Schlagwort: Lukas

  • Auf Herbergssuche gehen

    Auf Herbergssuche gehen / sein Lk 2,7

    Der Ausdruck „auf Herbergssuche gehen / sein“ taucht in Lukas 2,7 im Zusammenhang mit der Geburt Jesu auf. Maria und Josef mussten nach Bethlehem reisen. Als sie ankamen, fanden sie keinen Platz in der Herberge. Die Wendung beschreibt die Suche nach einem Ort der Aufnahme, Sicherheit und Unterkunft. Dieser symbolisiert gleichzeitig auch den Zugang zu menschlicher Gastfreundschaft.

    In diesem Vers wird deutlich, dass die Geburt des Retters unter einfachen und entbehrlichen Umständen stattfindet. Trotz der Bedeutung Jesu finden Maria und Josef keinen Platz in der Herberge. Das unterstreicht ihre Bescheidenheit, Verwundbarkeit und Abhängigkeit von menschlicher Hilfe. „Auf Herbergssuche sein“ zeigt also sowohl die praktische Notwendigkeit als auch die symbolische Bedeutung, dass Gottes Handeln oft in Demut und Einfachheit geschieht.

    Theologisch gesehen verweist die Herbergssuche auf mehrere Ebenen. Zum einen ist sie ein Bild für die Suche des Menschen nach Heimat und Schutz. Die Suche nach Herberge zeigt, dass Gottes Heil oft nicht in den großen, sicheren und bequemen Orten dieser Welt beginnt, sondern in einfachen, unerwarteten Umständen. Die Herbergssuche ist ein Sinnbild für Vertrauen, Geduld und die Erfahrung, dass Gottes Plan oft anders verläuft, als Menschen es erwarten.

    Das „auf Herbergssuche sein“ symbolisiert in Lukas 2,7 die Suche nach Aufnahme, Schutz und Platz, aber auch die Demut und Einfachheit, in der Gottes Heil in die Welt kommt. Es ist ein starkes Bild dafür, dass selbst der Retter der Welt in bescheidenen Verhältnissen geboren wird, und erinnert daran, dass Gottes Gegenwart nicht an Komfort, Status oder Reichtum gebunden ist.

  • Herrlich und in Freuden leben

    Herrlich und in Freuden leben Lukas 16,19

    Der Ausdruck stammt aus Lukas 16,19, wo Jesus das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus erzählt. Der reiche Mann lebte „herrlich und in Freuden“ – ein Leben voller Luxus, Komfort und Selbstgenuss. Das Bild beschreibt Überfluss, Wohlstand und äußeren Glanz, aber gleichzeitig auch eine Fokussierung auf das eigene Vergnügen, ohne Rücksicht auf andere, besonders die Bedürftigen.

    Das Gleichnis macht deutlich, dass äußerlicher Reichtum und Freude nicht automatisch mit moralischer oder geistlicher Erfüllung gleichzusetzen sind. Der reiche Mann genoss ein angenehmes Leben, kümmerte sich aber nicht um Lazarus, der vor seiner Tür lag und in Not war. „Herrlich und in Freuden leben“ zeigt also, dass materieller Wohlstand und Genuss ohne Nächstenliebe und Gottesfurcht letztlich nicht vor göttlicher Verantwortung schützen.

    Theologisch gesehen verdeutlicht der Ausdruck, dass das irdische Leben vergänglich ist und äußere Freude nicht das ewige Schicksal bestimmt. Jesus verwendet das Bild, um zu lehren, dass Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Mitgefühl für andere wichtiger sind als Luxus und Selbstgenuss. Wer sein Leben nur auf Vergnügen und Reichtum aufbaut, kann geistlich blind werden und Gottes Gerechtigkeit verkennen.

    Zusammengefasst steht „herrlich und in Freuden leben“ in Lukas 16,19 für materiellen Überfluss, äußeren Glanz und irdisches Vergnügen, zeigt aber auch, dass ohne Mitgefühl, Demut und Gottverbundenheit selbst ein herrliches Leben leer sein kann. Das Gleichnis mahnt, Freude und Wohlstand mit Verantwortung und Nächstenliebe zu verbinden.

  • Heulen und Zähneklappern

    Heulen und Zähneklappern nach Matthäus 8,12; 13,42.50; 22,13; 24,51; 25,30; Lukas 13,28

    Heulen und Zähneklappern

    Fünfmal spricht Jesus im Matthäusevangelium davon, dass geheult und mit den Zähnen geklappert wird. Unmittelbar davor wird jemand in die Dunkelheit hinausgeworfen oder anderweitig für seine Verfehlungen bestraft. Ob es sich bei den beschriebenen furchteinflößenden Geräuschen um das Bibbern der Verstoßenen oder um Äußerungen anderer Wesen handelt, „die draußen heulen und erwartungsvoll ihr Gebiss schnappen lassen“, ist nicht klar. Vor 2000 Jahren war man überzeugt, dass es zu nächtlicher Stunde außerhalb des Hauses nicht sicher war, weil lichtscheues Gesindel, zahlreiche Dämonen und böse Geister im Schutz der Dunkelheit ihr Unwesen trieben.

    Text aus „Gleichnisse des Jesus von Nazareth“, Frank Weber, ISBN 9783819282317, BoD 2025.

    Das biblische Bild des endzeitlichen Gerichts

    Das wiederkehrende biblische Motiv des „Heulens und Zähneklapperns“ begegnet in mehreren Gleichnissen und Reden Jesu, besonders im Matthäusevangelium (8,12; 13,42.50; 22,13; 24,51; 25,30) und auch im Lukasevangelium (13,28). Diese Formulierung steht als eindrückliches Symbol für das endzeitliche Gericht, für das Erleben derer, die vom Reich Gottes ausgeschlossen bleiben. Sie ist Ausdruck tiefer existenzieller Not, Verzweiflung und der Erkenntnis des unwiderruflichen Verlusts der Gemeinschaft mit Gott.

    In Matthäus 8,12 spricht Jesus vom „Weinen und Zähneklappern“ im Zusammenhang mit den „Kindern des Reiches“, die hinausgestoßen werden, während Menschen aus Ost und West in das Himmelreich eingehen. Hier wird deutlich: Es geht nicht um äußere Zugehörigkeit oder Herkunft, sondern um den gelebten Glauben. Die Verheißung Gottes gilt allen, die glauben, nicht nur einer bestimmten Gruppe.

    In Matthäus 13,42 und 13,50, im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und vom Fischnetz, wird das Bild des Heulens und Zähneklapperns mit der Scheidung zwischen Gerechten und Bösen verbunden. Am Ende der Zeiten werden die Engel die Gottlosen aussondern. Eine bildhafte Darstellung des göttlichen Gerichts, das die Wahrheit ans Licht bringt. Das Feuer, in das sie geworfen werden, steht nicht nur für Strafe, sondern für das endgültige Getrenntsein von Gott.

    In Matthäus 22,13 erscheint die Wendung in der Geschichte vom königlichen Hochzeitsmahl. Der Gast ohne Hochzeitskleid wird hinausgeworfen. Auch hier geht es nicht um äußere Kleidung, sondern um die innere Bereitschaft, Gottes Einladung anzunehmen und sich verwandeln zu lassen. Das „Heulen und Zähneklappern“ ist die Reaktion auf die versäumte Gelegenheit zur Umkehr.

    Matthäus 24,51 und 25,30 greifen das Motiv in den Gleichnissen vom treuen und untreuen Knecht sowie von den anvertrauten Talenten auf. Sie betonen Verantwortung und Wachsamkeit: Wer seine Aufgabe vernachlässigt und das Vertrauen Gottes missbraucht, wird ausgeschlossen. Das Bild zeigt, dass Gottes Gerechtigkeit nicht willkürlich, sondern folgerichtig ist – das Handeln des Menschen hat bleibende Konsequenzen.

    Lukas 13,28 fasst diese Botschaft in einem eindringlichen Bild zusammen. Die Menschen werden sehen, wie Abraham, Isaak und Jakob im Reich Gottes sind, sie selbst aber draußen bleiben. Das Heulen und Zähneklappern steht hier für die schmerzvolle Erkenntnis, dass man die Einladung Gottes ausgeschlagen hat.

    Zusammengefasst ist das „Heulen und Zähneklappern“ kein Zeichen göttlicher Grausamkeit, sondern eine ernste Mahnung. Es erinnert daran, dass Glaube Entscheidung bedeutet – ein Leben in Liebe, Treue und Offenheit für Gottes Ruf. Solange die Tür zum Reich Gottes offensteht, ist Umkehr möglich. Doch das Bild Jesu ruft uns auf, diese Einladung jetzt anzunehmen, bevor sie sich unwiderruflich schließt.

  • In den Himmel heben/erheben

    In den Himmel heben/erheben Lk 10,15

    Der Ausdruck „in den Himmel heben / erheben“ taucht in Lukas 10,15 auf. Jesus tadelt die Städte Chorazin, Bethsaida und Kapernaum. „Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn die Macht, die in Tyrus und Sidon wirkte, in euch gewirkt hätte, so hättet ihr lange bereut in Sack und Asche.“ Jesus deutet damit an, dass ein besonderes Wirken Gottes in einer Stadt oder bei Menschen sichtbar werden kann. Wer darauf nicht reagiert, verpasst die Gelegenheit zur Umkehr und zur Aufnahme von Gottes Herrlichkeit.

    „In den Himmel heben“ kann bildhaft verstanden werden als Gott in seiner Herrlichkeit erfahren oder von ihm erhöht werden. Es ist ein Ausdruck für geistliche Erhebung, Gottesnähe und Offenbarung, die Menschen in eine höhere Einsicht, Erkenntnis oder Freude führen kann. Wer sich von Gottes Macht berühren lässt, wird innerlich aufgerichtet, gestärkt und dem Göttlichen nähergebracht.

