht „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ sinnbildlich für etwas, das extrem unwahrscheinlich oder unmöglich erscheint, und zugleich für die Herausforderung, sich von inneren Bindungen zu lösen, um Raum für Vertrauen, Glauben und Offenheit gegenüber Gott zu schaffen.

    Die enge Pforte

    In Mt 7,13-14 lädt Jesus dazu ein, durch die enge Pforte zu gehen, denn das Tor sei eng und der Weg sei schmal, der zum ewigen Leben führt. – In dem aktuellen Gleichnis von dem Kamel, das eben nicht durch ein Nadelöhr geht, erklärt Jesus anhand eines grotesken Bildes, das es reichen Menschen nicht möglich ist – und nur wegen ihres Reichtums – ins Himmelreich zu kommen kommen. Er fügt aber an, dass es durch Gottes Gnade einen Ausweg gibt.

    Es ist ja nicht das einzige Mal, dass Jesus mit solchen Beispielen seine Zuhörer belehrt (vgl. Mk.10,23ff.;9,42,Mt.5,13;6,3;7,4;8,22). Er sagt aber auch, dass es nicht unmöglich ist, zu Gott zu finden, denn es ist allein die Gnade Gottes, die völlig unverdient den Menschen das Reich Gottes schenkt.

    Ist Reichtum wirklich nur immer der Schotter, die Knete oder die Mörderkohle, die ein Mensch auf dem Konto hat? Oder kann Reichtum auch aus den vielen kleinen Dingen bestehen, die wichtiger sind als unsere Beziehung zu Gott ? – Nein, nicht die Sünde, die von Gott trennt, sondern die Kleinigkeiten, die wichtiger sind als unsere Beziehung zu Gott.

    Saulus von Tarsus gehört in seiner Zeit zur Bildungselite, diese Bildung ist sein Reichtum. Später bekennt er, nichts zu wissen als Jesus (1. Kor. 2,2). allein. In der Zeit, aus der Jesus durch sein Gleichnis zu uns spricht, ist für die einfachen Menschen deren (Groß-)Familie Reichtum und Sicherheit. Denen sagt Jesus, sie können nur seine Jünger werden, wenn sie die Familie völlig zurückstellen (Lk. 14,26).

    Und noch einmal die Frage: Was ist hier eigentlich mit Reichtum gemeint?

    Ein Ausweg vor dem Nadelöhr?

    Wie denn? Kann man dem Nadelöhr noch ausweichen? – Ich denke: Nein.

    In dem Gleichnis von dem Kamel und dem Nadelöhr unterstreicht Jesus mit einem Adynaton*, dass es für einen Reichen schier unmöglich ist, ins Reich Gottes zu kommen.

    Jesus sagt nicht einfach, dass ein Reicher nicht ins Himmelreich kommen könne. Stattdessen behauptet er, bevor das geschieht und ein Reicher ins Reich Gottes kommt, passiert das Unmögliche, und das große Kamel geht durch ein winzig kleines Nadelöhr.

    Dieses Bild ist unmissverständlich, und die Reaktion der Jünger scheint das zu bestätigen. Als Juden gehen sie davon aus, dass ein gewisser Kontostand durchaus als ein Zeichen göttlichen Wohlgefallens und Segens zu verstehen ist. Manche von ihnen sind wohlhabend und finanzieren die Mission Jesu und seiner Jünger, andere haben ihre Familie und den Arbeitsplatz verlassen um ihm nachzufolgen, und einige werden wie – vorsichtig formuliert – vor den Kopf gestoßen sein, als sie hören, was Jesus von Reichtum hält. Das bekommt er von Petrus im folgenden Gespräch auch deutlich zu hören.

    Jesus lenkt ein; er sagt den Jüngern zu, dass es die Gnade Gottes sei, die dem Menschen ermögliche, an seiner Neuen Welt teilzuhaben, und dass es keine Angelegenheit eigenen Verdienstes oder eigener Größe ist, zum Werk des Herrn zu gehören und ins Himmelreich zu kommen. Dann verspricht er den Jüngern vielfache Belohnung, warnt aber auch wieder, dass die Ersten Letzte und die Letzten Erste werden können. (Mt,19,26-30) Von finanziellem Reichtum ist hier nicht die Rede, eher von Dünkel.

    * – Ein Adynaton ist ein rhetorischer Trick, eine Aussage, die sich auf etwas Unmögliches beruft, um dadurch zu bestätigen, dass etwas auf keinen Fall geschehen kann.

    Die oben stehenden Texte „Die enge Pforte“ und „Ein Ausweg vor dem Nadelöhr“ stammen aus meinem Buch „Gleichnisse des Jesus von Nazareth: Kreuz und quergedacht„, Frank Weber, BoD, 2025

  • Einen guten Kampf führen

    Einen guten Kampf führen 1.Tim.6,12; 2 Tim 4,7-8

    Der Ausdruck „einen guten Kampf führen“ stammt aus den Pastoralbriefen des Neuen Testaments, insbesondere aus 1 Timotheus (1 Tim 6,12) und 2 Timotheus (2 Tim 4,7–8). Er wird im Zusammenhang mit dem Apostel Paulus verwendet, der sein Leben und seinen Glaubensweg mit einem Kampf vergleicht.

    Mit „Kampf“ ist hier nicht ein gewaltsamer Konflikt gemeint, sondern ein Bild für den Einsatz, die Anstrengung und die Ausdauer, die ein Leben im Glauben erfordert. „Den guten Kampf des Glaubens kämpfen“ bedeutet, an der eigenen Überzeugung festzuhalten, trotz Widerständen standhaft zu bleiben und sich nicht von äußeren oder inneren Herausforderungen abbringen zu lassen. Es geht um Treue, Durchhaltevermögen und die bewusste Entscheidung, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.

    In 2 Timotheus (2 Tim 4,7) beschreibt Paulus rückblickend sein eigenes Leben mit den Worten, er habe den „guten Kampf gekämpft“, den „Lauf vollendet“ und den „Glauben bewahrt“. Dieses Bild verbindet mehrere Aspekte: ein zielgerichtetes Leben, das Durchhalten bis zum Ende und die Bewahrung der eigenen Glaubensüberzeugung. Die anschließende Verheißung einer „Krone der Gerechtigkeit“ steht für die Hoffnung auf göttliche Anerkennung und Belohnung.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird der Ausdruck zu einer Metapher für das gesamte christliche Leben, das als Weg mit Herausforderungen, Entscheidungen und Prüfungen verstanden wird. Der „gute Kampf“ ist dabei kein Kampf gegen andere Menschen, sondern ein Ringen um Treue, Standhaftigkeit und innere Klarheit.

    So beschreibt „einen guten Kampf führen“ ein Leben, das von Einsatz, Ausdauer und Glauben geprägt ist – mit dem Ziel, den eigenen Weg konsequent zu gehen und die eigene Überzeugung bis zum Ende zu bewahren.

    Über den paulinischen Siegeskranz

    Paulus spricht an anderer Stelle (Korinther 9,24ff) vom christlichen Leben gewissermaßen als sportlichen Wettbewerb. Jede und jeder hat das Beste zu geben, in der Hoffnung, den ersten Platz zu erringen. Mit diesem Siegeskranz sind ewiges Leben und die Gnade Gottes gemeint.

    Einen guten Kampf kämpfen

    Es bedeutet, standhaft und ausdauernd an einem großen Ziel festzuhalten, ein vorbildliches Leben zu führen und Versuchungen zu widerstehen. Paulus kann schlussendlich auf seine Arbeit und den erfolgreichen Kampf für die Sache Christi zurückblicken.
    Der Ausdruck mag damit ermutigen, sich ausdauernd und beharrlich für eine gute Sache einzusetzen, um am Ende wie der Apostel dankbar zurückschauen zu können.