    Theologisch zeigt dieser Ausdruck, dass geistliche Erfahrung, Offenbarung und Gottes Wirken den Menschen erheben. Es geht nicht um körperliches Heben. Vielmehr geht es um innere Erhebung, Einsicht und Gotteserkenntnis, die das Leben verändern kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass Gottes Handeln von menschlicher Reaktion abhängt. Wer offen und empfänglich ist, kann „erhoben“ werden, wer aber taub bleibt, verpasst die Erfahrung.

    Zusammengefasst bedeutet „in den Himmel heben / erheben“, dass Gott Menschen innerlich aufrichtet, ihnen seine Herrlichkeit und Gegenwart zeigt und sie dadurch geistlich wachsen und erkennen lässt. Es ist ein Bild für Erhebung, Gottesnähe und innerliche Transformation, die durch die Begegnung mit Gottes Wirken möglich wird.

    Unter Menschen:

    Jemanden in den Himmel zu heben bedeutet auch, jemandem allerhöchstes Lob und Anerkennung zukommen zu lassen. Eine Person oder Sache wird euphorisch und übermäßig gelobt. Dabei wird die Höhe des Himmels als Bild für das übermäßige Lob.

    Synonyme sind z.B. jemanden preisen, rühmen, glorifizieren, bewundern oder anhimmeln.

    Ähnliche Redewendungen loben jemanden in den Himmel, heben eine Person auf den Schild, indem die Person an die Spitze gewählt wird. Und ein Mensch, der im siebten Himmel schwebt, empfindet ein rauschhaftes Glück.

  • In den Himmel kommen

    In den Himmel kommen Lk 23,43

    Der Ausdruck „in den Himmel kommen“ erscheint in Lukas 23,43, als Jesus zu dem reuigen Verbrecher am Kreuz spricht. „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“. Dieser Satz beschreibt den Eintritt in die unmittelbare Gegenwart Gottes nach dem Tod. Es geht nicht nur um einen geografischen Ort, sondern um die Erfahrung ewiger Gemeinschaft, Ruhe und Freude bei Gott.

    Die Redewendung bedeutet, dass der Mensch, der auf Gottes Gnade vertraut, Erlösung findet und Teil der göttlichen Herrlichkeit wird. Jesus zeigt dem Verbrecher, dass Vergebung und Gemeinschaft mit Gott unabhängig von früheren Taten möglich sind, wenn Reue und Glaube vorhanden sind. Der Himmel wird so zum Symbol für Frieden, Heil, ewiges Leben und vollkommene Nähe zu Gott.

    Der Ausdruck verdeutlicht, dass die Beziehung zu Gott entscheidend für das ewige Leben ist. Wer Jesus annimmt, wird „in den Himmel kommen“. Er wird Teil von Gottes Reich, geborgen in seiner Gegenwart und erlöst von Schuld und Sünde. Es ist ein Bild für Gottes Gnade, Rettung und die endgültige Hoffnung für alle Gläubigen.

    „In den Himmel kommen“ bedeutet, dass man nach dem irdischen Leben in die unmittelbare Gemeinschaft mit Gott gelangt, befreit von Sünde und voll Freude und Frieden. Es ist ein Bild für Erlösung, ewiges Leben und die Nähe Gottes, die allen offensteht, die an ihn glauben.

    Der Weg nach oben

    Die gläubigen Christen hoffen auf ein ewiges Leben im Himmel, in der Gemeinschaft Gottes nach dem Tod. Der Weg dorthin ist nach christlichem Verständnis keine Frage des Könnens oder Vermögens. Es ist vielmehr eine Frage des Glaubens an Jesus Christus, der für die Sünden der Welt gestorben ist. Durch ihn führt der einzige Weg zum Vater (Joh. 14,6) Er bietet den Menschen Vergebung für ihre Sünden an, die angenommen werden will und eben nicht erarbeitet oder erkauft werden kann. Eine wichtige Voraussetzung dabei ist das Aanerkennen der eigenen Fehler und die Bitte um Vergebung. Nicht weniger wichtig ist die dankbare Annahme der Vergebung der Sünden und der Glaube an Jesus Christus.

  • Himmlische Heerscharen

    Himmlische Heerscharen Lukas 2,13

    Der Ausdruck „himmlische Heerscharen“ erscheint in Lukas 2,13, als die Engel den Hirten auf dem Feld die Geburt Jesu verkünden: „Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die Gott lobten und sagten…“ Hier wird eine große Schar von Engeln beschrieben, die Gott dienen und seine Herrlichkeit verkünden.

    „Himmlische Heerscharen“ bedeutet mächtige, geordnete Engelwesen im Himmel, die Gott in seinem Handeln unterstützen, seine Herrschaft preisen und seine Botschaften überbringen. In diesem Kontext erscheinen sie nicht als Krieger, sondern als Verkünder und Loblieder der göttlichen Herrlichkeit, die die Ankunft des Erlösers feiern. Sie symbolisieren die himmlische Ordnung, Macht und Reinheit und zeigen, dass Gottes Werk sowohl im Himmel als auch auf der Erde Bedeutung hat.

    Theologisch zeigt der Ausdruck, dass die Geburt Jesu nicht nur ein irdisches Ereignis war, sondern himmlische Dimensionen hat. Die Engelheerscharen betonen die Wichtigkeit des göttlichen Plans, dass Gott in der Welt wirkt und dass himmlische Wesen seine Herrlichkeit preisen und unterstützen. Für die Menschen auf der Erde ist dies ein Zeichen dafür, dass Gottes Wirken mächtig, geordnet und voller Freude ist.

    Zusammengefasst bedeutet „himmlische Heerscharen“, dass Gott mächtige Engelwesen hat, die ihn loben, seinen Willen ausführen und seine Herrlichkeit verkünden. Es ist ein Bild für himmlische Ordnung, göttliche Macht und die Freude über Gottes Heilshandeln, das zeigt, dass Gottes Werke von himmlischen Kräften bezeugt und unterstützt werden.

    Andererseits

    In 5.Mose 4,19 warnt Mose die neue Generation des Volkes Israel vor Götzendienst. Sie sollen dem Herrn treu bleiben und nicht die Heere des Himmels anbeten. Damit meint er Sonne, Mond und Sterne.

    Der biblische Begriff der „Himmlischen Heerscharen“ bezeichnet die Gesamtheit der Engel und himmlischen Wesen als himmlisches Heer, gewissermaßen als Gottes „Eingreiftruppe“. Gemeint ist eine große Anzahl von Engeln, die Gott dienen und seinen Willen ausführen. So sind diese Engel in der biblischen Darstellung oft männlich-kriegerische Wesen mit militärischem Anschein, die Gottes Feinde bekämpfen. Erst später, im Mitttelalter wandelt sich die Darstellung der Gottesdiener in eher liebreizende Wesen. Noch heute verbinden wir mit Engeln eher bezaubernd anmutige und charmante Wesen, die Güte ausstrahlen und den Menschen hilfreich zur Seite stehen.

  • Wenn das schon am grünen Holz geschieht

    Wenn das schon am grünen Holz geschieht Lukas 23,31

    Der Ausdruck „Wenn das schon am grünen Holz geschieht“ stammt aus Lukas 23,31, wo Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung zu den weinenden Frauen von Jerusalem spricht: „Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?“

    Dieses Bild ist eine Gleichnisrede. Das „grüne Holz“ steht für etwas Lebendiges, Unschuldiges und noch Kraftvolles – in diesem Zusammenhang für Jesus selbst, der ohne Schuld ist. Das „dürre Holz“ dagegen symbolisiert das Verdorrte, Schuldige oder Gerichtswürdige, also die Menschen, die sich von Gott entfernt haben.

    Mit diesen Worten macht Jesus deutlich: Wenn schon einem Unschuldigen wie ihm solches Leid widerfährt, wie viel schwerer wird das Gericht für diejenigen sein, die schuldig sind und Gottes Willen ablehnen? Es ist eine ernste Warnung, die zugleich zur Umkehr und Besinnung aufruft.

    Theologisch zeigt der Ausdruck, dass Gottes Gerechtigkeit ernst ist und dass menschliches Verhalten Konsequenzen hat. Gleichzeitig wird deutlich, dass Jesus selbst das Leid trägt, obwohl er unschuldig ist – ein Hinweis auf sein stellvertretendes Leiden. Das Bild vom grünen und dürren Holz verdeutlicht den Gegensatz zwischen Unschuld und Schuld, Leben und Gericht.

    „Wenn das schon am grünen Holz geschieht“ bedeutet somit, dass ein Beispiel von Leid oder Gericht an einem Unschuldigen die Schwere dessen zeigt, was andere erwartet. Es ist ein Bild für Warnung, Ernsthaftigkeit und die Notwendigkeit, das eigene Leben zu prüfen und sich Gott zuzuwenden.

    Aus einer anderen Sicht

    Die Redewendung ist Ausdruck der Sorge, dass sich eine aktuelle Situation, ein gegenwärtiger Zustand noch weiter verschlechtern könne. Es klingt großes Unverständnis für die Verschlechterung mit, da die momentanen Verhältnisse noch relatig gut erscheinen.
    „Wo soll das noch hinführen, wenn es doch jetzt bereits soweit gekommen ist?“ oder „Wenn das schon mir passiert, was soll dann erst aus den Anderen werden? Wenn man die eine Gruppe so behandelt, wie wird es erst der anderen Gruppe ergehen?“- „Wenn das schon bei den Jungen so ist, was geschieht mit den Alten? Wenn das schon den Großen und Wichtigen so geht, was werden erst diejenigen erleben, die nicht so viel haben?“

  • Wie die Jungfrau zum Kind

    Wie die Jungfrau zum Kind Lk. 1,30

    Der Ausdruck „wie die Jungfrau zum Kind“ geht zurück auf die Verkündigung der Geburt Jesu bei Lukas (Lk 1,30). In diesem Zusammenhang erscheint der Engel Gabriel bei Mary und kündigt ihr an, dass sie einen Sohn empfangen und gebären wird, obwohl sie keine Beziehung zu einem Mann hatte. Die Aussage verweist somit auf ein außergewöhnliches, menschlich nicht erklärbares Geschehen.

    Im biblischen Kontext steht dieses Ereignis im Zentrum der Weihnachtsgeschichte. Es wird als Wirken Gottes verstanden, der in das Leben der Menschen eingreift und Neues schafft. Die Empfängnis Jesu wird nicht als gewöhnlicher biologischer Vorgang beschrieben. Sie gilt als Zeichen göttlicher Initiative und Gnade. Maria reagiert auf die Ankündigung mit Vertrauen und Offenheit gegenüber Gottes Plan.

    Der Ausdruck „wie die Jungfrau zum Kind“ hat sich im Sprachgebrauch zu einer Redewendung entwickelt, die etwas überraschend, unerwartet oder scheinbar aus dem Nichts entstanden beschreibt. Oft wird damit eine Situation bezeichnet, in der etwas plötzlich geschieht, ohne dass es vorhersehbar war oder aus einer erkennbaren Ursache hervorging.

    Etwas ist geschehen völlig unerklärlich und wie durch ein Wunder. Dabei geschah es ohne jede Vorbereitung oder eine Absicht. Weder durch eigenes Zutun noch bewusste Planung. Sie oder er kam dazu wie die Jungfrau zum Kind oder es fiel ihr/ihm in den Schoß. Sei es plötzlicher Reichtum oder Besitz, eine neue Position oder eine Aufgabe.
    Und die Schilderung des überraschenden Geschehens geschieht natürlich nicht ohne die zugehörige Portion Ironie.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird deutlich, dass die Geschichte nicht nur ein außergewöhnliches Ereignis beschreibt, sondern auch eine theologische Botschaft trägt: Gott handelt auf unerwartete Weise und überschreitet menschliche Vorstellungen und Möglichkeiten. Die Erzählung lädt dazu ein, offen zu sein für das, was über das Gewohnte hinausgeht, und Vertrauen in Gottes Wirken zu haben, auch wenn es sich nicht vollständig erklären lässt.

  • Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist

    Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist Matthäus 22,21b; Markus 12,17; Lukas 20,25

    Der Satz „Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“ stammt aus den Evangelien Matthäus (Mt 22,21b), Markus (Mk 12,17) und Lukas (Lk 20,25). Er geht auf eine Antwort von Jesus Christus zurück. Der wird von Gegnern gefragt, ob es erlaubt sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen.

    Jesus wird dabei eine Falle gestellt. Wird er die Steuer bejahen, könnte man ihn als Unterstützer der römischen Besatzungsmacht darstellen. Wird er die Steuer ablehnen, könnte man ihn als Aufrührer anklagen. Seine Antwort „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ durchbricht jedoch diese Falle und lenkt die Frage auf eine grundsätzliche Ebene.

    Mit diesem Satz macht Jesus deutlich, dass es unterschiedliche Bereiche von Verantwortung gibt. Einerseits haben staatliche Autoritäten Anspruch auf bestimmte Abgaben und Pflichten im gesellschaftlichen Zusammenleben. Andererseits bleibt Gott der letztgültige Bezugspunkt für das Leben des Menschen. Die Antwort Jesu stellt somit keine einfache Trennung dar. Sie weist vielmehr auf eine doppelte Zugehörigkeit hin. Der Mensch lebt in einer weltlichen Ordnung, steht aber zugleich in Beziehung zu Gott.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“, die Anerkennung legitimer staatlicher Ordnung und die Erfüllung bürgerlicher Pflichten. Gleichzeitig betont die Antwort Jesu, dass diese Verpflichtungen nicht absolut sind, sondern in einem größeren Rahmen stehen. In diesem soll Gott immer den obersten Anspruch haben.

    Im Kontext der Bibel zeigt dieser Satz eine ausgewogene Haltung zwischen Verantwortung gegenüber der weltlichen Ordnung und Treue gegenüber Gott. Er lädt dazu ein, die eigenen Pflichten bewusst wahrzunehmen, ohne dabei die tiefere, geistliche Ausrichtung des Lebens aus dem Blick zu verlieren.

  • Ein fettes Kalb schlachten

    Ein fettes Kalb schlachten Lukas 15,23

    Der Ausdruck „ein fettes Kalb schlachten“ stammt aus dem Lukasevangelium (Lk 15,23) und gehört zum Gleichnis vom verlorenen Sohn. Jesus Christ erzählt darin von einem Vater, der seinen zurückkehrenden Sohn mit großer Freude empfängt, nachdem dieser sein Erbe verschwendet und in Not geraten ist.

    Das „fette Kalb“ war in der damaligen Zeit ein besonderes Tier, das für festliche Anlässe reserviert war. Es zu schlachten bedeutete, ein großes Fest auszurichten. Ein besonderer Anlass ist gebührend zu feiern. Im Gleichnis steht diese Handlung für die außergewöhnliche Freude des Vaters über die Rückkehr seines Sohnes. Die Feier symbolisiert Vergebung, Wiederaufnahme in die Familie und einen Neuanfang.

    Der Ausdruck wird heute oft verwendet, um eine große Feier oder einen besonderen Anlass zu beschreiben, bei dem man sich etwas Besonderes gönnt. Ursprünglich verweist der Ausdruck jedoch auf die tiefere Bedeutung der Versöhnung. Er zeigt die Freude über Wiederherstellung einer zerbrochenen Beziehung.

    Im weiteren Kontext der Bibel zeigt das Gleichnis, dass Vergebung nicht nur ein innerer Akt ist, sondern auch Ausdruck in konkreten Zeichen der Freude und des Feierns findet. Die Reaktion des Vaters macht deutlich, dass Rückkehr und Umkehr willkommen sind und mit offenen Armen und großzügiger Freude beantwortet werden.

    So steht das „fette Kalb“ im Gleichnis als Symbol für überströmende Freude, Annahme und die Feier eines Neubeginns, der aus Vergebung und Versöhnung entsteht.

    Von wegen ein Kalb schlachten

    Bei aller Freude über ein bestimmtes Ereignis, bei aller Begeisterung für das Fest müssen doch ein paar Vorgaben beachtet werden. Die Schlachtung eine Kalbes muss nach strengen Regeln ablaufen. Hier spielt der Tierschutz eine wichtige Rolle (auch wenn dem Tier gerade das Leben genommen wird). Andererseits kommt es der Fleischqualität sehr zugute, wenn ein Tier stressfrei getötet wird. Ein Tier dagegen, dass gestresst ist, erschreckt wird und flüchten will, würde Hormone produzieren, die die Fleischqualität negativ beeinflussen.

  • Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr

    Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr
    (Matthäus 19,24, Markus 10,25, Lukas 18,25)

    Der Ausdruck „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ stammt aus den Evangelien von Matthäus (Mt 19,24), Markus (Mk 10,25) und Lukas (Lk 18,25). Jesus verwendet dieses Bild im Gespräch mit seinen Jüngern, nachdem ein reicher Mann traurig weggegangen ist, weil er seinen Besitz nicht aufgeben wollte, um Jesus nachzufolgen.

    Das Bild vom Kamel, das durch ein Nadelöhr gehen soll, ist eine drastische Übertreibung und verdeutlicht die Unmöglichkeit eines solchen Vorgangs. Es dient als anschauliche Metapher, um zu zeigen, wie schwierig es ist, dass ein Mensch, der stark an seinen Reichtum gebunden ist, in das Reich Gottes gelangt. Dabei geht es nicht allein um materiellen Besitz, sondern um die innere Haltung: Wer sich zu sehr an weltliche Sicherheiten klammert, findet schwer Zugang zu einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott.

    Jesus macht deutlich, dass Reichtum eine Herausforderung darstellen kann, wenn er zum Zentrum des Lebens wird. Die Jünger reagieren entsprechend erstaunt, denn die Aussage widerspricht der damaligen verbreiteten Vorstellung, dass Reichtum ein Zeichen von Gottes Segen sei. Jesus stellt jedoch klar, dass nicht äußere Umstände entscheidend sind, sondern die innere Bereitschaft, sich Gott anzuvertrauen.

    Das Bild wird oft als Hinweis darauf verstanden, dass menschlich Unmögliches bei Gott möglich ist. Es unterstreicht die Grenzen menschlicher Möglichkeiten und lenkt den Blick auf Gottes Handeln, das auch dort neue Wege eröffnen kann, wo aus menschlicher Sicht keine bestehen.

    So steht „eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ sinnbildlich für etwas, das extrem unwahrscheinlich oder unmöglich erscheint, und zugleich für die Herausforderung, sich von inneren Bindungen zu lösen, um Raum für Vertrauen, Glauben und Offenheit gegenüber Gott zu schaffen.

    Die enge Pforte

    In Mt 7,13-14 lädt Jesus dazu ein, durch die enge Pforte zu gehen, denn das Tor sei eng und der Weg sei schmal, der zum ewigen Leben führt. – In dem aktuellen Gleichnis von dem Kamel, das eben nicht durch ein Nadelöhr geht, erklärt Jesus anhand eines grotesken Bildes, das es reichen Menschen nicht möglich ist – und nur wegen ihres Reichtums – ins Himmelreich zu kommen kommen. Er fügt aber an, dass es durch Gottes Gnade einen Ausweg gibt.