  • Unter aller Kanone sein

    Unter aller Kanone sein Ez 40,5, Jes 46,5-6.7b-9

    Der Ausdruck „unter aller Kanone sein“ wird in der deutschen Alltagssprache verwendet, um etwas als sehr schlecht, mangelhaft oder unzureichend zu bewerten. Die angegebenen Bibelstellen aus Hesekiel (Hes 40,5) und Jesaja (Jes 46,5–6.7b–9) stehen nicht direkt hinter dieser modernen Redewendung. Sie werden aber gelegentlich im Zusammenhang mit bildhaften Darstellungen von Maß, Bewertung und Vergleich herangezogen.

    Inhaltlich geht es in diesen biblischen Texten um Maßstäbe, Orientierung und die Frage, woran sich der Mensch ausrichten soll. Bei Hesekiel wird etwa eine Vision von einer vermessenen, geordneten Tempelanlage beschrieben, die Ordnung, Struktur und Genauigkeit symbolisiert. In Jesaja wird die Macht und Einzigartigkeit Gottes den von Menschen gefertigten Götzen gegenübergestellt, die im Vergleich dazu als kraftlos und unzureichend erscheinen.

    Übertragen auf den heutigen Sprachgebrauch beschreibt „unter aller Kanone sein“ etwas, das deutlich hinter einem erwarteten Standard zurückbleibt. Es kann sich auf Leistungen, Zustände oder Verhaltensweisen beziehen. Diese werden als besonders schwach oder ungenügend wahrgenommen. Die Redewendung bringt damit eine starke Abwertung zum Ausdruck.

    Im weiteren Kontext der Bibel lässt sich dieser Gedanke allgemein mit dem Thema von Maßstäben und Bewertung verbinden. Dinge werden miteinander verglichen, und das Ergebnis macht deutlich, was als gut, geordnet oder zuverlässig gilt – und was diesen Maßstäben nicht entspricht.

    Der Ausdruck verweist sinnbildlich auf etwas, das einem Vergleich oder einer Bewertung nicht standhält und deutlich unter dem erwarteten Niveau liegt.

    Allzumenschliches

    Die Redewendung stammt (laut KI) aus der Schülersprache des 19. Jahrhunderts. Es handele sich um eine scherzhafte Eindeutschung des lateinischen „sub omni canone„, was übersetzt etwa bedeutet: „unterhalb jeglichen Maßstabes„. Der Ausdruck hat als nichts mit Schusswaffen oder Kriegsgerät zu tun. Er spricht eher davon, dass etwas inakzeptabel und sehr schlecht geraten ist. Das lateinische ‚canone‚ bedeutet richtigerweise Richtschnur oder Massstab.

    Das Verhalten, eines Menschen, die Leisung einer Gruppe oder die Dienstleistung z.B. im Gasthaus, Geschäft oder in einer Werkstatt war unter aller Kanone … ist also verbesserungsbedürftig.

  • Seinen Katechismus kennen

    Seinen Katechismus kennen Apg 18,24-26

    Der Ausdruck „seinen Katechismus kennen“ lässt sich im Zusammenhang mit Apostelgeschichte 18,24–26 verstehen. Dort wird von Apollos berichtet. Apollos wird dort als ein gebildeter und redegewandter Mann beschrieben, der die Schriften gut kannte und mit großer Überzeugung lehrte.

    Allerdings war seine Kenntnis zunächst noch unvollständig: Er kannte die Taufe des Johannes, aber nicht die vollständige Botschaft über Jesus Christ und den christlichen Glauben, wie er sich in der jungen Gemeinde entfaltet hatte. Priscilla and Aquila nahmen ihn daher beiseite und erklärten ihm den „Weg Gottes“ genauer.

    „Seinen Katechismus kennen“ bedeutet im übertragenen Sinn, die grundlegenden Inhalte des Glaubens oder eines Lehrsystems zu beherrschen. Der Begriff „Katechismus“ steht allgemein für eine strukturierte Zusammenfassung von Glaubenswissen, Fragen und Antworten, die zur Unterweisung dienen. Im biblischen Kontext wird deutlich, dass es nicht nur um Wissen an sich geht, sondern auch um das richtige Verständnis und die vollständige Einordnung dieses Wissens.