    Es ist ja nicht das einzige Mal, dass Jesus mit solchen Beispielen seine Zuhörer belehrt (vgl. Mk.10,23ff.;9,42,Mt.5,13;6,3;7,4;8,22). Er sagt aber auch, dass es nicht unmöglich ist, zu Gott zu finden, denn es ist allein die Gnade Gottes, die völlig unverdient den Menschen das Reich Gottes schenkt.

    Ist Reichtum wirklich nur immer der Schotter, die Knete oder die Mörderkohle, die ein Mensch auf dem Konto hat? Oder kann Reichtum auch aus den vielen kleinen Dingen bestehen, die wichtiger sind als unsere Beziehung zu Gott ? – Nein, nicht die Sünde, die von Gott trennt, sondern die Kleinigkeiten, die wichtiger sind als unsere Beziehung zu Gott.

    Saulus von Tarsus gehört in seiner Zeit zur Bildungselite, diese Bildung ist sein Reichtum. Später bekennt er, nichts zu wissen als Jesus (1. Kor. 2,2). allein. In der Zeit, aus der Jesus durch sein Gleichnis zu uns spricht, ist für die einfachen Menschen deren (Groß-)Familie Reichtum und Sicherheit. Denen sagt Jesus, sie können nur seine Jünger werden, wenn sie die Familie völlig zurückstellen (Lk. 14,26).

    Und noch einmal die Frage: Was ist hier eigentlich mit Reichtum gemeint?

    Ein Ausweg vor dem Nadelöhr?

    Wie denn? Kann man dem Nadelöhr noch ausweichen? – Ich denke: Nein.

    In dem Gleichnis von dem Kamel und dem Nadelöhr unterstreicht Jesus mit einem Adynaton*, dass es für einen Reichen schier unmöglich ist, ins Reich Gottes zu kommen.

    Jesus sagt nicht einfach, dass ein Reicher nicht ins Himmelreich kommen könne. Stattdessen behauptet er, bevor das geschieht und ein Reicher ins Reich Gottes kommt, passiert das Unmögliche, und das große Kamel geht durch ein winzig kleines Nadelöhr.

    Dieses Bild ist unmissverständlich, und die Reaktion der Jünger scheint das zu bestätigen. Als Juden gehen sie davon aus, dass ein gewisser Kontostand durchaus als ein Zeichen göttlichen Wohlgefallens und Segens zu verstehen ist. Manche von ihnen sind wohlhabend und finanzieren die Mission Jesu und seiner Jünger, andere haben ihre Familie und den Arbeitsplatz verlassen um ihm nachzufolgen, und einige werden wie – vorsichtig formuliert – vor den Kopf gestoßen sein, als sie hören, was Jesus von Reichtum hält. Das bekommt er von Petrus im folgenden Gespräch auch deutlich zu hören.

    Jesus lenkt ein; er sagt den Jüngern zu, dass es die Gnade Gottes sei, die dem Menschen ermögliche, an seiner Neuen Welt teilzuhaben, und dass es keine Angelegenheit eigenen Verdienstes oder eigener Größe ist, zum Werk des Herrn zu gehören und ins Himmelreich zu kommen. Dann verspricht er den Jüngern vielfache Belohnung, warnt aber auch wieder, dass die Ersten Letzte und die Letzten Erste werden können. (Mt,19,26-30) Von finanziellem Reichtum ist hier nicht die Rede, eher von Dünkel.

    * – Ein Adynaton ist ein rhetorischer Trick, eine Aussage, die sich auf etwas Unmögliches beruft, um dadurch zu bestätigen, dass etwas auf keinen Fall geschehen kann.

    Die oben stehenden Texte „Die enge Pforte“ und „Ein Ausweg vor dem Nadelöhr“ stammen aus meinem Buch „Gleichnisse des Jesus von Nazareth: Kreuz und quergedacht„, Frank Weber, BoD, 2025

  • Möge dieser Kelch an mir vorübergehen

    Möge dieser Kelch an mir vorübergehen Matthäus 26,39,42; Markus 14,36; Lukas 22,42

    Der Ausdruck „Möge dieser Kelch an mir vorübergehen“ stammt aus den Passionsberichten von Matthäus (Mt 26,39.42), Markus (Mk 14,36) und Lukas (Lk 22,42). In dieser Szene betet Jesus Christ im Garten Gethsemane in großer innerer Anspannung kurz vor seiner Verhaftung.

    Der „Kelch“ ist ein symbolisches Bild für das bevorstehende Leiden, das Jesus erwartet. Die Bitte, dass dieser Kelch vorübergehen möge, bringt den menschlichen Wunsch zum Ausdruck, schweres Leid zu vermeiden. Sie zeigt, dass Jesus die bevorstehende Situation nicht gleichgültig hinnimmt. Er empfindet sie als Mensch als belastend und herausfordernd.

    Gleichzeitig wird die Bitte in den Evangelien immer mit einer zweiten, entscheidenden Aussage verbunden. „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“. Damit wird deutlich, dass Jesus trotz seines natürlichen Wunsches nach Verschonung sich bewusst dem göttlichen Willen unterordnet. In dieser Spannung zwischen Wunsch und Hingabe liegt eine zentrale Aussage der Szene.

    Im übertragenen Sinn steht der Ausdruck „Möge dieser Kelch an mir vorübergehen“ für den Wunsch, von einer schwierigen, schmerzhaften oder belastenden Situation verschont zu bleiben. Er wird heute häufig verwendet, um eine Bitte um Bewahrung vor Leid oder unangenehmen Umständen auszudrücken.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Stelle als Beispiel für Vertrauen und Gehorsam gegenüber Gott verstanden. Auch wenn der eigene Weg mit Leid verbunden ist. Sie zeigt, dass menschliche Gefühle von Angst und Abwehr ihren Platz haben. Letztlich werden sie aber in eine Haltung des Vertrauens und der Annahme eingebettet werden.

    So verbindet der Ausdruck die Erfahrung menschlicher Begrenztheit mit der Bereitschaft, einen als notwendig erkannten Weg zu gehen, und macht deutlich, dass sich Wunsch und Vertrauen nicht ausschließen, sondern in einer tiefen inneren Entscheidung zusammenfinden können.

    Dietrich Bonhöffer beschreibt diesen Kelch, der auch als Taumelbecher bekannt ist, in seinem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“:

    Und reichst du (Gott) uns den schweren Kelch, den bittern
    des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus deiner guten und geliebten Hand.

    Losgelöst vom religiösen Zusammenhang findet die Redewendung oft Verwendung um auszudrücken: „Hoffentlich bleibt mir dies und jenes erspart, hoffentlich bleibe ich davon verschont.“

  • Ein Kind dieser Welt sein

    Ein Kind dieser Welt sein Lk 16,8

    Der Ausdruck „ein Kind dieser Welt sein“ geht auf Lukas 16,8 zurück und steht im Zusammenhang mit dem Gleichnis vom untreuen Verwalter. Jesus erzählt. In diesem Gleichnis lobt der Herr den Verwalter nicht wegen seiner Unehrlichkeit, sondern wegen seiner Klugheit und Umsicht im Umgang mit einer schwierigen Situation.

    Jesus sagt, dass die „Kinder dieser Welt“ klüger im Umgang mit ihresgleichen sind als die „Kinder des Lichts“. Damit unterscheidet er zwischen zwei Lebenshaltungen. „Kinder dieser Welt“ bezeichnet Menschen, die ihre Ziele, Entscheidungen und ihr Verhalten vor allem an weltlichen Maßstäben orientieren – an kurzfristigem Nutzen, an materiellen Interessen oder an den Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders.

    Kleine Kinder versuchen spielerisch und vorbehaltlos ihre Umwelt neu zu entdecken, statt sie – wie viele Erwachsene – achtlos und als gegeben hinzunehmen. Und Kinder werden völlig unschuldig mit Mut, mit Neugier und Staunen zu ‚Akteuren des Wandels‘. Sie versinken dann in ihrem Tun und im Spiel.

    Im Gegensatz dazu stehen die „Kinder des Lichts“. Sie orientieren sich an göttlichen Maßstäben und gestalten ihr Leben im Blick auf Glauben, Wahrheit und Verantwortung. Die Aussage Jesu ist dabei keine pauschale Abwertung der „Kinder dieser Welt“, sondern eine Beobachtung. Menschen handeln in weltlichen Angelegenheiten oft entschlossen und zielgerichtet, während im geistlichen Bereich nicht immer die gleiche Konsequenz sichtbar ist.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „ein Kind dieser Welt sein“, das eigene Denken und Handeln vor allem an den Gegebenheiten, Werten und Zielen der Welt auszurichten, ohne notwendigerweise eine religiöse oder geistliche Perspektive einzubeziehen.

    Zum guten Schluss

    Die Texte der Bibel nutzen diese Unterscheidung dazu, zur Reflexion über die eigene Lebensausrichtung anzuregen. Sie fordert dazu auf, die eigene Haltung zu überprüfen. Die Leser mögensich fragen, ob sie sich eher von kurzfristigen weltlichen Interessen leiten lassen oder von dauerhaften, geistlichen Werten.

    So beschreibt „ein Kind dieser Welt sein“ eine Lebensweise, die stark an den sichtbaren und praktischen Realitäten des Alltags orientiert ist, und stellt diese in Beziehung zu einer tieferen, geistlich geprägten Perspektive, wie sie im Gleichnis angedeutet wird.