    Die Geschichte zeigt, dass selbst jemand, der bereits viel weiß und überzeugend auftritt, offen bleiben sollte für Ergänzung und Korrektur. Apollos ist ein Beispiel dafür, dass Lernbereitschaft und die Bereitschaft, sich weiter belehren zu lassen, entscheidend sind, um im Glauben zu wachsen.

    Im weiteren Zusammenhang der Bibel wird deutlich, dass fundiertes Wissen und richtige Unterweisung eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig wird betont, dass Wissen allein nicht ausreicht. Es muss immer auch durch Verständnis, Begegnung und praktische Umsetzung ergänzt werden.

    Der Ausdruck steht sinnbildlich für das Beherrschen grundlegender Inhalte, verbunden mit der Einsicht, dass echtes Verstehen Offenheit für Vertiefung und Korrektur voraussetzt.

    Allzumenschliches

    Die Kenntnis des eigenen Katechismus kann auch so verstanden werden, dass Menschen in ihrem Fach bewandert sind. Zum Beispiel haben Handwerker nicht nur ihre Werkzeuge parat, sie wissen um wichtige naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge. Servierkräfte oder Kellner im Gasthaus kennen die Karte, wissen um Gerichte, Getränke und auch Preise und können gegebenenfalls Auskunft geben. Die Liste lässt sich beliebig erweitern …

  • Im stillen Kämmerlein beten

    Sich in sein stilles Kämmerlein zurückziehen – Im stillen Kämmerlein beten Mt 6,6

    Der Ausdruck „sich in sein stilles Kämmerlein zurückziehen“ geht auf Matthäus 6,6 zurück und ist Teil der Lehre von Jesus Christus über das Gebet. Dort heißt es, dass man zum Beten in das eigene Zimmer gehen, die Tür schließen und im Verborgenen zu Gott beten soll.

    Mit „im stillen Kämmerlein“ ist ein Ort der Abgeschiedenheit gemeint, an dem man ungestört und ohne äußere Ablenkung zur Ruhe kommt. Im Gegensatz zu öffentlichem oder demonstrativem Beten betont Jesus hier die persönliche, innere Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Es geht nicht darum, vor anderen Eindruck zu machen, sondern ehrlich und aufrichtig vor Gott zu treten.

    Das Bild unterstreicht, dass Gebet etwas sehr Persönliches ist. Im Verborgenen entsteht ein Raum, in dem Gedanken, Sorgen, Dank und Bitten offen ausgesprochen werden können, ohne dass äußere Erwartungen eine Rolle spielen. Diese Form des Gebets fördert Authentizität und Konzentration auf das Wesentliche.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird das „stille Kämmerlein“ zu einem Symbol für die innere Einkehr und die persönliche Gottesbeziehung. Es zeigt, dass Spiritualität nicht an öffentliche Sichtbarkeit gebunden ist, sondern gerade im Stillen Tiefe gewinnen kann.

    So steht „im stillen Kämmerlein beten“ sinnbildlich für die bewusste Suche nach Ruhe, Konzentration und innerer Sammlung, um in einem persönlichen und ungestörten Rahmen in Beziehung zu Gott zu treten.

    Allzumenschliches

    Man weiß ja nie, was die Menschen sich im stillen Kämmerlein so ausdenken, was Kinder aushecken und sich an neuen Streichen einfallen lassen. Und man kann Augen und Ohren nicht überall haben. Nur gut, dass man nicht weiß, was manche im Kämmerlein, ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit ausbrüten und im Schilde führen.

    Wer sich in sein stilles Kämmerlein zurückzieht, mag sich nicht am Lärm der Außenwelt beteiligen, einfach mal allein und für sich sein und z.B. private Frömmigleit pflegen. In selbstgewählter Isolation kann Mensch zur Ruhe kommen, neue Kräfte sammeln und gegebenenfalls in aller Stille das eine oder andere persönliche Anliegen vor Gott bringen. Dabei sind keine gewählten Worte notwendig; es ist ein Ort für Gedanken und Geheimnisse, die sonst niemanden etwas angehen.