  • Wes Geistes Kind jemand ist

    Wes Geistes Kind jemand ist Lk 9,55

    Der Ausdruck „wes Geistes Kind jemand ist“ geht auf eine Szene in Lukas 9,55 zurück. Dort begegnen Jesus und seine Jünger einem Dorf, das sie nicht aufnehmen will. Einige der Jünger reagieren darauf mit dem Vorschlag, Feuer vom Himmel fallen zu lassen, um die Ablehnung zu bestrafen. Jesus weist sie jedoch zurecht und macht deutlich, dass ihre Reaktion nicht seinem Geist entspricht.

    Mit der Frage bzw. dem Gedanken „wes Geistes Kind jemand ist“ beurteilen wir die innere Haltung eines Menschen. Gemeint ist nicht nur das äußere Verhalten, sondern die Motivation, die dahintersteht: Welche Gesinnung, welcher Charakter oder welcher „Geist“ prägt das Handeln? Im biblischen Kontext wird damit deutlich gemacht, dass die Jünger in diesem Moment von einer Haltung der Strenge und des Strafens geleitet sind, während Jesus einen anderen Weg der Barmherzigkeit und Zurückhaltung vertritt.

    Im übertragenen Sinn dient der Ausdruck heute dazu, um zu hinterfragen, aus welcher inneren Einstellung heraus jemand handelt oder spricht. Es geht um die grundlegende Ausrichtung des Denkens und Handelns. Ist die Haltung einer Person von Mitgefühl, Härte, Egoismus oder Verantwortung geprägt.

    Die Szene lädt dazu ein, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Sie macht deutlich, dass nicht jede spontane Reaktion dem entspricht, was als gut oder angemessen gilt, und dass die innere Haltung entscheidend ist für die Qualität des Handelns.

    Als Redewendung

    Die Redewendung „Wes Geistes Kind jemand ist“ steht sinnbildlich für die Frage nach der inneren Prägung eines Menschen. Sie erinnert daran, dass Worte und Taten aus einer bestimmten Grundhaltung hervorgehen, die das gesamte Verhalten bestimmt.

    Wenn die Überlegung angestellt wird, welches Geistes Kind eine Person denn wohl sein möge, dann meist mit einem sehr kritischen Unterton. Es ist mehr als legitim, zu hinterfragen, wie eine Person tickt, wie der Mensch in Wahrheit denkt, wer sie oder er wirklich ist. Die Ausssage macht deutlich, dass man anhan des Verhaltens, der Redens und Tuns den Menschen dahinter deutlich sehen kann, wie sie oder er ist. Zuweilen findet der Ausdruck Verwendung um eine ungewöhnliche, wenn nicht gar zweifelhafte Haltung anzuprangern.

  • Die Kinder dieser Welt

    Die Kinder dieser Welt Lukas 16,8

    Der Ausdruck „die Kinder dieser Welt“ stammt aus Lukas 16,8 und steht im Zusammenhang mit dem Gleichnis vom untreuen Verwalter, das Jesus Christ erzählt. In diesem Gleichnis wird ein Verwalter beschrieben, der in einer schwierigen Lage klug handelt, um seine Zukunft zu sichern.

    Wenn Jesus von den „Kindern dieser Welt“ spricht, meint er Menschen, die ihr Leben vor allem an weltlichen Maßstäben orientieren. Dazu gehören praktische Klugheit, strategisches Denken und ein geschickter Umgang mit den Gegebenheiten des Alltags. Diese Menschen handeln oft zielgerichtet und nutzen ihre Möglichkeiten. Sie versuchen, ihre Interessen zu wahren oder ihre Situation zu verbessern.

    Im Gleichnis wird deutlich, dass diese „Kinder dieser Welt“ in ihrem eigenen Bereich mit großer Umsicht und Konsequenz handeln. Jesus stellt dem die „Kinder des Lichts“ gegenüber, also diejenigen, die sich am Glauben und an geistlichen Werten orientieren. Die Aussage hebt hervor, dass es im geistlichen Bereich manchmal an derselben Entschlossenheit und Weitsicht fehlt, die im weltlichen Leben selbstverständlich erscheint.

    Im übertragenen Sinn beschreibt „die Kinder dieser Welt“ Menschen, deren Denken und Handeln stark von den Realitäten, Zielen und Prioritäten des alltäglichen Lebens geprägt ist, ohne notwendigerweise eine religiöse Perspektive einzubeziehen.

    Kind dieser Welt

    Im weiteren Kontext der Bibel dient dieser Ausdruck dazu, zum Nachdenken über die eigene Lebensweise anzuregen. Er fordert dazu auf, die eigene Zielstrebigkeit und Konsequenz zu prüfen und zu überlegen, in welchem Maß das eigene Handeln von weltlichen oder von geistlichen Werten bestimmt ist.

    So steht „die Kinder dieser Welt“ für eine Lebenshaltung, die sich an praktischen, sichtbaren und gegenwärtigen Interessen orientiert. Damit bildet diese Haltung eine Gegenüberstellung zu einer stärker geistlich geprägten Perspektive bildet.

    Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. (Lukas 16,8)
    Nicht die Unehrlichkeit des Verwalters, sondern vielehr der geschickte Umgang mit Ressourcen, die umsichtige und vorausschauende Haltung, sich rechtzeitig um Zukünftiges zu kümmern, werden hier gelobt.

  • Was wird aus diesem Kindlein werden?

    Was wird aus diesem Kindlein werden? Lk 1,66

    Der Satz „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ stammt aus Evangelium des Lukas (Lk 1,66). Er bezieht sich auf die Geburt von Johannes, dem Täufer. Die Erzählung berichtet, wie die Geburt und die Umstände dieses Kindes die Menschen in Staunen versetzen. Die Nachbarn und Verwandten reagieren mit Verwunderung. Sie stellen sich die Frage nach der Zukunft und der besonderen Bestimmung dieses Kindes.

    Die Frage „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ drückt einerseits Neugier und Staunen aus. Andererseits klingt schon eine Ahnung mit, dass dieses Kind eine besondere Rolle im Leben spielen könnte. Im biblischen Kontext wird deutlich, dass schon vor seinem späteren Auftreten als Prophet eine gewisse Erwartung und Bedeutung mit ihm verbunden ist. Die Frage bleibt zunächst offen und verweist auf die Zukunft, die sich erst nach und nach entfaltet.

    Im weiteren Verlauf der Erzählung wird sichtbar, dass Johannes der Täufer eine wichtige Aufgabe erfüllt: Er bereitet den Weg für Jesus von Nazareth und ruft die Menschen zur Umkehr. Das beantwortet die anfängliche Frage rückblickend. Das Kind wächst heran und übernimmt eine besondere Sendung im Rahmen der biblischen Geschichte.

    Im übertragenen Sinn steht der Satz für die Frage nach der Zukunft und dem Potenzial eines Neugeborenen. Er bringt die Mischung aus Hoffnung, Erwartung und Ungewissheit zum Ausdruck, die mit jeder Geburt verbunden ist. Eltern, Verwandte und eine Gemeinschaft stellen sich oft die Frage, welche Persönlichkeit sich entwickeln und welchen Weg ein Kind im Leben gehen wird.

    Im Kontext der Bibel zeigt diese Stelle, dass menschliches Leben als etwas zu verstehen ist, dessen Bedeutung sich im Laufe der Zeit entfaltet. Was am Anfang noch offen erscheint, kann sich im Rückblick als Teil eines größeren Plans oder einer besonderen Berufung erweisen.

    Die Frage „Was wird aus diesem Kindlein werden?“ beschreibt sowohl Staunen als auch Erwartung. Sie verweist darauf, dass jedes Leben eine eigene Entwicklung nimmt, deren Bedeutung sich oft erst im Laufe der Zeit vollständig erschließt.

  • Im Kleinen treu sein

    Im Kleinen treu sein Lk 16,10

    Der Satz „Im Kleinen treu sein“ stammt aus Lukas 16,10 und gehört zu den Lehren von Jesus über Verantwortung und Verlässlichkeit. In diesem Zusammenhang betont Jesus, dass Treue und Zuverlässigkeit nicht erst bei großen Aufgaben oder sichtbaren Erfolgen beginnen, sondern sich gerade im Umgang mit kleinen Dingen zeigen.

    Die Aussage macht deutlich: Wer in kleinen Angelegenheiten gewissenhaft, ehrlich und verantwortungsvoll handelt, zeigt damit Charakter und Verlässlichkeit. Umgekehrt gilt auch, dass Nachlässigkeit oder Unaufrichtigkeit im Kleinen ein Hinweis darauf sein kann, dass jemand auch in größeren Dingen nicht zuverlässig ist. Kleine Entscheidungen und alltägliche Handlungen sind somit ein Prüfstein für die innere Haltung eines Menschen.

    Im übertragenen Sinn bedeutet „im Kleinen treu sein“, die eigenen Aufgaben, Pflichten und Beziehungen mit Sorgfalt zu erfüllen – auch dann, wenn sie unscheinbar erscheinen oder wenig Beachtung finden. Es geht um Beständigkeit, Genauigkeit und Verlässlichkeit im Alltag, sei es im Beruf, im sozialen Umfeld oder im persönlichen Verhalten.

    Im weiteren Kontext der Bibel wird diese Haltung als wichtige Grundlage für Vertrauen und Verantwortungsübernahme verstanden. Wer in kleinen Dingen treu ist, kann auch größere Verantwortung tragen, weil sich darin eine grundlegende Haltung der Integrität zeigt.

    So beschreibt „im Kleinen treu sein“ eine Lebensweise, die nicht auf äußere Anerkennung angewiesen ist, sondern aus innerer Überzeugung heraus handelt und gerade in den unscheinbaren Momenten des Alltags ihre Stärke zeigt.

    Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.