  • Den bitteren Kelch bis zu Ende trinken

    Den bitteren Kelch bis zu Ende trinken Ps 75,9

    Der Ausdruck „den bitteren Kelch bis zu Ende trinken“ geht in seiner Bildsprache auf biblische Vorstellungen zurück, wie sie unter anderem in Psalm 75,9 anklingen. Der „Kelch“ steht in der Bibel häufig sinnbildlich für das Schicksal eines Menschen oder Volkes, insbesondere auch für Leid, Gericht oder schwer zu ertragende Erfahrungen.

    Ein „bitterer Kelch“ bezeichnet dabei eine Situation, die von Schmerz, Ungerechtigkeit oder großen Herausforderungen geprägt ist. „Bis zu Ende trinken“ bedeutet, dieses Schicksal vollständig anzunehmen und zu durchleben, ohne ihm ausweichen zu können. Das Bild vermittelt die Vorstellung, dass bestimmte Lebenssituationen nicht abgekürzt oder vermieden werden können. Manches muss einfach durchgestanden werden.

    Im biblischen Kontext verweist der Kelch zudem auf die Erfahrung göttlichen Handelns, das sowohl Gericht als auch Prüfung beinhalten kann. Der Mensch steht dabei vor der Aufgabe, sich mit den Gegebenheiten auseinanderzusetzen, die ihm widerfahren, und sie in sein Leben zu integrieren.

    Im weiteren Zusammenhang der Bibel wird der „bittere Kelch“ oft als Metapher für schwere Lebensphasen verstanden, die mit Leid, Verlust oder inneren Kämpfen verbunden sind. Der Ausdruck macht deutlich, dass solche Erfahrungen Teil menschlichen Lebens sein können und nicht immer vermieden werden können.

    So steht „den bitteren Kelch bis zu Ende trinken“ sinnbildlich für das Annehmen und Durchstehen schwieriger Situationen, die einen Menschen herausfordern und prägen, und für die Bereitschaft, auch unangenehme Wege nicht vorzeitig abzubrechen, sondern sie in ihrer ganzen Tiefe zu durchleben.

    Menschliches

    Der bittere Kelch, der geleert werden muss, verweist zudem auf das Gebet Jesu im Garten Gethsemane, wo er Gott, seinen Vater, darum bittet, der Kelch möge an ihm vorübergehen.

    Der Ausdruck steht auch dafür, dass jemand etwas bis zur letzten Konsequenz ertragen oder bis zum bitteren Ende durchstehen muss. Andere müssen (etwas humorvoll ausgedrückt) in den sauren Apfel beißen, eine bittere Pille schlucken oder eine Suppe auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben. Immer geht es darum, dass ein Schicksal, so misslich es auch sei, ertragen werden muss.

  • Der Kelch geht an jemandem vorüber

    Der Kelch geht an jemandem vorüber Mt 26,39b

    Der Ausdruck „der Kelch geht an jemandem vorüber“ geht auf die Szene in Matthäus 26,39b zurück, in der Jesus Christ im Garten Gethsemane betet. In großer innerer Not bittet Jesus: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ Gemeint ist damit die bevorstehende Leidens- und Kreuzesgeschichte, die er vor sich sieht.

    Der „Kelch“ ist in der biblischen Bildsprache ein Symbol für das Schicksal, das einem Menschen zuteilwird – hier insbesondere für Leid, Prüfung und das bevorstehende Leiden Jesu. Die Bitte, dass dieser Kelch vorübergehen möge, bringt den Wunsch zum Ausdruck, von schwerem Leid verschont zu bleiben. Gleichzeitig folgt unmittelbar die Bereitschaft, sich dem göttlichen Willen zu fügen: „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

    Im übertragenen Sinn bedeutet „der Kelch geht an jemandem vorüber“, dass eine schwere Erfahrung, ein Unglück oder eine unangenehme Situation jemanden verschont oder nicht trifft. Die Redewendung wird heute oft verwendet, um auszudrücken, dass man von etwas Belastendem verschont geblieben ist.