    Zu Zeiten eines Martin Luther hieß es: „Wer den Pfennig nicht ehrt, wird keines Guldens Herr.“ Heute würde es heißen: „Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert.“ – Wie auch immer; schon der Umgang mit kleinen Geldbeträgen erfordert einige Sorgfalt. Besonndenheit und sparsamer Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sind hohe Tugenden. Und wer mit kleinen Mengen und Beträgen zu wirtschaften weiß, wird auch im Großen erfolgreoch sein.

  • Eine große Kluft

    Eine große Kluft Lk 16,26 und Hiob 1,14-15

    Der Ausdruck „eine große Kluft“ findet sich bei Lukas (Lk 16,26) im Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus. Dort beschreibt Jesus eine Trennung zwischen dem Ort der Geborgenheit und dem Ort des Leidens, die nicht überbrückt werden kann. Die „große Kluft“ steht dabei sinnbildlich für eine unüberwindbare Trennung.

    Im übertragenen Sinn bezeichnet der Ausdruck eine tiefe, nicht leicht zu überwindende Distanz zwischen zwei Zuständen, Personen oder Lebensrealitäten. Diese Kluft kann sozialer, emotionaler, geistlicher oder auch moralischer Natur sein. Sie verdeutlicht, dass es Situationen gibt, in denen eine Annäherung oder ein Ausgleich nicht mehr möglich erscheint, weil die Unterschiede zu groß geworden sind.

    Im Kontext des Gleichnisses macht die „große Kluft“ auch auf die Endgültigkeit von Entscheidungen im Leben aufmerksam. Die Erzählung unterstreicht, dass das Verhalten und die Haltung im Leben Auswirkungen haben, die sich nicht beliebig rückgängig machen lassen. Damit wird die Verantwortung des Menschen für sein Handeln hervorgehoben.

    Ein verwandter Gedanke findet sich auch in Hiob 1,14–15, wo durch Katastrophen und Verluste ebenfalls deutliche Einschnitte und Trennungen im Leben eines Menschen sichtbar werden. Auch hier zeigt sich, wie abrupt und tiefgreifend Veränderungen sein können, die das Leben grundlegend erschüttern und „Klüfte“ zwischen früherem und gegenwärtigem Zustand entstehen lassen.

    So steht „eine große Kluft“ sinnbildlich für eine tiefe, oft unüberbrückbare Trennung. Der Ausdruck macht deutlich, wie gravierend Unterschiede oder Entscheidungen sein können. Er erinnert auch daran, dass wir manche Distanzen nicht leicht überwinden können, sondern dass sie als ernsthafte Grenzen bestehen bleiben.

    Menschliches

    Wo tiefe Klüfte, riesige Abstände oder unüberbrückbare Gegensätze die Menschen trennen, da liegen oft (Gedanken-) Welten zwischen den einzelnen Gruppen. Breite Gräben, wenn nicht sogar wahre Abgründe tun sich auf, wo zwischen den Meinungen, zwischen Werten, sozialen Schichten oder in anderer Hinsicht große Unterschiede vorhanden sind. Und wenn man nur miteindander reden würde, wär’s vielleicht halb so schlimm. …

    Die Kluft als traditonelle Bekleidung wandernder Handwerksgesellen wird hier wohl weniger gemient sein.

  • Sein Kreuz auf sich nehmen

    Sein Kreuz auf sich nehmen Matthäus
    10,38, 16,24; Markus 8,34; 10,21; Lukas 9,23; 14,27; Joh. 19,17

    Der Ausdruck „sein Kreuz auf sich nehmen“ stammt aus den Evangelien der Bibel. Es ist zu finden bei Matthäus in Mt 10,38; 16,24 sowie parallel bei Markus 8,34; 10,21 und Lukas 9,23; 14,27. Die Redewendung stammt von Jesus im Zusammenhang mit der Nachfolge.

    Im historischen Kontext war das Kreuz ein Symbol für Leid, Schande und Hinrichtung. Wer sein Kreuz „auf sich nimmt“, macht sich auf den Weg, der mit Hingabe, Verzicht und auch mit Belastungen verbunden sein kann. Jesus verwendet dieses Bild, um deutlich zu machen, dass Nachfolge nicht bequem oder ohne Herausforderungen ist, sondern Bereitschaft erfordert, auch schwierige Wege anzunehmen. Sein Kreuz auf sich zu ehmen beschreibt also die Bereitschaft zur totalen Hingabe und die Bereitschaft zum allergrößten Opfer, sogar auf dem Weg zur eigenen hinrichtung.

    Kreuzesträger

    Im übertragenen Sinn bedeutet „sein Kreuz auf sich nehmen“, die eigenen Lebensumstände, Pflichten oder auch Leiden bewusst anzunehmen und verantwortungsvoll zu tragen. Dazu kann gehören, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, für Überzeugungen einzustehen oder schwierige Situationen nicht zu vermeiden, sondern mit Geduld und Ausdauer zu bewältigen.

    Der Gedanke wird im weiteren Kontext der Evangelien immer wieder aufgegriffen. Nachfolge ist nicht nur ein Bekenntnis, sondern zeigt sich im konkreten Leben, im Umgang mit anderen Menschen und in der Bereitschaft, sich selbst zurückzustellen. In Johannes 19,17 wird das Bild konkret, als Jesus selbst das Kreuz trägt. Das istein Hinweis darauf, dass dieses Bild nicht nur symbolisch, sondern auch existenziell verstanden wird.

    „Sein Kreuz auf sich nehmen“ beschreibt somit eine Haltung der bewussten Annahme von Verantwortung, verbunden mit der Bereitschaft, auch schwierige Wege zu gehen. Es ist ein Bild für Nachfolge, die nicht nur Worte, sondern auch Taten und innere Standhaftigkeit umfasst, auch wenn schwerde lasten zu (er-)tragen oder unabwendbare Pflichten wahrzunehmen sind.

  • Vom reichen Mann und dem armen Lazarus

    Vom reichen Mann und dem armen Lazarus aus Lukas 16,20f

    In der Bergpredigt hat Jesus bereits den Hungrigen zugesagt, dass sie satt werden und den Weinenden, dass sie lachen sollen. Die Reichen werden ihren Trost schon gehabt haben, die bereits satt sind, werden dann hungern, und die jetzt lachen, werden zu weinen und zu klagen haben. – Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus klingt wie eine bildhafte Darstellung dieser Ansagen aus den Seligpreisungen.

    Lazarus, dessen Name mit ‚Gott hilft‘ übersetzt wird[1], landet nach dem Leben in bitterer Armut im Himmel, der Reiche dagegen in der Hölle. Der Reiche bittet darum, Lazarus möge ihm zu Diensten sein und ein kühles Getränk bringen, um die Not der Hölle zu mildern. Doch das lehnt Abraham direkt ab mit der Begründung, der Abgrund zwischen Himmel und Hölle sei nicht zu überwinden. Die nächste Bitte des Reichen ist, doch bitte seine Brüder zu warnen, damit denen nicht das gleiche Schicksal wie dem Bruders blühen möge, Doch auch das lehnt Abraham ab mit der Begründung, die Brüder seien wie alle Menschen ausrechend unterwiesen durch die Heilige Schrift[2].

    Ein armer Lazarus sein[1],

    Lazarus, der im Evangelium des Lukas vorgestellt wird als kranker Bettler, der vor der Tür eines reichen Mannes liegt, ist mit „ein armer Lazarus sein“ zum geflügelten Wort geworden. Er ist als Bild für Kranksein, Hilflosigkeit und Armut bekannt. Die Redewendung kann sowohl aufrichtige Teilnahme als auch ein gewisses Maß an Ironie bekunden für eine Person, die in einer Notlage finanzieller, gesundheitlicher oder sonstiger Art ist.

    So sicher wie in Abrahams Schoß[2]

    Die Redewendung, die heute eher selten zu hören ist, geht auf das Gleichnis vom Reichen Mann und dem Armen Lazarus zurück. Aus jüdischer Perspektive gilt Abrahams Schoß als Ort der Seligkeit und des friedvollen Wartens bis zum Ankommen im Reich Gottes. Lazarus wird nach einem Leben in Armut und Not von den Engeln aufgehoben in den Himmel, an einen Ort der Geborgenheit und absoluten Sicherheit.

    [1] Aus Wer’s glaubt wird selig, G. Wagner S. 103, [2] Aus Wer’s glaubt wird selig, G. Wagner S. 103

    Fehlende Einsicht

    Hier erweist sich der Reiche trotz seines Leidens in der Hölle als nicht zur Buße bereit. Er lehnt die Unterweisung durch Schrift und Propheten ab und fordert von Abraham[3], einen aus dem Totenreich zu entsenden, um die Brüder zu warnen. Aber das wird abgelehnt. Auch wenn mit der Auferstehung Jesu bereits eine Rückkehr aus der Totenwelt möglich war, so ist es doch unwahr-scheinlich, dass sich irgendjemand, die/der im diesseitigen Leben immun und nicht empfänglich war für Gottes Wort und Bibel und sich nicht zur Umkehr hat bewegen lassen, durch die Begegnung mit Verstorbenen – und sei es im Traum – würde bekehren lassen. Denn wer taub ist für die Frohe Botschaft[4], das Wort Gottes, wer im Jetzt und im Heute lebt und nicht nach morgen fragt, den wird auch ein Wunder nicht überzeugen können.

    [1] Aus der Stuttgarter Erklärungsbibel zu Lk. 16,19-31, [2] Aus Das große Buch zur Bibel, Guthrie&Motyer, [3] Aus der Brunsbibel zu Lk.6,19-31, [4] Joachim Jeremias in „Die Gleichnisse Jesu“, S. 125:

    Der Reiche Mann und der arme Lazarus

    Die Erzählung vom reichen Mann und dem armen Lazarus gehört zu den eindrücklichsten Gleichnissen Jesu. Sie entfaltet in wenigen Bildern eine tiefe Wahrheit über menschliches Leben, Verantwortung und Gottes Gerechtigkeit.

    Das Gleichnis zeigt uns zwei Lebenswelten: Auf der einen Seite der Reiche, der „in Purpur und feines Leinen“ gekleidet ist, Tag für Tag im Überfluss lebt. Auf der anderen Seite Lazarus, der krank und hungrig vor seiner Tür liegt, nur von Hunden beachtet. Das Bild könnte drastischer kaum sein: Unermesslicher Luxus trifft auf eine absolute Bedürftigkeit – und dazwischen die Mauer der Gleichgültigkeit.

    Hier lässt sich die Frage nach Gerechtigkeit und Verantwortung stellen. Für Aristoteles ist Gerechtigkeit ein soziales Prinzip, das den Ausgleich zwischen den Menschen sucht. Für die biblische Tradition geht es noch tiefer: Gerechtigkeit ist die rechte Beziehung  zu Gott und zum Nächsten. In diesem Sinne macht das Gleichnis deutlich, dass das Leben des Reichen eine Entfremdung ist: Er lebt nicht in Beziehung, sondern in Isolation, in völliger Illusion von Selbstgenügsamkeit.

    Der Tod bringt die Wahrheit ans Licht. Lazarus wird in Abrahams Schoß getröstet. Der Reiche erfährt Mangel, Einsamkeit und das endgültige Getrenntsein. In dieser Umkehrung wird sichtbar, dass es nicht einfach um Strafe geht, sondern um die Offenbarung dessen, was das Leben schon geprägt hat: Der Reiche hat die Nähe zum Anderen und zu Gott verweigert – und bleibt nun in dieser Distanz gefangen.

    Emmanuel Levinas[1] hat betont, dass das Antlitz des Anderen uns immer schon verpflichtet: Es sagt mir unausweichlich „Du sollst“. Das Gleichnis zeigt genau das. Der Arme vor der Tür war nicht unsichtbar. Er wurde nicht gesehen, weil der Reiche ihn nicht sehen wollte.

    Verdrängung und Schatten

    Der Reiche verkörpert eine Verdrängung der eigenen Begrenztheit. Sein Reichtum ist nicht nur äußerer Besitz, sondern innerlich ein Schutzschild gegen die Erfahrung von Abhängigkeit, Schwäche und Sterblichkeit. Lazarus erinnert ihn unweigerlich an das, was er selbst nicht wahrhaben will: die eigene Verletzlichkeit. Indem er Lazarus ignoriert, versucht er, diese innere Konfrontation zu vermeiden.

    Hier zeigt sich ein klassischer Abwehrmechanismus: Verleugnung. Das Leid wird buchstäblich an die „Türschwelle“ verbannt. Aber was verdrängt wird, wirkt weiter. Der Bruch mit dem Anderen ist auch ein Bruch mit sich selbst. Der Reiche lebt im Überfluss und doch in innerer Leere, die sich im Gleichnis nach dem Tod endgültig offenbart.

    Lazarus dagegen steht für das, was C.G.Jung den „Schatten“ nennt: die ver-drängte, ungeliebte Seite. Wer den Schatten annimmt, kann wachsen. Wer ihn verleugnet, bleibt unvollständig. So ist das Gleichnis eine Einladung, die eigenen verletzlichen Seiten nicht abzuwehren, sondern als Teil des Menschseins zu integrieren – und dadurch fähig zu werden zur Empathie.

    Als Konsequenz für heute ist das Gleichnis kein Blick in eine ferne Jenseitswelt, sondern ein Ruf ins Hier und Jetzt: Jetzt entscheidet sich, ob wir sehen oder nicht sehen, ob wir die Not des Anderen an uns heranlassen oder uns hinter Mauern verschließen. Theologisch ist es eine Einladung zur Umkehr, psychologisch ein Aufruf, sich selbst anzunehmen, so dass Mitgefühl erst möglich wird.

    Lk 16,19–31 erinnert uns daran, dass Leben nicht in Abgrenzung gelingt, sondern in Beziehung. Wer den Lazarus an seiner Tür sieht, erkennt zugleich die eigene Menschlichkeit. Wer ihn nicht sieht, verliert nicht nur den Anderen, sondern auch sich selbst. (ki)

    [1] Emmanuel Levinas, litauisch-französischer Philosoph und Autor, 12.01.1906 – 25.12.1995

  • Seiner Länge eine Elle zusetzen

    Seiner Länge eine Elle zusetzen, Matthäus 6,27; vgl. Lukas 12,25

    Der Satz „Seiner Länge eine Elle zusetzen“ aus Matthäus 6,27 (vgl. Lukas 12,25) ist Teil der Lehre Jesus Christus über Sorgen und Vertrauen. In diesem Abschnitt spricht Jesus darüber, dass sich Menschen keine übermäßigen Sorgen um ihr Leben, ihre Zukunft oder ihre Lebenszeit machen sollen. Die bildhafte Formulierung macht deutlich, wie begrenzt der Einfluss des Menschen auf bestimmte grundlegende Aspekte seines Lebens ist.

    Die „Elle“ war im damaligen Sprachgebrauch ein Maß für Länge. Die Frage, ob ein Mensch seiner Körpergröße „eine Elle“ hinzufügen kann, ist offensichtlich rhetorisch gemeint: Es ist unmöglich. Damit wird ein Bild für etwas gewählt, das außerhalb menschlicher Kontrolle liegt. Jesus zeigt so, dass es sinnlos ist, sich durch Sorgen zu belasten, wenn diese Sorgen letztlich nichts an den grundlegenden Gegebenheiten verändern können.

    Im Zusammenhang des Textes geht es jedoch nicht nur um körperliche Größe, sondern um die grundsätzliche Einsicht, dass viele Dinge im Leben nicht durch menschliches Grübeln oder ängstliches Nachdenken beeinflusst werden können. Sorgen verbrauchen Energie, ohne tatsächlich eine Lösung herbeizuführen. Stattdessen lenkt Jesus den Blick auf Vertrauen – insbesondere auf das Vertrauen in Gottes Fürsorge und seine Versorgung.

    Einladung zur Gelassenheit

    Der Vers steht im größeren Kontext einer Einladung zu einem gelasseneren Umgang mit dem Leben. Anstatt sich von Zukunftsängsten leiten zu lassen, sollen Menschen lernen, im Vertrauen zu leben und den gegenwärtigen Tag bewusst zu gestalten. Die Metapher der „Elle“ verdeutlicht dabei auf einfache und anschauliche Weise die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten.

    So wird „Seiner Länge eine Elle zusetzen“ zu einem Bild für die Sinnlosigkeit übermäßiger Sorgen. Der Satz erinnert daran, dass nicht alles im Leben durch eigenes Nachdenken oder Planen kontrollierbar ist. Er lädt dazu ein, loszulassen, Vertrauen zu entwickeln und die eigene Lebenszeit nicht durch unnötige Angst, sondern durch Zuversicht und innere Ruhe zu prägen. Oder etwas salopp ausgedrückt: Sorgen verlängern das Leben nicht, genauso wenig wie man seine Körpergröße durch Grübeln verändern kann.

  • Mein Name ist Legion

    Mein Name ist Legion Markus 5,9; Lukas 8,30

    Der Ausdruck „Mein Name ist Legion“ aus Markus 5,9 und Lukas 8,30 gehört zu den eindrücklichsten Formulierungen des Neuen Testaments. In beiden Evangelien begegnet Jesus einem besessenen Mann, der von unreinen Geistern gequält wird. Als Jesus nach dem Namen des Geistes fragt, lautet die Antwort: „Legion heiße ich, denn wir sind viele.“ Dieser Satz besitzt sowohl eine religiöse als auch eine gesellschaftliche und politische Bedeutung.

    Zunächst verweist der Begriff „Legion“ auf die römische Militärsprache. Eine Legion war eine große Einheit des römischen Heeres und konnte mehrere tausend Soldaten umfassen. Für die Menschen zur Zeit Jesu war Rom die herrschende Besatzungsmacht. Der Begriff weckte daher Vorstellungen von Gewalt, Unterdrückung und Macht. Wenn der Dämon sich „Legion“ nennt, wird damit die zerstörerische Übermacht der bösen Kräfte verdeutlicht. Der Besessene ist nicht nur von einem einzelnen Geist beherrscht, sondern von einer Vielzahl dunkler Mächte vollständig überwältigt.

    Die Erzählung zeigt zugleich die völlige Isolation des Menschen. Der Mann lebt unter den Gräbern, fern von der Gemeinschaft. Niemand kann ihn bändigen, selbst Ketten zerreißt er. Damit wird deutlich, wie zerstörerisch das Böse auf den Menschen wirkt: Es trennt ihn von anderen Menschen, raubt ihm seine Würde und zerstört seine Identität. Besonders auffällig ist, dass der Mann keinen eigenen Namen mehr nennt. Seine Persönlichkeit scheint ausgelöscht zu sein; an ihre Stelle tritt die „Legion“. Der Mensch verliert sich unter der Macht des Bösen.

    Gerade darin zeigt sich die Bedeutung Jesu. Obwohl die Macht der Dämonen gewaltig erscheint, steht Jesus über ihnen. Schon allein seine Gegenwart zwingt die Geister zum Gehorsam. Die Dämonen erkennen Jesu Autorität sofort an und bitten ihn um Erlaubnis, in eine Schweineherde fahren zu dürfen. Die anschließende Vernichtung der Schweine macht sichtbar, dass die Macht des Bösen letztlich in Zerstörung endet. Gleichzeitig wird die Befreiung des Mannes zum Zeichen für die heilende und rettende Kraft Jesu.