    Im weiteren Kontext der Bible zeigt diese Stelle die Spannung zwischen menschlichem Wunsch nach Leidvermeidung und der Bereitschaft, einen als notwendig erkannten Weg anzunehmen. Sie verbindet menschliche Angst und Hoffnung mit Vertrauen und Hingabe.

    So steht der Ausdruck „der Kelch geht an jemandem vorüber“ sowohl für die Bitte um Bewahrung vor schwerem Leid als auch für die Erfahrung, von einer schwierigen Situation verschont zu bleiben – mit einem biblischen Hintergrund, der zugleich die Bedeutung von Vertrauen und Annahme des eigenen Weges betont.

    Allzumenschliches

    Der Kelch stand in der alten, jüdischen Kultur also für ein jeweiliges Schicksal, das dem Menschen von Gott zugedacht war. Wenn wir heute davon sprechen, dass ein bitterer Kelch an jemandem verüber gegangen ist, dann ist derjenige sicher gerade um eine unangenehme Aufgabe, eine Krankheit, ein Unglück oder eine andere schicksalhafte Wendung herumgekommen.

  • Möge dieser Kelch an mir vorübergehen

    Möge dieser Kelch an mir vorübergehen Matthäus 26,39,42; Markus 14,36; Lukas 22,42

    Der Ausdruck „Möge dieser Kelch an mir vorübergehen“ stammt aus den Passionsberichten von Matthäus (Mt 26,39.42), Markus (Mk 14,36) und Lukas (Lk 22,42). In dieser Szene betet Jesus Christ im Garten Gethsemane in großer innerer Anspannung kurz vor seiner Verhaftung.

    Der „Kelch“ ist ein symbolisches Bild für das bevorstehende Leiden, das Jesus erwartet. Die Bitte, dass dieser Kelch vorübergehen möge, bringt den menschlichen Wunsch zum Ausdruck, schweres Leid zu vermeiden. Sie zeigt, dass Jesus die bevorstehende Situation nicht gleichgültig hinnimmt. Er empfindet sie als Mensch als belastend und herausfordernd.

    Gleichzeitig wird die Bitte in den Evangelien immer mit einer zweiten, entscheidenden Aussage verbunden. „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“. Damit wird deutlich, dass Jesus trotz seines natürlichen Wunsches nach Verschonung sich bewusst dem göttlichen Willen unterordnet. In dieser Spannung zwischen Wunsch und Hingabe liegt eine zentrale Aussage der Szene.

    Im übertragenen Sinn steht der Ausdruck „Möge dieser Kelch an mir vorübergehen“ für den Wunsch, von einer schwierigen, schmerzhaften oder belastenden Situation verschont zu bleiben. Er wird heute häufig verwendet, um eine Bitte um Bewahrung vor Leid oder unangenehmen Umständen auszudrücken.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Stelle als Beispiel für Vertrauen und Gehorsam gegenüber Gott verstanden. Auch wenn der eigene Weg mit Leid verbunden ist. Sie zeigt, dass menschliche Gefühle von Angst und Abwehr ihren Platz haben. Letztlich werden sie aber in eine Haltung des Vertrauens und der Annahme eingebettet werden.

    So verbindet der Ausdruck die Erfahrung menschlicher Begrenztheit mit der Bereitschaft, einen als notwendig erkannten Weg zu gehen, und macht deutlich, dass sich Wunsch und Vertrauen nicht ausschließen, sondern in einer tiefen inneren Entscheidung zusammenfinden können.

    Dietrich Bonhöffer beschreibt diesen Kelch, der auch als Taumelbecher bekannt ist, in seinem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“:

    Und reichst du (Gott) uns den schweren Kelch, den bittern
    des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus deiner guten und geliebten Hand.

    Losgelöst vom religiösen Zusammenhang findet die Redewendung oft Verwendung um auszudrücken: „Hoffentlich bleibt mir dies und jenes erspart, hoffentlich bleibe ich davon verschont.“