    Theologisch kann der Ausdruck „Legion“ auch symbolisch verstanden werden. Er beschreibt nicht nur dämonische Mächte, sondern allgemein die vielen Kräfte, die den Menschen beherrschen und unfrei machen können: Angst, Gewalt, Schuld oder gesellschaftliche Unterdrückung. Die Geschichte zeigt deshalb, dass Jesus den Menschen seine Würde und Freiheit zurückgeben will. Nachdem der Mann geheilt wurde, sitzt er bekleidet und vernünftig bei Jesus – ein Bild für die Wiederherstellung des Menschen.

    Der Ausdruck „Mein Name ist Legion“ steht für die überwältigende Macht des Bösen und die tiefe Zerrissenheit des Menschen. Zugleich verkünden Markus 5,9 und Lukas 8,30 die Hoffnung, dass Jesu Macht stärker ist als jede Form von Unterdrückung und Zerstörung. Die Erzählung ist deshalb nicht nur ein Wunderbericht, sondern auch eine Botschaft von Befreiung, Heilung und neuer Identität.

  • Dem schnöden Mammon dienen

    Dem schnöden Mammon dienen Matthäus 6,24; Lukas 16,9.11.13

    Der Ausdruck „dem schnöden Mammon dienen“ geht auf die Worte von Jesus Christus zurück, insbesondere auf Matthäus 6,24 sowie die parallelen Gedanken in Lukas 16,9.11.13. In der Bergpredigt warnt Jesus davor, zwei Herren gleichzeitig dienen zu wollen. Gott und dem „Mammon“. Mit „Mammon“ ist dabei nicht einfach Geld im neutralen Sinn gemeint. Mammon meint Reichtum als Macht, die den Menschen beherrschen und von Gott wegziehen kann.

    Der Begriff „schnöder Mammon“ bringt eine kritische Haltung gegenüber dem Geld zum Ausdruck, das als etwas Vergängliches und oft Verführendes verstanden wird. „Dienen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, sich innerlich abhängig zu machen und seine Entscheidungen von materiellen Interessen leiten zu lassen. Jesus macht deutlich, dass ein Mensch nicht beiden Herren gleichzeitig dienen kann. Die Ausrichtung des Lebens muss sich letztlich auf einen Mittelpunkt konzentrieren.

    Im Kern geht es um die Frage der Prioritäten. Wer dem Mammon dient, richtet sein Leben stark auf Besitz, Sicherheit und materielle Absicherung aus. Diese Dinge können wichtig sein, aber sie dürfen nicht zum allein bestimmenden Maßstab werden. Wenn Reichtum der „Herr“ wird, besteht die Gefahr, dass Werte wie Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Vertrauen in den Hintergrund treten.

    Die Worte Jesu fordern dazu auf, eine bewusste Entscheidung zu treffen, wem das eigene Leben letztlich dienen soll. Gott und Geld stehen hier nicht einfach nebeneinander, sondern werden als konkurrierende Ausrichtungen dargestellt. Während Geld Mittel zum Zweck sein kann, soll die Menschen Gott als der eigentliche Mittelpunkt des Lebens verstehen

    Mahnung zur Prüfung

    Die weiteren Hinweise in Lukas 16 betonen zudem den verantwortungsvollen Umgang mit Besitz. Reichtum ist nicht grundsätzlich abzulehnen, aber er soll treu und gerecht verwaltet werden. Wer im Kleinen zuverlässig ist, kann auch im Großen Verantwortung tragen. Damit verbindet sich die Aufforderung, materielle Güter nicht als Selbstzweck zu sehen. Sondern sie sind so einzusetzen, dass sie dem Guten dienen.

    So wird der Ausdruck „dem schnöden Mammon dienen“ zu einer Mahnung, sich nicht von materiellen Werten bestimmen zu lassen. Er lädt dazu ein, das eigene Verhältnis zu Besitz zu prüfen und die innere Ausrichtung so zu gestalten, dass nicht Geld, sondern Vertrauen, Verantwortung und eine Orientierung an Gott das Leben prägen.

  • Ein Mann von Welt sein

    Ein Mann von Welt sein Lk 16,8

    Der Ausdruck „ein Mann von Welt sein“ wird im Zusammenhang mit Lukas 16,8 häufig als moderne Deutung eines Gedankens aus dem Gleichnis vom unehrlichen Verwalter verstanden, das Jesus Christus erzählt. In diesem Gleichnis lobt Jesus einen Verwalter. Nicht für seine Ehrlichkeit, sondern für seine Klugheit im Umgang mit einer schwierigen Situation. Der Herr lobt die „Klugheit“ (Weisheit im praktischen Handeln) dieses Verwalters, der vorausschauend und geschickt handelt, um seine Zukunft zu sichern.

    „Ein Mann von Welt sein“ beschreibt im übertragenen Sinn jemanden, der mit den Gegebenheiten des Lebens vertraut ist. Er denkt realistisch denkt und findet sich in unterschiedlichen Situationen geschickt zurecht. Es geht dabei um Lebenserfahrung, Umsicht und die Fähigkeit, kluge Entscheidungen zu treffen, besonders in komplexen oder herausfordernden Umständen.

    Das Gleichnis übernimmt die „weltliche Klugheit“ jedoch nicht unkritisch, sondern sie dient als Vergleich. Jesus stellt die Frage, warum „die Kinder dieser Welt“ in ihrer Generation oft klüger handeln als die „Kinder des Lichts“. Damit wird ein Kontrast sichtbar. Menschen, die stark auf weltliche Ziele ausgerichtet sind, zeigen oft großen Einsatz und Weitblick für ihre eigenen Interessen. Dagegen fehlt es den Glaubenden manchmal an derselben Entschlossenheit, wenn es um geistliche Werte geht.

    Der Ausdruck kann daher sowohl positiv als auch kritisch verstanden werden. Positiv meint er eine gewisse Lebenstüchtigkeit, Anpassungsfähigkeit und Klugheit im Umgang mit den Realitäten der Welt. Kritisch kann er aber auch darauf hinweisen, dass jemand so stark auf weltliche Maßstäbe ausgerichtet ist, dass geistliche oder ethische Werte in den Hintergrund treten.

    Im Kontext des Gleichnisses wird deutlich, dass es nicht darum geht, weltliche Klugheit abzulehnen. Jeder Mensch soll sie in ein größeres, verantwortliches Leben einzubetten. Der Gedanke fordert dazu auf, die eigene Fähigkeit zu klugem Handeln auch im Blick auf übergeordnete Werte einzusetzen. Insbesondere im verantwortungsvollen Umgang mit Zeit, Ressourcen und Beziehungen.

    So beschreibt „ein Mann von Welt sein“ eine Person, die sich im Leben zurechtfindet und mit praktischer Klugheit handelt. Im Licht von Lukas 16,8 wird dieser Ausdruck zugleich zu einer Einladung. Diese Klugheit ist nicht nur für kurzfristige Ziele zu nutzen, sondern sie ist auch im Sinne von Verantwortung, Weitsicht und innerer Ausrichtung sinnvoll einzusetzen.

  • Mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen

    Mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.
    Lukas 6,38; Mt. 7,2; Markus 4,24

    Der Satz „Mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen“ findet sich in den Evangelien, unter anderem in Lukas 6,38 sowie in Matthäus 7,2 und Markus 4,24, und gehört zu den Lehren des Jesus von Nazareth. Er beschreibt ein grundlegendes Prinzip im Umgang der Menschen miteinander. Die Art und Weise, wie jemand anderen begegnet, hat auch Auswirkungen darauf, wie andere uns behandeln.

    Das Bild vom „Messen“ stammt aus dem Alltag, wo mit einem Maßstab oder Gefäß Mengen bestimmt werden. Übertragen bedeutet es, dass die Maßstäbe, die jemand an andere anlegt – etwa in Bezug auf Urteil, Großzügigkeit, Vergebung oder Strenge – in gewisser Weise auf ihn selbst zurückfallen. Wer großzügig und barmherzig handelt, erfährt eher ebenfalls Großzügigkeit. Wer hingegen streng, hart oder ungerecht urteilt, muss damit rechnen, selbst ähnlich behandelt zu werden.

    In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass es nicht nur um eine äußere Regel geht, sondern um eine innere Haltung. Der Vers ruft dazu auf, sich bewusst zu machen, wie man mit anderen umgeht. Maßstäbe, die man anlegt, spiegeln oft die eigene Einstellung wider und prägen das zwischenmenschliche Miteinander.

    Der Gedanke steht im Kontext der weiteren Lehren Jesu über Nächstenliebe, Vergebung und Barmherzigkeit. Er ermutigt dazu, nicht vorschnell zu urteilen, sondern mit Verständnis und Rücksicht auf andere zuzugehen. Wer bereit ist, anderen wohlwollend zu begegnen, schafft eine Grundlage für ein respektvolles und gerechtes Miteinander.

    Im übertragenen Sinn kann mann den Satz auch als Prinzip für das eigene Leben verstehen. Die Haltung, die man einnimmt – sei es in Güte, Geduld oder Strenge – wirkt sich auf die Beziehungen zu anderen aus und kann langfristig das eigene Erleben prägen. Es ist ein Aufruf zur Selbstreflexion und dazu, bewusst Maßstäbe zu wählen, die von Fairness und Mitmenschlichkeit geprägt sind.

    So macht der Satz deutlich, dass unser Umgang mit anderen nicht folgenlos bleibt. Er lädt dazu ein, achtsam, gerecht und barmherzig zu handeln. Diese Haltung kommt nicht nur anderen zugute, sondern wirkt auch auf uns selbst zurück.